1. Jahrgang Heft 3 und 4
Der Ruf
Schrift für alles fortschrittliche
Wissen
Verlag der Gralsblätter :-: Oskar Ernst Bernhardt
Tutzing (Obb.)
Oktober/November 1927
Der Ruf
Schrift für alles fortschrittliche
Wissen
Heft 3 und 4
VERLAG DER GRALSBLÄTTER, TUTZING
OSKAR ERNST BERNHARDT
Copyright by Verlag der Gralsblätter
Oskar Ernst Bernhardt, Tutzing (Obb.)
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten
Druck von P. Beirich Nachf., Groitzsch (Bez. Leipzig)
Inhalt
Seite
1. Nicht Sturm noch Orkan. .. Von Dr. Heinz Neu, Bonn . . . . . . . . . .... 4
2. Denkst Du daran? Von Dr. Michael Georg Conrad, München . . . . . . 5
3. Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!
Von Abdruschin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ……. 11
4. Das Gesetz der Wechselwirkung im geistigen und materiellen
Geschehen. Von Dr. Kurt IIlig, Berlin . . . . . . . . . . . . . . . . ………… 32
5. Vom Wesen des Christentums. Von J. Anton Neidhart, Stuttgart…... 40
6. Die Bedeutung der Neurasthenie und ihre Bekämpfung. Von
Hofrat Med. Dr. Leopold Ceipek, Innsbruck . . ……………………… 45
7. Kultur - Kunst - Technik. Von Alfred Fischer, Reg.-Baumeister
B. D. A., Karlsruhe …. . . . . . . . . . . .. . . . . . ………………………….. 51
8. Durchblicke und Ausblicke! Von F. X. Uranus, Regensburg. …...……. 56
9. Fragenbeantwortungen. Von Abdruschin
a) Das Rätsel von Konnersreuth . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ………… 59
b) Der Schächer am Kreuze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ………………… 66
c) Wechselndes Geschlecht bei Wiederinkarnierungen . . . . . .. …… 67
10. Mitteilungen des Verlages . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ……………….. 67
Nicht Sturm noch Orkan
Bestimmen die Bahn,
Zwingen die Richtung auf. –
Der Segel Stand,
Die Kraft der Hand
Lenken den Lauf. –
Dr. Heinz Neu, Bonn.
Denkst Du daran?
(Aus einem Brief mit verhehlter Anschrift)
Mit dieser Frage rüttle und schüttle ich meine Übermüdung und Enttäuschung durch den Alltag ab, der mich bis ins hohe Alter mit einem Netz von Verpflichtungen jeglicher Art unentrinnbar umstrickt, damit das ermattete Auge sich wieder öffne, das betäubte Ohr sich neu schärfe und spanne, das zum Entschlummern geneigte Gewissen erwache.
Denkst Du daran? Packt Dich diese Frage wie ein jäher Weckruf, der durch Nacht und Traum bricht, meine liebe Seele, und Dich nicht mehr losläßt? Stell’ Dich nicht dumm, Du wirst beobachtet!
Und meine Hand blättert in einem schmucken kleinen Buch, auf dessen Titelseite diese aufschreckende Frage mir förmlich ins Auge brannte. Gleichgültiger, verdrossener, abgestumpfter, elender Bildungs-mensch von gestern und heute: Denkst Du daran? Woran? Wär’s nicht besser, alles Denken auszulöschen, alles Lesen und Grübeln zu verabschie-den, allem die Schwelle zu verbieten und die Tür zu verriegeln, was Dich um den letzten Rest Deiner Gemütsruhe, den Du aus allen Katastrophen und Zusammenbrüchen Deines von der Problematik alles Weltanschau-lichen und Kämpferischen verwirrten und zu totermüdeten Lebens gerettet? Denken und immer wieder denken? Wozu alles wieder durch Hirn und Herz jagen, was Dich solange als Wissensdunst umnebelt, bis all die leuchtenden Ideale Deiner Jugend darin erblindet und versunken schie-nen?
Iß und trink, liebe Seele, wie es in jenem Gleichnis des Evangeliums heißt, und fasse neuen Mut! Halte Dich ans Materielle, Handgreifliche, an den genießbaren Besitz, den Du in Scheunen, Kellern, Schränken und Kassen zu sammeln vermochtest. Diese zu erhalten, zu mehren, zu sichern und, wenn es mit Dir zu Ende ist, klüglich zu vererben, damit auch andere sich mit dem ungerechten Mammon etwas gönnen und Dir den Nachruf eines vorbildlichen Menschen und Wohltäters Deiner Zeitgenossen bereiten!
Und die liebe Seele steht ergriffen! Sie feiert in ihrer gottverlassenen Wahnseligkeit wirklich noch ein Fest. Und entzückt sich an der Vorstel-lung, daß es Tausende in betörender Einmütigkeit mit ihr feiern. Siehe da, ein wahrhaft mystisch-religiöses Erlebnis, fern und unzugänglich aller störenden Verketzerung durch äußerlich noch herrschende Buchstaben-moral und Katechismusweisheit! Und nicht ein Tröpfchen Wermut fällt in diesen Freudentaumelkelch dieser unbekümmert zechenden, tanzenden, bubiköpfigen, kurzgeröckten, sportvernarrten Normalmenschlichkeit im Schall- und Rauschzustande ihrer absoluten Modernität? Jenseits von gut und bös tollt sie sich mit nachtwandlerischer Sicherheit aus, unerreichbar für die Kontrolle ernster Aufklärung durch wissenschaftliche Forschung im Bereich des Seelischen und Geistigen, durch kulturschöpferische Philosophie, Kritik und Experiment jener, die aus heiliger Berufung zu Führern aus diesem Irr- und Wirrsal ihre prophetische Stimme mit dem Ruf zur Umkehr durch die trostlosen Wüsteneien dieser sich selbst vergeudenden und zerstörenden Pseudo-kultur-Menschheit erschallen lassen?
Denkst Du daran? Ach nein, der im Hirn und Herz zusehends verarmende, in seinen Machtwahn der Natur- und Weltbeherrschung eingekerkerte Modernitäts-Normalmensch hat anderes auf seinem Programm. Das wäre ihm abwegiges Denken und Wissen, das ihn nicht in seinen Torheiten bestärkte, ihn nicht in seinen Lüsten und Genüssen steigerte, mit neuen Sensationen fütterte und mit immer tolleren Wahnbildern als den Herrn und Bezwinger und Nutznießer alles Irdischen reizte, bestrahlt vom bengalischen Glanz der ihm hörig gewordenen Zeitungs-Feuerwerker, und als einer der obersten Zehntausend neidvoll umjubelt vom Beifall der Kleinbürgerschaft, die ihrem knauserigen Schicksal in den Ohren liegt, ihr doch zu helfen, daß sie endlich jener Lebenshöhe der gottvoll Auserwählten auch teilhaftig werde.
Inzwischen aber, Du, nach dem Teufelstand der obersten Zehntausend Deiner Narrenwelt hungernde armselige Philisterseele, iß und trink und verdaue, was Dir die Umstände Deiner politisch und wirtschaftlichen Gegebenheiten in ihrer freistaatlichen oder faschistischen, oder gar bolschewistischen Fortentwickelung beschieden, fasse Mut, immer neuen Mut, Deine Ohnmacht in Macht, Deine Gebundenheit und Unzulänglich-keit in himmelstürmende Freiheit und höchstpersönliche geniale Willkür umzulügen - neunmalheilige Lebenslüge! - so wirst Du bei fleißiger Übung alle aufkeimende Angst und Unruhe aufwühlenden Denkens, Wissens und Urteilens zu bannen, niederzutanzen, niederzutrampeln vermögen, mit und ohne Jazzmusik. Hier erfüllt sich der Sinn Deines Daseins, hier ist Grund und Maß für Sicherheit, Stolz und Würde, wie sie Dir angemessen, Tausende und Abertausende handeln und wandeln einträchtig mit Dir, eine majestätische Gemeinschaft umschließt Dich, eine unüberwindliche Mehrheit, eine unantastbare Herde, sich selbst sakrosankt, eine kompakte Masse.
