Der Ruf

Schrift für alles fortschrittliche

Wissen

 

Heft 10, 11 und 12

 

 

 

 

VERLAG DER GRALSBLÄTTER, TUTZING

OSKAR ERNST BERNHARDT


 

 

Einzelnummer der Monatsschrift „Der Ruf“ 60 Pfennige. Abonnement
 12 Nummern Mk. 6.-. Porto extra.

 

Schriftleitung und Verlag:
 Oskar Ernst Bernhardt, Tutzing / Zentrale der Gralsbotschaft.

 

 

Copyright by Verlag der Gralsblätter
 Oskar Ernst Bernhardt, Tutzing (Obb.)
 Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten
 Druck von P. Beirich Nachf., Groitzsch (Bez. Leipzig)

 

 

 

Inhalt

Seite

1. Ausgießung des Heiligen Geistes. Von Abdruschin . ………….         3

2. Was hat der Mensch zu tun, um eingehen zu können in das Gottesreich. Von Abdruschin ……….……………………………..             5

3. Der Kampf in der Natur. Von Abdruschin …………………………           8

4.  Geschlecht, Von Abdruschin ……………………………………….          13

5. Ein letztes Wort. Von Abdruschin …………………………………          17

6. Abdruschins Fragenbeantwortungen:

Buddha …………………………………………………………            22

Anrufung von Heiligen ……………………………………………           24

Das Verhältnis der Gralsbotschaft zu anderen Lehren ………          27

Wo liegt das Dunkel? …………………………………………….           28

Gralsbotschaft und Juden ………………………………………..           28

Menschensohn als Richter ……………………………………….           33

Was ist Wahrheit? …………………………………………………          35

Wie war es vor der Schöpfung? ………………………………...          36

7. Allerlei Bemerkenswertes. Von Abdruschin ……………………         39

8. Schluß-Erklärung. Von Abdruschin ……………………………….         42

9. Märchen-Überlieferung ……………………………………………..          43

10. Zum Nachdenkens Der verlorene Weg ……………………………          49

11. Ein Erlebnis in Deutsch - Tirol …………………………………..             98

 

 

 

Ausgießung des Heiligen Geistes!

von
 Abdruschin

 

Der in der Bibel geschilderte Vorgang der Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger des Gottessohnes ist vielen Menschen noch ein unerklärliches Geschehen und wird vielfach als außergewöhnlich, nur dies eine Mal vorkommend, und demnach als willkürlich erfolgt betrachtet.

In dieser irrtümlichen Betrachtung liegt aber auch gerade die Ursache des anscheinend „Unerklärlichen'.

Der Vorgang war nicht einzelstehend, nicht für die Jünger besonders herbeigeführt, sondern er war ein schon seit Bestehen der Schöpfung sich regelmäßig wiederholendes Geschehen! Mit der Erkenntnis wird es auch sofort das Unerklärliche verlieren, und für die ernsthaft suchenden Jünger der Gralsbotschaft verständlich werden, ohne dabei an Größe einzubüßen, sondern im Gegenteil viel eher noch gewaltiger zu werden.

Wer meine Gralsbotschaft aufmerksam studierte, kann auch die Lösung dafür darin schon gefunden haben; denn er las auch die Erklärung „Der Heilige Gral“. Darin erwähnte ich die sich alljährlich regelmäßig wiederholende Krafterneuerung für die gesamte Schöpfung. Es ist der Augenblick, in dem in den Heiligen Gral neue göttliche Kraft strömt zur Erhaltung der Schöpfung!

Damit erscheint für Augenblicke über dem Grale die „Heilige Taube“, welche die geistig sichtbare Form der Gegenwart des Heiligen Geistes ist, die zu der „Form“ des Heiligen Geistes direkt gehört, also einen Teil seiner „Form“ bildet. 

Wie das Kreuz die geistig sichtbare Form der göttlichen Wahrheit ist, so ist die „Taube“ die sichtbare Form des Heiligen Geistes. Sie ist die Form tatsächlich, wird nicht nur als Form gedacht! Da ich darüber schon ausführlich sprach, verweise ich nur auf den Vortrag.

Diese Krafterneuerung durch den Heiligen Geist, also den lebendigen Gotteswillen, der die Kraft ist, erfolgt jedes Jahr zu einer ganz bestimmten Zeit in dem Allerheiligsten der höchsten Burg oder des Tempels, der den Heiligen Gral birgt, den einzigen Verbindungspunkt der Schöpfung mit dem Schöpfer, und deshalb auch die Gralsburg genannt.

Die Erneuerung kann auch mit Kraftausgießung bezeichnet werden, also Ausgießung des Heiligen Geistes, oder noch deutlicher, Kraftausgie-ßung durch den Heiligen Geist; denn der Heilige Geist wird nicht etwa ausgegossen, sondern er gießt Kraft aus!

Da nun die Jünger an diesem Tage versammelt waren im Gedenken an ihren aufgestiegenen Herrn, welcher versprochen hatte, den Geist zu senden, also die lebendige Kraft, so war in diesem Gedenken ein Anker-grund dazu gegeben, bei dem zu dieser Zeit im Reingeistigen erfolgenden Vorgange in gewissen und entsprechendem Grade direkt bis auf die in An-dacht darauf eingestellten versammelten Jünger auf Erden herabzuwirken! Namentlich da der Weg zu diesen Jüngern durch das Erdensein des Gottessohnes leichter ermöglicht und geebnet war.

Und aus diesem Grunde geschah das Wunderbare, sonst auf Erden nicht möglich Gewesene, dessen Erleben in der Bibel wiedergegeben ist. Das Erleben konnten die Evangelisten schildern, nicht aber den eigent-lichen Vorgang, den sie selbst nicht kannten.

Das Pfingstfest nun gilt den Christen als Erinnerung an diesen Vorgang, ohne daß sie eine Ahnung davon haben, daß tatsächlich in dieser ungefähren Zeit jedesmal der Tag der Heiligen Taube in der Gralsburg ist, das heißt, der Tag der Krafterneuerung für die Schöpfung durch den Heiligen Geist! Natürlich nicht immer genau an dem auf Erden dafür errechneten Pfingstfeiertage, wohl aber zu dessen ungefähren Zeit.

Damals traf die Versammlung der Jünger gerade genau mit dem wirk-lichen Vorgange zusammen! Er wird auch später hier auf Erden regel-mäßig und zu richtiger Zeit mitgefeiert werden als oberster und heiligster Feiertag der Menschheit, an dem der Schöpfer seine erhaltende Kraft stets neu der Schöpfung schenkt, als „Tag der Heiligen Taube“, also Tag des Heiligen Geistes, als großes Dankgebet zu Gottvater!

Er wird von den Menschen gefeiert werden, die endlich bewußt in dieser Schöpfung stehen, welche sie in deren ganzen Auswirkungen nun richtig kennen lernten. Durch deren andachtsvolle Einstellung zu der genauen Zeit wird es auch möglich, daß in dem Sichöffnen wechselwirkend der lebende Segen wieder bis herab zur Erde führt, und sich ergießt in die dürstenden Seelen, wie einst bei den Jüngern.

Frieden und Freude bringt dann diese Zeit, die nicht mehr allzu ferne ist, sobald die Menschen nicht versagen, und verloren sein wollen für alle Ewigkeit.

 

***


 Was hat der Mensch zu tun, um eingehen zu können in das Gottesreich

von
 Abdruschin

 

Es wäre falsch, die Frage, welche oft herantritt, mit einer ganz bestimmten Regel zu beantworten, zu sagen: Tue dies und tue jenes! Damit ist noch kein Weg gezeigt! Es würde nichts Lebendiges darin liegen, und aus diesem Grunde kann auch nichts Lebendes daraus erstehen, das unbe-dingt zu einem Aufwärtsschwingen nötig ist; denn Leben allein birgt den nötigen Schlüssel zu dem Aufstiege.

Wenn ich nun aber sage: Tue dies und jenes, lasse das, so gebe ich damit nur schwache, äußerliche Krücken, auf denen Niemand richtig und selbständig gehen kann, weil ihm die Krücken nicht auch gleichzeitig zum „Sehen“ dienen! Und doch muß er den „Weg“ klar vor sich sehen, sonst nützen ihm die Krücken nichts. Ein solcher humpelt irrend wie ein Blinder auf ihm unbekannten Wege! Nein, das ist nicht das Rechte, würde wieder nur zu einem neuen Dogma führen, welches hindernd jeden Aufstieg hemmt.

Der Mensch bedenke: Wenn er in das Reich des Geistes will, muß er naturgemäß bis dahin gehen. Er muß gehen, es kommt nicht zu ihm. Nun liegt es aber an dem obersten Punkte der Schöpfung, ist der oberste Punkt selbst.

Der Menschengeist aber befindet sich noch in den Niederungen der Grobstofflichkeit. Deshalb wird es Jedem wohl verständlich sein, daß er den Weg von diesen Niederungen bis zu der ersehnten Höhe hinauf erst durchwandern muß, um das Ziel zu erreichen!

Damit er sich nun nicht verirrt, ist es auch unerläßlich, daß er die ganze Strecke genau kennt, welche er zu durchmessen hat. Und nicht nur diese Strecke selbst, sondern auch alles, was ihm darauf noch begegnen kann, welche Gefahren ihn dabei bedrohen, und welche Hilfen er dort findet. Da diese ganze Strecke in der Schöpfung liegt, die Schöpfung ist, so muß ein Wanderer nach dem geistigen Reiche vorher also unbedingt genau die Schöpfung, die ihn dazu führt, erkennen! Denn er will ja hindurch, sonst kommt er nicht ans Ziel.

Bisher gab es nun keinen Menschen, der die Schöpfung so beschreiben kann, wie sie zu kennen für den Aufstieg nötig ist. Anders gesagt, es gab Niemand, welcher den Weg zur Gralsburg, zu dem höchsten Punkte der Schöpfung, deutlich sichtbar machen konnte. Den Weg zu jener Burg, die in dem Reich des Geistes als der Tempel des Höchsten steht, worin allein der reine Gottesdienst besteht! Nicht bildlich nur gemeint, sondern in aller Wirklichkeit bestehend.

Die Botschaft des Gottessohnes wies schon einmal diesen Weg! Sie wurde aber durch der Menschen Klugseinwollen vielfach falsch gedeutet, und damit die Wegweiser darin falsch angebracht, wodurch sie irreführend keinen Menschengeist hinaufgelangen lassen. -

Nun ist jedoch die Stunde da, in der ein jeder Menschengeist sich selbst entscheiden muß, ob Ja oder Nein, ob Tag oder Nacht, ob Aufstieg zu den lichten Höhen oder Niedergang für ihn sein soll, endgiltig und unwi-derruflich, ohne spätere Möglichkeit zu einer nochmaligen Änderung. Des-halb kommt abermalen eine Botschaft aus der lichten Burg. Die Botschaft stellt falsch angebrachte Wegweiser nun wieder richtig, damit den ernst-haft Suchenden der rechte Weg erkennbar wird. Es ist die Gralsbotschaft, das Grals-Evangelium!

Wohl allen denen, die sich offenen Sinnes, freien Herzens darnach richten! Sie werden darin nun das in der Schöpfung, kennen lernen, die Sprossen sehen, die ihr Geist benützen muß zu dem Aufstiege, um einzugehen in das Reich des Geistes, in das Paradies.

Ein jeder Einzelne wird darin finden, was er braucht, um mit den Fähigkeiten, welche er besitzt, emporzuklimmen nach dem Licht!

Das erst gibt Leben, Freiheit zum Emporklimmen, Entwickelung der dazu notwendigen Fähigkeiten eines jeden Einzelnen, und nicht nur so ein einheitliches Joch in festem Dogma, das sie zu willenlosen Sklaven macht, selbständige Entwickelungen unterdrückt, und somit auch den Aufstieg nicht nur hemmt, sondern für viele ganz vernichtet. -

Der Mensch, welcher die Schöpfung kennt in ihrer so gesetzmäßigen Tätigkeit, versteht darin auch bald den großen Gotteswillen. Stellt er sich dazu richtig ein, dient ihm die Schöpfung, also auch der Weg, nur zu dem frohen Aufstiege; denn er steht dadurch ja auch richtig in dem Gotteswillen. Sein Weg und Leben muß deshalb gottwohlgefällig sein! -

Es ist nicht frömmelnder Augenaufschlag, nicht sich reuig winden, knien, beten, sondern es ist das Gebet verwirklicht, lebend ausgeführt in frischem, frohem, reinen Tun! Es ist nicht winselnd einen Weg erbitten, sondern diesen in dankbarem Aufblick sehen und ihn freudig gehen!

Ganz anders als bisher gedacht sieht also alles Leben aus, welches gottwohlgefällig genannt werden kann! Viel schöner, freier! Es ist das richtig in der Schöpfung stehen, so, wie es Euer Schöpfer durch die Schöpfung will! In der man bildlich gesagt Gottes Hand ergreift, die er der Menschheit damit bietet.

Noch einmal rufe ich deshalb: Nehmt alles endlich nun tatsächlich, wirklich, nicht mehr bildlich, und Ihr werdet selbst tatsächlich sein, an Stelle der jetzt toten Schemen! Lernt die Schöpfung in ihren Gesetzen richtig kennen!

Darin ruht der Weg hinauf zum Licht!

 

***

 


 Der Kampf in der Natur

von
 Abdruschin

 

Toren, die Ihr immer wieder fragt, ob der Kampf in der Schöpfung richtig sei, die Ihr ihn nur als Grausamkeit empfindet, wißt Ihr nicht, daß Ihr Euch damit als Schwächlinge bezeichnet, als Schädlinge für jede heutige Aufstiegsmöglichkeit?

Wacht endlich einmal auf aus dieser unerhörten Weichlichkeit, welche den Körper und den Geist nur langsam sinken läßt, niemals aber erheben!

Blickt Euch doch sehend um, erkennend, und Ihr müßt die große Triebkraft segnen, die zum Kampfe drängt, und damit zur Verteidigung, zur Vorsicht, zu dem Wachsein und zum Leben! Sie schützt die Kreatur vor der Umklammerung tötender Trägheit!

Kann je ein Künstler einen Höhepunkt erreichen, ihn sich erhalten, wenn er nicht dauernd übt und darin darum kämpft? Gleichviel, worin er sich betätigt, wie stark die Fähigkeiten sind, die er besitzt. Die Stimme eines Sängers würde bald abschwächen, ihre Sicherheit verlieren, wenn er sich nicht auch überwinden könnte, stets erneut zu üben und zu lernen.

Ein Arm kann nur erstarken, wenn er sich dauernd müht. Im Nachlassen darin muß er erschlaffen. Und so auch jeder Körper, jeder Geist! Freiwillig aber ist kein Mensch dazu zu bringen. Irgend ein Zwang muß vorhanden sein!

Wenn Du gesund sein willst, so pflege Deinen Körper und den Geist. Das heißt, erhalte ihn in strenger Tätigkeit!

Was der Mensch heute und von jeher aber unter „Pflegen“ denkt, ist nicht das Rechte. Entweder er meint unter „Pflegen“ süßes Nichtstun, worin allein schon das Erschlaffende, Lähmende liegt, oder er betreibt die „Pflege“ wie bei jedem Sport nur einseitig, das heißt, das Pflegen wird zum „Sport“, zur einseitigen Übertreibung und damit zu leichtsinnigen, ehrgei-zigen Auswüchsen, die ernsten Menschentums gar nicht würdig sind. Wirkliches Menschentum muß doch das letzte Ziel vor Augen haben, das man durch Hochsprung, Schwimmen, Laufen, Reiten, unsinniges Fahren nicht erreichen kann. Die Menschheit und die ganze Schöpfung hat keinen Gewinn an solchen Einzelleistungen, für die so mancher Mensch sehr oft den größten Teil seiner Gedanken, seiner Zeit und seines Erdenlebens opfert!

Daß solche Auswüchse sich bilden konnten, zeigt, wie falsch der Weg ist, den die Menschheit geht, und wie sie wiederum auch diese große Triebkraft in der Schöpfung nur auf falsche Bahnen drängt, und sie damit vergeudet in nutzloser Spielerei, wenn nicht sogar zum Schaden durch die Hemmung des gesunden Fortschrittes, zu dem die Mittel alle in der Schöpfung ruhen.

Den Lauf der starken Strömungen des Geistes, die den Auftrieb fördern sollen, verbiegen sie in ihrem Menschheitsdünkel so, daß an Stelle der gewollten Förderung Stauungen eintreten, die sich als Hemmnisse betätigen, die rückwirkend den Kampftrieb steigern und zuletzt berstend alles mit sich in die Tiefe reißen.

Das ist es, worin sich der Mensch in seinen inhaltlosen wissenschaft-lich sein sollenden Spielereien und Ehrgeizereien heute vorwiegend be-schäftigt. Als Störenfried in jeder Schöpfungsharmonie! 

Er würde längst in trägen Schlaf des Nichtstuns verfallen sein, welchem die Fäulnis folgen muß, wenn nicht glücklicherweise noch der Kampftrieb in der Schöpfung läge, der ihn zwingt, sich doch zu regen! Schon lange wäre er sonst zu der Anmaßung gekommen, daß Gott durch seine Schöpfung für ihn sorgen muß, wie in dem Traume des Schlaraffen-landes. Und wenn er dafür seinen Dank in einem geistlosen Gebete spricht, so ist das seinem Gotte überreich gelohnt, gibt es doch viele, die ihm überhaupt nicht dafür danken!

So ist der Mensch und tatsächlich nicht anders!

Er spricht von Grausamkeit in der Natur! Auf den Gedanken, sich vor allen Dingen selbst einmal zu prüfen, kommt er dabei nicht. Er will nur immer kritisieren.

Auch in dem Kampfe unter Tieren ist nur Segen, keine Grausamkeit.

Man braucht nur irgend ein Tier gut zu beobachten. Nehmen wir einmal den Hund. Je rücksichtsvoller so ein Hund behandelt wird, desto bequemer wird er werden, träger. Ist ein Hund im Arbeitszimmer seines Herrn, und dieser achtet sorgfältig darauf, daß das Tier nie getreten oder nur gestoßen wird, auch wenn er sich an solche Stellen legt, wo er in dauernder Gefahr ist, ohne Absicht verletzt werden zu können, wie bei der Türe usw., so ist das nur zum Nachteile des Tieres.

Der Hund wird in ganz kurzer Zeit seine eigene Achtsamkeit verlieren. „Gutmütige“ Menschen sagen „liebevoll“ beschönigend, vielleicht sogar gerührt, daß er darin unsagbares „Vertrauen“ zeigt! Er weiß, es tut ihm niemand weh! In Wirklichkeit ist es jedoch nichts weiter als ein grobes Nachlassen der Fähigkeit des „Wachseins“, ein starker Rückgang der seelischen Tätigkeit.

Muß ein Tier jedoch dauernd auf seiner Hut und in Verteidigungs-bereitschaft sein, so wird und bleibt es nicht nur seelisch wach, sondern es nimmt an Intelligenz stetig zu, gewinnt in aller Art. Es bleibt lebendig in jeder Beziehung. Und das ist Fortschritt! So ist es mit jeder Kreatur! Sonst, geht sie zu Grunde; denn auch der Körper erschlafft dabei nach und nach, wird leichter krankheitsanfällig, hat keine Widerstandsfähigkeit mehr.

Daß der Mensch auch hierbei dem Tiere gegenüber eine vollkommen falsche Einstellung hat und ausübt, nach verschiedenen Richtungen hin, wird einen scharfen Beobachter nicht in Erstaunen setzen, da der Mensch ja gegen alles, auch gegen sich selbst und gegen die ganze Schöpfung sich vollständig falsch einstellte, überall geistig nur Schaden anrichtet, anstatt Nutzen zu bringen.

Wenn heute der Kampftrieb nicht mehr in der Schöpfung läge, den so viele Träge grausam nennen, so befände sich die Stofflichkeit sehr lange schon in Fäulnis und Zersetzung. Er wirkt noch als seelisch und körperlich Erhaltendes durchaus nicht als Vernichtendes, wie es oberflächlich nur den Anschein hat. Es würde sonst nichts Anderes mehr diese träge Grobstoff-lichkeit in Bewegung und damit Gesundung und Frische erhalten, nach-dem der Mensch die eigentlich dazu bestimmte erquickende Wirkung der alles durchströmenden geistigen Kraft durch seine Verirrung so schmäh-lich abgebogen hat, daß sie nicht so wirken kann, wie sie eigentlich sollte! (Vergl. frühere Vorträge.)

Hätte der Mensch nicht so arg in seiner Bestimmung versagt, so würde vieles, alles heute anders aussehen! Auch der sogenannte „Kampf“ wäre nicht in dieser Form zu finden, wie er jetzt sich zeigt.

Der Kampftrieb wäre veredelt, vergeistigt durch den aufstrebenden Willen der Menschen. Die ursprüngliche rohe Auswirkung hätte sich, anstatt wie jetzt sich zu verstärken, durch den geistigen, rechten Einfluß mit der Zeit gewandelt zu gemeinsamem, freudigem Antriebe der gegen-seitigen Förderung, welche derselben Kraftstärke bedarf wie der heftigste Kampf. Nur mit dem Unterschiede, daß bei dem Kampf Ermattung kommt, bei Förderung jedoch in Rückwirkung noch hohe Steigerung. Zuletzt würde dadurch auch in der Nachbildung der Schöpfung, in der der geistige Wille des Menschen der stärkste Einfluß ist, der paradiesische Zustand der wirklichen Schöpfung eingetreten sein, für alle Kreaturen, wo kein Kampf und keine anscheinende Grausamkeit mehr nötig ist! Der paradiesische Zustand ist jedoch nicht etwa Nichtstun, sondern gleichbedeutend mit stärkstem Sichregen, mit wirklichem, persönlich-vollbewußten Leben!

Daß dies nicht eintreten konnte, ist die Schuld des Menschengeistes! Ich komme dabei immer wieder auf den einschneidenden Sündenfall zurück, den ich im Vortrage „Es war einmal ...“ ausführlich schilderte.

Nur das vollkommene Versagen des Menschengeistes in der Schöpfung mit dem Mißbrauch der ihm überlassenen Geisteskraft durch Abbiegen der Wirkungen nach unten zu anstatt zu lichter Höhe hat es zu den heutigen fehlerhaften Auswüchsen gebracht!

Sogar die Fähigkeit, den Fehler einzusehen, hat sich der Mensch bereits verscherzt, hat sie verspielt. So würde ich nur tauben Ohren predigen, wollte ich noch mehr darüber sagen. Wer wirklich „hören“ will, und ernsthaft suchen kann, findet in meiner Botschaft alles, was er braucht! Überall steht auch Erklärung über das große Versagen aufge-zeichnet, das so unsagbar Schweres in so vielerlei Gestaltung nach sich zog. Wer jedoch geistig taub ist, wie so Viele, hat doch nur das stupide Lachen der Verständnislosigkeit, das wissend scheinen soll, aber in Wirklichkeit nur leichtsinnige Oberflächlichkeit verkündet, die gleichbedeutend mit größter Beschränktheit ist. Auf wen das blöde Lachen geistig Eingeengter heute noch irgendwelchen Eindruck macht, ist selbst nichts wert. Hierher gehört das Christuswort: „Laßt doch die Toten ihre Toten begraben!“ Denn wer geistig taub und blind ist, gilt alt geistig tot!

Der Menschengeist konnte mit seiner Fähigkeit die Erdenwelt als Nachbildung der Schöpfung zum Paradiese machen! Er hat es nicht getan, und sieht die Welt deshalb nun so vor sich, wie er sie durch sein falsches Einwirken verbog! Darin liegt alles! Deshalb schmäht nun nicht in falscher Weichlichkeit ein so bedeutsames Geschehen wie den Kampf in der Natur, der noch notwendig etwas ausgleicht, was der Mensch versäumte! Vermeßt Euch nicht, Euere süßlichschwüle Weichlichkeit noch mit dem Ausdruck „Liebe“ zu bezeichnen, in die der Mensch so gerne seine Schwächen einzureihen sucht! Die Falschheit und die Heuchelei müssen sich bitter rächen!

Drum wehe Dir, Du Mensch, als morsches Machwerk Deiner Einbildung! Du Zerrbild dessen, was Du solltest sein!

Seht Euch in Ruhe einmal an, was Ihr Natur zu nennen pflegt. Die Berge, Seen, Wälder, Matten! Zu allen Jahreszeiten: Trunken kann das Auge werden an der Schönheit, alles dessen, was es sieht. Und nun bedenkt: Was Euch so zu erfreuen weiß, und Euch Erholung gibt, das sind die Früchte eines Wirkens alles Wesenhaften, welches in der Schöpfung unter dem Geistigen steht, dessen Kraft Euch zu eigen wurde!

Dann sucht die Früchte Eures Schaffens, die Ihr geistig seid und darin viel mehr Fähigkeiten Euer Eigen nennt, deshalb aber auch Höheres zu wirken hättet als das vor Euch hergehende Wesenhafte.

Was seht Ihr da? Nur kalten Abklatsch alles dessen, was das Wesen-hafte bereits fertig brachte, aber keine Fortentwickelung zu idealer Höhe im Lebendigen, und damit in der Schöpfung! Mit nur verkümmerten Schöpfungsinstinkten sucht die Menschheit Formen leblos nachzubilden, in der niedersten Art, während sie freien und unbewußten Geistes mit dem Aufblicke zum Göttlichen ganz Anderes, viel Größeres zu formen fähig wäre!

Die Größe, die nur aus dem freien Geiste kommt, haben die Menschen freventlich sich unterbunden, und können deshalb außer kinderhaften Nachbildungen nur noch ... Maschinen, Konstruktionen, Technik fertig bringen. Alles, wie sie selber: erdgebunden, niedrigstehend, hohl und tot!

Das sind die Früchte, die die Menschen nun als Geistigseiend der Tätigkeit des Wesenhaften gegenüberstellen können. So haben sie die Geistesaufgabe erfüllt in der ihnen dazu geschenkten Nachschöpfung!

Wie wollen sie nun bei der Abrechnung bestehen? Kann es denn dabei in Erstaunen setzen, daß den Menschen mit dem Hang nach Niederem das hohe Paradies verschlossen bleiben muß? Darf es noch Wunder nehmen, wenn nunmehr das Wesenhafte bei dem Ende das durch Menschengeist so falsch geführte Werk rückwirkend vollständig zerstört? -

Wenn es nun über Euch infolge Euerer betätigten Unfähigkeit zusam-menbrechen wird, dann verhüllet Euer Angesicht, erkennet schamerfüllt die ungeheuere Schuld, die Ihr auf Euch geladen habt! Sucht dafür nicht schon wieder Euren Schöpfer anzuklagen, oder ihn als grausam zu bezeich-nen, ungerecht!

Du aber, Suchender, prüfe Dich ernsthaft, schonungslos, und dann versuche es, Dein ganzes Denken und Empfinden, ja, Dein ganzes Sein neu einzustellen auf geistigen Grund, der nicht mehr wanken wird wie der bisherige verstandesmäßige, und damit arg beschränkte! Wer solches nicht vermag, der wird verworfen sein für alle Ewigkeit! –

 

***


 Geschlecht

von
 Abdruschin

 

Ein großer Teil der Erdenmenschen läßt sich schwer bedrücken von den Gedanken über den Verkehr zwischen den zwei Geschlechtern, dem männlichen und dem weiblichen. Ausgenommen davon sind wohl nur die Leichtsinnigen, die sich überhaupt durch nichts bedrücken lassen. Alle Anderen, so verschiedenartig sie auch sein mögen, suchen offen oder still in sich zurückgezogen irgend eine Lösung. Es gibt glücklicherweise viele Menschen, die gerade darin einen rechten Wegweiser ersehnen. Ob sie sich dann darnach richten würden, bleibt allerdings dahingestellt. Tatsache ist jedoch, daß sie sich sehr damit beschäftigen, und auch zum großen Teile sich bedrücken lassen von dem Bewußtsein, daß sie dieser Frage unwissend gegenüberstehen.

Man suchte es in Eheproblemen zu lösen, oder zu verankern, kam aber damit einem befriedigenden Grundgedanken noch nicht näher, da auch hier wie überall lediglich die Hauptsache ist, daß der Mensch weiß, womit er es zu tun hat! Sonst kann er damit niemals fertig werden. Es bleibt ihm Unruhe.

Dabei verwechseln viele schon von vornherein sehr oft den richtigen Begriff für dieses Wort „Geschlecht“. Man nimmt es allgemein, während der eigentliche Sinn dafür viel tiefer liegt.

Wollen wir ein rechtes Bild darüber haben, so dürfen wir nicht so einseitig sein, es in Bestimmungen zu zwingen, die lediglich einer rein Irdischen, gesellschaftlichen Ordnung dienen können, und den Gesetzen in der Schöpfung vielfach ganz entgegenstehen. Bei so schwerwiegenden Dingen ist es notwendig, sich in die Schöpfung zu vertiefen, um den Grundgedanken zu erfassen.

Wir nennen den Begriff weiblich und männlich schlechthin zweierlei Geschlecht. Das Wort Geschlecht aber läßt bei der Mehrzahl Menschen von Anfang an einschneidend irre führen, da unwillkürlich in mancher Gedan-ken die Verbindung mit der Fortpflanzung ersteht. Und das ist falsch. Die Trennung von weiblich und männlich in diesem Sinne hat in dem großen Schöpfungsgedanken nur bei der äußersten, dichtesten Grobstofflichkeit etwas zu tun. In dem hauptsächlichen Geschehen nicht.

Was ist ein Geschlecht? Der Geistkeim ist bei seinem Ausgange aus dem geistigen Reiche geschlechtslos. Es tritt auch keine Spaltung ein, wie vielfach angenommen wird. Spaltungen sind besondere Ausnahmen, auf die ich am Ende dieser Betrachtung zu sprechen kommen werde. Im Grunde bleibt ein Geistkeim immer für sich abgeschlossen. Mit dem Be-wußtwerden des Geistkeimes bei seiner Wanderung durch die Nachschöp-fung, also selbsttätige Nachbildung der eigentlichen Schöpfung, nimmt er, wie ich schon mehrfach sagte, je nach dem Grade seines Bewußtwerdens die uns bekannten menschlichen Formen an, welche Nachbildungen der Ebenbilder Gottes sind, der Urgeschaffenen.

Hierbei ist nun entscheidend die Art der Aktivität eines Geistkeimes. Das ist, nach welcher Richtung hin ein solcher Geistkeim während des Bewußtwerdens die in ihm ruhenden Fähigkeiten vorwiegend zu ent-wickeln bestrebt ist, ob in positiver, kraftvoll treibender Art, oder in negativer, still erhaltender Art. Wohin sein Hauptverlangen treibt.

Beides kann er seinem Ursprunge nach tun, da ein Geistkeim alle Fähigkeiten in sich trägt, einer wie der andere, unverkürzt. Er ist für sich vollkommen abgerundet. Es kommt nur darauf an, was er davon entwickelt. Und in der nun durch ihn erfolgenden Betätigung, auch wenn diese Betätigung im Anfang nur in starken Wünschen liegt, das sich zum Drange steigert, bildet sich die Form. Das Positive bildet die männliche Form, das Negative die weibliche Form. Hier bereits zeigt sich das Männliche und Weibliche nach außen hin durch seine Form erkennbar. Beides ist in seiner Form der bestimmte Ausdruck der Art ihrer Betäti-gung, die sie sich wählten oder wünschen.

Weiblich und männlich hat also mit dem üblichen Begriff eines Geschlechts nichts zu tun, sondern zeigt lediglich die Art der Betätigung in der Schöpfung an. Erst in der den Menschen so bekannten Grobstofflich-keit bilden sich aus der Form heraus die Fortpflanzungsorgane, die wir unter männlich und weiblich verstehen. Nur der grobstoffliche Körper, also der Erdenkörper bedarf zu seiner Fortpflanzung dieser Organe.

Die Art der Betätigung in der Schöpfung bildet also die Form des eigentlichen Körpers, die männliche oder die weibliche, von dem der grobstoffliche Erdenkörper wiederum nur ein grobgefügtes Abbild ist.

Somit wird auch die Geschlechtsausübung auf die Stufe gesetzt, wohin sie gehört, also auf die niederste Stufe, die es in der Schöpfung gibt, auf die reingrobstoffliche, die weitab vom Geistigen liegt.

Umso trauriger ist es nun, wenn ein Menschengeist sich unter das Joch dieser rein zur äußersten Schale gehörenden Betätigung derart beugt, daß er ein Sklave davon wird! Und das ist heute leider so allgemein geworden, daß es ein Bild ergibt, welches zeigt, wie das unschätzbare und hochstehende Geistige unter die Decke der gröbsten Stofflichkeit sich frei-willig treten und niederhalten läßt.

Daß solches naturwidrige Geschehen einen bösen Ausgang bringen muß, ist selbstverständlich. Naturwidrig, weil von Natur aus das Geistige das Höchste in der ganzen Schöpfung ist, und eine Harmonie in dieser nur sein kann, solange Geistiges als Höchstes herrscht, alles andere jedoch unter ihm bleibt, auch bei der Verbindung mit dem Grobstofflich-Irdischen.

Ich brauche hierbei wohl nicht extra darauf hinzuweisen, welch traurige Rolle demnach ein Mensch spielt, der seinen Geist unter die Herrschaft des gröbsten stofflichen Mantels beugt. Eines Mantels, der erst durch ihn seine Empfindsamkeit gewinnt, und mit dem Ablegen wieder verlieren muß, ein Werkzeug in der Hand des Geistes, das wohl der Pflege bedarf, um es nutzbar zu erhalten, aber immer doch nur beherrschtes Werkzeug bleiben kann; denn in der Schöpfungsordnung gibt es keinen Kommunismus! Wo dieser einzuschleichen droht, kommt der Zusammen-bruch als unbedingte Folge, da ein solcher Teil als krankhaft abgestoßen werden muß, damit Disharmonie nicht weiter Eingang findet. Mit einem derartigen Zusammenbruche repariert die Wechselwirkung in der Schöpfung die schadhaft gewordenen Stellen.

Die geistige, wesenhafte und feinstoffliche Form des Körpers verändert sich, sobald ein Geistkeim seine Tätigkeit verändert. Geht er aus Negativem vorwiegend in Positives über, so muß sich die weibliche Formung in eine männliche verwandeln und umgekehrt; denn die vorwiegende Art in der Aktivität bildet die Form. Zur Veränderung kann jedoch die Schale irdischer Grobstofflichkeit nicht so schnell folgen. Diese ist nicht derart wandlungsfähig, deshalb ja auch nur für ganz kurze Zeit bestimmt. Hier zeigt sich eine Wendung dann bei Wiederinkarnierungen, deren in den meisten Fällen viele sind.

So kommt es, daß ein Menschengeist sehr häufig abwechselnd in männlichen und weiblichen Körpern seine Erdenleben durchwandert, je nach seiner sich veränderten inneren Einstellung. Und das ist notwendig, damit alle Fähigkeiten eines Geistkeimes nach und nach zur Entwickelung gelangen.

Ich sagte schon, daß das vorherrschende in der gewollten Aktivität maßgebend ist für die Entstehung der Form, da ein Geistkeim sich nicht unbedingt ganz positiv und auch nicht unbedingt ganz negativ betätigen wird.

Die dabei nicht betätigten Fähigkeiten bleiben dann schlummernd, können aber jederzeit zum Erwachen gebracht werden.

Kommt es aber doch einmal vor, daß ein Geistkeim alle positiven Teile entwickelt, so wirkt das so stark auf die negativen, nicht entwickelten Fähigkeiten, daß ein Herausdrängen erfolgen kann, und damit auch ein Abschleudern, wodurch sich eine Spaltung vollzieht. Die dadurch abgeschleuderten andersartigen Teile sind dann gezwungen, für sich zu erwachen, und werden selbstverständlich in ihrer Geschlossenheit die entgegengesetzte Form, also die weibliche annehmen. Das sind dann gespaltene Keime, die sich wiederfinden müssen, um als ein Ganzes einzugehen. Ein solcher Vorgang ist im Allgemeinen jedoch nicht anzunehmen.

Die Anschauung der Menschen, daß es zu einem jeden Menschen eine ergänzende Seele gibt, ist an sich richtig, aber nicht in dem Sinne einer vorausgegangenen Spaltung. Die Dualseele ist etwas ganz anderes. Ich habe diese bereits in meinem Vortrage „Die Ehe“ betont. Eine Dualseele ist lediglich die zu einer anderen Seele passende. Das heißt, eine Seele, welche gerade die Fähigkeiten entwickelt hat, die die andere Seele in sich schlummern ließ. Dadurch kommt dann eine volle Ergänzung, ergibt ein gemeinsames Arbeiten sämtlicher Fähigkeiten des Geistes, aller positiven und aller negativen. Solche Ergänzungen aber gibt es nicht nur einmal, sondern viele Male, sodaß nicht etwa ein Mensch bei einem Ergänzen-wollen auf nur einen ganz bestimmten anderen Menschen angewiesen ist. Er kann deren Vielen in seinem Erdensein begegnen, sobald er nur seine Empfindungsfähigkeit rein und wachsam hält.

Die Bedingungen des Lebens zum Glück sind also durchaus nicht so schwer zu erfüllen, als es im ersten Augenblick den nur halb Wissenden erscheint. Das Glück ist viel leichter zu haben, als so Viele denken. Die Menschheit muß nur erst die Gesetze kennen, welche in der Schöpfung liegen. Lebt sie darnach, so muß sie glücklich werden! Heute steht sie aber noch sehr weit entfernt davon, und deshalb werden sich vorerst noch die, welche der Wahrheit in der Schöpfung näher kommen, meistens einsam fühlen müssen, was jedoch durchaus nicht unglücklich macht, sondern einen großen Frieden in sich trägt.

 

 

***

 

Ein letztes Wort!

von
 Abdruschin

 

Wahre Dich, Menschengeist; denn Deine Stunde ist gekommen! Zum Frevel nur benütztest Du die Zeit, die Dir zu der Entwickelung bewilligt ist, nach der Du sehnsuchtsvoll verlangtest!

Hüte Dich in Deinem so vermessenen Verstandesdünkel, der Dich dem Dunkel in die Arme warf, das heute triumphierend seine Krallen in Dich schlägt! Mit Deinem eigenen Wollen!

Blick auf! Dein Herr ist nahe! Du stehst im göttlichen Gericht!

Menschheit, erwache aus der Stumpfheit, aus dem Taumel, der Dich lähmend schon mit Todesschlaf umgibt. Erwache und erzittere. Ich rufe Wehe über Euch! Ihr Abtrünnigen, die Ihr in Beschränktheit und vereng-tem Blick das goldne Kalb der irdischen Vergänglichkeit umschwärmt, den Motten gleich von falschem Glanze angezogen. Euretwegen zerschlug Moses einst im Zorne der Enttäuschung jene Tafeln der Gesetze Eures Gottes, die Euch helfen sollten zu dem Aufstiege zum Licht. Dieses Zerschlagen war das lebende Symbol dafür, daß die gesamte Menschheit eine Kenntnis dieses Gotteswillens nicht verdiente, den Willen, welchen sie in leichtfertigem Tun und irdischem Sichüberheben ablehnte, um einen selbstgeformten Götzen zu umtanzen, und damit ihren eigenen Wünschen nachzugehen! Nun aber kommt das Ende in der letzten Rückwirkung, den Folgen, der Vergeltung! Denn an diesem einst so leichtfertig verworfenen Willen werdet Ihr nunmehr zerschellen!

Deshalb erwachet, das Gericht ist über Euch! Da hilft kein Klagen mehr, kein Bitten; denn Jahrtausende wurde Euch Zeit gegeben zur Besinnung! Ihr aber hattet niemals Zeit dazu! Ihr wolltet nicht und dünkt Euch heute noch in unverbesserlicher Überhebung gar zu weise. Daß gerade darin sich die größte Dummheit zeigt, wollt Ihr nicht einsehen. Damit seid Ihr in dieser Welt zuletzt zum lästigen Gewürm geworden, das nichts anderes mehr kennt, als eigensinnig alles Licht zu schmähen, weil Ihr in der Beharrlichkeit, im Dunkel nur zu graben, jede Möglichkeit verlort, den Blick im Suchen frei empor zu richten, Licht zu erkennen oder zu ertragen.

Damit seid Ihr nunmehr gezeichnet durch Euch selbst!

Geblendet werdet Ihr deshalb zurücktaumeln, sobald das Licht wieder erstrahlt, und dabei rettungslos versinken in die Schlucht, welche sich hinter Euch schon jetzt geöffnet hat, um die also Verworfenen dann aufzusaugen!

In unentrinnbarer Umklammerung sollt Ihr darin gebunden sein, damit nun alle die, welche dem Lichte nachzustreben sich bemühen, den Weg dazu in seliger Erkenntnis frei finden von Eurer Anmaßung und Euerem Verlangen, Flitter anstatt reinen Goldes anzunehmen! Sinkt hinab in jenes totbringende Grauen, das Ihr Euch bereitet habt in hartnäcki-gstem Streben! In Zukunft sollt Ihr die göttliche Wahrheit nicht mehr trüben können!

Wie eifern sie, die kleinen Menschlein, ihr lächerliches Scheinwissen weit in den Vordergrund zu schieben, und wie verwirren sie dadurch so viele Seelen, die zu retten sein würden, wenn sie nicht Geistesstrauch-rittern verfielen, welche ähnlich Wegelagerern den rechten Pfad die erste Strecke, noch umschleichen, wobei sie anscheinend den gleichen Weg verfolgen. Was ist es aber, das sie wirklich bieten? Mit großer Geste und mit abgebrauchten Worten stellen sie sich stolz und breit auf Überlieferungen, deren eigentlichen Sinn sie nie verstanden.

Der Volksmund hat dafür ein gutes Wort: sie dreschen leeres Stroh! Leer, weil sie die eigentlichen Körner nicht mit aufgehoben haben, für die ihnen das Verständnis fehlt. Solcher Beschränktheit muß man überall begegnen; mit stumpfsinniger Beharrlichkeit pocht sie auf Sätzen Anderer herum, weil sie nicht selbst etwas dazuzugeben hat.

Tausende sind es, die dazu gehören, und abermalen Tausende, welche sich einbilden, allein den wahren Glauben zu besitzen! Demutsvoll warnen sie mit innerer Genugtuung vor Hochmut dort, wo etwas über ihr Begreifen geht! Das sind die Schlimmsten mit! Gerade diese sind schon jetzt verworfen, weil ihnen in ihrer Glaubens-Verstocktheit nie mehr zu helfen sein wird. Es nützt dann kein Entsetzen mehr, kein Klagen und kein Bitten, wenn sie einmal einsehen, daß es ein Irrtum war. Sie wollten es nicht anders, haben ihre Zeit verfehlt. Es soll ihnen nicht nachgetrauert werden Jeder Augenblick ist viel zu kostbar, um an solche Allesbesserwis-senwollende noch vergeudet werden zu können; denn diese kommen doch nie mehr aus ihrer Hartnäckigkeit zum Erwachen, sondern werden darin blind zu Grunde gehen! Mit schleimig-widerlichen Worten und Versiche-rungen ihrer Gottesgläubigkeit, ihres nur eingebildeten Christuserken-nens!

Nicht besser daran sind die Massen derer, die ihren Gottesdienst verrichten mit der Regelmäßigkeit und Pflicht anderer Arbeiten, als notwendig und dienlich, zweckmäßig. Auch zum Teil aus Gewohnheit, oder weil es „Sitte“ ist. Vielleicht auch aus naiver Vorsicht, weil man schließlich „doch nicht wissen kann, wozu es letzten Endes gut ist“. Wie Hauch im Winde werden sie vergehen! -

Da sind die Forscher eher zu bedauern, die in wirklich ernstem Forschersinn versäumen, sich aus dem Gestrüpp noch zu erheben, in dem sie unermüdlich wühlen und dabei vermeinen, darin einen Weg zum Anfange der Schöpfung aufzufinden. Es nützt trotzdem alles nichts und findet kein Entschuldigen! Auch sind es Wenige, sehr Wenige. Der Hauptteil der sich Forscher Nennenden verlieren sich in nichtssagenden Spielereien.

Der große Rest der Menschheit aber hat nicht Zeit für „Insichlau-schen“. Es sind anscheinend sehr geplagte Erdenmenschen, genug mit Arbeit überhäuft, um die Erfüllung der irdischen Wünsche zu erhalten, Notwendigkeiten eines jeden Tages, schließlich aber auch darüber weit hinausgehende Dinge. Sie merken nicht, daß sich mit der Erfüllung auch die Wünsche steigern, womit ein Endziel nie sich zeigt, der Strebende somit auch nie zur Ruhe kommen kann, nie Zeit findet zu innerem Erwachen! Ganz ohne hohes Ziel für Ewigkeit läßt er sich durch sein Erdendasein hetzen, versklavt dem irdischen Begehren.

Von diesem Tun ermattet, muß er schließlich auch den Körper pflegen, durch Ruhen, Abwechselung, Zerstreuung So bleibt ihm selbstverständlich keine Zeit zu Außerirdischem, zu Geistigem! Meldet sich aber hier und da einmal ganz leise die Empfindung für das „nach dem Tode“, so wird er allenfalls auf Augenblicke etwas nachdenklich, doch läßt er sich niemals davon ergreifen und erwecken, sondern drängt dann unwirsch alles Derartige schnell zurück mit Klagen, daß er ja nicht kann, auch wenn er wirklich wollte! Ihm fehlt dazu auch jede Zeit!

So Mancher will dafür die Möglichkeit sogar von Anderen geschaffen sehen. Es kommt nicht selten auch dabei zu Anklagen gegen das Schicksal, und zu Murren gegen Gott! An allen denen ist natürlich jedes Wort verloren, weil sie niemals erkennen wollen, daß es nur an ihnen selbst gelegen hat, dies anders zu gestalten!

Für sie gibt es nur irdische Notwendigkeit, die sich mit den Erfolgen stets erhöht. Sie haben niemals ernsthaft etwas anderes gewünscht. Immer schafften sie dagegen Hindernisse aller Arten. Leichtsinnig wurde es an fünfte, sechste Stelle fortgeschoben, zu der man erst in arger Not oder am Sterben kommt. Es blieb für Alle zeithabende Nebensache bis zu heute!

Und gab sich doch einmal deutlich erkennbar die Gelegenheit, sich damit ernsthaft zu befassen, erstanden sofort neue Extrawünsche, die weiter nichts als Ausreden bedeuten, wie: „Ich will vorher erst noch Dies und Jenes tun, dann bin ich gern bereit dazu.“ Genau wie Christus einst schon sagte!

Nirgends ist der Ernst zu finden, der zu diesem Notwendigsten aller Dinge unbedingt gehört! Es schien ihnen zu weit entfernt. Aus diesem Grunde sind sie Alle nun verworfen, Alle! Nicht einer davon wird den Eingang in das Gottesreich erhalten!

Faule Früchte für den Aufstieg, die nur weiter Fäulnis um sich breiten. Nun überlegt Euch selbst, wer dann noch übrig bleiben kann! Ein trauriges Bild! Doch leider nur zu wahr. -

Und wenn nun das Gericht die Menschheit mürbe macht, so werden sie gar schnell im Staube knien! Doch denkt Euch heute schon einmal hinein, wie sie dann knien: In aller Jämmerlichkeit doch zugleich auch wieder anmaßend; denn wiederum nur klagend, bittend, daß ihnen gehol-fen werden soll!

Die schwere Last, die sie sich auferlegten, und die sie endlich zu zermalmen droht, soll ihnen abgenommen werden! Das ist ihr Bitten dann! Hört Ihr es wohl? Die Bitten sind um Abwendung der Qual, nicht ein Gedanke aber dabei an die eigene innere Besserung! Nicht ein ehrlicher Wunsch für freiwillige Änderung des bisherigen falschen Sinnens, reinirdischen Trachtens! Nicht ein Erkennenwollen und mutiges Zugeben der bisherigen Irrtümer und Fehler.

Und wenn der Menschensohn dann in der großen Not unter sie tritt, da werden sich wohl alle Hände nach ihm strecken, wimmernd, flehend, doch wiederum nur in der Hoffnung, daß er ihnen hilft nach ihren Wünschen, also ihre Qual beendet, sie zu neuem Leben führt!

Er aber wird diese Verlangenden zum größten Teile von sich stoßen wie giftiges Gewürm! Denn alle solche Flehenden würden nach einer Hilfe sofort wieder in die alten Fehler fallen, die Umgebung mitvergiften. Er wird nur die annehmen, die ihn um die Kraft bitten, sich endlich aufzuraffen zu dauernder Besserung, die demutsvoll alle bisherige Verstocktheit abzuwerfen sich bemühen, das Wort der Wahrheit aus dem Lichte freudig als Erlösung grüßen! -

Der Menschensohn! Schon heute will die Menschheit anmaßend ihn nur nach ihren Wünschen haben, und wähnen, daß sie ihre Irdische Verstandeskritik an ihm messen dürfen! Daß sie ihm nahen dürfen mit dem zeitraubenden Herplappern der eigenen Anschauungen.

Toren, gerade das wird Euch furchtbare Wunden schlagen! Gerade darum werdet Ihr zuerst verworfen sein, da Ihr genau so auch dem Gottessohne einst entgegentratet, den Ihr bis heute noch nicht recht erkanntet. Der Menschensohn bringt nun zur Stunde des Gerichtes nicht Erklärungen, über die Ihr langatmig noch Meinungen austauschen könnt, sondern Bestimmungen liegen in seinem Wort, welche von Euch ganz unabänderlich erfüllt sein müssen, wenn Ihr nicht verderben wollt! -

Das ist für jetzt das letzte Wort. Nun mag Erleben für die Wahrheit meiner Botschaft zeugen!

Die Menschengeister haben sich von Anfang an auf falschen Grund gestellt. Deshalb ist nun im Durchschnitt alles falsch oder verbogen, was sie denken oder tun.

Ein Verstehen der Gralsbotschaft, wie auch vorher der Botschaft des Gottessohnes wird ihnen aus dieser Ursache nur dann möglich, wenn ein Menschengeist alles zur Seite wirft, das er sich jetzt in eingebildetem Verstehen aufbaute, und ganz von vorn beginnt! Es gibt keinen anderen Weg! Sie müssen vorher darin wieder werden wie die Kinder! Ein Herüberführen aus den jetzigen Irrtümern ist unmöglich. Es muß ein vollständiges Neues werden von Grund an, das aus der Einfalt und der Demut aufwächst und erstarkt. Wer das nicht kann, oder nicht will, ist mit den Anderen ganz rettungslos verloren. -

Würde den Menschen so geholfen werden, wie sie es erbitten in der Stunde der Gefahr und Not, so wäre alles schnell wieder vergessen, sobald der Schrecken nur von ihnen weggenommen ist. Skrupellos würden sie wieder mit ihrem Unverstande kritisierend statt erwägend einsetzen, und solches ist bei Rettung nicht mehr zugelassen! Die Zeit ist nun vorüber.

Zeitverschwendung solcher Arten wie bisher ist für die Zukunft ganz unmöglich, da das Bestehen dieses Weltenteiles seinem Ende zuzueilen hat. Es heißt nunmehr für jeden Menschengeist: Entweder - Oder! Rettung aus den selbstgeschaffenen Verstrickungen oder den Untergang darin! Die Wahl ist frei, doch sie kann nicht hinausgeschoben werden, sondern muß sofort getroffen sein. Die Folgen aber des Entschlusses sind bestimmt und unabänderlich! Ein Zögern ist so gut wie Wahl zum Untergang! Alles wird verlöscht bis auf das wirklich Gute, das zur Einsicht kommen kann, worunter das sich heut gut Dünkende nicht gehört!

Wie in Erlösung eines großen Druckes werden die Geretteten dann aufatmen und aufjubeln, nachdem das widerliche, unsaubere Dunkel mit seinen ihm gern anhängenden Kreaturen durch die Schwertstreiche des Lichtes endlich dahin sinken mußte, wohin es gehört!

Dann wird die Erde endlich rein von allen Pestgedanken, jungfräulich erstehn, und Friede allen Menschen blühn!

 

 

Abdruschin.

Abdruschins Fragenbeantwortungen

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Frage: Ist Buddha ein Gottgesandter?

Antwort: Nein. Er war kein Gesandter, nicht einmal ein Geschaffener, sondern lediglich ein Entwickelter. Aber er hatte es fertig gebracht, der falschgehenden Menschheit den Rücken zu kehren, und sich nicht gleich den anderen zum Verstandessklaven zu machen. Er riß sich davon los, und konnte aus diesem Grunde in der eigentlichen Entwickelung seines Geistes den normalen, für die Menschheit überhaupt gewollten Weg schreiten. Der irdische Verstand vermochte ihn nicht länger einzuengen in seine starken, grobstofflich-gebundenen Beschränkungen. Dadurch konnte er in der Entwickelung bis zur Schwelle des geistigen Reiches kommen.