Darum lasse der Welt ihren Lauf, jener strengen, gesetzespflichtigen, opferfordernden, auf rauhen Pfaden zu den Sternen führenden Welt, und verharre in der Deinen, Dir gemäßen - lebe Dich aus! Rege Dich nicht auf über Weltgeschichte und Weltgericht; Du selbst machst keine Geschichte mehr und Dein Gericht vollziehst Du an Dir selber. Du verzehrst Dich mit den Kräften, die Dich und Deine Zeit bewegten. Weißt Du, wie das ward? Was galt Dir das Wissen, da Du nur am Instinkte, am Triebe, an der Routine hingst? Woran solltest Du denken, da Du das Ewige nicht kanntest, das nur Liebe ist und Heldisches und Heiliges und von keinem Tod überwunden werden kann? - - -
*
Meine Hände haben in einem kleinen, schmucken Buch geblättert, von dem ein geheimer Zauber ausging. Und wie ich fühlte, daß die Macht einzelner Sätze und schon die Wucht seines Titels meine Gedanken entführte, mit Visionen erfüllt, legte ich es still nieder, ergriff die Feder und schrieb zu meiner Befreiung - was der geduldige Leser oben überfliegen konnte. Damit ich wieder zu reiner Sachlichkeit leichter zurückfand, wählte ich den Umweg über ein altes Buch, darin ich die folgenden Aussprüche von Fr. W. I. v. Schelling fand, des großen Philosophen, dem die Dankbarkeit seines königlichen Schülers Maximilian II. von Bayern, kurz nach dem Tode des Meisters, in der Maximilianstraße zu München das würdevolle, stolze Denkmal gesetzt.
Ich zitiere wörtlich: „Die Deutsche Nation strebt mit ihrem ganzen Wesen nach Religion, aber ihrer Eigentümlichkeit gemäß nach Religion, die mit Erkenntnis verbunden und auf Wissenschaft gegründet ist .... Wieder-geburt der Religion durch die höchste Wissenschaft, dieses eigentlich ist die Aufgabe des deutschen Geistes, das bestimmte Ziel aller seiner Bestrebun-gen.“
Wiedergeburt der Religion durch die höchste Wissenschaft! Also durch Erkenntnisse, gewonnen durch jenen Komplex höchstmenschlicher Fähigkeiten, daran sich alles zu weltanschaulichem Wissen rundet, um dem Leben des Einzelnen und seiner Umwelt unverrückbares Ziel zu geben und der Seele sichern Halt in Not und Tod, wie ihn nur der Glaube an geoffenbarte Wahrheit den ganz auf Religiosität eingestellten Menschen zu gewähren vermag - oder wie es auf Abdruschins erstem Hauptwerk „Im Lichte der Wahrheit“ ankündigungsweise bezeichnet wird: „Neue Gralsbotschaft.“ Ihr dient dieser „Ruf“, der in seiner Druckerscheinung sich kurz und unzweideutig als „Schrift für alles fortschrittliche Wissen“ Allen anbietet, die ihn als Zeichen und als Kraft der Befreiung aus den Schlingen hohler Gassen - und Marktweisheit empfinden, armseliger Wissenswürdigkeiten ohne lebenfördernden, ewigschöpferischen Gottes-geist. Als „fortschrittliches Wissen“ kann sich nur bewähren und in Geltung erhalten, dessen Summe den Menschen in seinem Eigensten und Ursprünglichsten vollendet, im Zusammenhang mit den Ewigkeitswerten der Dinge erhält und damit den Ring seiner lebendigen Entwicklung unzerreißbar schließt. Damit ist alles abgewiesen, was die Sehnsucht jener „trockenen Schleicher“ befeuert, die wie der Famulus von Goethes Faust zwar Vieles wissen, aber imgrunde Alles wissen möchten, um auf Schleich-wegen hinter die ewigen göttlichen Geheimnisse zu gelangen, bis in ihrer frevelhaften Schulmeister-Aufdringlichkeit Wissen und Wille in Eins zusammenfällt - in ihrem persönlichen Nichts.
*
Wie verhält sich’s nun mit jenem schmucken lieben Buch, das mich so tief beeindruckt, daß ich’s immer wieder in die Hand nehmen muß, um mich zu Gedankengängen von kritischer Rücksichtslosigkeit gegen alle Welt reizen zu lassen - nicht zum wenigsten gegen Dich selbst, liebe suchende Seele, die mit mir schließlich übereingekommen, daß in all dem systematischen Formelwesen der überlieferten Staats- und Obrigkeitsge-meinschaften in Verwaltung, Bildung, Erziehung, Wirtschaft usw. blut-wenig von den Elementen zu finden ist, aus denen allein die höhere Kultur des heutigen Menschen sich erbauen kann - Heilsbotschaft für Alle, ohne an Privileg und soziale Schicht gebunden zu sein, an kein Oben und Unten, keine Klasse und keinen Stand! Heilsbotschaft für alle Furchtlosen, die mit dem Apostel Paulus an ihren befreundeten Mitmenschen zu schreiben vermögen (2. Timotheus 1, 7), was ihre unerschütterliche Überzeugung ist: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Zucht!“
Und damit los gegen die so jammervoll schief gewickelte Weit von heute mit ihrer Kraftlosigkeit, Lieblosigkeit, Zuchtlosigkeit! Ihre Zeit ist erfüllt, sie ist reif zum Untergang, Ihre Geschichte ist das Schandmal, das sie sich selbst gesetzt in ihrem perversen Willen zur Macht, der sich nun als Tollheit der Selbstzerstörung schreckensvoll enthüllt, voran in allen führenden Staaten beider Hemisphären.
Denkst Da daran? Und jetzt ist Ort und Zeit für Abdruschin’s Gralsbotschaft gegeben, und aus seinen Werken hat Professor Alfred Börckel in Mainz jene „Bausteine“ gesammelt und zusammengestellt, die er Dir und allen zum Neubau Berufenen und Willigen in dem lieben und schmucken Buch mit dem aufrüttelnden Frage-Titel darbietet! Eine Aphorismen-Sammlung, Merksprüche und Sentenzen von edler Sachlich-keit, kristallklarer Formung, ohne Pathos, ohne Schreibkunst zur Verfüh-rung der Hochgebildeten und Ästhetischen, nein, schlicht, geradeaus, schnörkelfrei, im gewohnten ehrlichen Deutsch, das allen redlichen Lesern und anständigen Menschen geläufig ist, welche eine Sache um der Sache willen wollen, ohne Verschleierung und Hinterhältigkeit. Und in reinen Händen wird dieses Buch seine Wunder wirken und in unreinen Händen wird es ein toter Klumpen sein - also ein Mittel zur Selbstprüfung für Arbeiter und Bauern, Handwerker und Staatsbeamte, Junker und Schlotbarone, und nicht zuletzt für jene Weiblichkeit, die durch das Recht der gewonnenen Gleichstellung mit dem Männervolk nach der siegreichen Frauenbewegung und Emanzipation ihr Pflichtbereich mit dem primären mutterschaftlichen Verantwortlichkeitsgefühl auf eine schwindelnde Höhe getrieben sieht, für Gutrassige und Schlechtrassige! Hier geht’s um Menschentum und um die Herrschaft der Sachlichen und Anständigen in allen Bezirken ewiger Kulturinteressen - und der Leser soll sofort merken, wenn er sich in dieses liebe, strenge, unerbittlich examinierende Buch hineingelesen, wie er mit sich selbst und den anderen daran ist.
Wer noch Brief und Siegel verlangt für Abdruschins Sendung, der beobachte seine Weise in Ton und Takt, wo er mit überlieferten dogmati-schen Lehrmeinungen zusammen stößt, Schiefes geradrichtet, Verhärtetes erweicht und in neue Form bringt, ohne den guten Kern anzutasten oder ein religiöses Gefühl zu verletzen. Keine Frömmigkeit Altgläubiger kommt zu Schaden, wo und wie er Falsches und Zeitbedingtes ins Wahre und Vernünftige wendet und den lebendigen ewigen Geist über den tötenden Buchstaben erhöht.
Wie gut paßt diese Weise Abdruschins zu Goethes orphischem Urwort: „Die Gottheit ist wirksam im Lebendigen, aber nicht im Toten, sie ist im Werdenden und Sichverwandelnden, aber nicht im Gewordenen und Erstarrten. Deshalb hat die Vernunft in ihrer Tendenz zum Göttlichen es nur mit dem Werdenden, Lebendigen zu tun, der Verstand mit dem Gewordenen, Erstarrten, daß er es nutze.“
Wie messianische Aufklärung wird’s über Dich kommen, wenn Du als richtiger Leser die Prüfung bestanden und das Zeugnis gewonnen hast: Treuer Gralsglaube an das siegende Licht des Wissens und der Wahrheit ist selber schon ein Sieg!
In dieser fröhlichen Hoffnung mach’ ich mir die reine sachliche Freude und drücke Dir das Aphorismenbuch von Hofrat Prof. Alfred Börekel in die Hand:
„Denkst Du daran?“
Und nun Gott befohlen, lieber Leser! Und noch einen Gruß vom Cherubinischen Wandersmann unseres Angelus Silesius:
„Mein Freund, so Du was bist,
so bleibe ja nicht stehn!
Du mußt von einem Licht
fort in das andre gehn.“
Dr. Michael Georg Conrad, München.
Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!
von
Abdruschin
Wer kennt diese bedeutungsvollen Worte nicht, die Jesus von Nazareth am Kreuze hängend rief. Eine der größten Fürbitten, die je gesprochen wurden. Deutlich und klar. Doch trotzdem stand man zwei Jahrtausende verständnislos den Worten gegenüber. Einseitig legte man sie aus. Nur nach der Richtung hin, wie sie den Menschen angenehm erschien. Nicht einer war, der seine Stimme für den eigentlichen Sinn erhob, und ihn der Menschheit, insbesondere den Christen in aller Deutlichkeit entgegenschrie!
Doch nicht nur das. Alles erschütternde Geschehen in dem Erdensein des Gottessohnes wurde durch die Einseitigkeit in der Weitergabe in ein falsches Licht gebracht. Das sind aber nun Fehler, die nicht nur das Christentum aufweist, sondern man findet sie in jeder Religion.
Wenn Jünger rein Persönliches des Lehrers und des Meisters über alles stellen und weit in den Vordergrund vorschieben, so ist das zu verstehen, namentlich wenn dieser Meister so brutal und jäh aus ihrer Mitte weggerissen wird, um dann in vollster Unschuld schwerstem Leiden, dabei gröbstem Spott, zuletzt dem martervollsten Tode ausgesetzt zu sein.
So etwas prägt sich tief in Seelen ein, die ihren Lehrer in der idealsten Weise im gemeinsamen Zusammenleben kennen lernen konnten, und bewirkt, daß das Persönliche dann in den Vordergrund alles Gedenkens tritt. So etwas ist ganz selbstverständlich. Aber die heilige Mission des Gottessohnes war sein Wort, das Wahrheitbringen aus der lichten Höhe, um damit der Menschheit ihren Weg zum Licht zu zeigen, der ihnen bis dahin verschlossen war, weil ihr geistiger Zustand in seiner Entwickelung es vorher nicht ermöglichte, den Weg zu gehen!
Das diesem großen Wahrheitsbringer durch die Menschheit dabei zugefügte Leiden stehet ganz für sich!
Was bei den Jüngern aber selbstverständlich und natürlich war, erwuchs bei der späteren Religion zu manchen großen Irrtümern. Das Sachliche der Gottesbotschaft trat weit in den Hintergrund vor dem Kult des Persönlichen des Wahrheitsbringers, den Christus niemals wollte.
Aus diesem Grunde zeigen sich nun Fehler in dem Christentume, die zu der Gefahr eines Zusammenbruches führen, wenn nicht rechtzeitig die Irrtümer erkannt und unter offenem Bekennen mutvoll abgeändert werden.
Es ist nicht anders zu erwarten, als daß geringster ernster Fortschritt solche Lücken sichtbar werden lassen muß. Dann ist es doch entschieden besser, man geht ihnen nicht aus dem Wege, sondern packt herzhaft zu! Warum soll denn die Reinigung nicht von der Führung selbst ausgehen, frisch und froh, in freiem Aufblick zu der großen Gottheit! Dankbar würden große Scharen aus der Menschheit wie von einem bisher wohl empfundenen, doch nie erkanntem Druck befreit dem Rufe folgen, der sie in das Licht freudiger Überzeugung führt! -
Aller Gewohnheit jener Menschen folgend, die sich einer unbeschränk-ten Herrschaft Ihres eigenen Verstandes blindlings unterwerfen, und damit auch ihr Begriffsvermögen stark beengen, legte man den gleichen Wert auf Christi Erdenleben als auf seine Mission. Man kümmerte sich um Familienverhältnisse und alle irdischen Geschehnisse dabei sogar noch mehr als um den Hauptzweck seines Kommens, der darin bestand, gereiften Menschengeistern Aufklärung zu geben über alles wirkliche Geschehen in der Schöpfung, worin allein sie Gottes Willen finden, der darein verwoben und damit für sie verbrieft wurde.
Das Bringen dieser bis dahin noch unbekannten Wahrheit machte ganz allein das Kommen Christi auf die Erde notwendig. Nichts anderes. Denn ohne Gottes Willen in der Schöpfung richtig zu erkennen, vermag kein Mensch den Weg zum Aufstiege ins lichte Reich zu finden, noch viel weniger zu gehen.
Statt diese Tatsachen als solche einfach hinzunehmen, sich in die Botschaft zu vertiefen und darnach zu leben, wie es der Wahrheitsbringer wiederholt und eindringlich verlangte, schufen Gründer der christlichen Religion und Kirchen als hauptsächlichste der Grundlagen einen persön-lichen Kult, der sie zwang, die Leiden Christi zu etwas ganz Anderem zu machen, als es wirklich war.
Sie brauchten es für diesen Kult! Daraus ergab sich zuletzt ganz naturgemäß in seiner Fortentwickelung ein großer Irrtum nach dem anderen, die für so viele Menschen zu Verhinderungen anwachsen, den rechten Weg überhaupt noch richtig zu erkennen.
Der falsche Aufbau in Unsachlichkeit allein brachte es mit sich, daß Entstellungen alles Geschehens ihren Einzug hielten.
Die objektive Unbefangenheit mußte ja in dem Augenblicke unter-gehen, sobald der Hauptkult rein persönlich wurde!
Dabei erstand der Drang, eine Mission des Gottessohnes hauptsächlich in dem Erdenleben zu verankern. Ja, es ergibt sich eigentlich eine Not-wendigkeit dazu.
Daß damit aber falsch gegangen wird, hat Christus selbst in seiner ganzen Einstellung bewiesen. Mehr als einmal wies er das Persönliche ihm gegenüber klar und scharf zurück. Immer verwies er auf Gottvater, dessen Willen er erfüllte, in dessen Kraft er stand und wirkte, bei jedem Wort und jeder Handlung. Er erklärte, wie die Menschen nunmehr lernen sollten, zu Gottvater aufzuschauen, niemals sprach er aber dabei von sich selbst.