Es war nur eine ganz natürliche Folge, daß die andere Menschheit in ihrer Einengung ihn dann als etwas von ihr außenstehendes Höheres ansah. Sein in der weiteren, normalen Entwickelung entstehendes Wissen mußte ja einen gewaltigen Unterschied zwischen ihm und seinen Mitmenschen bemerkbar werden lassen. -

Buddha ging also den normalen Gang des Erdenmenschen. Seine Lehre, die Wiedergabe seines Wissens aber höher einzuschätzen als die Botschaft des richtigen Gottesgesandten, Jesus von Nazareth, sie auch nur neben diese zu stellen, ist lediglich ein Zeichen absoluter Unwissenheit, ein klarer Ausdruck der allgemein herrschenden traurigen Beschränkung des Begriffsvermögens, an der nun einmal die gesamte Menschheit leidet, und aus der sich gerade Buddha seinerzeit durch Abwendung davon gewaltsam riß, um den normalen Weg der geistigen Entwickelung zu wählen, den ihm die Schöpfung deutlich wies. Sein Beispiel wird aber von seinen Anhängern wie üblich nicht in dem Sinne erfaßt, wie er es tat, und wie er es wollte.

Es hat auch keinen Zweck, sich weiter darüber auszulassen, die Tatsache an sich, daß auch solche, die Gelegenheit hatten, die Botschaft des Gottessohnes selbst kennen zu lernen, sich trotzdem dem Buddhismus zuwenden, ist traurig genug, um die Begriffsunfähigkeit derartiger Menschengeister deutlich zu kennzeichnen, und darzutun, daß sie die Gottesbotschaft nicht verstehen! Und deshalb auch meine Erklärungen und Hinweise aufzunehmen nicht fähig sind.

Es ist natürlich Voraussetzung, daß die hohe Weisheit mit ihrer Einfachheit in der Gottesbotschaft „ gefunden“ werden will, worauf der Höchstgesandte ja selbst deutlich hinweist mit den Worten: „Suchet, so werdet Ihr finden!“ Es geht klar daraus hervor, daß der nicht finden wird, der nicht ernsthaft zu suchen vermag.

Den europäischen Anhängern der Lehre Buddhas ist es aber deutlich erkennbar nicht möglich gewesen, in den Worten eines Gottgesandten richtig zu suchen, da dessen Botschaft aus einer Höhe kommt, von der nur mit ganz besonderer, wirklich demutsvoller Einstellung empfangen werden kann. Es ist auch erklärlich, daß sie lächelnd über etwas hinweggehen, das sie nicht verstehen. Für die eingeengte Beschaffenheit ihrer Geister ist es daher wiederum bezeichnend, daß sie lediglich in dem, was ein Entwickel-ter verkündet, der weit niederer steht, als ein Gottgesandter, suchen und finden können!

Sie vermögen nur in Niedererem Werte zu entdecken, weil dieses ihrer Einengung näher steht. Für Höheres fehlt ihnen die Begriffsmöglichkeit. Es hilft deshalb bei ihnen auch kein Streiten und Erklären; denn sie könnten es doch nie erfassen. In Buddhas Lehre ist die Bewegung von unten nach oben und hat seine engere bestimmte Grenze. An dieser, wo er zuletzt nicht weiter konnte, setzt er das Nirwana ein! Ein offenes Bekenntnis seines weiteren geistigen Unvermögens. In der Botschaft eines Gottgesandten ist die Bewegung jedoch von oben nach unten, und unbegrenzt! Es ist dem Menschengeiste deshalb ungewohnt. Er muß sich zum Begreifenkönnen mehr bemühen. Buddhas Lehre ist deshalb auch keine Botschaft, sondern nur Erkenntnisse! Wie auch bei Theosophen und bei Mohammed.

Das bezeichnet auch in natürlicher Weise die geistige Stufe der betreffenden Anhänger, deren in ihrer Einengung so bedingten Begriffs-möglichkeit. Dazu kommt noch ein gewisser Fanatismus, der ebenso das untrügliche Zeichen eines nur beschränkten Teilwissens ist, und gerade dieser Fanatismus engt wiederum den Horizont geistiger Aufnahmefähig-keit noch mehr ein, verdüstert sogar oft auch alles andere, und bringt groteske Wirkungen hervor.

Wer alles das ruhig beobachtet, bis auf den Grund zurückgeht, muß schon selbst auf diese Folgerungen kommen. Als Ausgangspunkt findet er dann immer entweder geistige Beschränktheit und das damit verbundene Unvermögen des Begreifens, sagen wir Unfähigkeit echten Suchens, oder aber im Gegensatz dazu geistige Freiheit, die eine sich steigernde Aufnahme- und Aufstiegsfähigkeit besitzt, unbeengt von dem Menschheits-übel der Verstandesherrschaft.

An diesen beiden Grundsteinen kann er dann mit Leichtigkeit die falsche oder rechte Aufbauart nachprüfen und erkennen. Hauptsache dabei ist natürlich, daß auch er die Sonde richtig anzulegen weiß, ganz sachlich, unpersönlich, unvoreingenommen.

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Frage: Wie stellt sich Abdruschin zu der Anrufung von Heiligen, hält er diese für Unrecht?

Antwort: Anrufung ist ja nicht Anbetung! Deshalb ist die Anrufung geistiger Helfer und Führer an sich eine schöne Gepflogenheit, sobald sie in dem rechten Sinne geschieht. Es sind sehr viele Menschen jetzt, welche wissen, daß sie eine geistige Führung haben. Diese geistigen Führer, wenigstens die dem Erdenmenschen zunächststehenden, direktesten, sind aber noch lange nicht „Heilige“ zu nennen.

Wohl ist es angebracht, daß der Menschengeist seinen Führern innig dankt; denn diese haben oft genug Mühe und Leid mit ihren Schützlingen, viel mehr als Freude. Für diese dornenvolle Tätigkeit der Führung ist ein Wort des Dankes immer angebracht. Auch eine Bitte hier und da um Hilfe ist nichts Unrechtes, solange man damit nicht in Anbetung verfällt, die Gott allein gebührt.

Der höchste Führungswillen liegt für jeden Menschen in dem geistigen Reiche. Es folgt von dort aus abwärts eine ganze Kette ausführender Helfer. Der letzte dieser Helfer aber ist stets so beschaffen, daß er nur wenig höher als sein Schützling steht, sonst könnte er mit diesem nicht fühlbar in Verbindung kommen. Es ist meistens ein solcher Menschengeist, welcher noch Fühlung mit der Erde hat; denn ist er schon zu hoch, so würde er vom Erdenmenschen nicht mehr „empfunden“ werden können. Auch kann ein solcher Führer mit diesem noch mehr mitempfinden, bei allen dessen Regungen, kann ihn auch darin mehr begreifen. Und wenn sein Schützling betet, in ernsten Dingen, so wird er sich mit ihm in dem Gebet vereinigen, und seine Fürbitte hat für irdisches Leid mehr Kraft als die Fürbitte eines höheren Geistes, welcher das Erdenleid nicht mehr so stark nachempfinden kann, weil ihm dafür alles Begreifen verloren ging.

Nur Empfindung ist die maßgebende Kraft in dem Gebet, nicht Worte, die kraftlos verhallen wie der Klang im Winde. Die Worte dienen lediglich zu unserer Beihilfe seelischer Vertiefung in Empfindung, um die Richtung der Empfindung abzuklären und zu stützen. -

Der höchste Führerwille liegt also im Reiche des Reingeistigen, und teilt sich dieser Kette aller Helfer mit, bis dann der unterste, dem Erdenmenschen nächste Helfer, dieses Wollen seinem Schützling klarzumachen sucht mit Nutzbarmachung aller Vorzüge und Schwächen, die dieser besitzt, und die nur der zunächststehende Führer durch Beobachten und Nachempfinden wissen kann. Dabei darf man nicht vergessen, daß des geführten Menschen Wollen immer ausschlaggebend bleibt, da er für sein Tun verantwortlich bleibt. Die Führung ist also nur eine Hilfe!

Die Tätigkeit der ganzen Führerkette nun bis zu dem höchsten Führer in dem Geistigen ist als Hilfe Menschendankes wert, auch wenn in Wechselwirkung bei der treuen Mühe in der Führung alle Führer selbst gewinnen. Ebenso können, sollen Bitten um getreue Beihilfe vom Erdenmenschen zu ihnen gesprochen sein. Es ist dies nicht zu Unrecht, sondern hat viel Segen. -

Wer aber ist „Heilig“ anzusprechen? „Heilig“ ist allein, was mit dem Göttlichen in direktem Zusammenhang steht, nichts anderes. Deshalb heißt es der „Heilige Geist“, zum Unterschiede zu dem Geistigen. Niemand kann heilig werden, der es nicht von Anfang an schon ist, da das Heiligsein wiederum mit der Beschaffenheit zusammenhängt, nicht aber ein Verdienst ist! Leider wird das Wort „heilig“ vielfach ganz falsch angewen-det. Es wird wohl kein Mensch, der es ernsthaft nimmt in seinen Überlegungen, seinem Denken und Empfinden, davon überzeugt sein können, daß eine Heiligmachung von Erdenmenschen ausgehen kann, daß dabei die Ansicht oder Überzeugung von Erdenmenschen überhaupt eine Rolle spielt!

Ich will die in manchen Kreisen eingeführten Gepflogenheiten hier nicht schelten, wenn sie in wirklich gutem Glauben gehandhabt werden, doch es muß ja schließlich bei allen solchen Gepflogenheiten auch hier und da einmal etwas durchdacht sein von denen, die es tun, damit sie wissen, was sie eigentlich tun. Denn wer nicht genau weiß, was er tut, dem kann sein Tun auch niemals rechten Nutzen bringen, da es ja dann nur leere Form, Schablone bleibt, der wirkendes Leben fehlt. Und ohne Leben kann nie ein Gebet hinaufsteigen, bis zu der Stelle, die Erfüllung bringt.

Doch jeder Mensch, der wirklich denkt, sich nicht aus Trägheit oder Feigheit davon drückt, wird schließlich selbst zu manchen Klärungen in sich gekommen sein. Gedankenlose, Oberflächliche aber würden auch durch die eingehendste Aufklärung nicht zum Verständnis und Begreifen kommen. Wer meine Gralsbotschaft richtig gelesen hat, trägt auch die Antwort auf die Fragen schon geklärt in sich, ohne daß ich besonders darauf hinweise. -

Doch eine Hilfe will ich ihm noch geben, indem ich auf die Wiederin-karnierungen hinweise. Es ist dies allerdings etwas vorausgegriffen. Nur Wenige werden schon so weit sein, um das Bild, was ich da entrolle, nicht sehr fremdartig zu empfinden. Darüber könnte ich ihm schließlich gar nicht zürnen, weil der nötige Sprung von seinen bisherigen Anschauungen bis zu diesen Tatsachen doch etwas weit ist. Die innere Kraft, deren Ausdehnungsfähigkeit von der jeweiligen Seelenreife abhängt, kann bei aller Mühe kaum so weit reichen, wie zu der Erkenntnis nötig ist. Aus diesem Grunde will ich auch nur einen Zipfel lüften von dem wirklichen Geschehen, auf die Gefahr hin, daß es ihm grotesk erscheint.

Doch wäre es zum großen Segen aller Menschheit, zur Erleichterung vieles Verstehens, wenn sie gerade darin einmal einen klaren Blick erhalten könnten. Es wirkt zwar in dem ersten Augenblicke stark ernüch-ternd, wie die Wahrheit immer, aber doch auch gleichzeitig erfrischend. Die ganzen Anschauungen und damit das Erdenleben vieler Menschen würde sich dadurch sofort und völlig umgestalten zu gesundem Aufwärts-schreiten. Ohne Eindruck könnte es ja gar nicht bleiben, wenn ein Mensch ganz plötzlich richtig um sich blicken kann, und sieht, daß alle die, von denen er aus der Vergangenheit durch die Geschichte manches Große, Schöne und auch Unschöne erfuhr, zum größten Teile wieder mit ihm auf der Erde leben, in Fleisch und Blut wie er, nur jetzt in anderer Gestalt. Ja, daß er selbst vielleicht einer von denen ist, die er in irgend einer Art verehrt oder .. . verachten mußte.

Doch alles das hat seine Zeit. Worüber er noch heute lächeln muß, das wird er in ganz kurzer Zeit als richtig und sogar als selbstverständlich halten. Deshalb sage ich ausdrücklich: ich greife heute mit dem kurzen Hinweis noch etwas zu weit vor.

Wenn ich, wie ja ganz richtig ist, zum Beispiel jetzt ihm sage, daß Schiller in dem Wallenstein sein eigenes Erleben schildert, daß er vorher schon einmal auf der Erde war als Wallenstein, und weiter zurück auch noch in verschiedenen Gestalten, ebenso jetzt wieder auf der Erde weilt, diesmal als Frau, so fordert das wohl lange Seelentätigkeit bis zum Vertrautwerden mit solchen Tatsachen!

Und wenn ich weiter sage, daß z. B. der berühmte Maler Raphael, sowie auch Tizian unter den heute Lebenden sich finden, die keine Ahnung von dem früheren Geschehen und dem seinerzeitigen Können haben, so muß das Manchem doch wohl sonderbar berühren. Allein zu denken, daß ein Raphael in heutiger Gestalt bewundernd vor einem Gemälde steht, das er in früherem Erleben selbst geschaffen hat. Das wirkt bei der Beschränkung des Erinnerns sogar komisch, humoristisch.

Und doch ist es weder ein Märchen noch Fantasterei. Auch wenn ich sage, daß Therese Neumann einst der Schächer an dem Kreuze war, der Christus lästerte, und deshalb in der Rückwirkung noch heute diese Wundmale zu tragen hat, bis die Erkenntnis in ihr davon kommt zur Ablösung der Schuld, so werden zwar nicht alle, doch sehr viele, wohl die meisten Menschen daran zweifeln, es als Fantasterei betrachten. Und doch ist es nicht zu lange mehr hin, daß man die Wahrheit darin wird erkennen müssen!

Nehmen wir nun an, daß auch die Jünger Christi, die ja ihren Meister oder dessen Botschaft seiner Zeit nach seinen eigenen Erklärungen nicht richtig aufgenommen haben, nach dem Damals mehrfach wieder auf der Erde waren, in verschiedener Gestalt, zu einem großen Teile heute sogar wieder unter Menschen sind, wohin muß dann ein Denkender in der Betrachtung kommen! Namentlich wenn er auch Ursachen und Wirkungen zu diesem Wiederkommen nach und nach erkennt. Es stürzt damit so manches bisherige Bild in Nichts zusammen und öffnet Ausblick auf das freudige Erwachen einer neuen, großen Zeit des aufstrebenden Menschengeistes, der so viele alte, unnötige Fesseln sprengt und freien Blickes sicher in der Schöpfung seines Gottes steht, ihm darin endlich wissend dienend, und damit auch in erster Linie ... sich selbst! -

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Frage: Will Abduschen nicht auch Erklärungen darüber bringen; wie die verschiedenen Bezeichnungen anderer Lehren, wie die der indischen Lehren, der Okkultisten, Spiritisten usw., seinen Bezeichnungen wie Feinstofflichkeit und Anderem gegenüber zu vergleichen sind. Es würde sicher so Mancher leichter den richtigen Begriff erfassen können.

Antwort: Das wird nicht geschehen. Die Gralsbotschaft steht lebend für sich! Wer sie erfassen will, der muß zuerst einmal alles Bisherige hinter sich zurücklassen, ohne Ausnahme. Nur so wird er richtig verstehen lernen. Und dann vermag er selbst alles so klar zu überschauen, daß er von der Gralsbotschaft auch das Bisherige durchleuchten kann, wobei er sieht, was wahrhaft davon ist, und was von Menschensinn dazu erklügelt wurde. Er muß also erst in sich neu geboren sein, damit er unbelastet von alten Begriffen die neue Botschaft aufnehmen kann. Nur dieser Weg steht offen. Es fällt dabei von allem Alten ab, was unecht war, nur alles Echte bleibt. Jeder Vergleichsversuch muß scheitern an der Lebendigkeit des Wortes dieser Gralsbotschaft, die stärker ist als das durch Menschensinn Getrübte, jetzt Bestehende. Sie ist aber vollkommen eins mit dem Worte, das der Gottessohn Jesus von Nazareth brachte.

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Frage: Wo hat man sich das Dunkel zu denken? In welcher Richtung nach irdischen Begriffen liegt die Hölle?

Antwort: Die Frage ist nicht so naiv, als sie im ersten Augenblick erscheint, und als sie jedenfalls auch von dem Fragenden gedacht ist. Irdisch betrachtet, also nach dem Standpunkte der Erde in dem Weltall, liegt der Schwerpunkt des Dunkels nach Westen zu. Nach dem Osten zu geht es nach dem Höhepunkte des ganzen Weltalls, nach der geistigen Urschöpfung, also nach dem lichten Reiche, und des höchsten Punktes darin: der Gralsburg. Im hohen Osten ist also der Ausgangspunkt der Schöpfung, der Gipfel alles Geistigen. Somit wirkt auch das Gesetz der Schwere in dem Weltall, von dem jetzigen Stand der Erde aus betrachtet im großen Zuge von Osten nach Westen. Westen ist also der unterste Grund, wohin das Schwere, Dichte, und somit auch Dunkle sinken muß. Auf diese Gesetze komme ich nach dem vorher noch notwendigen, großen Weltgeschehen ausführlicher zurück. Damit es endlich richtig ausgebeutet, das heißt, benützt werden kann. Außerdem möchte ich dazu bemerken, daß heute die ganze Erde bereits in das Bereich des Dunkels fällt, also vom Dunkel eingenommen ist, durch das Entgegenkommen, oder richtiger, durch die Veranlassung der Menschengeister, wie ich schon oft ausführlicher erklärte. (Vortrag: „Es war einmal ...!“)

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Frage: Gilt die Gralsbotschaft auch für Juden?

Antwort: Die Botschaft gilt wie einst die Botschaft Christi für alle Menschengeister, die sich dafür öffnen! In diesem Sinne gibt es keine Schranken. Wer sich richtig geöffnet hat, ist gleichwertig mit allen Anderen. Einen Unterschied bringt nur die jeweilige Stärke dieses Öffnens.

Christi Botschaft war damals auch nur in erster Linie an die Juden gerichtet, nicht etwa ausschließlich, weil diese nach der damaligen geistigen Entwickelung die größte Möglichkeit des Erfassenkönnen in sich trugen. Wechselwirkend konnte deshalb der Gottessohn nirgends anders inkarniert werden. (Vortrag: „Vergib ihnen; denn sie wissen nicht was sie tun!“) Trotzdem galt die Botschaft der ganzen Menschheit. Die Juden sollten die Gottesbotschaft weiter tragen an die anderen heranreifenden Völker.

Es sollte damit durchaus kein unbedingtes Judentum erzogen werden. Nicht etwa, daß ein sich der Wahrheit öffnender hätte damals Jude werden müssen, um in das lichte Reich des Geistes, in das Gottesreich eingehen zu können; denn nur der, welcher der Wahrheit dient, kommt in die Lage, eingehen zu können in das Reich des Lichtes! Die Religion an sich spielt dabei keine Rolle! Ebenso ist es auch heute wieder, bei Allen, die sich jetzt der Wahrheit öffnen wollen.

Die nun durch die vielfachen Entstellungen der Gottesbotschaft durch Menschenklügelei erforderlich gewordene neue Gottesbotschaft durch den Menschensohn wendet sich diesmal auf Grund der unterscheidbaren Wechselwirkung in erster Linie an den Deutschen Geist, der zur Aufnahme dafür am reifsten ist. Deutscher Geist nicht unbedingt im Sinne Deutscher Nation gemeint. (Vortrag: „Berufen“.) Die Gottesbotschaft ist wiederum für die ganze Menschheit im Dies- und Jenseits bestimmt, und soll durch Deutschen Geist hinausgetragen werden, wie einst bei den Juden die Botschaft des Gottessohnes.

Trotzdem kann gerade dadurch und jetzt auch für die Juden die Erlösung und Befreiung von dem Joche kommen, das sie sich durch damaliges Versagen auferlegten. Wenn sie es jedoch diesmal wiederum versäumen, dann ist es aus für immer. Nie wieder wird ihnen Gelegenheit dazu.

Doch es wird bald Großes auch unter den Juden geschehen, wie unter der ganzen Menschheit!

In Überlieferungen aus jüdischem Kreise der neueren Zeit wird schon mehrfach darauf hingewiesen. Es heißt da unter anderem:

 

 

***

 

Abraham kündet: Höre, Israel!

 

Ja, es ist wahr!

Wahr ist, daß der Heiland kam

zur Erde nieder, nieder zu uns,

zu Dir, zu mir.

Als Gottes Sohn,

als Eins mit Gott.

Wahr ist, das Du, Israel,

das auserwählte Volk bist gewesen.

Du bist es gewesen.

Du bist es nicht mehr.

Denn wahr ist auch,

und als grausamen Fluch trägst

Du es mit Dir herum,

Daß Du versagtest.

Aus Dir ging hervor

das Licht.

Du durftest es tragen,

einem Leuchter gleich,

Priestern gleich.

Ein Priestervolk warst Du

und solltest Du sein.

Du wolltest mehr leuchten

als das Licht, das Du trugst,

wolltest mehr wissen

als der All-Wissende.

Du vertrugst das Licht nicht mehr,

zum Feind machtest Du Dich dem Licht,

zum Feinde dem Bringer der Wahrheit,

der gekommen war, Dich zu erlösen.

So irrst Du seither umher,

heimatlos, ruhlos; verachtet.

 

Höre, Israel!

Noch einmal sendet Gott

in seiner unendlichen Güte

Einen Boten des Lichts

unmittelbar aus dem Licht,

aus dem Göttlichen,

Dich zu erlösen

und alle, die der Erlösung harren

in Demut und rastlosem Suchen.

Israel, tue die Augen auf!

Höre, mein Volk, das Wort,

das Er Dir bringt,

prüfe es, präge es tief Dir ein

in Dein Herz

und beuge in Demut das Knie

vor Deinem Gott und Herrn,

und danke ihm freudigen Herzens.

Und den Er gesandt,

ihn bitte, daß er Dich segne

und von Dir nehme das Joch,

das Du bis hierher getragen,

denn Keiner kann dies außer ihm.

Danke dem Herrn, der noch einmal

Dir solche Gnade erwies.

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Und außerdem:

Mein Volk, Volk Israel!

Höre, was zu Dir spricht,

den Gott erkoren,

den Er gesendet

hernieder zur Erde

in Fleisch und Blut.

ER ist es, ja, wahr ist es:

Messias!

Harre sein nicht mehr;

denn im Harren verlierst Du Dich nunmehr.

Eile zu ihm hin,

Eile, ohne Aufenthalt!

Eile, stehe nicht still,

bis Du ihn erkannt.

Und wenn Du ihn erkannt hast,

Wahre Deine Zunge!

Brich nicht aus in tosenden Jubel,

denn zu ernst ist der Augenblick hierzu. Belästige und bedränge ihn nicht mit Fragen; denn hierzu hast Du noch längst kein Recht,

da Du sündig zu ihm kommst.

Sündig, mit schwerer Schuld beladen,

mit Schuld der Versäumnis, des Verkennens, mit schwerster Schuld endlich.

Nahe ihm, dem Gottgesandten, heilig ist er Gott, und heilig sei er Dir, Israel!

Nahe ihm in Ehrfurcht,

in tiefster Ehrfurcht,

in Demut nahe ihm;

denn wisse, ein Nichts bist Du vor Gott

und ein Nichts bist Du vor ihm!

Ihn bitte, daß er für Dich bete,

Dir helfe, Dich lehre, Dich führe, Dich erlöse.

Nicht anders kannst Du Deinem Gotte nahn,

Seine Gnade nicht anders finden

als auf dem Weg über ihn.

Er ist, auf den Du gewartet,

jahrtausende, blutenden Herzens.

öffne die Augen, Israel, zum Sehen,

den Mund zum Lobpreisen und Danken,

Die Ohren, zu hören, was er Dir verkünde! Danke dem Herrn

in Wort und Tat,

in jedem Gedanken,

Und tritt mutig in die Reihen

Seiner Streiter.

Schwöre auf Seine Fahne,

Schwöre auf das Kreuz

nunmehr zum ersten Male,

Schwöre auf Deines Führers Schwert.

 

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Und manches Andere mehr. -

Für eine Botschaft aus der Wahrheit und demnach auch vor Gott zählt nicht ein Christentum noch Judentum als solches!

Die echte Gottesbotschaft kennt nur Menschengeister, welche mehr oder weniger entwickelt sind, also mehr oder weniger aufnahmefähig. Und das allein ist in der Wechselwirkung maßgebend, die in der Schöpfung lenkt. Und diese Wechselwirkung ist ein Teil des großen Gotteswillens selbst, sodaß in Wirklichkeit also dieser durch die unbedingte Wechselwir-kung in der Schöpfung lenkt, je nach Verdienst den Urhebern Lohn oder Strafe bringt.

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Frage: Es heißt: Wenn aber der Menschensohn kommen wird, zu richten ... Ist der Menschensohn als Richter eingesetzt?

Antwort: Gott allein darf richten! Der Menschensohn bringt nochmals sein „Wort“. Und in dem Worte liegt dann das Gericht! Wie diesmal ein Mensch das Wort aufnimmt, so richtet er sich selbst. Ein jeder Einzelne hat noch einmal die freie Wahl durch Gottes Gnade. Allerdings zum letzten Male. Wie sich ein Mensch dazu verhält, ob ablehnend oder ob annehmend, so ist er dann gerichtet durch sich selbst, da damit auch die Scheidung sofort einsetzt. Abwarten ist Ablehnung; denn weiteres Zuwarten ist unmöglich. Unmöglich auch die Rückkehr von gewähltem Wege. Es gilt diesmal entweder ... oder! Und sofort! Das Zaudern, Kritisieren, Besserwissenwollen hat ein Ende.

Was nicht ganz unbedingt im Einklang mit dem neuen „Worte“ steht, wird fallen! Ein Herüberziehen von Bestehendem ist ganz unmöglich, solange noch ein Stäubchen daran haftet, das Menschenklugkeit schuf, und das nicht übereinstimmt mit der Botschaft. Ganz unbetastet, unverstellt und unverbogen muß das „Wort“ nun aufgenommen sein. „Verständi-gungen“ gibt es nicht mit anderen Begriffen! Ebensowenig „Aussprache“; denn das Wort „ ist“!

Wagt es der Mensch, mit einem Sprung sich auf den neuen Grund zu stellen, ohne Altes mit hineinzunehmen; also das neue Wort als neue Grundlage seines von Altem unbeeinflußten Denkens und Empfindens vertrauend hinzunehmen, so wird er schnell von seinem neuen Standpunkt aus sich alle Wege öffnen sehen, die ihm bisher unklar oder verschlossen waren, und er erkennt dann auch, worin er bisher falsch gegangen war.

Er kann die Wahrheit in dem neuen Worte gar nicht anders finden, als daß er sich zuerst einmal bedingungslos auf seinen neuen Boden stellt! Von außen herein kann er nicht. Da halten ihn zu viele Wirrnisse zurück, er findet keinen Anschluß.

Zu diesem notwendigen Sprung gehört natürlich Kraftanstrengung, Überwindung, Mut. Wer das nicht kann, wird das Begreifen nie erlangen. Deshalb ergibt es sich von selbst, daß nur die Insichstarken zu dem Ziele kommen! Die, welche diesen Sprung zu tun vermögen. Alles Alte muß zurückgelassen werden; denn das Richtige aus allem Alten ist im neuen „Wort“ sowieso enthalten, da dieses direkt aus der Wahrheit kommt. -

Der notwendige Sprung ergibt, daß die Nachlässigen, Gleichgiltigen und Schwachen in dem Geiste von vornherein schon ausgeschaltet bleiben! Sie werden das ersehnte, notwendige „Neuland“ nie erreichen, das den Suchenden verheißen ist, und das allein die Rettung bieten kann als festen Grund, der niemals wankt und stürzt.

Niemals wird durch ein Sektenwesen oder Dogma das „lebende Wort“ zu prüfen sein! Doch umgekehrt. Das lebende Wort wird nun den untrügbaren, scharfen Prüfstein bilden für alles Bestehende! Und darin ruht das unerbittliche Gericht, welches die Wege aller endlich scheidet.

Ganze Heerscharen von Menschengeistern, die sich heute gläubig dünken, In falscher Demut stolz sich Gottes Throne nahen wollen, werden in Nichts zerstäubt, bevor sie an des Thrones Stufen kommen können! Sie dünken sich gerecht und achten nicht des Wortes, lächeln wohl sogar in ihrer Oberflächlichkeit und Einengung darüber, ahnungslos, daß sie darin dem Richtschwerte des Geistes gegenüberstehen!

Öffnet deshalb nun die Ohren Eures Geistes, Ihr werdet manches für Euch Wertvolle erlauschen, und nicht sorglos noch auf Dinge warten, die schon im Begriffe sind, an Euch vorbeizugehen! - Erwachet, ehe es zu spät!

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Frage: Was ist Wahrheit?

Antwort: Wahrheit ist das Ewig-Unveränderliche! Das sich in seiner Form niemals verwandelt, sondern so ist, wie es schon ewig war, und immer bleiben wird, wie es jetzt ist. Das deshalb auch nie einem Fortschritt unterworfen werden kann, weil es von Anfang an vollkommen war. Wahrheit ist tatsächlich, sie ist „seiend“! Seiend allein ist wahres Leben. Das ganze Weltall ist an diese Wahrheit „angelehnt“! -

Deshalb ist auch nur das, was aus der Wahrheit kommt, auch wirklich lebend, alles andere ist der Verwandlung unterworfen durch den Tod. Aus diesem Grunde wird nur das, was aus der Wahrheit kommt, allein bestehen bleiben, und alles andere vergehen. Bestehen bleibt zuletzt allein das Wort des Herrn, das aus dem Lichte und der Wahrheit kommt, und nur von Gottgesandten gebracht werden kann, die selbst im Lichte und der Wahrheit stehen, also in sich wirklich lebend sind! Kein Menschengeist, kein jenseitiger Geist ist in der Lage, dies zu tun. Er hat gar keine Möglichkeit dazu. Aus diesem Grunde kann von Menschensinn Erdachtes und von Menschengeist Erkanntes niemals wahres Leben in sich tragen. Es bleiben Theorien und Erkenntnisse, denen die Kraft lebender Wahrheit fehlt.

Zum Leben erwecken durch das Wort heißt: Zum Erkennen der Wahrheit erwecken! Wie man den Schlafenden zum Tag erwecken kann, so wird der geistig Tote zum Erkennen der Wahrheit durch das lebendige Wort erweckt. Gleichwie nun der vom Schlaf zum Tag Erweckte aber niemals der Tag selber werden kann, so wird auch der vom Geistestod zu der lebenden Wahrheit Auferweckte damit nicht gleichzeitig selbst das Leben! Ihm werden nur die Augen zur Erkenntnis dieses Lebens aufgetan. Er kann nie selbst zum Leben, zu der Wahrheit werden, sondern nur auf ihren Bahnen wandeln! Sie werden Auferweckte.

Auch hierbei ist das Christuswort mit anzuwenden: „Laßt die Toten ihre Toten begraben“! Das heißt: Laßt die vielen Führer und Lehrer seinwollenden Menschen weiterhin die Menschen belehren, welche durchaus auf sie hören wollen und sich damit systematisch dem lebendigen Worte verschließen. Laßt diese toten Führer mit ihren toten Worten die toten Hörer ruhig für immer begraben, und sie damit ausschließen von der Möglichkeit einer Erweckung. Höret Ihr aber, die Ihr ernsthaft sucht, nicht auf diese!

Es sind damit nicht etwa nur die von vielen Sekten und Vereinigungen gemeint, sondern auch die falschen Dogmas aller großen Religionen. Es ist zur Zeit keine Gemeinde, welche den wirklich wahren Weg befolgt. Über die auf rechter Bahn durch Menschenklugheit so vielfach ganz falsch angebrachten Wegweiser hilft weder Eifer noch Begeisterung hinweg. Wer ihnen traut, der wird das Ziel auch bei der besten inneren Veranlagung niemals erreichen.

Was in dem damit Gesagten liegt, das wird ein Jeder finden, der sich redlich darum müht. Doch es erfordert tiefes Nachdenken, selbstloses Forschen. Für schon Wissendseinwollende und für Oberflächlichkeit ist solches nicht!

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Frage: Die Schöpfung hatte einen Anfang. Wie war es dann vor diesem Anfang? War da Gott ohne Ausstrahlung? Ohne Tätigkeit?

Antwort: Hilft Ihnen das Gefragte etwas zu Ihrem eigenen geistigen Aufstiege? Nein! Außerdem ist das eine Sache außerhalb der Schöpfung, wohin das Begriffsvermögen des Menschengeistes durch dessen Beschaf-fenheit nicht reicht. Als Kreatur ist ihm seine Grenze gegeben. Er muß stets innerhalb der Schöpfung verbleiben und sich bemühen, diese richtig zu erkennen! Da hat er gerade genug zu tun. Und ist er dadurch zuletzt bis hinauf in das Reich des Geistes gelangt, so verlor er mit dem Aufstiege auch das Bedürfnis, Dinge wissen zu wollen, dessen Erfassen über sein Vermögen hinausgeht. In ehrfurchtsvoller Andacht empfindet er dann erst die Nähe des allmächtigen, gewaltigen Gottes!

Seien Sie also darüber unbesorgt. Je vollkommener Sie im Geiste werden, desto einsichtsvoller werden Sie auch über sich selbst. Damit fällt nach und nach der Dünkel der Beschränktheit ab, der heute vorwiegend den Menschengeist beherrscht. Sie werden immer demutsvoller gegenüber der Ihnen mehr und mehr zur Erkenntnis kommenden Größe Gottes. Der Menschengeist kann froh sein, daß er damit auch seine jetzige groteske Einstellung vergißt, sonst müßte er sich darob ewig schämen. Lächerlich würde er sich im Rückblick vorkommen in dem jetzigen Dünkel. Diesem aus Unwissenheit erstehendem wirklich kindischen Dünkel entspringt ja auch das Bestreben sogenannter kluger Köpfe, den Gottessohn Jesus von Nazareth unbedingt als einen aus der Menschheit heraus nach oben zu entwickelten Menschengeist hinzustellen. Sie fühlen sich noch groß in der Anerkennung, daß er ein besonders begnadeter, hervorragender Mensch gewesen sein soll, der. sich bis zu der Höhe eines Propheten aufschwang.

Diese Klugen sind in Wirklichkeit doch so naiv, daß sie nicht auf den natürlichen Gedanken kommen, daß auch ein aus der Göttlichkeit zur Erde Kommender die Reife des ihm ungewohnten Körpers abwarten muß, und daß er ebenso gezwungen ist, dieses irdische Werkzeug erst richtig gebrauchen zu lernen, bevor er seine Aufgabe beginnen kann. Er muß auch demnach das Gehirn erst richtig spielen lassen können, was alles der gewissen uns bekannten Zeit bedarf, namentlich da ein so Gesandter nicht unter Mediums zu rechnen ist die unbewußt oft über den Zustand ihres eigenen Geistes hinausgehend wirken. Auch nicht unter die Inspirierten, zu denen viele große Künstler zählen. Sondern ein Gottgesandter wirkt bewußt, aus sich selbst heraus, da er die Quelle in sich trägt. Darin liegt auch in der Notwendigkeit der irdischen Entwicklung ein großer Unterschied, damit auch die Lösung der Begriffslosigkeit mancher Menschen dem Leben und dem Wirken des Gottgesandten gegenüber.

Und doch liegt wiederum darin deutlich erkennbar nur der ungeheure Größenwahn des unfertigen Menschengeistes, der sich einbildet, Quali-täten bis zu dem Höchsten hinauf entwickelungsfähig in sich zu tragen, also zu dem Höchsten alles Bestehenden zu gehören!

Er will unter keinen Umständen zugeben, daß es etwas gibt, das nicht von unten nach oben zu sich entwickelt hat, sondern von oben kommt, aus einer Höhe, die der Mensch nicht nur nie erreichen kann, sondern nicht einmal zu begreifen vermag. Darin liegt der so verwerfliche und verächtliche Dünkel des Menschengeistes, der solche Möglichkeiten gar nicht ernsthaft in Betracht ziehen will, weil es ihm nicht verständlich werden kann.

Darin aber den natürlichen Beweis zu finden, daß es eben eine Höhe ist, zu deren Erfassen ihm die Fähigkeit fehlt, fällt ihm nicht ein!

So klein ist er im Geiste!

Auch in ihrer Frage liegt eine gewisse Kleinheit, da Sie darnach annehmen, die Schöpfung sei nun alles außer Gott. Wie weit entfernt sind Sie damit von dem Begreifen der eigentlichen Größe ihres Gottes!

Die Schöpfung, zu der der Menschengeist gehört, ist trotz ihrer gewaltigen Ausdehnung als Schöpfung wieder nur eins der Werke des lebendigen Gotteswillens. Als Werk auch begrenzt. Sie erscheint in der von dem Menschengeiste nicht zu erfassenden Unendlichkeit nur wie ein Stäubchen, nicht mehr als ein Stern in dieser Schöpfung!

Es schwingen neben dieser Schöpfung, der Ihr Menschengeister zugehört, noch weitere, nicht minder gewaltige Schöpfungen ganz anderer Arten. Die dem Menschengeiste bekannte, zum Teil aber auch noch nicht richtig verstandene Schöpfungsgeschichte betrifft lediglich das Werden dieser einen Schöpfung ganz für sich, von der die Menschen bei dem Anblicke der zahllosen Gestirne den kleinsten Teil nur ahnen können. Die Geschichte betrifft nicht die Auswirkungen des großen Gotteswillens überhaupt! Und diese Euch bekannte Schöpfung ist zwar in sich als ein Ganzes abgerundet, trägt aber in seinen eigenen Beschaffenheiten wiederum nur einen kleinen Teil zur großen Schöpfungsharmonie bei, bildet ein einzelnes Glied darin mit einer bestimmten Aufgabe, aus der heraus sich aber eine Erkrankung wie das jetzige Versagen des Menschen-geistes in der All-Harmonie störend fühlbar macht. Deshalb muß nunmehr wieder Ordnung werden, auch um den Preis des Abschlagens eines so kranken Gliedes, wenn es nicht anders geht.

Versuchen Sie sich hineinzudenken, und Sie werden weiter nichts erreichen, als sich an den schwindelnden Kopf greifen zu müssen.

Es ist besser, wenn der Mensch jetzt endlich einmal zuerst sich mit sich selbst befassen lernt, und mit allem dem, was die Schöpfung enthält, in der er sich befindet, zu der er gehört, die ihm allein zu seiner Entwickelung nützen kann und soll. Dann wird er nach und nach als Menschengeist vollkommen, womit auch der Wunsch aufhört, etwas, anderes sein zu wollen als das, was er im besten Falle werden kann .... ein brauchbarer Menschengeist!

Als solcher fällt dann jede derartige Frage für ihn fort, weil er sich zuletzt endlich selbst erkennt! Und darin kommt die Demut, die ihm heute so sehr fehlt. -

 

 

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 Allerlei Bemerkenswertes

 

Es klingt zwar sonderbar, ist aber leider Tatsache, daß der größte Teil der Menschen gar nicht weiß, was es bedeutet, wenn ich sage, das Wort soll von einem Jeden scharf „geprüft“ werden, damit er aus innerer Überzeugung darnach leben kann. Prüfen ist nicht kritisieren, sondern es ist etwas, das dem Menschen weit schwerer fällt: Inneres Nachempfinden! Und hierin liegt die erste Klippe. Vorurteilsfreies Nachempfinden kennt der Mensch nicht mehr, sondern er tritt an jede Sache mit seinem eigenen Päckchen Weisheit heran, um damit alles Andere abzumessen. Diesen Fehler macht fast jeder Einzelne. Am meisten aber sündigen darin Vereine und vor allen Dingen Zeitungsredaktionen in dem Wahne, daß sie irgend etwas sagen müssen, wenn ein Mitglied oder Leser fragt, trotzdem sie sehr oft keine Zeit haben, auf eine Frage ernstlich einzugehen.

Reicht nun das Päckchen Eigenwissen nicht aus dazu, wie es dem lebendigen Worte gegenüber nur natürlich ist, so wird einfach mehr oder weniger „geistreichseinsollend“ gewitzelt und gespottet, teils wirklich in Beschränktheit überzeugt, teils um eigenes Unvermögen damit zu verdecken. Wer nun so bequem ist, auf derartige Erdenweisheit irgend-welchen Wert zu legen, sich darnach richtet oder davon irritieren läßt, der wird ein Opfer dieser ihm verderblichen Bequemlichkeit, versäumt den Augenblick, an dem das Heil ihn streifte, geht verloren. An denen aber, die ein solches Unheil leichtfertig verbreiten durch ihre „Geistesblitze“, die sie nur zu gern belehrend leuchten lassen, werden solche Opfer in dem Jenseits als Belastung hängen, sodaß sie erst dann einmal zu einem Aufstieg kommen können, wenn alle Opfer ihren Weg zur Höhe noch gefunden haben, nicht bevor! Was das bedeutet, kann sich leicht ein jeder Suchende erklären.

An dieser Klippe der Bequemlichkeit, auf Andere zu hören, die Meinung Anderer erst einzuholen, scheitern wieder Viele, genau wie an der Klippe eines Unvermögens rechter Prüfung.

Das rechte Prüfen, welches ich so vielfach forderte, bedingt von vornherein die Anspannung eigener Fähigkeiten, eigener Kraft! Und damit ist auch gleichzeitig in Wechselwirkung eng verbunden ... das Erwachen eines jeden Einzelnen für sich. Der Segen der Bemühung folgt also sofort. Solches kann aber niemals geschehen, wenn Jemand die Meinung Anderer für sich zu Grunde legt.

Das Prüfen, also ernste Nachempfinden muß ein jeder Mensch für sich allein ganz still in seinem Innern abmachen. Er muß in sich hineinhören! Muß lauschen, ob sich dort verwandte Klänge dafür melden, entgegen einer bisherigen Anschauung!

Ein Gottesruf ergeht an jeden Einzelmenschengeist direkt! Da Jeder auch für sich allein Verantwortung zu tragen hat für alles, was er denkt und tut! Darin liegt die Unmöglichkeit, daß sich Vereine bilden können, dort, wo es sich um ein Wort der Wahrheit handelt, weil Jeder dabei mit sich selbst fertig zu werden suchen muß! Er kann sich nicht an Andere anlehnen, oder sich von diesen Rat einholen. Wer derartige Unselbständig-keiten zeigt, ist für eigenes Leben schon von vornherein verloren. Er braucht sich nicht erst zu bemühen, da er das Endziel doch niemals erreichen wird. Ob er nun jetzt sofort verloren geht oder erst später, spielt für ihn keine große Rolle! Es wäre falsch, den also geistig Trägen unnötige Hoffnungen zu lassen, die sich doch nicht erfüllen.

Im Übrigen verweise ich auch hier noch auf die Schluß-Erklärung. Wer der Gralsbotschaft geistig nicht folgen kann, für den ist es besser, wenn er achtlos seine Straße weitergeht, als daß er seine Weisheitsblitze daran zeigen will; denn eine Stunde bleibt nicht aus, wo er sich dann zu spät noch eines Besseren besinnen möchte, wobei jedoch jetzige kinderhafte Überhebung einen Mühlstein bildet, der ihn niederhält. - -

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Die Gralsbotschaft faßt alle Menschen an dem schwächsten Punkte: ihrem durch Jahrtausende genährten Eigendünkel! Deshalb so viel Empfindlichkeit, vielfach spöttisches Lächeln, noch mehr Nachsicht im anscheinenden Erhabensein, aus dem der tiefste Ärger allzudeutlich spricht, und was zuletzt doch alles nur gerade dafür zeugt, was die Gralsbotschaft von der Menschheit sagt. In allem Drehen, Winden, Wen-den, Spotten, Eifern, Haß und Klugseinwollen zeigen sie dem denkenden Beobachter wie in dem klarsten Spiegel alles das als Tatsachen bestehend, was sie nicht anerkennen und befehden wollen! Der Kampf ist aber ganz vergebens! Schade um die dafür aufgebrachte Kraft; denn diese Wahrheit hält ganz unerbittlich fest und siegt. Das Sträuben und Sichwinden nützt den Menschen diesmal nichts.

Sie lähmen sich dabei nur selbst, und in der dabei kommenden Ermattung gehen sie in sich zu Grunde oder müssen sich bequemen, einzulenken in die rechte Bahn. Schon jetzt sitzt es in vielen Seelen fest, zu derem Heil, auch wenn es sich vorerst noch nur in Unruhe bemerkbar macht, bis eines Tages ungedacht die helle Flamme heiliger Erkenntnis durch die Schlacken bricht, die heute noch darüber lagern, trotz des Gegensatzes ihren Zweck erfüllend, indem sie alle Kraft des unter ihnen glimmenden Funkens durch den schweren Widerstand zu größter Stärke noch entwickeln. Also auch das Übel muß nunmehr dem Guten nutzbar werden. –

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Alle, welche Gottes Ruf nicht mehr in sich empfinden können, werden fortgewiesen von der Türe des geistigen Reiches, sobald sie später Einlaß haben möchten. Sie müssen zurück in Nacht und Grauen gehen! Sie mögen sich von Denen dann vergeblich Rat und Hilfe holen, deren Reden sie blindlings vertrauten, nur um sich selbst nicht geistig anstrengen zu müssen, sowie aus Furcht vor jederlei Verantwortung. Es kann ihnen nicht mehr geholfen sein; denn ihnen fehlt dadurch geistiges „Leben“. Sie gehören zu den Toten, die nicht mehr erwachen.

Wie könnten sie in Gottes Reich, da sie den Ruf zu hören sich verschlossen, und dafür lieber vorzogen, sich an Bequemlichkeit religiöser Dogmen festzuhalten, die nicht die Mühe eigener geistiger Regsamkeit und des von Gott geforderten Erwachens machen! Derartige Selbstüberwin-dung ist nicht Jedermannes Sache; denn sie verlangt die ganze Kraft, die der Mensch aufzubringen fähig ist, vor allen Dingen auch ein demuts-volleres Erkennen seiner Selbst! –

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Frage: Wann werden wohl die verschiedenen Tageszeitungs-Redakteure endlich aufhören, die Leser mit ihrem unbegründeten Spotte und Witzeleien über Hinweise auf den Ernst der kommenden Zeit und hereinbrechenden Katastrophen zu langweilen?

Antwort: Wie kann sich Jemand ärgern über so nichtssagende Bemerkungen von Redaktionen? Diese haben sich so an den Widerspruch gewöhnt in Dingen, die sie nicht verstehen können, daß sie wohl auch noch eine spöttische Bemerkung fertigbringen, wenn schon die Wände ihres Zimmers auf sie niederstürzen, nur um nicht zuletzt zugeben zu müssen, welches Unheil sie damit für manchen Menschen brachten, der sein Inneres wohl anders eingestellt hätte, sich auch in vielem vorgesehen haben würde. Ich fürchte nur, daß sie dazu sehr bald Gelegenheit erhalten und dann vielleicht von ihren Lesern in dem ersten Zorn und der Verzwei-flung den unerwünschten Lohn empfangen, der solchem schadenbrin-genden Gebahren auch gebührt. Im Übrigen sollte man Menschen mit derartigen Beweisen hoffnungslosester Beschränktheit jetzt nicht mehr beachten. Denn es ist eine neue Zeit im Anbrechen, in der sich inhaltlose Schwätzer weiterhin nicht mehr zur Geltung bringen können. --

 

 

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 Schluss-Erklärung:

 

Es ist mir völlig gleichgiltig, was die Menschen heute zu meiner Botschaft und zu meinen Fragenbeantwortungen sagen. Gleichgiltig, ob es ihnen gefällt oder nicht. Mich berühren die wärmsten Anerkennungen ebensowenig wie wohlmeinende Belehrungsbriefe, oder auch erbitterte Angriffe, seien diese nun anständiger oder verächtlicher Art. Ich weiß, daß für viele Menschengeister die Stunde nicht mehr fern ist, in der sie die Beschränkung ihres Nichtbegreifenkönnens aus Seelennot heraus gewalt-sam brechen. Damit erst werden sie dann meine Worte verstehen und begreifen lernen, was sie müssen, wenn sie nicht in ihrer jetzigen Verstrickung untergehen wollen.

Unberührt von Freundschaft oder Haß gehe ich meinen Weg. Deshalb begreife ich die vielen Aufregungen Einzelner und ganzer Kreise nicht; denn wer mein Wort nicht haben will, braucht es ja nur zu lassen! Ich dränge es ja niemand auf, habe auch nicht die Absicht, ein „Geschäft“ damit zu machen. Jeder Mensch mag für sich sehen, wie er damit fertig wird.

Pfingsten 1928

Abdruschin

 


 Märchen-Überlieferung

 

In grauer Vorzeit, als Himmel und Erde noch eines waren, als die Sterblichkeit noch unbekannt war, und Allah selber in aller Herrlichkeit mit den Seinen hienieden wandelte, da hatte er einen Freund und Diener, von dem er sich nie trennte und vor dem seine Seele kein Geheimnis kannte. Omkar hieß er, der so erleuchtet und erhaben war, daß alle sieben Seligkeiten vor ihm aufgetan lagen.

Sprach eines Abends Allah mit tiefer Wehmut zu seinem Freunde und Diener also: „Siehe, mir ist der Wandel und das Ende aller Dinge offenbar. Ich sehe den Verfall des Menschengeschlechtes, sehe seine Untaten und sehe die Sühne. Bald werden wir unsere Füße aufheben müssen von diesem Erdenballe und ihn fliehen. Immer tiefer werden dann die Zurückbleiben-den sinken, bis kein Weg mehr von ihnen zu uns hinauf führt!“

Sprach Omkar und sein Herz erbebte: „So gibt es keine Rettung jenen Unglücklichen?“

Neigte Allah sein ewiges Haupt und sprach. „Doch, wenn einer der unseren in der dunkelsten Stunde ihrer tiefesten Verirrung sich freiwillig unter sie mischte, das letzte, kümmerliche Lichtfünkchen in ihnen mit Sturmesatem anbliese zu rauschender Flamme, die das Dunkel verzehrend die neue Zeit gebiert, - dann - -.“

Jubelte Omkar und flehte. „Oh, Gebieter, da laß mich es sein, so Du mich wert erachtest, ihnen das Licht zu bringen!“

Lächelte der Allgütige. „Sei es, wie Du erbittest, aber Bedenk- und Probezeit will ich Dir geben; denn durch alle Tiefen und Schmerzen führt dieses Amtes Weg.“

- - - Der Finger Allahs stellte eine neue Weltenstunde. Fernab des Lichtes kreiste der Erdenball in tiefer Finsternis; als unklares Sehnen nur lebte in Wenigen noch die Erinnerung an die lichte Vergangenheit ihres Sternes.

Rief Allah, der Ewige, seinen Diener und Freund vor sein Angesicht.

„Rüste Dich“, so sprach er ernst, „hinabzusteigen, die Spanne dort zu leben, die ich als Bedenkzeit Dir zumaß. Denn fremd und feind ist Deiner lichten Seele die geistige Nacht dort unten. Dann erst sage mir, ob Deine Kräfte reichen mögen zu dem erbetenen Werke“.

Warf sich Omkar auf sein Angesicht, dankte und grüßte den Ewigen.

Nieder sank er dann der Erde entgegen, und in Allahs Hand zurück blieb sein Wissen vom Licht und seiner Lichtgeburt

Im Zauberland der tausend Wohlgerüche betrat sein Fuß diese Erde. Fremder Odem umwehte den Erdenfremden, unnennbares Heimverlangen zerriß unbegriffen seine Seele. Sein Stamm erhob ihn, den kühnsten Reiter und todverachtenden Krieger zu ihrem Scheich. Er lieh seinen starken Arm den Unterdrückten und Schwachen, stritt in zahllosen Kämpfen für Gerechtigkeit und Wahrheit, unbekümmert um den mächtigen Feind am Nil, den er sich und seinem Volke damit schuf.

Jeder Tag sah neue Kämpfe, neue Siege, - - die Nächte aber lag er in der Grenzenlosigkeit seiner Wüste, an sein Pferd geschmiegt oder vor dem leichten, einsamen Zelt, und über im wandelten lautlos die Sterne, sich in den mit verzweifeltem Fragen nach ihnen gerichteten Augen spiegelnd.