Da man aber seine Worte darin nicht befolgte, konnte es zuletzt nicht ausbleiben, daß man das Erdenleiden Christi als notwendig und von Gott gewollt ansehen ließ, es sogar mit zur Hauptaufgabe seines Erdenkommens stempelte! Er kam nach der daraus entstandenen Anschauung nur aus lichter Höhe, um auf Erden hier zu leiden!
Da er nun selbst nicht eine Schuld auf sich geladen hatte, blieb zur Begründung wieder nur der eine Weg: es mußten dann die Sünden Fremder sein, die er auf sich geladen hat, um sie für diese abzubüßen!
Was blieb denn anderes übrig, als, so auf dem gelegten Grunde weiter aufzubauen.
Nährende Kraft und guten Boden gab dann noch die ja nicht mehr so unbekannte innere Wertüberschätzung, an welcher die gesamte Mensch-heit krankt. Die Folge jenes großen Sündenfalles, der wider den Geist gerichtet war, und den ich oft ausführlich schon erklärte. In dem Zuhochbewerten des Verstandes kennt der Mensch nur sich, nicht seinen Gott, zu dem er damit alle Brücken abgebrochen hat. Nur Wenige haben noch hier und da ganz kümmerliche Stege nach dem Geistigen hinüber, die aber auch nur noch ganz wenig ahnen, niemals wissen lassen können.
Deshalb kam Niemand auf den richtigen, natürlichen Gedanken, Christi Erdenleiden als gesondertes Geschehen von der Gottesbotschaft ganz zu trennen. Alle Anfeindungen, Verfolgungen und Martern als die schweren, gröbsten Verbrechen zu erkennen, die sie wirklich waren. Es ist ein neues, großes Unrecht, sie als Notwendigkeit zu verschönen!
Sehr wohl gebühren diesen Leiden und dem martervollen Kreuzestode strahlendes Licht der höchsten Glorie, weil sich der Gottessohn durch diese nach dem Sündenfalle voraus zu erwartende so üble Aufnahme unter den herrsch- und rachsüchtigen Menschen nicht abschrecken ließ, sondern trotzdem um der wenigen Guten willen seine so notwendige Wahrheits-botschaft auf die Erde brachte.
Die Tat ist umso höher einzuschätzen, da es sich wirklich nur um einen kleinen Teil der Menschheit handelt, die sich dadurch retten will.
Aber es ist neuer Frevel gegen Gott, wenn die damaligen Verbrechen dieser Menschheit durch falsche Voraussetzungen so gemildert werden sollen, als ob die Menschen dabei nur die Werkzeuge einer notwendigen Erfüllung waren.
Aus dieser Unrichtigkeit heraus ersteht ja auch bei vielen denkenden Menschen die Unsicherheit über die Folgen der Handlungsweise des Judas Ischariot! Mit vollem Rechte. Denn wenn der Kreuzestod die Notwen-digkeit für die Menschheit war, so gab Judas mit dem Verrat das notwendige Werkzeug dazu ab, dürfte also in Wirklichkeit dafür nicht strafbar sein in dem geistigen Sinne. Die Wahrheit über das tatsächliche Geschehen beseitigt aber alle diese Zwiespalte, deren berechtigtes Auftauchen nur die Bestätigung dafür ergeben, daß die bisher gepflegte Annahme wirklich falsch sein muß. Denn wo das Rechte ist, gibt es nicht Raum für solche ungeklärte Fragen, sondern es kann nach jeder Seite hin das ganz natürliche Geschehen in Betracht gezogen werden, ohne dabei auf ein Hindernis zu stoßen.
Man soll doch endlich jetzt den Mut besitzen, in der Beschönigung die Feigheit zu erkennen, die nur von der Klugheit des erdgebundenen Verstandes verdeckt gehalten wird, des größten Feindes alles dessen, was sich über ihn erheben kann, wie es bei jedem niederen Gesellen sich stets deutlich zeigt. Oder als verhüllte Selbsterhebung, welche aus der gleichen Quelle stammt! Es ist doch schön, sich einbilden zu können, so wertvoll eingeschätzt zu sein, daß eine Gottheit darum kämpfend alle Leiden auf sich nimmt, nur um dem Menschlein dann in dem göttlichen Freuden-reiche einen Ehrenplatz bieten zu dürfen!
So ist die Grundanschauung wirklich, nackt und herb gesagt! Sie sieht nicht anders aus, sobald man ihr mit fester Hand einmal den Flitter von den Formen reißt!
Daß eine solche Anschauung nur aus engster Beschränkung des Begreifens alles außerirdischen Geschehens kommen kann, brauche ich wohl kaum noch zu erwähnen. Es ist immer wieder eine der schweren Folgen der Verherrlichung des irdischen Verstandes, der jeden freien, weiten Ausblick unterbindet. Die Anbetung dieses Verstandesgötzen ist nach dem Sündenfall ganz natürlich stetig angewachsen, bis er sich nun zu dem irdisch starken Antichrist entwickelt hat, oder, noch deutlicher gesagt, zu allem Antigeistigen! Das ist ja heute deutlich zu erkennen, wohin man sieht Dazu bedarf es keines scharfen Blickes mehr.
Und da das Geistige allein die Brücke zur Annäherung und dem Verständnis alles Göttlichem ergeben kann, so ist also die Einräumung der Oberherrschaft irdischen Verstandes, zu der sich heute alle Wissenschaften stolz bekennen, nichts anderes als die offene Kampferklärung gegen Gott!
Aber nicht nur die Wissenschaften, sondern die gesamte Menschheit bewegt sich heute unter diesem Zeichen! Sogar ein Jeder, der sich ernster Sucher nennt, trägt dieses Gift mit sich herum.
Es ist deshalb nicht unnatürlich, daß auch die Kirche davon vieles in sich haben muß. Deshalb hat sich bei Wiedergabe und den Auslegungen aller Heilandsworte vieles eingeschlichen, das allein in Erdenklugheit des Verstandes seinen Ursprung hat!
Das ist auch die den Menschen immer wieder neu verführende Schlange, vor der die Aufzeichnung der Bibel warnt! Diese Verstandesklug-heitsschlange ganz allein stellt jeden Menschen vor die irreführende Entscheidung: „Sollte Gott gesagt haben ....?“
Sie wird, sobald ihr, also dem Verstand allein, jede Entscheidung überlassen bleibt, stets wie auch richtig in der Bibel angedeutet, das Gottfeindliche oder Gottabgewandte wählen, das Reinirdische, viel Niederere, wozu ja der Verstand als dessen Blüte selbst gehört. Deshalb vermag er Höheres nicht zu begreifen.
Verstand erhielt der Mensch, damit er ihm für jedes Erdenleben nach unten zu ein Gegengewicht gibt für das nach oben strebende Reingeistige, zu dem Zweck, daß der Mensch auf Erden nicht nur in geistigen Höhen schwebt, und seine Erdenaufgabe dabei vergißt. Verstand soll ihm auch zur Erleichterung und zur Bequemermachung alles Erdenlebens dienen. Vor allen Dingen aber dazu, um den im Geiste als dessen ureigenste Beschaffenheit ruhenden starken Auftrieb nach dem Hohen, Reinen und Vollkommenen ins kleine Irdische zu übertragen, im Stofflichen zur irdisch sichtbaren Auswirkung zu bringen. Als Handlanger des lebendigen Geistes, als dessen Diener! Nicht als Entscheidender, und nicht als alles Führender. Er soll irdische, also die stofflichen Möglichkeiten schaffen helfen zur Durchführung geistigen Dranges. Er soll das Werkzeug und der Knecht des Geistes sein.
Wird ihm aber allein jede Entscheidung überlassen, wie es jetzt geschieht, so bleibt er nicht mehr nur das Gegengewicht, nicht mehr der Helfer, sondern legt in die Wagschale jeder Entscheidung nur sein eigenes Gewicht allein, und das muß ganz natürlich nur Herabsinken zur Folge haben, weil er nach unten zieht. Etwas anderes kann dabei nicht gesche-hen, da er ja zu der Stofflichkeit gehört und an sie fest gebunden bleibt, während das Geistige von oben kommt. Anstatt dem Geistigen dann helfend noch die Hand zu reichen, darin zu erstarken, groß zu werden, stößt er die vom Geistigen ihm dargebotene stärkere Hand zurück und schließt sie aus, sobald ihm alles überlassen wird. Er kann nicht anders, handelt darin nur nach den Gesetzen seiner eigenen Beschaffenheit.
Doch wohlgemerkt, der irdische Verstand ist dann erst Feind des Geistes, sobald er über diesen hochgehoben wird! Nicht früher. Denn steht er unter der Herrschaft des Geistes, wie es von Natur aus nach dem Schöpferwillen eingerichtet ist, so bleibt er ein getreuer Diener, den man als solchen schätzen kann. Aber gibt man ihm entgegen den Naturgesetzen einen Herrscherplatz, auf den er nicht gehört, so unterdrückt er als die nächste Folge alles, was ihn darin stören könnte, um sich auf dem geborgten Throne zu erhalten. Er schließt die Tore automatisch, die beim Offenliegen Licht auf seine Mängel und enge Beschränkung werfen müß-ten.
Ein Ebenbild der Handlungen der Menschen, die in geordneten Ver-hältnissen und unter guter Führung ihr Können wachsen fühlen, über-schätzen, und im Umsturz dann durch die Unfähigkeit zu Höherem ein Volk in Not und Elend stürzen. Wie diese nie zu einem Einsehen gelangen können, und alle Schuld des eignen Unvermögens immer nur auf das Vergangene zu wälzen suchen, vor sich selbst und vor den Anderen, genau so wenig wird der menschliche Verstand erkennen, daß er niemals an der Stelle des höheren Geistes wirken kann, ohne den schwersten Schaden und zuletzt den Untergang herbeizuführen. Es ist in allem stets das gleiche Bild, gleiches Geschehen in ewiger Wiederholung.
Der Mensch denke sich nur einmal ruhig und klar in diesen Vorgang selbst hinein. Es wird ihm schnell alles verständlich sein, und auch als das Natürlichste erscheinen müssen.
Der Umstand zog auch bei den Kirchen- und Religionsgründern den Vorhang über die so große Einfachheit göttlicher Wahrheit, breitete einen Schleier über jede Möglichkeit des richtigen Begreifens.
Die Menschheit konnte sich nichts Schrecklicheres aufbürden als diese freiwillige Einengung, das Unvermögen des Begreifens alles dessen, was außerirdisch liegt, also des weitaus größten Teiles sämtlichen Geschehens. Es liegt aber buchstäblich dadurch über ihrem so verengten Horizont.
Nun kämpfe einmal ein Mensch gegen diese Undurchdringlichkeit der Mauer. Er wird sehr schnell erkennen müssen, wie sich das Dichterwort bewahrheitet, daß gegen Dummheit Götter selbst vergebens kämpfen würden!
Die zähe Mauer kann nur von dem Einzelmenschen selbst für sich allein von innen durchgestoßen werden, weil sie von innen aufgebaut wurde. Aber sie wollen nicht!
Daher ist heute das Versagen überall. Wohin man blickt; ein Bild trostlosester Verwirrungen und vielen Elendes!
Und auf dem Trümmerhaufen steht hohl aufgeblasen stolz der Urheber des wüsten Durcheinanders ... der „moderne Mensch“, wie er sich selbst am liebsten zu bezeichnen pflegt. Der „Fortgeschrittene“, welcher in Wirklichkeit dauernd zurückgegangen ist! Bewunderung erheischend nennt er sich auch noch „nüchterner Materialist“. -
Es schmerzt der Kopf, ein Ekel quillt herauf, wenn man das alles miterlebt, wenn man so vieles Gute mit darein versinken sieht, das bei der rechten Umwelt schön emporgeblüht wäre, wenn man so viele Andere darunter leiden sieht, und innig formt sich das Gebet: „Mach Du ein Ende, Herr! Wir können nicht!“ -
Zu allem kommen nun auch noch die vielen Spaltungen, der immer stärker aufstrebende Haß gegeneinander, trotz der Einheitlichkeit ihrer freiwilligen Versklavung! Nicht Arbeitgeber noch die Arbeitnehmer tragen Schuld daran, nicht Kapital noch dessen Mangel, auch nicht die Kirche noch der Staat, nicht die verschiedenen Nationen, sondern nur die falsche Einstellung der Einzelmenschen ganz allein hat es so weit gebracht!
Sogar die sogenannten Wahrheitssucher sind jetzt selten auf dem rechten Wege. Neun Zehntel davon werden nur zu Pharisäern, die kritisierend hochmütig auf ihre Nebenmenschen schauen, dabei noch eifrig sich befehdend. Alles ist falsch! Es muß erst noch die unausbleibliche Erfüllung eines fürchterlichen Endes kommen, bevor noch einige aus diesem Schlaf erwachen können.
Noch ist die Umkehr möglich. Jedermann! Doch bald kommt endlich das „zu spät“ für immer, entgegen aller Hoffnungen so vieler Gläubigen, welche den irrtümlichen Anschauungen huldigen, daß es wohl einer mehr oder wenig langen Zeit der notwendigen Läuterung bedarf, je nach dem Menschen selbst, aber zuletzt sein Weg doch wieder nach dem Lichte führen muß, zu der ewigen Freude, dem Glück göttlichen Naheseins!
Dieser Gedanke ist ein angenehmer Trost, jedoch nicht richtig, und der Wahrheit nicht entsprechend. -
Überblicken wir noch einmal ruhig, klar, aber in groben Zügen den großen Werdegang der Schöpfung und der Menschen, die dazu gehören. Beachten Sie dabei genau das Urgesetz der Gleichart, das ich oft erklärte, mit allem, was es in sich birgt an unabänderlichen, notwendigen Folgerun-gen im Geschehen:
Die Stofflichkeit zieht einem großen Acker gleich im Riesenkreislaufe an dem untersten Rande der gesamten Schöpfung als das Schwerste dahin. Von dem Ursamen an sich in steter Bewegung andauernd entwickelnd, immer mehr zusammenschließend, bildend bis zu den uns sichtbaren Gestirnen, denen diese Erde zugehört. Also heranreifend bis zu der höchsten Blüte und der Frucht, welche unserer Zeit entspricht, um dann in der kommenden Überreife ganz aus sich selbst heraus nach den Schöpfungsgesetzen wieder zu zerfallen, sich aufzulösen in den Ursamen zurück, der weitergehend immer wieder die Gelegenheit erhält, sich frisch zu binden, neu zu formen. -
So das Gesamtbild, ruhig von der Höhe aus betrachtet.
Das Stoffliche an sich ist weiter nichts als die Materie, welche zum Formen dient, zu Hüllen, und nur zu Leben kommt, sobald das über ihm lagernde Nichtstofflich-Wesenhafte es durchdringt, und durch die Bindung dann durchglüht.
Die Bindung dieses Stofflichen mit dem Nichtstofflich-Wesenhaften bildet eine Grundlage zu weiterer Entwickelung. Aus dem Wesenhaften bilden sich auch alle Tierseelen.