Und Allah neigte sich herab und sah die Qual und den Zwiespalt in seines Freundes und Dieners Seele, in der Liebe mit Härte, Nachsicht mit Strenge in ewigem, unversöhnlichem Streite lagen. Und es erbarmte ihn so, daß er den Getreuen alsbald wieder zu sich berief.

Wieder stand Omkar vor dem Ewigen, und seine Erdenerfahrungen lagen vor ihm hingebreitet gleich einem bunten Gebetsteppich, auf den er grübelnd niederstarrte.

„Gebieter“, so sprach er düster, „wohl erneuere ich meine heiße Bitte, mich hinabzusenden in letzter Stunde, doch eines gewähre mir noch, daß der Strahl Deines Schwertes scharf und biegsam jedem Feinde gewachsen sei: Nimm von mir Liebe und Schwäche, Mitleiden und frohen Glauben an der Menschen Sagen und Tun!“

Neigte Allah sein ewiges Haupt und nickte abermalen Gewährung.

„Es sei“, sprach er, „daß Du das scharfe Schwert werdest in meiner Hand. Doch zur Stunde der Erfüllung muß ich sie Dir wieder beigeben, daß Du dann wieder eines seiest, wenn auch durch die dünne Wandung zweier Körper gespalten.“

In tiefem Schlummer versenkte alsbald Allah seinen Freund und Diener, an dem sich das Mysterium der Zweiwerdung vollziehen sollte. Nacht der Bewußtlosigkeit umfing ihn, aus der ihn ein Lachen riß, daß seine ernste, strenge Seele erschrecken ließ. - Es perlte glockenrein durch alle sieben Himmel Allahs, schallte unbekümmert von seines goldenen Thrones sieben Stufen wieder, es schwang sich übermütig darüber hinaus ins blaue All, dem es sich aufjubelnd vermählte.

Erstarrt stand Omkar, unfähig zu begreifen, daß dies ein Stück von ihm sei, was da herantollte und ihn jubelnd und lachend umwirbelte.

Er floh an des Thrones Stufen und bat. „Gebieter, laß sie eine kleine Spanne hinab, auf daß ich mich erst an mich selber gewöhne.“

Nickte der Ewige abermalen lächelnd Gewährung, und kein perlendes Lachen störte mehr die Gedanken des Erleuchteten.

Es war verstummt, erstickt. - -

Fremd und einsam inmitten eines der prunkvollsten Königshöfe der Menschheit, mit dem seherischen Blicke für die dunkle Zukunft ihres Volkes gleich einem Fluche beladen - schritt sie durch ihre Erdenjahre wie durch eine Gruft. In ihrem dunklen Leid nach Allahs ewigen, unverrückbaren Gesetzen Karma lösend, das Omkar, ihr anderes Selbst, in seinem Kriegerdasein knüpfen mußte.

Der Dolch ihres Mörders zerschnitt den letzten, fesselnden Karma-knoten. Zurück blieben Leid und Dunkel mit dem Kleide ihres irdischen Körpers. Aufjubelnd schwang sie sich hinauf in Omkars Arme. Dem Gesetz ihrer Einheit gehorchend, nie sich zu trennen, schwur sie ihm zu. - - Er sah sie an, das Glück eines Lächelns aus ihrer Hand empfangend. -

- - - Stellte der Finger Allahs eine neue, eine letzte dunkle Erden-stunde! Undurchdringliche Nacht lastete um den Stern; der Blutrausch von Millionen in zahllosen Kriegen Dahingemordeter schwelte, und das Getöse irren Taumels gellte bis hinauf.

Da berief Allah seinen Freund und Diener. Tiefernst und besorgt war sein Blick.

„Die Stunde ist da, Dein Wunsch sei Dir erfüllt, ziehe denn hinab in Frieden!“ und er wandte sein Angesicht ab, eine Träne zu verbergen.

Wieder blieb das Weltlichtwissen zurück in Allahs Hand, der es erst dem Erprobten und Bewußten zurückgeben durfte. Voll tapferen Stolzes ließ Myriam ihn ziehen, in der Gewißheit, ihm bald folgen zu dürfen.

Das Zentrum der neuen Zeit, das Reich im Sonnenuntergang, betrat nun sein Fuß; doch unbewußt trieb es ihn noch einmal dorthin, wo er vor tausenden von Erdenjahren kämpfte und litt. Bruder fühlte er sich den wilden und dunklen Gesellen, deren weißer Burnus im Winde rasender Ritte knatterte, sah in die hageren und kühnen Gesichter gleichwie in einen Spiegel.

Doch er lauschte und suchte vergeblich, keine Stimme wurde laut, ihm Antwort zu geben. Weiter trieb es ihn, in neue Länder, zu fernen Völkern, wie unter der Peitsche uralten Nomadenblutes.

- - - Inzwischen war die Zeit gekommen, in der auch Myriam hinabmußte. Rief der Ewige sie vor sein Angesicht; und wie sie kam und fröhlich lächelnd zu ihm aufblickte, strömte seine Liebe über sie hin und er sprach also:

„Myriam, mein Kind, so ziehe denn auch Du hinab, ihm nach, dem Du zugehörst wie der Körper dem Haupte, der Baum den Wurzeln, die ihm die Kraft zuführen. In Deine Hände lege ich von der strahlenden Alliebe des Schöpfers, daß Du die Wunden heilest, die er in meinem Dienste, in Erfüllung des Wortes schlagen muß, wenn sich die Stunde erfüllt. Gesegnet sind Deine Hände mit der schöpferischheilenden Kraft meiner Alliebe!“

Und Allah segnete sie, die seinem Herzen nahe stand, und gebot seinen Engeln, das werdende Kindlein hinabzubegleiten und treulich bei ihm zu wachen. So geschah es denn, daß Myriam wunderbar geleitet durch die Spanne Erdendasein schritt, die sie allein, ohne Omkar durchmessen mußte und an der Wegkreuzung, die Allahs Finger als Treffpunkt ge-zeichnet, ihm kindergleich entgegentrat.

Weit und beschwerlich war sein Weg gewesen, müde und verstaubt, mit schwerer Bürde bitterer Erdenerfahrungen beladen stand er vor ihr!

Noch band Erdenblindheit die Augen beider; nur gleiches Sehnen regte sich mahnend in ihrer Brust. Sie reichten sich die Hände und begannen tapfer, ohne sich umzublicken, den schmalen Pfad zu erklimmen, der vor ihnen himmelan strebte und den sie als den ihren erkannt hatten. - - -

Da erfüllte sich die Zeit, die aushob, die zwölfte Stunde zu schlagen!

Der Ewige selber löste die Binde von Omkar und Myriams Augen, an der das Menschengeschlecht durch Jahrtausende emsig gewebt, der es stets neue klingende Namen ersonnen, sich selber und ihrem törichten Tun zum Preise.

Die Wand wich! Es war wie einst in grauer Vorzeit: sie wandelten auf Erden; doch ihre Augen ruhten fest und ungeblendet in Allahs ewiger Herrlichkeit.

Der Ring des Geschehens schwang sich, Beginn und Ende strebten ihrer Vereinigung entgegen.

Zurück blickte Omkar, der nun Wissende, seines Erdenpfades Spur und neigte sich schweigend vor der Allweisheit der Führung, die ihn wie edlen Stahl geglüht, gehämmert und gehärtet.

„Daß ich das gute Schwert sei in Deiner Hand“, murmelte er aufwärtsblickend, und die Erkenntnis seiner Aufgabe schlug in ihn wie ein zündender Blitz. In flammender Begeisterung bejahte der Mensch Gewordene tausendfach den urzeitlichen Entschluß. Und Allah empfing diesen neuen Schwur und sandte dem Getreuen Scharen lichter Streiter, ihm beizustehen in dem nun anhebenden Entscheidungskampfe.

Denn weithin erkennbar stand er nun in schimmernder Wehr, die nicht von dieser Erde war, da in der Stunde der Erfüllung Allahs Finger den dunklen Mantel von seinen Schultern gestreift.

Im urewigen Haß des Dunkels gegen alles Lichte und Reine kochte es auf zu seinen Füßen und schwoll ihm brodelnd entgegen, ihn zu vernichten.

Bebend vor verhaltener Kraft und Ungeduld sprang er hinein, wo es sich am wütendsten ballte, einem Blitze gleich das Dunkel spaltend, Bresche reißend, in die sich, ihm nach die lichten Heere zu stürzen vermochten. Ihm zur Seite Myriam, liebend-dienend, die Wunden heilend, die er schlagen mußte, dem Worte gehorchend.

Aussichtslos erschien zuerst dieser Kampf, gleichsam auf dem Nähr-boden des Dunkels selber geführt, das immer neue, unabsehbare Men-schenmassen ausspie, die in verbissener Wut und Verblendung bestienhaft gegen das fochten, was sie nicht zu begreifen vermochten und was ihre Götzen bedrohte, die sie sich in jahrtausendelangem Mühen aufgerichtet.

Viele jedoch, in denen noch ein tief verschüttetes Fünkchen von Allahs Licht glomm, horchten auf! Uraltes Sehnen erwachte und wuchs rasch, genährt von den Lehren des Propheten. Sie strömten ihm zu, jubelten dem Befreier von schwerem geistigen Joch entgegen, und harrten gläubig der verheißenen Zeit des Lichtes im Grauen der Gegenwart.

Und als die langverheißenen Zeichen endlich geschahen, als die Erdkugel gleich wie ein Ball in der Hand eines spielenden Kindes weit hinaus flog aus ihrer Jahrmillionen alten Bahn, als das Gestirn am neuen Himmel aufstieg, breit den lichten Schweif hinter sich ziehend, unter dem schon einmal eine Menschheit anbetend aufs Angesicht fiel, -- da stieg aus dem Wimmern und Brüllen der Vernichtung ein millionenfacher sieghafter Jubelschrei dankerfüllt auf zu Allahs Thron!

- - - Der Staub des Gewesenen ward Dung nur dem Neuen. Nichts erinnerte mehr an den Gold- und Blutrausch der dunklen Vergangenheit.

In lichter Klarheit kreiste der Erdball zu Füßen Allahs, des Urewigen, dessen Augen mit Wohlgefallen und Liebe den Stern umfingen, auf dem Omkar, der Streiter und Sieger, ihm nun als Priester diente, bis übermächtiges Heimverlangen den Erdenmüden wieder hinauftrieb.

Allah aber ließ dem getreuen Freund und Diener zu seiner Heimkehr an seines Thrones Stufen ein Fest bereiten, dessen Glanz in klaren Nächten bis hinab zur Erde strahlte und in die Brust der Menschen heißes, unnennbares Dorthinaufsehnen goß ....

 

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Zum Nachdenken!

 

Der verlorene Weg

 

Bilder aus zwei Welten in dem Werdegang einer Seele. Betrachtet von der Warte über Grobstofflichkeit und Feinstofflichkeit

 

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Darin handelnde Personen:

 

William Elliot, Museumsdirektor

Knut Kendersen, Museums-Archivar

Merceda, Studentin, Kendersens Tochter

Leonie, deren Schwester, Gordons Frau

Gordon, Plantagenbesitzer

Erik Steven, Privatgelehrter

Armand Foster, Elliots Sekretär

Morton, Plantagen-Verwalter

Der Meister

Heliobas, des Meisters Lieblingsschüler

Ram-Lal, ein Fakir

Ramdyal, ein indischer Diener

Mädchen bei Kendersen.

 

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 Bild 1.

„Kendersen zeigt seiner Tochter Merceda einen Fund aus dem Archiv.“

Arbeitszimmer Kendersens im Museum.

 

Merceda hängt mit zärtlicher Liebe an ihrem Vater und zeigt Interesse für alle seine Arbeiten. Kendersen legt ihr ein altes Pergament vor, das er zwischen den Büchern gefunden hat. Beide sehen kopfschüttelnd die rätselhafte Schrift. Kendersen verstimmt. Merceda schlägt lachend vor: „Ich will es Steven zeigen. Vielleicht kann er die rätselhafte Schrift entziffern.“

Nach langem Widerstreben gibt Kendersen seine Einwilligung. Als er Merceda das Pergament überreicht, tritt Elliot ein, und sieht erstaunt das Pergament. Kendersen erklärt ihm, wie er es fand, und daß Merceda Steven darüber befragen will. Elliot nimmt das Pergament und erklärt, nachdem er die Schrift ebenfalls kopfschüttelnd betrachtet hat: „Der Fund ist mir zu kostbar. Ich will es selbst besorgen. Steven ist mein Freund.“

Elliot geht. Merceda nimmt von Kendersen Abschied und entfernt sich ebenfalls. Kendersen bleibt noch sinnend sitzen, scheucht dann seine Gedanken mit sorgloser Handbewegung gutmütig lachend fort und geht wieder an die Arbeit.

 

Bild 2.

„Erik Steven wartet auf seine Schülerin.“

Studierzimmer.

 

Steven steht am Fenster und sieht mit gerunzelten Brauen nach der Uhr. Gelangweilt blättert er dann in den Papieren auf dem Schreibtische, hebt einen dortstehenden Totenschädel in die Höhe und betrachtet ihn düster sinnend. Lacht dann hart auf und gibt dem Schädel einen Backenstreich, setzt ihn sich spöttisch verbeugend nieder, sieht wieder scharf darauf, setzt sich dann schnell und schreibt: »Unsterblichkeit! Ein leerer Wahn! Und Liebe? Pah, ich lache! Selbstsucht ist alles, was den Menschen treibt, von seiner Wiege bis zum Grabe. Wie ich dich hasse, Welt!“

Finster brütend blickt er vor sich hin.

 

Bild 3.

Straße.

 

Merceda geht eilig ihren Weg. Foster steht wartend an einer Ecke, tritt ihr entgegen und überreicht ihr mit höflicher Bescheidenheit einige Blumen. Merceda dankt freundlich und will weiter gehen. Foster aber hält sie im Gespräch zurück. Man sieht, er hat was auf dem Herzen, das zu sagen er nicht den Mut findet. Merceda wird unruhig und sieht wiederholt nach ihrer Uhr. Elliot geht freundlich drohend vorüber. Merceda sagt lachend zu Foster: „Herr Elliot wird Ihnen zürnen, wenn Sie als Sekretär so unpünktlich zur Arbeit kommen.“

Foster will flehend noch verschiedenes sagen. Merceda aber geht lachend grüßend fort. Er blickt ihr bekümmert nach.

 

 

 

Bild 4.

Studierzimmer bei Steven.

 

Merceda tritt eilig ein und setzt sich entschuldigend mit ihren Büchern zur Aufnahme für Notizen zurecht. Steven spricht belehrend auf sie ein, reicht ihr das soeben geschriebene Blatt und deutet auf den Totenschädel: „Wie kann ein solches Ding Gedanken zeugen, die außerordentliche Kräfte bergen? Was ist denn ein Gedanke überhaupt? Ein flüchtiges Etwas, das schon wieder im Aufzucken erstirbt. Phantasterei, wer mehr von ihm erwartet.“

Elliot tritt ein, reicht Steven nach Begrüßung fragend das Pergament. Steven wird von der Schrift gefesselt und zieht Elliot in ein Nebenzimmer. Merceda wird aufmerksam und tritt lächelnd in harmloser Neugierde zum Vorhang, um zu lauschen.

 


 Bild 5.

Nebenraum bei Steven.

 

Elliot und Steven in eifriger Besprechung, über das Pergament gebeugt. Steven erklärt: „Ein Tal des Unsichtbaren ist in dieser Schrift genannt, das reines Gold einschließen soll.“

Eifrig studieren sie weiter.

 

Bild 6.

Studierzimmer.

 

Merceda steht noch immer lächelnd. Ihr Gesicht wird nach und nach ernst.

Bild 7.

Nebenraum bei Steven

 

Enttäuscht legt Steven das Pergament zur Seite: „Die Aufzeichnung des Weges ging verloren. Das Pergament allein ist für die Hebung des genannten Schatzes wertlos.“

Elliot steht geärgert und steckt das Pergament ein.

 

Bild 8.

Studierzimmer.

 

Merceda sitzt wieder an ihrem Platze und spielt versonnen mit ihrem Bleistift, den Blick in die Ferne gerichtet. Steven tritt ein, lächelnd deutet er auf das geschriebene Blatt: „Wie recht habe ich doch mit meinem Glauben an die  Selbstsucht. Das Wort von einem Schatze reicht schon aus, um alle Bildung, alle Bande der Gefühle in den Menschen zu verwirren.“

Lächelnd spricht er noch mit ihr und verabschiedet sie dann freundlich.

Bild 9.

Arbeitszimmer Kendersens im Museum.

 

Kendersen ist noch ruhig über seiner Arbeit, als Merceda eintritt und ihm voll Eifer berichtet, was sie über den Inhalt des Pergamentes gehört hat. Mercedas Reden wehrt er teilnahmslos ab, bis diese sich gelangweilt den umherliegenden Büchern zuwendet und eins derselben aufschlägt, sich in Sessel setzt und oberflächlich zu lesen beginnt. Kendersen sinkt langsam auf seinen Stuhl zurück und starrt vor sich hin. Er sieht in Gedanken sich selbst in einer Grotte mit Gold. Mit einer Fackel leuchtet er umher. Sein Ausdruck ist nicht abstoßend, sondern verklärt. Er hätte es für sein Kind gewünscht. Weiterdenkend sieht er Merceda die Annehmlichkeiten des Reichtums fröhlich genießen

Merceda aber wird plötzlich von dem Inhalte eines Buches gefesselt. Sie liest: „Starke Gedanken formen sich zu brennendem Wunsche, werden hinausgetragen gleich Boten, verbinden sich anwachsend mit allem Gleichartigen, finden zuletzt ein Ziel und erzeugen dort einwirkend Gutes und Böses, je nach ihrer Art. Kannst Du ermessen, welches Unheil somit unreine Gedanken stiften?“

Erschreckt blickt Merceda auf die Zeilen, furchtsam wendet sie das Blatt und liest weiter: „Ausströmende Gedanken bieten eine unsichtbare Brücke, auf der die hochverstärkte Rückstrahlung zu Dir erfolgt.“

Hastig fragte sie Kendersen. Dieser streicht versonnen über seine Stirn und sieht verständnislos zu ihr. Merceda wiederholt die Frage. Ungeduldig wehrt Kendersen ab, steht auf und geht nervös umher.

 

Bild 10.

Elliots Arbeitszimmer.

 

Elliot sitzt grübelnd über das Pergament gebeugt. Seine Hände sind geballt. Verdrossen sieht er vor sich hin, und denkt an die entschwundene Gelegenheit, eine besondere Auszeichnung und Ehrung zu erhalten. Er strebt nach Ruhm für sich. Dann trommelt er nervös und geärgert auf der Tischplatte.

 

 

 

Bild 11.

„Merceda im Zwiespalt“.

Mercedas Mädchenzimmer.

 

Merceda sitzt eifrig lesend über dem Buche, das sie sich aus dem Museum mitgenommen hat. Sie liest: „Dem ernsthaft Suchenden wird auch ein Weg gezeigt.“

Kopfschüttelnd legt sie das Buch zur Seite und grübelt. Dabei denkt sie an die Worte ihres Lehrers Steven, als er ihr den Totenschädel zeigte. Merceda preßt die Hände an die schmerzende Schläfe, an ihre brennenden Augen, dann lehnt sie sich müde zurück und murmelt: „Starke Gedanken . . werden hinausgetragen . . . gleich Boten . . . . und finden . . . ein Ziel.‘

Merceda schläft in dem Gedanken ein. Eine Vision erscheint vor ihrem geistigen Auge wie ein Traum: Sie sieht den Meister und Heliobas. Der Meister spricht zu Heliobas, seinem Schüler: „Halte den Herd Deiner Gedanken rein, mein Heliobas. Du stiftest damit Frieden und bist glücklich.“

Der Meister verschwindet. Heliobas aber wird klarer, und hält Merceda ausdrucksvoll ein Elfenbeintäfelchen mit fremden Schriftzeichen entgegen. Dann verblaßt das Bild.

Merceda wacht auf, sieht erst verwirrt um sich, klappt dann aber lächelnd das Buch zu und legt es zur Seite.

 

Bild 12.

Studierzimmer Stevens.

 

Merceda sitzt dem Vortrag Stevens lauschend und eifrig Notizen machend. Plötzlich fragt sie unvermittelt: „Was ist ein klarer Traum, Herr Steven?“

Steven lacht. „Eine Seifenblase, die in wirrem Durcheinander schillernde Bilder zeigt. Der Ausdruck angeregter Nerven des Gehirns. Das ist alles.“

Scherzend unterrichtet er weiter.

 

 

 

Bild 13.

„Das Museum erhält ein Geschenk aus der

Hinterlassenschaft eines Forschungsreisenden.“

Museumsraum.

Neben mehreren geöffneten Kisten sind fremdländische Gegenstände ausgepackt, und werden von Elliot, Kendersen und dessen Tochter Merceda besichtigt. Plötzlich greifen Elliot und Kendersen gleichzeitig nach einem Elfenbeintäfelchen mit fremder Schrift (dasselbe Täfelchen, das Heliobas Merceda in deren Vision entgegenhielt). Elliot hebt es langsam in die Höhe. Kendersen hält unwillkürlich ebenfalls fest. Beider Blicke treffen sich dabei, erst erstaunt, fragend, dann feindselig in plötzlichem Verstehen. Merceda wird dadurch aufmerksam, erblickt das Täfelchen und ist sichtbar erschrocken Ungläubig beugt sie sich weit vor, um es genau zu sehen. Kendersen läßt los und deutet erregt darauf: „Dieselbe rätselhafte Schrift wie bei dem Pergament.“

Elliot nickte ernst und steckt das Täfelchen in seine Tasche. Dann geht er zur Türe, wendet sich nochmals mißtrauisch um, sieht forschend auf Kendersen und Merceda, und verläßt den Raum. — Merceda streicht sich wie erwachend über die Stirne, erfaßt krampfhaft Kendersens Arm, verstört: „Vater, dieses Täfelchen sah ich im Traume schon einmal. Was ist das nur? Mir ist dabei ganz sonderbar!“

Kendersen preßt Merceda an sich, in hoher Erregung: „Ich muß den Inhalt dieser Schrift erfahren! Geh zum Unterricht. Vielleicht kannst Du dabei etwas erlauschen; denn Eillot sucht Steven auf.“

 

Bild 14.

Straße.

 

Merceda eilt zum Unterricht. Foster hat sie wieder erwartet und hält die Ungeduldige mit seinen Bitten auf. Er erklärt ihr diesmal offen seine Liebe. Merceda hört ihn ruhig und erstaunt an. Leicht schüttelt sie den Kopf: „Ich kann Ihre Frau nicht werden. Denken Sie nicht mehr daran, Herr Foster!“

Freundlich reicht sie ihm die Hand und geht. Betrübt blickt Foster nach.

 

Bild 15.

Studierzimmer Stevens.

 

Steven und Elliot betrachten das Täfelchen. Steven zuckt bedauernd die Achseln: „Diese Arbeit ist schon schwieriger. Bis heute Abend oder morgen früh gedenke ich fertig zu werden.

Elliot schüttelt ihm die Hand und geht.

 

Bild 16.

Treppenhaus.

 

Merceda kommt die Treppe empor. Elliot begegnet ihr. Betroffen sieht sie ihm nach, zuckt dann bedauernd die Schultern und tritt bei Steven ein. Elliot bleibt stehen und sieht ihr mißtrauisch nach.

 

Bild 17.

Studierzimmer Stevens.

 

Steven sitzt bereits bei der Entzifferung des Täfelchens. Merceda tritt ein. Steven entschuldigt sich, da er die Arbeit  bis zum Abend fertig machen will. Freundlich zustimmend geht Merceda wieder.

 

Bild 18.

Arbeitszimmer Kendersens.

 

Kendersen erwartet nervös die Rückkehr seiner Tochter.  Merceda kommt und erzählt, was sie erfahren hat. Kendersen ist hochgradig erregt, dann sucht er fieberhaft ein Buch und gibt es Merceda: „Steven wünscht schon lange dieses  Buch. Gib es ihm heute Abend noch und suche dabei etwas zu erfahren.“

Merceda sträubt sich dagegen. Kendersen bittet erregter: „Wenn Du Deinen alten Vater glücklich sehen willst, so tue es. Im Notfall nimmst Du es verstohlen und legst es morgen wieder an den alten Platz. Du sollst es doch nicht stehlen.“

Gezwungen lachend sucht er ihre Bedenken zu zerstreuen, wobei immer wieder das unstillbare Verlangen durchdringt Merceda sagt zuletzt den Versuch zu.

 

Bild 19.

Studierzimmer Stevens.

 

Steven sitzt arbeitend bei Lampenlicht und legt aufatmend das Täfelchen mit der Übersetzung zur Seite. Schüchtern tritt Merceda ein. Steven ist erstaunt, nimmt aber hocherfreut das Buch: „Das gibt Erholung nach der angestrengten Arbeit. Ich habe es erreicht.“

Steven deutet nach der Übersetzung. Merceda will interessiert Täfelchen und Übersetzung in die Hand nehmen. Mit komischer Wichtigkeit aber legt Steven schnell ein Blatt Papier darüber, ihr scherzend drohend. Merceda lehnt sich mit dem Rücken gegen die Stelle, spricht mit ihm und nimmt beides dabei unter fortwährendem innerem Kampfe an sich.

 

Bild 20.

Arbeitszimmer Elliots.

 

Elliot sitzt bei Lampenlicht, von nervöser Unruhe gequält. Entschlossen schreibt er dann auf einen Briefbogen: „Lieber Steven! Steigende Unruhe läßt mich nach Deiner Übersetzung fragen. Wenn Du damit fertig bist, so hole ich sie heute noch. Gruß Elliot.“

Er gibt den Brief einem Diener zu sofortiger Beförderung.

 

 

Bild 21.

Studierzimmer Stevens.

 

Merceda ist zum Fortgehen bereit. Der Diener Elliots tritt ein und überreicht Steven den Brief. Merceda erschrickt und tritt schnell wieder mit dem Rücken an den Schreibtisch und legt Täfelchen und Übersetzung wieder an den alten Platz, während Steven liest. Steven ruft ihr lachend zu, daß sie noch einen Augenblick warten soll, dann schreibt er schnell: „Lieber Elliot! Soeben fertig! Sende beides mit Merceda, damit Du Dir den späten Gang ersparst. Dein Steven.“

Steven gibt dem Diener den Brief, der sich sofort entfernt. Dann steckt er Täfelchen und Übersetzung in einen großen Briefumschlag und bittet Merceda, den Brief Elliot zu geben. Er prägt ihr dabei die größte Sorgfalt ein. Merceda atmet erleichtert auf und geht.