Über den beiden Grundabteilungen, dem Stofflichen und auch dem Wesenhaften, liegt als höchste Abteilung der Schöpfung noch das Geistige. Es ist eine Beschaffenheit für sich, wie meine Hörer ja schon wissen. Aus diesem Geistigen heraus gehen die Samenkörner, die sich zu den selbstbewußten Menschengeistern bilden wollen.
Nur in dem Ackerfeld der Stofflichkeit vermag ein derartiges Samen-korn des Geistes heranzureifen zu dem selbstbewußten Menschengeiste, gleich dem Weizenkorn im Feldboden zu einer reifen Ähre.
Sein Eindringen in den stofflichen Acker ist jedoch erst dann möglich, wenn dieser eine gewisse Entwickelungshöhe erreicht hat, die der Beschaffenheit des in der ganzen Schöpfung am höchsten stehenden Geistigen entspricht.
Das ist die Zeit, in der die Schöpfung den höchstentwickeltsten Tierkörper hervorbringt, bei dem eine Steigerung durch die Tierseele aus dem Wesenhaften nicht mehr möglich ist.
Ein kleines Abbild, eine Wiederholung dieses großen Weltgeschehens gibt zum Beispiel später auch die irdische Geburt der Menschenseele immer wieder, wie sich ja überhaupt bei einem Menschen als die Krone der Schöpfung, also als höchste geschaffene Kreatur, das ganze Weltgeschehen wiederspiegelt. Auch eine Menschenseele kann erst in den im Mutterleibe werdenden Kindeskörper eindringen, wenn dieser Körper eine ganz bestimmte Reife erlangt hat. Nicht früher. Der notwendige Reifezustand gibt der Seele erst den Weg zum Eindringen frei Dieser Zeitpunkt liegt in der Mitte einer Schwangerschaft.
So fällt auch in dem großen Weltgeschehen die Zeit der Höchstent-wickelung des Tierkörpers ebenfalls in die Mitte, also in die Hälfte des Kreislaufes aller Stofflichkeit! Der Hörer beachte dies genau.
Da an diesem Punkte damals das Wesenhafte der Tierseele in der Entwickelung des Körpers aus der Stofflichkeit das Höchste erreicht hatte, gab es in diesem Umstande automatisch erst den Weg frei für das Eindringen des über ihm stehenden Geistigen!
Das Geistsamenkorn nun als Geringstes in seiner geistigen Gleichart konnte wiederum nur in das höchste Meisterwerk des unter ihm stehenden Wesenhaften eintreten, also in dem von diesem höchstentwickeltsten Tierkörper.
Bei diesem Eindringen nimmt es durch seine höhere Beschaffenheit naturgemäß sofort alle Regierung in die Hand, und kann nun den von ihm bewohnten Körper, sowie seine ganze irdische Umgebung zu noch weiterer Entwickelung führen, was Wesenhaftes nicht vermocht hätte. Dabei entwickelt sich ganz selbstverständlich auch das Geistige gleichzeitig mit.
So das flüchtige Bild alles Geschehens in der Schöpfung, dessen genaue Einzelheiten ich in späteren Vorträgen noch geben werde, bis in alle kleinsten Teile.
Wir gehören zu dem allerersten Teile dieses Stofflichkeitsringes, stehen als die ersten in dem Vordergrunde an der Spitze seines Umlaufes. Vor uns war nichts der gleichen Art, doch nach uns wird es ewig sein.
Alles Geschehen macht also der Teil, zu dem auch wir gehören, allen anderen voran zum ersten Male durch. Deshalb spielt auch die Erde eine ganz besonders große Rolle, weil sich auf ihr als reifster grobstofflicher Weltenkörper alles einschneidende Weltgeschehen abzuspielen hat.
Es ist also noch keine Wiederholung, was wir jetzt durchleben, und was vor uns liegt. Nicht etwa Dagewesenes im Weltgeschehen! -
Gehen wir zurück zum ersten Eintreten der Menschengeistkeime in diese Stofflichkeit, also zur Hälfte des Stofflichkeitsumlaufes. Die damaligen höchstentwickeltsten Tiere, die man heute irrtümlich als Urmenschen bezeichnet, starben aus. Nur die Körper von ihnen wurden der Veredelung zugeführt, in welche an Stelle der wesenhaften Tierseelen Geistkeime eingedrungen waren. Die Geistkeime reiften darin heran in vielerlei Erleben, hoben den Tierkörper bis zu dem uns nun bekannten Menschenkörper, sonderten sich zu Rassen und zu Völkern. -- Der große Sündenfall lag hinter ihnen. Er war die erste Handlung des freiwilligen Entscheidens nach dem Sichbewußtwerden der Geistkeime, lag in dem Höherstellen des Verstandes über den Geist, und ließ die folgenschwere Erbsünde heranwachsen, welche sehr bald die hohlen Früchte der Verstandesherrschaft deutlich und auch leicht erkennbar zeitigte. Die Erbsünde ist das durch die einseitige Verstandestätigkeit auch einseitig entwickelte Gehirn, das sich als solches dauernd forterbt. Ich habe diese Tatsache schon oft erwähnt, und werde mit der Zeit noch viel eingehender darüber sprechen. Es werden sich wohl auch noch Menschen finden, die an Hand der so gezeigten Richtung freudig helfen können an dem großen Werk der Aufklärung. -
Unaufhaltsam ging der Umlauf seine Bahn. Aber die abirrende Menschheit brachte in den notwendigen Fortschritt Stockung und Ver-wirrung. Mitten in dem Wirrwarr kam das Volk der Juden unter die bekannte schwere Geißel der Ägypter. Die Not und starke Sehnsucht nach Befreiung ließ die Seelen schneller reifen. Sie eilten geistig dadurch allen Anderen voran, weil sie durch dieses starke Aufwühlen geschlechtsfreier Empfindungen erst einmal richtig in sich selber und auch in die Seelen ihrer Unterdrücker blickten! Nachdem sie klar empfanden, daß alles irdische, und auch die schärfste Klugheit des Verstandes nicht mehr helfen konnte, wobei sie auch die Leere ihrer Seele mit erkannten, lernte das geistige Auge schärfer sehen, und langsam schwebte endlich ein Begriff der eigentlichen Gottheit auf, wahrer und höher, als sie ihn bisher hatten. Und die Gebete stiegen schmerzdurchdrängt wieder viel inniger empor.
Dadurch konnte das Volk der Juden das Berufene, das allen Anderen geistig Vorangehende werden, weil es eine bis dahin reinste Anschauung für den Begriff der Gottheit hatte. So weit es damals bei dem Reifezustande der Menschenseele möglich war.
Ich bitte, Geistesreife nicht mit dem erlernten Wissen zu verwechseln, sondern immer wieder zu bedenken, daß geistvoll gleichbedeutend mit gemütvoll ist!
Der Juden damalige größte Geistreife nun befähigte sie auch, durch Moses einen klaren Gotteswillen in Gesetzesformen zu erhalten, die zu der weiteren Entwickelung der höchste Schatz bedeutete, die beste und kraftvollste Stütze gab.
Wie sich das Weltgeschehen ganz naturgemäß nur immer auf die reifste Stelle konzentrieren wird, so konzentrierte es sich damals nach und nach auf dieses geistig immer mehr reifende Menschenvolk der Juden.
Aber hier darf wiederum das Weltgeschehen nicht verwechselt werden mit irdischer Weltgeschichte, welche weitab vom eigentlichen Weltgesche-hen liegt, und meistens nur die Auswirkungen des so oft falsch ange-wandtem freien Willens des menschlichen Geistes wiedergibt, der immer nur viel Steine in das wirkliche Geschehen wirft, und damit oft vorüber-gehende Verbiegungen und irdische Verwirrungen erzeugt.