 

Bild 22.

Wohnzimmer Kendersens.

 

Kendersen fährt empor, als Merceda eintritt und eilt ihr gespannt entgegen. In fliegender Hast berichtet Merceda und zeigt ihm den Brief. Kendersen ergreift ihn mit bebenden Händen, schließt dann sorgfältig die Tür und sucht den Umschlag mit dem Brieföffner vorsichtig zu öffnen. Merceda steht aufgeregt bangend dabei, plötzlich zuckt sie zusammen und deutet entsetzt auf den Briefumschlag. Das feine Messer Kendersens hat den Briefumschlag verletzt. Kendersen wird nervös, der Riß wird dadurch größer, und Kendersen reißt zuletzt in unüberlegter Hast den Briefumschlag herunter. Beide fahren in diesem Augenblick zusammen und lauschen erschreckt nach der Türe.

 

Bild 23.

Vor der Tür Kendersens.

 

Elliot steht wartend vor der Türe, hält den offenen Brief Stevens in seiner Hand, und pocht energisch an die verschlossene Tür.

 

Bild 24.

Wohnzimmer Kendersens.

 

Es zeigt sich wilde Entschlossenheit in Kendersens Zügen. Energisch steckt er die Sendung Stevens in seine Tasche und gebietet Merceda, die Tür zu öffnen. Merceda sieht verständnislos auf die Handlung Ihres Vaters und geht dann furchtsam nach der Türe, die sie nach einem bittenden Blick auf den Vater öffnet. Schnell tritt Elliot ein, wirft einen mißtrauisch erstaunten Blick umher und befragt Merceda, auf Stevens Brief in seiner Hand deutend. Hastig tritt Kendersen dazwischen: „Sie finden uns in größter Verwirrung. Merceda hat den Brief von Steven auf ihrem Wege hierher verloren.“

Merceda sieht mit großen, ungläubig erstaunten Augen auf ihren Vater und weicht langsam von ihm zurück. Elliot fährt wild empor. Dann aber rafft er sich gewaltsam zusammen, sieht mißtrauisch von Kendersen auf Merceda, und stellt mit gewaltsam unterdrückter Erregung an Merceda einige Fragen. Auf einen verstohlenen Wink Kendersens senkt Merceda beschämt und verwirrt den Kopf. Elliot will in wieder hochsteigendem Zorne ungestüm auf sie zu. Kendersen tritt jedoch schnell dazwischen. Feindselig treffen sich Kendersens und Elliots Blicke. Kendersen verbeugt sich dann bedauernd. Elliot strafft sich ruckartig auf, sieht noch einmal mit zusammengepreßten Lippen fest auf Kendersen, und geht dann schnell hinaus. Kendersen schließt sorgfältig die Tür wieder, hängt ein Tuch vor das Schloß, und liest dann in Ruhe die Übersetzung. Merceda ist seinem Tun mit starren Blicken gefolgt, dann tritt sie schnell zu ihm und fragt mit angstvollen Blicken. Kendersen lächelt überlegen, ganz von dem Inhalt der Übersetzung eingenommen, deutet er geheimnisvoll darauf: „Es zeigt den Weg zum Tale!“

Merceda schüttelt ihn verzweifelt und macht Vorhaltungen. Kendersen wehrt überlegen lächelnd ab. Merceda richtet sich langsam auf und weicht wieder impulsiv von ihm zurück, streckt nochmals flehend beide Arme nach ihm aus und bricht dann mit einem Weheruf in die Knie. Das bisher reine, unantastbare Bild des Vaters in Mercedas vertrauender Seele zerbricht. Da sieht sie in ihrer Erregung wie im Traume visionär Heliobas neben ihrem Vater stehen, der ihr Hilfe verheißend die Hand entgegenstreckt.

 

Bild 25.

Arbeitszimmer Elliots.

 

Elliot sitzt am Schreibtisch. Vor ihm sein Sekretär Foster. Elliot spricht aufgeregt und schlägt mehrmals mit der flachen Hand auf den Tisch: ‚Foster, Sie ahnen nicht, was mir damit geschah!“

Ruhig lächelnd hebt Foster den Kopf: »Herr Steven wird doch noch den Urtext seiner Übersetzung haben.

Verblüfft starrt Elliot den Sprecher an, springt kerzengerade auf, schlägt sich vor die Stirne, läßt hastig Hut und Mantel bringen, klopft Foster lachend auf die Schulter und stürmt fort.

 

Bild 26.

Studierzimmer Stevens.

 

Steven betrachtet den Urtext seiner Übersetzung, und faltet dann das Papier lächelnd zu einem Fidibus zusammen. Während er eine Kerze anbrennt, spricht er für sich selbstzufrieden: „Von Vertrauensarbeit soll man keine Abschrift behalten! Ich will keiner Versuchung ausgesetzt sein!“

Langsam verbrennt er das Papier und zerdrückt verdächtig die Asche. Da tritt Elliot stürmisch ein und fragt. Erstaunt deutet Steven auf das Häufchen Asche. Gebrochen sinkt Elliot in einen Sessel. Dann fährt er wieder empor: „Aus dem Gedächtnis kannst Du es doch wiederholen?“

Steven verneint. Elliot spricht heftig auf ihn ein: „Hier ist eine Schurkerei im Spiele! Ich ruhe nicht, bis ich den Schuldigen entlarve!“

Steven drückt ihm beruhigend die Hand: „Ich fühle mich verpflichtet, zu der Klärung beizutragen.“

Etwas beruhigt geht Elliot.

 

Bild 27.

Elliots Arbeitszimmer.

 

Foster arbeitet ruhig. Elliot geht sinnend hin und her. Zeitweise ruht sein Blick forschend auf Foster. Endlich tritt er zu diesem und legt seine Hand auf dessen Schulter: „Herr Foster, im Vertrauen! Ich weiß, daß Sie Merceda lieben. Ein schmutziger  Verdacht ruht jetzt auf ihr. Wollen Sie mir helfen, das Geheimnis aufzuklären?“

Foster bejahte eifrig. Elliot erzählt ihm alles Vorgegangene und hält am Schlusse seiner Erzählung Foster die Hand entgegen, in welche dieser ernst einschlägt, während Elliot ironisch triumphierend lächelt.

 

Bild 28.

„Eines Tages . . . .“

Wohnzimmer bei Kendersen.

 

Merceda tritt an den gedeckten Fühstückstisch. Sie befragt das aufwartende Mädchen, ob sie Kendersen noch nicht gesehen habe. Das Mädchen verneint. Merceda geht besorgt aus dem Zimmer.

 

Bild 29.

Vor Kendersens Schlafzimmer.

 

Merceda klopft und lauscht. Sie wird ängstlicher und klopft heftiger. Dann sucht sie durch das Schlüsselloch zu sehen und drückt zuletzt versuchend auf die Klinke. Die Türe geht zu Mercedas Erstaunen auf. Zagend tritt sie ein.

 

Bild 30.

Kendersens Schlafzimmer.

 

Merceda tritt ein, blickt furchtsam um sich, eilt aber schnell nach dem Bett, findet dieses unberührt. Sie sieht zwei Briefe auf dem Tische und hebt den einen auf. Adresse: »An meine Tochter!“

Merceda sieht sich verstohlen um, öffnet den Brief, und liest: „Ich gehe, um mein Glück für Dich zu heben. Schweige über alles. Die Nationalbank zahlt Dir monatliche Summen aus. Verbrenne diesen Brief und warte. Dein Vater.“

Scheu sieht sich Merceda um, zündet schnell eine Kerze an, und verbrennt den Brief. Das Mädchen sieht dabei durch die Türe. Merceda bemerkt es, rafft sich verwirrt auf und nimmt den zweiten Brief, der die Adresse trägt: „An Herrn Museumsdirektor William Elliot.“

 

Als Merceda immer noch den neugierig fragenden Blick des Mädchens auf sich gerichtet sieht, zwingt sie sich gewaltsam zur Ruhe, und erklärt: „Mein Vater ist für unbestimmt Zeit verreist.“

Merceda geht dann mit dem Brief aus dem Zimmer. Kopfschüttelnd sieht ihr das Mädchen nach und betrachtet erstaunt die Asche.

 

Bild 31.

Elliots Arbeitszimmer.

 

Foster und Elliot arbeiten. Merceda tritt gedrückt ein und überreicht aufklärend den Brief. Elliot sieht sie forschend an, nickt nachdenklich und liest: „Bester Herr Elliot! Ihr sichtbares Mißtrauen macht mich krank. Ich weiß, daß meine Tochter keine Schuld an dem Verluste trägt und will deshalb versuchen, das Täfelchen zurückzubringen. Kendersen.“

Elliot lächelt ironisch und fragt Merceda, ob sie den Inhalt kennt. Als sie verneint, reicht er ihr den Brief. Sie liest mit sichtlicher Beschämung, gibt den Brief wortlos zurück und geht. Elliot blickt ihr böse nach, wendet sich dann zu Foster und gibt ihm den Brief. Dieser liest und schüttelt lächelnd den Kopf. — — Mercedas Mädchen tritt ein und bringt verschiedene Schlüssel: „Meine Herrin schickt die Schlüssel zu dem Arbeitszimmer im Museum.“

Elliot befragt sie eindringlich und gibt ihr ein Geldstück. Das Mädchen schildert den Vorgang am Morgen, wie Merceda  den Brief verbrannte. Elliot wirft vielsagende Blicke zu Foster, reicht dem Mädchen noch ein Geldstück und spricht freundlich auf sie ein. Das Mädchen nickt bejahend und wichtig und geht erfreut. Elliot trommelt erregt auf die Schreibtischplatte und fragt dann Foster kurz: „Glauben Sie nun? Vater und Tochter handeln in vollem Einverständnis. Sie deckt hier den Rücken.“

Foster sieht Elliot fest und ruhig an: „Das muß ein unseliger Irrtum sein. Ich werde schon die Wahrheit finden."

Foster steht auf, grüßt kurz und geht. Elliot starrt ihm verblüfft nach und deutet dann ärgerlich an, daß Verliebte  nicht zurechnungsfähig sind.

 

Bild 32.

„Merceda leidet unter dem Vertrauen Ihres Lehrers.“

Studierzimmer Stevens.

 

Merceda steht mit gesenktem Kopf vor Steven. Sie ist schwarz gekleidet. Steven hebt ihr Gesicht am Kinn empor und sieht sie prüfend freundlich an: „Merceda, laß die Sehnsucht nach dem Vater! Klammere Dich an frohe Gedanken; denn der Mensch empfindet das, was er sich ehrlich einbildet Kopf hoch, Mädchen!“

Seelisch gepeinigt geht Merceda.

 

Bild 33.

Diele in Kendersens Wohnung.

 

Ein Brief fällt durch die Öffnung der Flurtür. Das Mädchen kommt und hebt ihn auf. Aufmerksam liest sie die Adresse, dann wendet sie, um nach dem Absender zu sehen:

„Absender: Leonie Gordon, Gordons-Home, Kalkutta (Indien)“. Schnell schreibt sie die Adresse auf ein Stück Papier, verschmitzt lächelnd, zeitweise nach der Flurtür lauschend, und trägt den Brief dann in das Zimmer. Merceda kommt zurück von ihrem Ausgange und legt ab.

 

Bild 34.

Kendersens Wohnzimmer.

 

Merceda tritt ein und läßt sich erschöpft auf einen Sessel fallen. Auf einem Tischchen neben ihr liegt der Brief, den sie noch nicht gesehen hat. Merceda blickt trübe vor sich hin. Da sieht sie in ihrem Grübeln wieder in Gedanken das Elfenbeintäfelchen, allein schwebend. Dann bildet sich langsam die Figur des Heliobas daran. Beruhigend lächelnd nickt er ihr zu.

Merceda streckt flehend die Hände darnach aus: „Bild meiner Fantasie, wenn dich Gedanken finden können, so zeige mir den Weg, den ich zu gehen habe.“

Merceda sinkt wieder erschöpft in sich zusammen. Langsam richtet sie sich wieder auf, streicht müde über ihre Stirn und schüttelt wehmütig lächelnd den Kopf. Dabei fällt ihr Blick auf den neben ihr liegenden Brief. Erstaunt, verwirrt blickt sie darauf, und nimmt ihn zögernd auf. Dann aber öffnet sie hastig und liest: „Liebes Schwesterchen! Wo ist Vater? Mein Mann behauptet, daß er ihn hier in Kalkutta gesehen hat. Doch Vater wollte ihn nicht kennen. Sein ganzes Wesen ist verstört erschienen. Bitte beruhige Deine besorgte Schwester Leonie Gordon.“

Merceda springt auf, wie eine Erleichterung kommt es über sie. Das ist der Weg, den sie zu gehen hat! Ein Wink! Entschlossen klingelt sie dem Mädchen. Diese tritt fragend ein. Merceda bestimmt: „Bereite meine Koffer vor. Ich fahre zu meiner Schwester!“

 

Bild 35.

Elliots Arbeitszimmer.

 

Elliot geht nervös umher. Dann spricht er zu Foster: „Wir sind mit unseren Nachforschungen auf den toten Punkt gekommen. Die Sache ist zu schlau berechnet.“

Er wendet sich schnell und ruft nach der Tür zu, an die es geklopft hat. Schüchtern kommt Mercedas Mädchen und zeigt die aufgeschriebene Adresse. Dabei erzählt sie das Vorgefallene. Elliot ist erfreut und gibt ihr wieder Geld. Dann schiebt er sie schnell hinaus und wendet sich grimmig lachend an Foster: „Foster, jetzt kommt der eigentliche Schlag. Wie Stevens sagte, führt der Weg der Aufzeichnungen auch dahin!“

Beide beraten. Foster kommt plötzlich ein Gedanke: „Ich habe es! Mein Studienkollege Morton ist Verwalter bei Kalkutta. Ein verwegener Geselle. Für einen Freund stellt er ganz Indien auf den Kopf.“

Elliot grübelt. Dann kommt er zu einem Entschluß: „Gut. doch reisen Sie auch selbst. Ich muß die Tafel wieder haben. Für ihren Eifer bürgt mir Ihre Liebe.“

Ironisch lächelnd nickt er Foster zu, der eifrig zu schreiben beginnt. — Mercedas Mädchen tritt wieder ein, triumphierend, eine Fotografie in der Hand. Reicht das Bild Elliot: „Hier ist das Bild vom Fräulein. Sie wird es nicht vermissen.“

Elliot nimmt das Bild dankend, und reicht es Foster, der es mit in den Brief an Morton steckt, während das Mädchen wieder geht.

 

Bild 36.

Park vor dem Landhaus Mortons.

 

Morton will ausreiten. Ramdyal bringt einen Brief. Er liest, lacht laut auf und schlägt sich belustigt mit der Reitpeitsche auf die Stiefel. Dann sinnt er, nimmt den Brief noch einmal zur Hand. Liest: „Merceda ist die Schwester Deiner Nachbarin Leonie Gordon. Meine Liebe ist vorläufig aussichtslos, aber ich muß sie noch gewinnen. Um jeden Preis....“

Morton lacht wieder kopfschüttelnd, wendet den Brief und liest weiter: „Beiliegend Bild und Aufschluß über alles. Suche sie auf jeden Fall an Abreise zu hindern, bis ich komme.“

Morton geht sinnend umher, nickt dann mit frivolen Lächeln dem Briefe zu, den er hochhält: „Verlasse Dich darauf. Ich werde sie verhindern. Das dumme Ding soll Dir noch ewig dankbar werden.“

Ruft laut nach Ramdyal, dem er eindringlich verschiedene Aufträge gibt. Steigt auf und reitet fort.

 

Bild 37.

Elliots Arbeitszimmer.

 

Elliot schreibt. Foster tritt ein und reicht ihm ein schon geöffnetes Telegramm: „Eingetroffen. Nehme sie in meine Hut. Erwarte Dich. Morton.“

Elliot gibt Foster lächelnd einen Scheck: „Reisen Sie mit viel Glück. Vielleicht gewinnen Sie des Mädchens Liebe doch noch. Mir aber bringen Sie die Tafel.“

 

Bild 38.

„Morton mietet ein Haus.“

Gartenstraße im Vorort Kalkuttas.

 

Aus einem Hause mit angehängtem Plakat folgender Aufschrift: „To be let“ treten Morton, Ramdyal und der Vermieter. Das Haus trägt die Nummer 37. Morton zahlt noch auf den Stufen stehend. Der Vermieter löst das Plakat, händigt Morton die Schlüssel aus und geht. Morton macht Ramdyal auf die Nummer aufmerksam und schreibt sie auf einen Zettel. 37 Bakerstreet. Dann reicht er Ramdyal den Zettel und gibt ihm Instruktionen. 

 

Bild 39.

Mortons Arbeitszimmer.

 

Morton schreibt. Ramdyal bringt ein Telegramm: „Eintreffe mit nächstem Schiff. Foster“

Morton lächelt befriedigt, schreibt einen Zettel und gibt diesen dem noch wartenden Ramdyal mit vertraulicher Erklärung Ramdyal lächelt schlau und geht.

 

Bild 40.

Veranda an Gordons Landhaus.

 

Merceda steht verträumt auf der Veranda. Leonie tritt zu ihr und tröstet sie. Merceda schüttelt traurig den Kopf: „Es ist nicht allein das Verschwinden des Vaters.“ Merceda erzählt den ganzen Vorgang mit der Elfenbeintafel Leonie ist bestürzt, tröstet aber Merceda: „Vielleicht weiß Gordon einen Rat. Ich will ihn fragen. Der Vater wird schon schließlich noch ein Lebenszeichen geben.“

Leonie geht in das Haus. Ramdyal schleicht aus dem Garten heran, drückt der erschreckten Merceda einen Zettel in die Hand und verschwindet schnell wieder. Merceda liest: Ihr Vater hält sich hier verborgen und will Sie sprechen. Folgen Sie dem Boten, der morgen Nachmittag im Bazar Ihrer wartet. Doch schweigen Sie um Ihres Vaters Willen.“

Gordon und Leonie treten aus dem Hause. Merceda will den Zettel verwirrt verstecken. Leonie aber nimmt ihn bittend und liest, reicht ihn dann stumm Gordon. Dieser protestiert. Merceda aber bleibt entschlossen. Gordon wendet sich nun ernst zu ihr: „Da ist etwas nicht in Ordnung. Nur unter der Bedingung lasse ich Dich morgen gehen, daß ich Deine Schritte überwachen darf.“

Lächelnd willigt Merceda ein.

 

Bild 41.

Studierzimmer bei Steven.

 

Erregte Aussprache zwischen Elliot und Steven. Steven wehrt ab: „Den Morton kenne ich! Er ist ein leichtsinniger, skrupelloser Mensch. Wer weiß, worein er dieses Mädchen stürzt!“ Elliot zuckt gleichgiltig die Schultern: Was liegt mir an dem Schicksal dieses Mädchens? Wenn ich nur meine Tafel wiederhabe“

Steven geht erregt umher. Er tritt ernst vor Elliot: „Elliot, dann bleibt kein anderer Weg. Ich muß ihm nach! Schließlich trage ich doch an der Sache mit die größte Schuld.“

Spöttisch lächelnd betrachtete Elliot den Freund.

 

Bild 42.

Vor Gordons Landhause.

 

Gordon ruft vergebens nach Merceda, fragt Leonie, welche bestürzt die Achseln zuckt, und eilt fort.

 

Bild 43.

Im Innern des Bazars in Kalkutta.

 

Spätnachmittag. Merceda geht suchend durch die Verkaufsstände. Ramdyal tritt flüsternd an Merceda heran. Diese läßt sich von ihm führen. Er führt sie nach Bakerstreet Nr. 37 und klopft. Merceda tritt mit Ramdyal in das Haus.

 

Bild 44.

Im Bazar.

 

Gordon irrt suchend und fragend umher.

 

Bild 45.

Orientalisches Empfangszimmer im Hause Nr. 37.

 

Ramdyal führt Merceda in das Zimmer. Morton tritt von der anderen Seite ein. Er empfängt Merceda liebenswürdig, beauftragt Ramdyal, ein erfrischendes Getränk zu holen und ladet Merceda zum Sitzen ein, auf einem Polster inmitten des Raumes. Merceda fragt nach ihrem Vater. Morton zuckt bedauernd die Schultern: „Ich bin seit kurzem erst als Sekretär im Hause und werde meinem Herrn ihr Ansuchen berichten.“

Morton geht ab. Nach kurzer Zeit kommt Ramdyal mit einem Getränk und entfernt sich wieder. Mechanisch trinkt Merceda und sieht sich prüfend um. Ihr Blick wird plötzlich ängstlich, verwirrt streicht sie sich über die Stirn und Augen, faßt nach dem Halse, stützt sich schwer und fällt dann langsam in die Kissen zurück, verliert das Bewußtsein.

Morton sieht vorsichtig in das Zimmer, kommt ganz herein, prüft Mercedas Zustand.

 

Bild 46.

Veranda vor Gordons Landhause.

 

Leonie sieht besorgt wartend nach Merceda und Gordon aus. Gordon kommt aufgeregt zurück. Auf Leonies ängstliche Frage nach Merceda erklärt er ihr: „Merceda ist spurlos verschwunden. Ich habe unter Beistand der Behörde alles aufgeboten. Doch bis jetzt vergebens.“

Weinend lehnte sich Leonie an Gordons Brust.

 

Bild 47.

Park vor Mortons Landhause.

 

Morton und Foster reiten vom Hafen kommend vor das Haus und steigen ab. Foster drängt ungeduldig in Worten: „Und nun foltere mich nicht länger, Morton! Sage endlich,  wie hier alles steht.“

Morton schlägt Foster lachend auf die Schulter und erzählt. Fosters Erregung steigert sich während der Erzählung. In wütender Verzweiflung faßt er Morton an der Brust und  schüttelt ihn. Morton zuckt verständnislos und beleidigt die Achseln und wendet sich ab. Foster beobachtet ihn wieder  scharf und bestürmt ihn. Morton wird ärgerlich: „Ich habe es nur gut mit Dir gemeint. Du sollst sie doch befreien dürfen."

 

In fieberhafter Eile treibt Foster zum Aufbruch.

 

Bild 48.

Zimmer in Bakerstreet 37.

 

Merceda liegt auf einer Ottomane und schläft. Sie erwacht, lächelt erst, dann aber richtet sie sich schnell empor. Verzweifelt sucht sie die Türen zu öffnen. Eine Negerin öffnet und weist sie barsch zurück. Erschöpft sinkt sie zurück auf ihr Lager. Ihre Gedanken schweifen zu Heliobas. Traumartig bilden sich die Figuren des Meisters und Heliobas. Der Meister deutet auf Merceda und spricht zu Heliobas: „Sieh, Heliobas, alles Übel auf der Welt muß sich in Dienst des großen Unsichtbaren stellen; denn es bekämpft den ärgsten Feind der Menschen: Die Verflachung.“

Dankbar küßt Heliobas dem Meister die Hand: „Durch Dich, o Meister, kam mir die Erkenntnis. Bei Rückwärtsblicken sehe ich jetzt mein großes Leid, das mich verzweifeln lassen wollte, als bester Freund, der mich hart aufrüttelnd aus der vernichtenden Umklammerung sorgloser Gleichgiltigkeit riß; der mich dadurch zum Fortschritt zwang, als ich ausruhend jammervoll verkümmern wollte.“

Heliobas nickt Merceda bedeutungsvoll zu. Merceda hat sich erwachend langsam staunend aufgerichtet. Dann geht ein Leuchten über ihr Gesicht. Sie springt vom Lager, neu gestärkt, streckt die Arme empor und ruft, groß in seliger Begeisterung: „Wie ich Dich große, geheimnisvolle Macht auch nennen soll, ich fühle Dich! O mache mich wert zum Kampf um mich selbst!“

Bleibt in stiller Andacht stehen, zuckt dann aber plötzlich zusammen und lauscht. Die Negerin bringt Speise. In plötzlicher Eingebung stößt Merceda die Negerin zurück und flüchtet durch die Türe, diese hinter sich verschließend.

 

Bild 49.

Straße.

 

Morton und Foster stehen am Eingang der Straße. Morton zeigt nach der Richtung des Hauses. Da wird ein Fenster im Parterre aufgerissen und Merceda springt angstvoll heraus. Zwei schwarze Arme strecken sich ihr nach und erfassen sie. Merceda schlüpft aus der festgehaltenen Jacke, sieht, sich umschauend, Morton eilig heranstürmen, schreit angstvoll auf, da sie wähnt, daß er sie verfolgt, eilt auf ein Pferd zu, das einige Häuser entfernt von einem Knaben gehalten wird. Den verblüfften Knaben zurückstoßend, springt sie ohne Überlegung auf das Pferd und jagt in wilder Flucht ziellos davon. Morton und Foster sehen sie verblüfft an sich vorüberreiten, dann stürmt Foster den Weg zurück, von Morton gefolgt.

 

Bild 50.

„Steven ist eine Stunde nach Foster eingetroffen und hat

Gordon aufgesucht.“

Wohnzimmer Gordons.

 

Gordon erzählt Steven Mercedas Verschwinden. Steven ist entsetzt. Er wendet sich an Gordon und Leonie: „Sind Sie mit Ihrem Nachbar Morton bekannt?“

Beide bejahen erstaunt. Steven aber springt auf, bittet Gordon um ein Pferd und eilt hinaus, von Gordon und Leonie gefolgt.

 

Bild 51.

Park vor Gordons Hause.

 

Steven zu Pferd. Gordon und Leonie sprechen lebhaft auf ihn ein. Gordon bietet sich an, mitzureiten. Steven wehrt freundlich ab und reitet fort.

 

Bild 52.

Park vor Mortons Landhaus.

 

Ramdyal hält zwei Pferde. Foster und Morton sind im Begriffe, in großer Erregung aufzusteigen. Steven reitet ein. Betroffen nimmt Foster den Fuß wieder aus dem Bügel: „Herr Steven!“

Steven fordert Aufklärung. Hastig berichtet Foster. Im ersten Zorn hebt Steven seine Gerte gegen Morton, beherrscht sich aber und treibt zur Eile. Alle drei reiten davon. Ramdyal sieht ihnen nach und läuft dann in großen Sprüngen in derselben Richtung fort.

 

 

Bild 53.

Wald.

 

Merceda reitet ermüdet ganz langsam. Sie überlegt, wie sie auf Umwegen sich zurückfinden kann zum Hause ihrer Schwester.

 

Bild 54.

Beobachtungssaal im Tale des Unsichtbaren.

 

Ringsum geschlossene Vorhänge. Mattes Oberlicht. Inmitten des großen Raumes, der siebeneckig ist, steht auf schwarzem Sockel eine große Glaskugel.

Vor dieser Kugel hockt beobachtend ein Inder. Unbeweglich. An den Ausgängen stehen zwei weißgekleidete Diener. In einer Ecke des Raumes ist der Meister in ernster Unterhaltung mit seinem Lieblingsschüler Heliobas. Beide tragen antike Gewänder. Der beobachtende Inder steht plötzlich langsam auf, immer in die Kugel blickend. Der Meister wird aufmerksam und deutet nach der Kugel: „Die Kugel trübt sich von anströmenden Gedanken einer angsterfüllten Seele, Heliobas.“

Sie treten zur Kugel und sehen aufmerksam hinein. Merceda wird reitend sichtbar. Heliobas ist durch den Anblick Mercedas hingerissen: „Das ist das Mädchen, das ich oft im Geiste sah! Sie ist mit Kendersen verbunden.“

Ernst sinnend nickt der Meister und winkt nach den Dienern. „Bringt Kendersen zu mir.“

Die Diener verbeugen sich und gehen.

 

Bild 55.

Wald.

 

Merceda reitet langsam. Sie lauscht und sieht sich forschend um. Ihr Gesicht zeigt plötzlich Entsetzen, sie drückt dem Pferde die Fersen in die Weichen und reitet, so schnell sie kann; denn sie hat Verfolger hinter sich gesehen.

 

Bild 56.

Beobachtungssaal im Tale des Unsichtbaren.

 

Kendersen tritt ein, in grauem Gewande. Der Meister winkt ihm näher zu kommen und läßt ihn in die Kugel schauen. Bild in der Kugel. Merceda in wilder Flucht, hinter ihr Foster, Morton und Steven. Das Bild verschwindet. Kendersen fährt bestürzt zurück: „Meine Tochter!“

Zürnend spricht der Meister zu ihm: „Dahin brachtest Du Dein Kind, weil Dich die Habsucht trieb, in unsere Geheimnisse zu dringen.“

 

Bild 57.

„Merceda flieht ziellos in die Berge.“

 

Grasflächen, im Hintergrunde Berge, linke Seite Wald. Merceda kommt aus dem Walde, sieht sich mehrmals nach den Verfolgern um, reißt dann ihr Pferd herum und reitet direkt den Bergen entgegen.

 

Bild 58.

Gebirgssee.

 

An der einen Seite steil aufragende Felsenwand. Merceda kommt an das Ufer und reitet angstvoll entlang. Sie sieht ein Boot. Morton ist dicht hinter ihr her. Da springt sie ohne Besinnen vom Pferde, in das Boot, und stößt vom Ufer ab. Steven ist unterdessen angekommen, schiebt Morton  energisch zur Seite und springt noch im letzten Augenblick in das Boot. Er versucht Merceda aufklärend zu beruhigen und ihr das Ruder aus der Hand zu nehmen, dabei treibt das Boot mehr und mehr vom Ufer ab. Foster erreicht das Ufer, winkt und ruft. Plötzlich stutzt er, ruft Morton etwas zu und deutet erschreckt nach dem Boote.

 

 

 

Bild 59.

Auf dem Wasser.

 

Merceda und Steven schauen sich plötzlich verwundert im Boote um, prüfen das Wasser und rudern mit aller Anstrengung, während Besorgnis in ihre Gesichter tritt. Steven winkt nach dem Ufer und ruft: „Wir sind von einer Strömung erfaßt!“

Steven und Merceda rudern mit steigender Verzweiflung.

 

Bild 60.

Ein Felsen am Ufer.

 

Ramdyal liegt beobachtend auf dem Felsen. Er vergißt in der Aufregung alle Vorsicht und richtet sich hoch auf. Mit Grauen und Furcht beobachtet er den Vorgang. Foster und Morton sprengen in Aufregung ratlos am Ufer hin und her.

 

Bild 61.

Auf dem Wasser.

 

Das Boot wird immer schneller gegen die starre Felswand getrieben, nach der Steven und Merceda mit Entsetzen zeigen. Es kommt zuletzt dicht an die Felswand, in der sich eine niedere Öffnung zeigt. In immer schnellerer Fahrt wird es dieser Öffnung zugetrieben, und dann in diese hineingerissen, mitten in den Berg.

 

Bild 62.

Am Ufer.

 

Foster deckt erschüttert die Hand über seine Augen: „Ein grausiger Tod!“

Wild - vorwurfsvoll sieht er Morton an, der verlegen den Blick senkt. Dann wendet er langsam sein Pferd und reitet zurück. Morton folgt gedrückt. Ramdyal steht noch wie gelähmt auf dem Felsen und starrt auf die leere Wasserfläche. Dann streckt er furchtsam abwehrend die Hände gegen den See und gleitet schnell vom Felsen herab.

 

Bild 63.

Im Berge.

 

Niedere, zackige Felswände. Mattes Dämmerlicht. Das Boot wird auf dem Abfluß des Gebirgssees durch den Berg getrieben. Merceda und Steven halten sich halb betäubt von dem Getöse die Ohren zu und schreien sich nur hier und da eine Warnung zu.

 

Bild 64.

Beobachtungssaal im Tale des Unsichtbaren.

 

Hellobas steht vor der Kugel. Merceda wird sichtbar, wie sie mit Steven in dem Boote durch den Berg getrieben wird. Hellobas beugt sich erschrocken vor. Schmerzlich greift er an seine Brust, dann aber hebt er seine Arme und konzentriert sich fürbittend.

 

Bild 65.

Im Berge.

 

Die Fahrt wird grausiger und schneller. Steven will erschrocken in die Höhe fahren, als er ein Ruder verliert, schlägt dabei mit dem Kopf an einen Felsenvorsprung und sinkt bewußtlos in das Boot zurück. Merceda klammert sich krampfhaft an beide Bootränder und blickt entsetzt auf den Bewußtlosen, alle Nervenkraft anspannend, um bei Besinnung zu bleiben. Das Boot schießt plötzlich im Augenblick ihrer höchsten Angst aus dem Berge hinaus in blendendes Sonnenlicht und schaukelt auf ruhigem Wasser. Der unterirdische Abfluß des Gebirgssees führte Merceda durch den Berg unerwartet in das Tal des Unsichtbaren.

Merceda richtet sich mühsam im Boote etwas auf, sieht mit Entzücken das herrliche Tal und sinkt ohnmächtig neben Steven nieder.

 

Bild 66.

Arbeitszimmer Mortons.

 

Foster und Morton sind in Streit. Ramdyal meldet Gordon. Bestürzt sehen sich beide an. Ramdyal geht, Gordon einzulassen. Morton beschwört Foster zu schweigen. Gordon tritt ein: „Herr Steven ritt gestern hierher. Er kehrte nicht zurück.“

Foster rafft sich nach einem beschwörenden Blicke Mortons zusammen und berichtet: „. . . Durch Zufall sah ich Merceda plötzlich gestern in den Wald reiten. Ganz allein.. . .“

Gordon fragt hastig. Foster bedauert und erzählt weiter. Entsetzt folgt Gordon der Erzählung. Dann mit Schmerz: „Also beide tot?“

Stumm senken Morton und Foster die Köpfe. Gordon geht. Während Foster erregt hin und her geht, steht Morton am Fenster, zieht langsam seinen Revolver aus der Tasche und betrachtet ihn sekundenlang finster, Foster den Rücken kehrend. Foster bemerkt es plötzlich, tritt schnell zu Morton und nimmt die Waffe. Ernst: „Morton, das ist nicht der Weg, einen verhängnisvollen Irrtum gut zu machen. Halte aus! Vertiefe Dich in Arbeit. Die Zeit bringt schon Vergessen.“

Morton sieht ihn verstört an und schüttelt finster den Kopf: „Das Bild wird mir stets vor den Augen bleiben.“

Foster redet ihm zu und hält ihm die Hand entgegen. Widerstrebend schlägt Morton zuletzt ein.

 

Bild 67.

Im Tal des Unsichtbaren.

 

Langsam treibt das Boot mit den Bewußtlosen, Merceda und Steven, auf dem See. Eine breite Treppe steigt aus dem See zu einem Tempelbau. Bewohner des Tales sammeln sich am Ufer. Alle tragen antike Gewänder, teils weiß, teils grau. Das Boot mit Merceda und Steven wird bemerkt. Gestikulierend zeigen die Bewohner nach dem Wasser. Kähne werden abgeschickt. Die Kähne kommen näher heran, erregte Verwunderung der Insassen. Sie nehmen das Boot in Schlepptau und rudern dem Ufer zu.

 

Bild 68.

Terrassenzimmer.

 

Heliobas steht an einem Bogenfenster und sieht sinnend auf das Wasser, plötzlich sieht er schärfer und beobachtend, erblickt das Boot mit Merceda und Steven und geht an das Ufer. Die Bewußtlosen, Merceda und Steven, liegen am Strande. Heliobas tritt zu und erkennt mit freudiger Erregung Merceda aus der Kugel wieder. Er bestimmt ihre Überführung: „Den Mann tragt in den Raum des Fremden Kendersen. Für dieses Mädchen sorge ich.“

Steven wird fortgetragen. Heliobas beobachtet mit großer Sorgfalt, daß Merceda vorsichtig auf eine Tragbahre gelegt wird.

 

Bild 69.

Terrassenzimmer.

 

Zwei Mädchen legen Kissen auf einen Diwan, der inmitten des Raumes steht, um das Lager für Merceda vorzubereiten.

 

Bild 70.

Nüchterner Raum.

 

Kendersen sitzt an einem Tische und liest. Seine Gedanken sehen Merceda. Sie steht mit traurigem Gesicht vor ihm. Er streicht über die Stirne und springt auf. Müde setzt er sich aber wieder. Vor ihm taucht das Bild auf, das er in der Kugel sah. Unruhig geht Kendersen hin und her und will zur Türe hinaus. Ein Wächter tritt ihm abwehrend entgegen. Verzweifelt sinkt er wieder auf den Sessel nieder. Die Türe geht auf. Steven wird hereingetragen und auf ein Lager gelegt. Steven trägt jetzt eine Binde um den Kopf. Kendersen blickt verstört auf den Verwundeten, reibt sich die Augen und sieht sich verwirrt um, murmelt: „Steven!“

Die Träger gehen. Langsam schreitet Kendersen nach dem Lager und sinkt erschüttert vor dem Bewußtlosen nieder. Dann hebt er den Kopf, er sieht wieder das Bild aus der Kugel, Merceda auf der Flucht, sieht Steven als Verfolger darauf und rüttelt den Bewußtlosen heftig: „mein Kind, wo ist mein Kind?“

Steven bleibt besinnungslos.

 

Bild 71.

Terrassenzimmer

 

Heliobas streut Blumen auf Mercedas Lager. Ein Mädchen hält einen mit Blüten gefüllten Korb, aus dem er die Blüten nimmt. Merceda erwacht. Sie sieht die Blumen auf sich niederfallen. Staunend blickt sie zu Heliobas auf, sieht ihn groß an und sinkt dann mit glücklichem Lächeln langsam wieder zurück, die Augen schließend, als wolle sie weiter träumen. Leise streicht Heliobas über ihre Stirne: ‚Erwache, meine Schwester, Du bist in guter Hut!“

Merceda schlägt die Augen auf. Groß und ruhig sieht sie Heliobas, ihr kommt das Bewußtsein, daß alles Wirklichkeit ist, langsam richtet sie sich auf: „Ich kenne Dich schon lange, Heliobas.“

Wie in seligem Traum stützt sie sich auf Heliobas Hand und läßt sich von ihm langsam nach einem hohen Fenster geleiten, wo sie einen Rundblick über das Tal genießt. Andächtig lauscht sie seinen Worten: „Wohin Du siehst, ist Friede, meine Schwester. Vernichtung ist in diesem Tale fremd.“

Beglückt sucht Merceda nach einer Türe. Lächelnd aber wehrt Heliobas ab: ‚Noch nicht, Du mußt vorher den Weg der Prüfungen durchwandern, wenn Du zum Frieden kommen willst. Sobald Du rein von allen niederen Gefühlen bist, wird Deine Seele frei!“

Ruhig sieht Merceda zu ihm auf und sagt: „Das ist das Geheimnis unseres Todes.“

Heliobas lächelt: „Du irrst. Sobald Du würdig dazu bist, kann Dir das Heil schon vorher widerfahren. Ich will zum Meister, er wird Dir behilflich sein.“

Heliobas will fort. Merceda hält ihn aber nochmals zurück: „O, sage mir, was ist dann, wenn die Seele unabhängig von dem Körper wird?“

Mild und froh erwidert Heliobas: „Dann kennt die Seele weder Zeit noch Raum. Sie tritt dem großen Unsichtbaren näher.“

Heliobas geht. Merceda blickt sinnend mit verklärten Zügen in die Weite.

 

Bild 72.

„Ein Gartenfest beim Resident.“

 

Garten, von Lampions hell erleuchtet. Gäste sitzen ringsum, unter ihnen Foster und Morton, Leonie und Gordon. Leonie tritt zu Foster: „Ich muß immer an Merceda denken. Der Gedanke, daß sie tot sein soll, bleibt mir so fremd.“

 

Morton zuckt erschreckt zusammen. Ein Herr verkündet den Gästen: „Der Fakir Ram-Lal wird seine Künste zeigen!“

 

Ram-Lal spricht: „Seht her, Kinder des Abendlandes, was der Mensch durch die Empfindungskraft seiner Gedanken zwingt, wenn er Verbindung mit dem großen Unsichtbaren fühlt.“

 

Alle werden aufmerksam. Ram-Lal tritt gemessenen Schrittes zu einer Gartenvase, bleibt einige Schritte vor derselben stehen, verschränkt die Arme und sieht die Vase fest an, Die Vase erbebt, sie schwankt, neigt sich langsam nach vorn bis zu einem spitzen Winkel, allen Gesetzen der Schwere Hohn sprechend, und verbleibt einige Sekunden in dieser Lage. Alle beugen sich in größter Spannung vor und machen sich verwundert aufmerksam auf diesen Vorgang. Die Vase richtet sich langsam wieder empor. Ruhig verläßt Ram-Lal den Garten. Gordon fragt Leonie: „Bitte den Fakir, Dir Merceda zu zeigen, damit Du siehst, ob sie noch lebt!

Erschrocken wehrt Leonie ab. Morton aber eilt verstört dem Fakir nach, und fragt: „Kannst Du mir zeigen, ob ein Mensch noch lebt, der für tot gehalten wird?“

Ram-Lal sieht ihn prüfend an, dann nickt er stumm. Morton winkt einen Diener und beauftragt diesen, Foster zu ihm zu rufen. Dann geht er mit Ram-Lal in das Haus.

 

Bild 73.

Raum im Hause des Residenten.

 

Morton steht im Gespräch mit Ram-Lal. Foster tritt fragend ein, Morton erklärt ihm kurz seinen Wunsch und deutet auf Ram-Lal. Foster lächelt ungläubig. Ernst deutet Ram-Lal nach einem an der Wand hängenden Spiegel: „Schau dort hinein. Du wirst schon das Gewünschte sehen!“

Hastig flüstert Morton Foster etwas zu und sieht dann mit diesem in den Spiegel Dieser trübt sich, dann erscheint Stevens Figur, wie er mit verbundenem Kopfe zürnend auf sie blickt. Morton und Foster treten bestürzt zurück. Das Bild schwindet. Sie sehen sich fragend an. Foster flüstert: „Merceda“. Und scheu sehen sie wieder nach dem Spiegel. In diesem erscheint Merceda freundlich lächelnd. Foster schreit auf und faßt krampfhaft nach Mortons Arm. Das Bild schwindet. Morton beschenkt hastig Ram-Lal. Mit einem scheuen Blicke nach dem Spiegel verlassen sie den Raum.

 

Bild 74.

Terrassenzimmer im Tale des Unsichtbaren.

 

Merceda in antiker Tracht, zwei Mädchen bieten ihr Früchte und Wein, Heliobas tritt ein. Mercedas Züge verklären sich, sie streckt ihm beide Hände entgegen, die er innig küßt. Heliobas heißt die Mädchen gehen. Er bringt ihr Blumen und spricht: „Bevor Du Deinen schweren Gang antrittst, muß ich Dir sagen, daß meine Liebe Dich begleiten wird.“

Sie sieht ihn strahlend an, dann legt sie ihren Kopf an seine Brust: „Nun fürchte ich nichts, Geliebter. Ich bin bereit.“

Heliobas führt Merceda nach dem Hintergrunde. Er drückt auf eine geheime Feder in der Wand. Ein Feld der Täfelung rollt zur Seite und eine Tür wird sichtbar. Ernst deutet Heliobas nach der Anschrift: „Wanderer, kehr um, wenn Du nicht reinen Herzens bist.“

Heliobas nimmt von Merceda Abschied und klopft an die Türe. Die Tür öffnet sich. In der Öffnung stehen zwei vollständig Vermummte, so daß nur die Augen sichtbar sind. Merceda erschrickt unwillkürlich und erfaßt Schutz suchend Heliobas Arm. Dann aber rafft sie sich auf. Heliobas verbindet ihr die Augen und übergibt sie den Vermummten. Diese nehmen sie in ihre Mitte. Die Tür schließt sich wieder. Heliobas allein, preßt die Hände an sein Herz und schließt einen Augenblick die Augen. Dann geht er schnell ab.

 

Bild 75.

Tempel.

 

Schöner Hallenbau mit Säulen. Im Hintergrund ein erhöhter Sockel, vor diesem drei große Kandelaber zwischen den Säulen. Es brennen nur die drei Kandelaber vor dem Sockel. An der linken Seite im Hintergrund öffnet sich eine Pforte, der Meister kommt heraus, gefolgt von einer großen Schar Brüder. Er geht an der linken Seite bis vor, dann nach der rechten Seite hinüber, dort bis zum Hintergrunde rechts hinauf und im Bogen zu dem Sockel, auf den er tritt. Die Brüder folgen ihm, an jeder Türe des Tempels bleiben im Vorübergehen drei Mann als Wächter zurück. Die Brüder gehen an dem Sockel rechts und links vorüber und formieren sich in eine Stellung, die im rechten Winkel von dem Meister ausgeht. Andachtsstellung.

 

Bild 76.

Außenseite einer Tempeltüre.

 

Heliobas begehrt klopfend Einlaß.

 

Bild 77.

Innenseite des Tempels.

 

Ein Wächter der Türe fragt durch die geschlossene Türe nach dem Losungswort, und öffnet dann. Heilobas tritt ein und geht vor den Meister. Ehrfurchtsvoll macht er seinen Bericht. Der Meister winkt und spricht zu allen: „Eine irrende Seele ringt nach Licht.“

Der Älteste der Brüder tritt vor und antwortet: „Wir wollen ihr helfen und sie führen.“

Er hebt beteuernd die linke Hand mit gestrecktem Arme schräg empor. Alle Brüder außer dem Meister folgen seinem Beispiel.

 

Bild 78.

„Merceda in Not!“

 

Alles dunkel. Aus dem Dunkel löst sich aus dem Hintergrunde näherkommend die lichte Gestalt Mercedas, ihre Augen sind verbunden. Rechts und links sieht man wie Schatten die Vermummten. Nur Merceda ist beleuchtet. Hände lösen ihre Binde von den Augen. Die Vermummten sind verschwunden. Außer Merceda noch alles dunkel. Forschend sieht Merceda um sich. Da fährt ein blitzartiger Strahl vor ihr empor und wie aus dem Boden gewachsen steht vor ihr eine Gestalt. Verkörperte Krankheit und Elend. Abwehrend streckt diese Gestalt den abgezehrten Arm gegen Merceda aus. Merceda schüttelt den Kopf und tritt beherrscht vorwärts. Die Gestalt verschwindet. Zwei wilde Figuren tauchen auf. Die eine die verkörperte Verzweiflung, die andere der Irrsinn. Zornig strecken sie die Arme aus, um Merceda zurückzuweisen. Mutig richtet sich Merceda höher auf: Hinweg! Mein Weg führt zum Licht!“

Die Gestalten treten ihr energisch in den Weg. Krallende Hände fahren aus dem Dunkel von allen Seiten nach ihr. Sowie sie vorwärts zu schreiten versucht, wollen sich die Gestalten auf sie stürzen. Einen Augenblick erbebt Merceda, sofort dringen die Gestalten kühner auf sie ein. Da aber wagt sie einen energischen Schritt vorwärts. Die Gestalten verschwinden. Merceda nähert sich dem Ausgange. Da stehen plötzlich rechts und links zwei Skelette in dunklen Mänteln, die grinsend ihre Sensen senken und kreuzweise die Klingen vor den Ausgang halten, diesen versperrend. Merceda wirft den Kopf in den Nacken und geht direkt hindurch.

 

Bild 79.

Tempel.

 

Der Meister spricht zu den aufmerksam lauschenden Brüdern. Hellobas steht abseits an einer Säule zur Seite. Besorgt blickt er von Zeit zu Zeit nach den Aufsehern einer Pforte an der rechten Seite. Dann preßt er beide Hände geschlossen auf die Brust, um seine Aufregung zu unterdrücken. Wieder sieht er bang nach den Aufsehern und lauscht. Da zuckt er plötzlich freudig zusammen.

 

Bild 80.

Dunkler Gang an der Außenseite einer Tempelpforte.

 

Merceda mit verbundenen Augen stest zwischen zwei Vermummten vor der Türe. Ein Vermummter führt mehrere Schläge gegen die Türe.

 

Bild 81.

Tempel.

 

Alle sehen nach der Pforte rechts. Ein Wächter fragt nach der geschlossenen Pforte zu und lauscht der Antwort.

 

Bild 82.

Dunkler Gang an der Außenseite der Pforte.

 

Ein Vermummter gibt Antwort auf die Frage des Wächters.

 

 

Bild 83.

Tempel.

 

Ein Wächter tritt bis halben Weges zum Meister und meldet diesem: „Eine Seele, die frei sein will, begehrt Einlaß, großer Meister.“

Der Meister wendet sich fragend zu den Brüdern, die sich stumm verneigen. Der Meister gibt ein Zeichen: „So laß sie nicht vergebens rufen. Öffne!“

Die Türe wird geöffnet Die Vermummten treten mit Merceda bis unter die Pforte, verneigen sich vor den beiden Wächtern, denen sie Merceda übergeben und treten dann in den dunklen Gang zurück. Die Türe wird geschlossen. Heliobas tritt Merceda entgegen, nimmt ihre Hand und führt sie, die Reihe der Brüder entlang schreitend zu dem Meister und spricht zu diesem. Merceda zuckt bei dem Klange der Stimme freudig zusammen. Heliobas löst auf einen Wink des Meisters die Binde. Merceda sieht den Meister zum ersten Male vor sich, der ihr beide Hände grüßend reicht. Dann geht er mit ihr, Heliobas und zwei der ältesten Brüder die Reihe der Brüder entlang einem Ausgange linke Seite zu.

 

Bild 84.

Kendersens Raum.

 

Steven liegt noch besinnungslos. Kendersen geht unruhig hin und her, tritt dann verzweifelt zu Steven und rüttelt ihn. Steven erwacht, richtet sich langsam empor und sieht sich erstaunt um. Als er Kendersen sieht, streckt er abwehrend die Hände aus, als sähe er einen Geist. Kendersen erfaßt Stevens Hände und ruft verzweifelt: „Meine Tochter! Rede!“

Steven müht sich ab, zu denken. Stammelnd: „Im Berge brausendes Wasser . . . . ist sie tot? . . .“

Steven sinkt wieder bewußtlos zurück. Kendersen richtet sich langsam in stummer Verzweiflung empor. Schmerzerfüllt: „Tot! Und meine Habsucht trägt die Schuld!“

Gebrochen sinkt er auf einen Sessel und schlägt die Hände vor das Gesicht. Die Türe geht auf. Ein Bote steht im Raume: „Der Meister ruft Dich, Kendersen!“

Kendersen sieht sich mit leerem Blick um. „Tot“ murmeln seine Lippen. Mechanisch folgt er dem Boten.

 

Bild 85.

Beobachtungssaal.

 

Merceda steht mit dem Meister und Heliobas vor der Kugel. Die Ältesten stehen etwas zurück. Der Meister deutet auf die Kugel: „Mit Hilfe dieser Kugel bannst Du den Begriff von Raum und Zeit! Die Seele wird befreit und überfliegt die Grenzen, die der Bann der Erde auferlegt. Sieh hinein, was Du ersehnst, wird Deine Seele schauen!“

Merceda beugt sich vor und sieht in die Kugel. Dort zeigt sich ein kleiner Raum vor dem Beobachtungszimmer. Kendersen steht darin, mit dem Boten wartend, teilnahmslos. Merceda tritt überrascht von der Kugel zurück, in schmerzlich freudigem Schreck: „Mein Vater!“

Dann blickt sie zu dem Meister. Dieser winkt einem Diener an der Türe. Ein Vorhang geht zur Seite. Kendersen steht im Rahmen der Türe, teilnahmslos um sich blickend. Dann sieht er Merceda. Seine Züge beleben sich. ungläubiges Staunen, dann auflodernde Freude. Verlangend streckt er die Hände vor und wankt auf Merceda zu, immer noch wähnend, es könne eine Vision sein, die ihn täuscht. In erster Überraschung stützt sich Merceda unwillkürlich auf Heliobas, dann breitet sie jauchzend beide Arme aus, erschüttert schließt sie Kendersen in seine Arme.

 

Bild 86.

Veranda am Landhause Mortons.

 

Morton und Foster sitzen zusammen auf der Veranda. Foster liest, Morton schreibt. Morton ist nervös. Er steht auf und geht bin und her, setzt sich dann wieder nieder, um weiter zu schreiben. Da fällt ein Stein mit Papier vor seine Füße. Erschreckt fährt er wieder empor. Er sieht nicht, daß Ramdyal versteckt im Garten steht und diesen Stein geschleudert hat.