Das Volk der Juden stand damals den Anderen voran in seinem religiösen Kult, in seiner Anschauung damit der Wahrheit auch am nächsten.
Natürliche Folge davon war, daß wechselwirkend die Ankündigung einer Inkarnierung aus dem Lichte auch nur auf diesem Wege kommen mußte, weil er als richtigster bis in die nächste Nähe kommen konnte. Die anderen Wege konnten durch ihre weitere Entfernung von der Wahrheit für solche Möglichkeiten nicht frei sein, weil sie in Irrungen verliefen.
Es war auch wiederum nach dem Gesetz der für ein Wirken notwen-digsten Gleichart gar nicht anders möglich, als daß ein Wahrheitsbringer aus dem Lichte nur den Weg beschreiten kann bei seiner Inkarnierung, welcher dieser Wahrheit unbedingt am nächsten liegt, am weitesten in seiner Ähnlichkeit entgegenkommt. Nur das gibt einen notwendigen Halt, zieht an, während die falschen Anschauungen abstoßen und einen Weg zum Eindringen und Kommen aus dem Lichte regelrecht verschließen.
Das Gesetz der Wechselwirkung und der Gleichart muß auch hier unweigerlich zu voller Geltung kommen. Die Urgesetze öffnen oder schließen einen Weg in ihren gleichmäßigen unentwegten Auswirkungen.
Der Umstand ergibt gleichzeitig selbsttätig den Beweis dafür, daß das Volk, unter welches Christus als der große Wahrheitsbringer inkarniert wurde, die reinste Anschauung vom Göttlichen und dessen Wirken haben mußte, daß also alle anderen damals bestehenden Religionen nicht so nahe an die Wahrheit kamen. Der 'Buddhismus beispielsweise stand und steht der Wahrheit demnach nicht so nahe sondern geht in vielen Dingen irre. Denn die Gesetze in der Schöpfung trügen nicht. Bei einigem ruhigen Nachdenken muß Jedermann dadurch auf rechte Bahnen kommen, und seinem Schwanken bald enthoben sein. -
Als unterdessen aber auch unter den Juden in der Religion das Herrschen des Verstandes wieder einsetzte, und unlauteres Strebertum erzog, da half die schwere Faust des Römers wieder nach, daß noch ein Häuflein in rechter Erkenntnis blieb, auf daß das Wort erfüllet werden konnte.
Meine Hörer müssen sich bemühen, der Wirkung der Gesetze notwendiger Gleichart zur Betätigung, sowie der Wechselwirkung und der Schwere, einmal tiefer und umfassender nachzugehen, nach allen Richtungen hin auszudenken, alle Feinheiten darin zu suchen. Bald werden sie das Allumfassende und Haltende, sowie das Lebende darin erkennen. Mit diesen Schlüsseln ausgerüstet, finden sie sich schnell zurecht in jeglichem Geschehen. Sie müssen sehen, daß es tatsächlich der Universalschlüssel ist, mit dem sie jedes Tor erschließen können. Nicht durch Fantasterei und unnötige Mystik, sondern mit klarem Blick des lückenlosesten Erkennens. -
Gleichwie ein Geistkeim nur in einen seiner noch unfertigen, aber immerhin höheren geistigen Art gegenüber im richtigen Verhältnis stehenden Weltenteil eindringen kann, niemals aber in einen dafür noch zu unreifen, ebensowenig auch in einen dafür zu gereiften, wie es heute unser Weltenteil ist, in dem nur noch schon mehrfach inkarnierte Seelen leben können, nicht anders ist der Vorgang bei der Inkarnierung eines Wahrheitsbringers aus dem Licht. Sein Kommen kann nur in den dazu reifsten Teil der Menschheit sein. Am schärfsten mußten dabei die Bedingungen aller Gesetze bei dem Boten aus dem Göttlichen heraus erfüllt werden. Er konnte also nur in die Anschauungen hineingeboren werden, welche der Wahrheit am meisten entgegen kamen.
Wie nun der Geistkeim in die Stofflichkeit erst dann eindringen kann, nachdem das Wesenhafte in dem Wirken bis zu seinem höchsten Punkt gekommen ist, wo ohne Eindringen des Geistkeimes ein Stillstand und damit ein Rückgang vor sich gehen muß, so war vor Christus Kommen hier im Stofflichen ein Punkt erreicht, daß Geistiges in der Verirrung durch die Erbsünde nicht weiter konnte! Der in dem Geistigen ruhende freie Wille hatte, anstatt alles Bestehende zu fördern, die in der Schöpfung gewollte Entwickelung hinauf zur Höhe unterbunden! Alle seine Fähigkeiten durch Erheben des Verstandes einseitig nur auf das Stoffliche gelenkt. Das war ein Augenblick höchster Gefahr!
Das Wesenhafte ohne den Besitz des freien Willens hatte die Entwicke-lung der Schöpfung ganz naturgemäß, also nach dem göttlichen Schöpferwillen richtig durchgeführt. Das Geistige jedoch mit seinem freien Willen hatte durch den Sündenfall sich unfähig dazu gemacht, brachte nur Verwirrung und Aufenthalt in die Weiterentwickelung des Stofflichen. Die falsche Anwendung der ihm zu eigen mitgegebenen Gewalt zum Lenken der göttlichen Schöpfungskraft als notwendige Steigerung in der gereiften Stofflichkeit mußte sogar zum Abstieg führen, anstatt zu der Höchstent-wickelung. Der Menschengeist hielt durch den Sündenfall jede wirkliche Fortentwickelung gewaltsam auf; denn irdisch-technische Errungenschaf-ten sind kein eigentlicher Fortschritt in dem Sinne des von Gott gewollten Weltgeschehens! Die schnellste Hilfe, Einschreiten des Schöpfers selbst tat deshalb not!
Jedes weitere Jahrhundert hätte dann das Unheil so vergrößert, daß eine Möglichkeit des Weges zu göttlicher Hilfe mit der Zeit ganz ausgeschlossen blieb, da die Verstandesherrschaft nach und nach jedes Verstehen alles wirklich Geistigen, noch mehr des Göttlichen, vollständig abgeschnitten haben würde. Zu einer Inkarnierung aus dem Licht hätte dann jeder Ankergrund gefehlt!
So mußte schnell gehandelt werden, da die Zeit des Menschensohnes noch nicht war, welcher sich damals schon in der Entwickelung zu seiner Aufgabe befand.
Aus dieser Not heraus erstand das große, göttliche Mysterium, daß Gott der Schöpfung jenes Opfer brachte, ein Stück der Göttlichkeit zur Erde zu senden, um Licht zu bringen den Verirrten!
Dieses Kommen Christi war im Anfang noch nicht vorgesehen!
Nur die falsche Anwendung des freien Willens durch die Menschheit in dem Sündenfall und dessen Folgen machten den göttlichen Eingriff seinem ersten Willen entgegen nötig! Das Wesenhafte in der Stofflichkeit hatte am Fortwirken der Schöpfung seine Aufgabe erfüllt, das höhere Geistige jedoch durch die Menschen ganz versagt! Sogar noch schlimmer; denn es verwendete die ihm zugebilligte Entschlußkraft direkt zum Gegenteil, und wurde damit dem göttlichen Wollen feindlich, mit dessem eigener, dem Geistigen zur Anwendung überlassenen Kraft. Wie groß die Schuld ist, kann sich der Mensch selbst ausdenken.
Christi Geburt war also nicht Erfüllung der Verheißungen und Offen-barungen, welche den Menschengeistern als Gottesgeschenk den ewigen Mittler verhieß! Sondern es war ein göttlicher Notakt für die ganze Schöpfung, die von dem abirrenden Menschengeiste untergraben zu werden bedroht wurde.