Morton löst das Papier vom Steine und liest: „Wohin ist die weiße Rose aus Amsterdam? Ich weiß es. Gib mir Geld, Sahib, damit ich schweige. Lege es unter den Sitz des Bootes am Lotosblumenteich.“

Zornig ballt Morton den Zettel in seiner Hand zusammen, blickt aber gleichzeitig scheu um sich. Dann stürzt er suchend in den Park, dort sieht er wütend nach verschiedenen Richtungen, sucht hinter einigen Sträuchern, steht dann überlegend und schlägt achselzuckend mit bitterer Selbstverhöhnung den Weg nach dem Parkteiche ein. Er tritt an das Boot, zögernd, lacht in Selbstverhöhnung auf, legt einige Banknoten unter den Sitz des Bootes, während er sich mehrmals forschend umsieht. Dann springt er aus dem Boote, versteckt sich aber geschickt. Ramdyal kommt vorsichtig näher, nimmt das Geld und will fort. Morton springt hervor und erkennt den Fliehenden. Überrascht: „Ramdyal!“ Wütend zieht er den Revolver und schießt. Ramdyal verschwindet.

 

Bild 87.

Garten mit Springbrunnen, Säulengängen und Ruhebänken

im Tale des Unsichtbaren.

 

Merceda sitzt mit Kendersen plaudernd auf einer Bank. Heliobas tritt zu ihnen mit Blumen für Merceda. Er nimmt ihre Hand und erklärt Kendersen seine Liebe zu Merceda. Kendersen vereinigt freudig beider Hände. Da steht der Meister lächelnd hinter ihnen. Er spricht: „Vereinte Liebe, deren Wachstum aus dem göttlichen Gedanken stammt, gibt eine Kraft, die Welten stürzen und erschaffen kann. Sie führt über den Erdenbann hinaus. Habt ihr den Mut, als erstes Paar im Tale einen Schritt zu wagen, der Euch den Schleier alles Sterblichen entrückt?“

Freudig erklären sich Merceda und Heliobas bereit dazu. Der Meister winkt ihnen zu folgen. Kendersen bleibt zurück und geht dann nach der anderen Seite fort.

 

Bild 88.

Kendersen Raum.

 

Steven geht grübelnd unruhig hin und her. Er sieht in Gedanken Merceda mit Heliobas eng' umschlungen einen idyllischen Weg wandeln und sich liebevoll in die Augen sehen. Kopfschüttelnd setzt sich Steven und zerwühlt mit den Händen nervös sein Haar. Dann schreibt er auf ein Stück Papier: „Merceda - Heliobas. Kann das Glück des Paares auch nur einer Einbildung entstammen? Und wenn auch, so muß doch der Funke einer hohen Kraft in ihnen schlummern! In jedem? Vielleicht auch in Morton? In mir? Wodurch bleibt er in mir unerweckt? Weshalb?“

Steven macht einen langen unkontrollierten Strich mit der Feder nach dem letzten Buchstaben, als ginge ihm die Kraft zum Denken und zum Handeln aus. Dann wirft er die Feder zornig zur Seite. Kendersen tritt ein.

Steven eilt ihm entgegen. Hastig: „Ich muß mit Eurem Meister sprechen, Kendersen führe mich zu ihm!“

Kendersen wehrt bedauernd ab. Steven bestürmt ihn. Kendersen beruhigt ihn: „Ich werde Dein Verlangen melden, Steven!“

Düster setzt sich Steven wieder und starrt auf das beschriebene Papier.

 

Bild 89.

Ende eines Säulenganges.

 

Zwei Wächter stehen vor einer schweren Türe. Der Meister kommt mit Merceda und Heliobas zu der Türe, nimmt einen kleinen Schlüssel, den er am Bande um den Hals trägt, und öffnet. Die Drei treten ein.

 

Bild 90.

Ein kleiner Raum, ganz in Schwarz ausgestattet.

 

An einer Kette hängt eine altertümliche Ampel mit brennendem Öle Ein steinernes Pult ist die einzige Abwechslung. Auf diesem ruht ein großes altertümliches Buch. Über dem Platze an der Wand steht in großen Buchstaben: „Suchender, tritt nur in weihevoller Stimmung an das Buch!“

Ernst schlägt der Meister die erste Seite des Buches auf. Dort steht: „Bedenke, daß Jahrtausende vor Dir schon Deine Brüder in dem Buche lasen.“

Der Meister legt seine Hände auf Mercedas und Heliobas Augen und spricht feierlich: „Bruder, Schwester, werdet sehend, und erkennt in dem Raume die, die uns vorangegangen sind, und durch das Buch nun zu Euch sprechen!“

Der Meister nimmt die Hände von den Augen. Der Raum ist gefüllt von ernsten Gestalten in verschiedenen alten Trachten, deren Blicke auf das Buch gerichtet sind. Verwirrt sehen sich Merceda und Heliobas um. Der Meister macht eine Handbewegung. Der Raum ist wieder wie zuvor, ernst wendet der Meister das Blatt des Buches. Es zeigen sich die Worte: „Die Brücke zu dem großen Unsichtbaren ist die Liebe, die nur an den anderen denkt, und willig alles für ihn opfert.“

Bedeutungsvoll schlägt er das zweite Blatt um. An dieser Stelle ist zu lesen: „In dem Tempel des geweihten Tales öffnet sich zu Mitternacht zu der Zeit, wo der Mond am vollsten ist, eine geheimnisvolle Pforte, durch die ein Weg zu große Tiefe führt. Lodernd braust da eine allesreinigende Flamme pulsartig durch die Erde. Der Du zu lieben wähnst, geh hin! Du wirst dabei den Weg des Unsichtbaren finden.“

Der Meister schlägt das Buch zu und spricht warnend: „Überlegt es wohl! Fordert die Euch zum Teil noch unbekannten Mächte nicht aus Neugier oder Mutwillen heraus; denn das Verderben lauert dicht daneben und schleudert Euch vielleicht Jahrhunderte zurück. Noch habt Ihr freie Wahl“

Merceda und Heliobas sehen sich liebend in die Augen. Dann freudig zum Meister: „Wir sind bereit!“

Der Meister reicht ihnen die Hände.

 

Bild 91.

Elliots Arbeitszimmer.

 

Elliot liest einen Brief von Foster: „Beide traf auf diesem See ein furchtbares Geschick. Merceda und Steven sind tot.“

Elliot starrt ergrimmt vor sich hin, dann ballt er wütend den Brief zusammen und schleudert ihn auf den Boden: ‚Was nützt mir die gerechte Strafe? Mir geht mein Ruhm mit dieser Aufzeichnung verloren!“

 

Bild 92.

Einfacher Raum des Meisters im Tale des

Unsichtbaren.

 

Kendersen tritt zu dem Meister und erzählt von Steven. Der Meister legt seine Hand auf Kendersens Schulter: ‚Seine Zeit ist noch nicht da. Du weißt von Dir, wie sehr die Kämpfe läutern. Je tiefer die Verzweiflung ist, desto schneller wird er vorwärts kommen.“

Freundlich begleitet der Meister Kendersen zur Türe, Kendersens Bitten entschieden abwehrend.

 

Bild 93.

Tempel.

„Merceda beschreitet mit Heliobas den schweren Gang ins

Ungewisse!“

 

Es ist Nacht und Vollmond. Alle Kandelaber brennen. Die Brüder stehen in der Andachtsstellung. Vor dem Meister stehen Merceda und Heliobas. Eine Uhr zeigt drei Minuten vor Mitternacht. Segnend legt der Meister seine Hände auf Merceda und Heliobas: ‚Steigt hinab in den geheimnisvollen Schoß der Erde und sehet, was er für Euch birgt. Des großen Unsichtbaren Wille wird Euch führen.“

Unter Führung des Meisters geht das Paar die Reihe der Brüder entlang. Hinter ihnen schließen sich die beiden ältesten Brüder an, die dem Meister am nächsten stehen. Die Brüder verneigen sich. Der Meister geht im Bogen zurück zur Hinterwand der Halle. Die dort vor einem Vorhang stehenden Wächter ziehen diesen zurück. Eine niedere Pforte wird sichtbar. Mahnend zeigt der Meister auf die darüber befindliche Inschrift: „Der Du es wagst, hier einzutreten, erzittere, wenn Deine Liebe nicht den Gottesfunken in sich trägt.“

Die Uhr zeigt eine Minute vor 12 Uhr. Einige Brüder löschen auf des Meisters Wink die Kandelaber aus. Es herrscht Dämmerung in der Halle. Nur der Strahl des Mondes geht hell bis zu der kleinen Pforte, und klettert langsam höher. In dem Augenblicke, wo der Strahl des Mondes die Pforte trifft, öffnet sich diese geheimnisvoll. Merceda und Heliobas treten eng umschlungen auf die Schwelle, vom Monde voll bestrahlt, und sehen sich noch einmal abschiednehmend um. Dann steigen sie ohne Begleitung hinab. Die Pforte schließt sich wieder. Kendersen hat mit den anderen gebannt gestanden. Im ersten Impulse will er nun zur Pforte. Gebietend weist ihn jedoch der Meister zurück.

 

 

Bild 94.

Düsterer, in die Tiefe führender Abstieg.

 

Merceda mit Heliobas, von mattem Licht bestrahlt, gehen Hand in Hand in die Tiefe.

 

Bild 95.

Kendersens Raum.

 

Steven, noch modern gekleidet, steht am Fenster. Es ist Nacht. Kendersen sitzt tief erregt auf einem Stuhle, mit gesenktem Kopf. Er hebt den Kopf zu Steven: „Steven, jetzt ist sie mitten in den gräßlichsten Gefahren!“

Steven wendet sich ihm langsam zu, gedankenvoll: ‚Aus welchem Borne schöpft sie die Kraft?“

Kopfschüttelnd wendet er sich wieder brütend an das Fenster.

 

Bild 96.

Wilde unterirdische Grotte.

 

An allen vier Seiten menschenhohe natürliche Öffnungen. Merceda und Heliobas treten aus einer der Öffnungen und blicken sich erstaunt um. Merceda deutet plötzlich nach der linken Seite: „Hörst Du das zischende Brausen! Es kommt näher!"

Forschend blicken sie in die Öffnung, treten aber dann langsam mit dem Zeichen von Grauen zurück und halten beide Ohren zu: „Die Flamme kommt!“

Dicht pressen sich beide in banger Erwartung an die Felswand. Ein breiter Feuerstrahl schießt plötzlich aus der Öffnung links hervor und zieht an dem überraschten Paare vorüber in die Öffnung rechts, worin sie verschwindet. Die Flamme braust in gewissen Zeiträumen stets hin und dann wieder zurück.

Erstaunt sehen sie der Flamme nach. Plötzlich erscheint im dunklen Hintergrunde eine Flammenschrift: „Wer sich der anbrausenden Flamme als freiwilliges Opfer gegenüberstellt, erwirbt für den geliebten Anderen das höchste Glück!“

Aufmerksam lesen sie die Worte. Merceda richtet sich verklärt empor: „Das höchste Glück sei Dir, mein Heliobas.“

Mutig stellt sie sich vor die Öffnung, aus der die Flamme zurückkommen muß. Heliobas ruft entsetzt: „Merceda! Die Flamme kommt zurück! Hörst Du das hohle Brausen? Ich bin es, der sich opfern muß!“

Er zieht Merceda in liebender Angst gewaltsam zurück und springt vor die Öffnung, streckt der anbrausenden Flamme jubelnd beide Arme entgegen: „Für Dich, Merceda!“

Die Flamme schießt hervor, hüllt Heliobas ein. Merceda hat sich schnell gesammelt, sie schreit: „Mit Dir, mein Heliobas!“ und springt mitten in die Flamme neben Heliobas. Beide werden einen Augenblick von der Flamme umhüllt. Diese braust weiter nach der linken Öffnung und verschwindet in derselben. Merceda und Heliobas aber stehen unversehrt, erstaunt, hochaufgerichtet und verklärt. In Flammenschrift erscheint im Hintergrunde: „Ihr habt den Tod durch Eure Liebe überwunden. Die große Flamme alles Lebens hat das Böse in Euch aufgezehrt. Ziehet geläutert Eure Bahn.“

Beglückt treten sie eng umschlungen in die nächste Öffnung.

 

Bild 97.

Treppe aus dem See zum Tempel.

 

Vor Sonnenaufgang. Das Volk versammelt sich erwartungsvoll zum Teile vor, zum Teil auf der Treppe. Der Meister kommt mit einer Anzahl Brüder. Mit dem ersten Sonnenstrahl steigt Merceda und Heliobas aus einer Versenkung dicht hinter der obersten Stufe der Treppe empor und bleiben umschlungen stehen. Das Volk jubelt ihnen zu. Der Meister begrüßt sie. Er hebt segnend die Hände: „Ihr seid von dieser Stunde an geschützt vor den Versuchungen der Welt! Zieht nun hinaus und bringt den Brüdern und den Schwestern unsere Grüße.

Der Meister geht mit ihnen nach dem Tempel.

 

Bild 98.

Gordons Arbeitszimmer.

 

Gordon und Leonie sprechen zusammen. Ein Diener meldet Ramdyal. Gordon läßt ihn eintreten. Ramdyal sagt kriechend: „Ich kann dem Sahib sagen, wer die weiße Rose stahl, die der Berg verschlungen hat.“

Gordon ist erstaunt und fordert zum Sprechen auf. Ramdyal erzählt. Gordon springt erregt auf und reicht Ramdyal mit Widerwillen einige Geldstücke: „Komme in zwei Tagen um dieselbe Zeit noch einmal zu mir! Hörst Du? Dann erhältst Du mehr.“

Grinsend entfernt sich Ramdyal. Leonie fragt angstvoll. Gordon beruhigt sie: „Ich werde Morton unerwartet diesem Menschen gegenüberstellen. Die Schurkerei soll hier Vergeltung finden. Den Liebesdienst sind wir Merceda schuldig.“

Erschüttert preßt er Leonie an sich.

 

Bild 99.

Garten im Tale des Unsichtbaren.

 

Kendersen tritt zu dem promenierenden Meister. Auf des Meisters Frage antwortet er mit mühsam unterdrückter Verlegenheit: „Ich muß Dir ein Bekenntnis machen, großer Meister!“

Der Meister sieht ihn forschend an, dann ladet er Kendersen zum Sitzen ein: „Erzähle!“

Kendersen erzählt und reicht dem Meister das Täfelchen. Sinnend sitzt der Meister. Dann sieht er auf. Merceda und Heliobas wandeln in den Gängen. Er winkt das Paar heran, reicht ihnen das Täfelchen und spricht: „Ihr seid erprobt, geht in die Weit. Bringt diese Aufzeichnungen dem Eigentümer wieder. Vielleicht ist es zu vieler Menschen Heil und Frieden.

Freundlich grüßend geht der Meister. Kendersen ergreift Mercedas Hand: „So reise denn sofort, mein Kind. Mach wieder gut, was ich verfehlte.“

Er küßt sie zärtlich auf die Stirn.

 

Bild 100.

Arbeitszimmer Gordons.

 

Leonie ordnet. Gordon tritt ein: „Leonie, ich denke, es ist besser, ich melde alles bei der hiesigen Behörde. Morton mag hier festgenommen werden.“

Leonie nickt eifrig, winkt ihm hebend zu und ordnet weiter. Gordon wirft ihr eine Kußhand zu und geht.

 

Bild 101.

Landstraße nach Gordons Haus.

 

Merceda und Heliobas in Reisekostüm fahren im offenen Wagen die Straße entlang nach Gordons Hause zu. Gordon kommt vom Hause her geritten. Bei Anblick des Wagens stutzt er und zügelt sein Pferd. Gordon steht dem Wagen gegenüber und starrt entgeistert auf Merceda. Diese winkt ihm freudig zu. In Gordon kommt Leben. Er streckt abwehrend die Hand aus, reißt sein Pferd herum und jagt die Straße zurück nach seinem Hause. Merceda und Heliobas sehen sich erstaunt an, lachen aber plötzlich dann laut auf. Heliobas spricht: „Er hielt Dich für eine Sinnestäuschung, Merceda.“

Fröhlich lachend gibt Merceda dem Kutscher ein Zeichen zu schnellerer Fahrt.

 

Bild 102.

Arbeitszimmer Gordons.

 

Leonie ist eben fertig mit ordnen, Gordon stürzt herein. Erschöpft den Tropenhelm abnehmend und entsetzt hinter sich deutend, ruft er: „Ich leide, wie es scheint, am zweiten Gesicht! Eine Vision . . . auf der Straße . . . Merceda! Oder die Hitze! . .

Bestürzt lauscht Leonie seinen Worten. Zärtlich streicht sie ihm beruhigend die Stirn, da weiten sich ihre Augen. Merceda steht unter der Portiere. Strahlend, erhaben, freundlich und doch selbstbewußt. Leonie weicht langsam unwillkürlich rückwärts. Gordon wendet sich und springt mit Zeichen des Entsetzens neben Leonie. Merceda streckt grüßend die Hände entgegen: „Ich bin es wirklich, fühlt doch, daß ich lebe!“

Jubelnd wirft sich Leonie in ihre Arme.

 

Bild 103.

Kendersens Raum.

 

Steven steht am Fenster, Kendersen tritt ein, betrachtet ihn kopfschüttelnd, tritt zu ihm und legt von rückwärts die Hand auf die Schulter. Steven wendet sich. Ein Bild tiefster und wildester Zerrissenheit, innerlich, und Haltlosigkeit. Verzweifelt streckt er beide Arme zur Decke empor, als sollte ihm von dort Erleuchtung kommen. Da tritt der Meister unerwartet ein. Steven sieht ungläubig nach ihm, dann eilt er auf ihn zu und fleht: „Mit meinen Theorien ersticke ich alle Empfindungsfähigkeit der Seele! Überall sehe ich hohnlachende Verneinung und bin unfähig, an Erhabenes zu glauben. Gib mir Klarheit, Meister, oder ich verderbe!“

Prüfend schaut der Meister auf ihn, dann schüttelt er den Kopf: „Es gibt kein Verderben, nur Veränderung. Und wenn Du wie bisher die in Dir drängende Entwickelung zu hemmen suchst, so wird die Gärung umso stärker. Ich komme, Dir den Weg zu zeigen, den Du suchst.“

Aufleuchtenden Auges preßt Steven ihm die Hand.

 

Bild 104.

Gordons Arbeitszimmer.

 

Merceda, Heliobas, Gordon, Leonie und Ramdyal. Gordon spricht bestimmt auf Ramdyal ein. Leonie deutet nach dem Fenster: „Dort kommen Morton und Foster.“

Merceda geht mit Heliobas in einen Nebenraum. Gordon stellt Ramdyal vor diesen Raum hinter einem Vorhang. Nach der Begrüßung legt Gordon einen beschriebenen Bogen vor, und spricht: „Eine Aufzeichnung über Mercedas rätselhaftes Auftauchen und Verschwinden. Genau nach ihrer Erzählung. Können Sie alles mit gutem Gewissen unterschreiben? Ich will es der Behörde übergeben.“

Gordon hält Morton die Feder entgegen. Morton und Foster schauen sich verlegen an. Dann aber greift Morton fest zur Feder. Gordon zieht sie jedoch zurück und deutet auf Ramdyal, von dem Leonie schnell den Vorhang gezogen hat. Morton und Foster stehen verblüfft. Ramdyal wagt nicht weiter vorzutreten und beschuldigt Morton mit furchtsamer Hast. Dieser will sich in aufsteigender Wut auf Ramdyal stürzen, da tritt Merceda schnell aus dem Nebenraume und bleibt hinter Ramdyal stehen. Morton, im Begriff, mit gekrümmten Fingern Ramdyals Hals zu umklammern, bleibt einen Augenblick mit offenem Munde in gleicher Haltung wie erstarrt, dann weicht er entsetzt abwehrend langsam zurück, sich schnell bekreuzigend. Foster hält eine Hand vor die Augen, die andere abwehrend vor. Merceda hebt die Hand: ‚Haltet Frieden; denn ich habe Euch vergeben! Die Hand des großen Unsichtbaren führte mich durch Leid zum Glück. Es war sein Wille.“

Glückselig lächelnd lehnt sie sich an Heliobas, der zu ihr getreten ist. Heliobas küßt sie auf die Stirne.

 

Bild 105.

Beobachtungssaal im Tale des Unsichtbaren.

 

Der Inder ist allein. Die Kugel trübt sich. Er drückt auf eine Klingel. Der Meister kommt, blickt in die Kugel und sieht Merceda und Heliobas, wie sie Foster das Täfelchen und einen Brief überreicht. Sie bedeutet, daß er abreisen und beide Gegenstände Elliot überbringen soll. Der Meister nickt mit wohlwollendem Lächeln nach der Kugel.

 

Bild 106.

Gordons Veranda.

 

Merceda und Heliobas stehen zur Abreise bereit vor Leonie und Gordon. Merceda küßt Leonie, und spricht sanft zu ihr: „Meine Aufgabe ist nun erfüllt. Die Sehnsucht treibt mich wieder nach dem Tale des Unsichtbaren. Seine Hand möge Euch bald die Wege dazu finden lassen.“

 

Bild 107.

Elliots Arbeitszimmer.

 

Elliot steht ungeduldig wartend in seinem Arbeitszimmer  und sieht wiederholt nach der Uhr. Dann auf ein offenes Telegramm. Er liest: „Komme 11 Uhr mit Tafel und einem Brief von Steven. Erklärung mündlich. Foster.“

Elliot triumphiert. In Gedanken sieht er sich schon wieder ruhmgekrönt. Foster tritt ein. Freudig eilt ihm Elliot entgegen. Foster ist ernst und erzählt. Elliot aber drängt nach der Tafel. Foster überreicht sie ihm mit dem Briefe. Ungeduldig öffnet Eillot und liest: „Ihr wähnt mich tot. Doch wie Du siehst, kann ich Dir Nachricht geben. Auf Rückseite der Tafel fand ich mit geschärftem Blick noch eine Schrift, die lautet: „Der Weg hat nur für den Wert, der die Harmonie der Seele sucht. Irdische Schätze sind im Tal des Unsichtbaren nicht zu finden. Steven.“

Elliot zeigt große Enttäuschung. Hastig betrachtet er durch eine Lupe die Rückseite der Tafel. Dann schleudert er wütend die Tafel in die Ecke des Fußbodens. Ergrimmt ruft er Foster zu: „Phantasterei! Das bringt mir keinen Ruhm! Somit war meine Mühe ganz umsonst.“

Grimmig lachend zeigt er Foster Stevens Brief.

 

Bild 108.

Beobachtungssaal im Tale des Unsichtbaren.

 

Der Meister, Merceda und Heliobas stehen vor der Kugel. Ernst deutet der Meister nach der Kugel. Darin sieht man Elliot und Foster. Foster geht, hebt das Täfelchen vom Boden auf und legt es auf eine verächtliche Bewegung Elliots hin in einen Schrank zu anderen Altertümern.

Merceda ruft bestürzt: „Er legt das Kleinod achtlos fort. Durch den Verblendeten bleibt nun der Weg zum Frieden Hunderttausenden verschlossen.“

Freundlich wendet sich der Meister zu Merceda: „Gräme dich nicht darum, Merceda. Wer ehrlich will, der wird wie Du zum Ziel gelangen.

Leid und auch Freuden pochen dauernd an, um aus dem Gleichmut aufzurütteln. Und einmal muß bei jedem das Erwachen kommen.“

Grüßend geht der Meister. Heliobas und Merceda sehen sich verklärt in die Augen.

 

 

***

 

Ein Erlebnis in Deutsch-Tirol im Mai 1928.

 

Ein Reichsdeutscher wohnte mit seiner Familie auf einem in Tirol gekauften Sommersitze. Die herrliche Lage, die biederen Charaktere der Nachbarn und Bevölkerung erweckten in ihm den Wunsch, diese Vorzüge auch Anderen teilhaftig werden zu lassen und an dieser Stelle ein Erholungsheim für Kinder mittelloser und in wirtschaftlicher Bedrängnis befindlichen Familien zu errichten, namentlich aber für Waisenkinder, die darin ein schönes Heim und Gesundung finden, sollten.

Zu nicht geringem Erstaunen erfuhr er, daß gegen diese Betäti-gung des Christuswortes der katholische Pfarrer des Ortes emsig arbeitete und alles in Bewegung zu setzen versuchte, daß von der Regierung der Ausführung dieses Gedankens Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden sollten, ja, daß sogar ein Verbot dagegen erlassen würde! Gerade der Herr, der das Gotteswort zu lehren hat.

Der Grund zu diesem Eifer gegen die Betätigung des Gotteswortes war, daß der Reichsdeutsche.... dem evangelischen Christentume angehörte! Daß dieser Pfarrer mit solchem Handeln seinen ihm anvertrauten Seelen ein klägliches Bild bietet und beweist, daß er wohl Lehrer sein will, aber selbst nicht daran denkt, nach diesen von ihm gelehrten Worten auch zu leben und zu handeln, daß er dabei auch direkt gegen das Staatsgesetz der Religionsfreiheit verstößt, sowie des Gotteswillens spottet, sich also gegen den Willen seines Gottes auflehnt, bekümmert ihn nicht, ganz abgesehen davon, daß er damit jeder wahren Menschlichkeit direkt in das Gesicht schlägt und die Mitglieder seiner Gemeinde schädigt. Was wird dieser Mann seiner Gemeinden dafür bieten, wenn die Not anbricht?

Es würde keine Entschuldigung sein, wenn er in dem Wahne ist, damit seiner Kirche zu dienen; denn die Kirche ist nicht das Gotteswort, der Wille Gottes, steht doch wohl noch über jeder Kirche als solche und muß von dieser und deren Dienern in erster Linie gelebt und erfüllt werden! Die Kirche und deren Diener haben dem Worte, also dem Willen Gottes, zu dienen, das bedingungslose Nächstenliebe fordert, wofür wohl deutlich genug das besondere Gleichnis vom „Barmherzigen Samariter“ spricht! Das Gotteswort hat aber nicht der Kirche zu dienen!

Der Gottessohn brachte den Willen seines Vaters in dem „Wort“, damit dieses von der Menschheit erfüllt wird, nicht aber, damit dieses Gottes Wort nur unter die Interessen einer später gegründeten Kirche gestellt werden soll! Das ist eine Anmaßung, die Gott nicht ungestraft lassen wird!

Der Reichsdeutsche unterließ daraufhin die Ausführung seines Planes an diesem Orte, da es ihm widerlich war, sich mit solchem Gebahren zu befassen, das wohl tatsächlich nicht mehr in die Zeit 1928 gehört! Und solche Fälle stehen nicht einzeln da in dem Lande, dessen Bevölkerung in seiner Biederkeit und Treue sich mit, an die Spitze der Menschheit stellen könnte! Was muß hier das Gesetz der Wechselwirkung bringen! Denn es ist frevles Spiel mit der Biederkeit der Menschen. -

(Die Namen stehen im Verlage Tutzing zur Verfügung)

 

 

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