Das bringt auch mit sich, daß der damals in Jesus von Nazareth inkarnierte göttliche Teil wieder ganz eingehen muß zum Vater, zu dem Göttlichen, wie Christus selbst vielfach betonte. Er muß wieder eins mit ihm werden. Diese Tatsache beweist ebenfalls, daß er nicht der verheißene ewige Mittler zwischen Gott und der Schöpfung sein kann, nicht der dafür verheißene Menschensohn!
Dieser ist der letzte Fortschritt für die Schöpfung, er ist von jeher erst vorgesehen für das Ende des ersten Teiles der Stofflichkeit, worauf die Schöpfung dann im Gleichmaße zu laufen hat, mit dem Menschensohne als ewigen Mittler an der Spitze, der damit gleichzeitig der oberste Diener Gottes ist und bleiben wird. Christus, der Gottessohn, war ein Stück des Göttlichen, und mußte deshalb wieder ganz eingehen in das Göttliche. Der Menschensohn ist der ausführende Diener Gottes, der aus dem Göttlichen gesendet ist, doch niemals wieder ganz zu der Gottheit eingehen kann, da er zum untrennbaren Eigentum außer dem göttlichen Urprunge auch das Reingeistige empfing. Das hält ihn von dem dauernden Wiedereingange ins Göttliche zurück. Damit erfüllt sich dann erst jene Offenbarung der Verheißung des ewigen Mittlers zwischen Gott und seiner Schöpfung, zu welcher ja die Menschheit auch gehört.
So ist der Lauf des Weltgeschehens bis zum Ende. Eins folgert ganz natürlich aus dem Anderen. Ist erst der Sündenfall richtig begriffen, und daran anschließend dies nicht vorausbestimmte Kommen Christi als ein Notakt, wird das Verständnis für das Andere nicht schwer, und alle Lücken füllen sich von selbst. Die ungelösten Fragen fallen fort.
Die Tore zu dem Paradiese wurden für die reifen Menschengeister erst durch Christi Botschaft aufgeschlossen. Die Fähigkeit, den Weg dahin auch richtig zu verstehen, war bis dahin noch nicht da. Sie mußte aber bei Verzögerung wieder verloren gehen durch die Abirrung der Menschen-geister, wenn nicht sofort Hilfe gekommen wäre. Die Botschaft galt für Erdenmenschen wie auch für die Abgeschiedenen, wie jede Gottesbot-schaft, jedes Wort der lichten Wahrheit!
Die Menschen hörten darin nach der Strenge der Gesetze auch von einer Liebe, die zu begreifen sie bisher noch nicht vermocht hätten, die sie jedoch nunmehr in sich entwickeln sollten. Aber durch diese Liebes-botschaft wurden die Gesetze nicht gestürzt, sondern nur ausgebaut. Sie sollten bleiben als die feste Grundlage, deren Auswirkung solche Liebe in sich barg. -
Auf dieses Wort des Gottessohnes suchte man auch später aufzubauen, doch welche Irrungen dabei erstanden sind, durch viel falsche Voraussetzungen, darauf wies ich schon im Anfang meines Vortrages hin -
Betrachten wir uns einmal noch die christliche Geschichte. Man kann daraus die besten Lehren ziehen, und damit Strahlen gleich alle Religionen ableuchten. Wir finden überall dieselben Fehler.
Jeder kleine und große Wahrheitsbringer ohne Ausnahme hatte unter Spott und Hohn, sowie Verfolgungen und Angriffen der lieben Mitmen-schen zu leiden, die sich wie ja auch heute noch stets viel zu klug und weise dünkten, um durch Boten ihres Schöpfers die Erklärung dessen Willens anzunehmen, namentlich da diese Boten tatsächlich niemals aus den hohen Schulen dieser Menschheit kamen!
Erklärung des göttlichen Willens ist im Grunde immer nur die Auslegung des Ganges seiner Schöpfung, in der die Menschen leben, zu der sie mit gehören. Die Schöpfung zu kennen aber bedeutet alles! Kennt sie der Mensch, so ist es ihm sehr leicht, alles zu nützen, was sie in sich birgt und bietet. Das Nützenkönnen wieder bringt ihm jeden Vorteil. Damit wird er auch bald den eigentlichen Daseinszweck erkennen und erfüllen, und alles fördernd aufwärts steigen zu dem Licht, sich selbst zur Freude, seiner Umwelt nur zum Segen.
Doch jeden Boten höhnten sie, und damit auch die Botschaft selbst. Nicht einmal kam es vor, daß er ihnen willkommen war, und wenn er noch so Gutes tat. Immer blieb er Ärgernis, sich was natürlich dem so gottes-feindlichen Verstande gegenüber leicht erklären läßt, und in sich den Beweis der Tatsache der Gottesfeindlichkeit erbringt. Christus faßt das Geschehen klar zusammen in dem Hinweise, daß der Herr die Diener aussandte zu allen seinen Pächtern, deren Abgaben zu holen. Statt der Erfüllung aber wurden seine Diener nur verhöhnt, gestäubt, bevor man sie mit Spott und leerer Hand zurücksandte.
Beschönigend nennt man das wieder Gleichnis. In lieblicher Behag-lichkeit setzt man sich selbst stets neben diese Tatsachen, bezieht sie nie auf sich! Oder hat das Bedürfnis zu erklären, daß es zu einer Auszeichnung durch Gott gehört, wenn seine Boten also leiden müssen, anstatt es als ein von Gott ungewolltes Verbrechen dieser Menschheit anzusehen.
Weil der Verstand zu der Verdeckung seiner sonst zu sichtbaren Beschränkung Flittergold und Tand benötigt, bemüht er sich fast krampfhaft, unbedingt verächtlich auf die Einfachheit der Wahrheit hinzublicken, da diese ihm gefährlich werden kann. Er selbst braucht ja klingende Schellen zu der Kappe, die er trägt. Viel große Worte, um die Aufmerksamkeit auf sich wachzuhalten. Und heute mehr denn je. Doch die Verächtlichkeit der schlichten Einfachheit der Wahrheit gegenüber ist heute längst zur Ängstlichkeit geworden. Man hängt an diese notwendige bunte Narrenkappe immer mehr klingende Schellen, die durch krampfar-tige Verdrehungen und Sprünge lauter, immer lauter tönen sollen, um sich noch eine Zeit auf dem erborgtem Throne zu erhalten.
Doch diese Sprünge sind in letzter Zeit schon zum Verzweiflungstanz geworden, der im Begriff steht, bald der letzte Totentanz zu sein! Die Anstrengungen werden größer, müssen größer werden, weil durch all das Klingen immer deutlicher die Hohlheit dringt. Und bei dem gewaltsam größten Sprunge, den man vorbereitet, wird die bunte Kappe endlich von dem Haupte fallen!
Dann hebt sich strahlend und beruhigend die Krone schlichter Wahrheit auf den Platz, der ihr allein gebührt.
Die durch alles so grotesk in schwer verständliche Höhe Geschraubte ganz verwirrt gewordenen ernst Suchenden erhalten darin endlich für den Blick den festen Stützpunkt, einen Halt. Sie werden ohne Anstrengung die ganze Wahrheit voll erfassen können, während bisher schon ein kleines Splitterchen davon zu finden große Mühe machen mußte.
Zurück zur Einfachheit im Denken! Sonst kann niemand das Große ganz erfassen, und deshalb nie erreichen. Einfach denken wie die Kinder! Darin ruht der Sinn des großen Wortes: „Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt Ihr nicht in das Reich Gottes kommen!“
Der Weg dazu wird mit dem heutigen so komplizierten Denken niemals aufgefunden werden können. Auch in den Kirchen und Religionen ist es noch nicht anders. Wenn es dort heißt, daß Leiden aufwärts helfen, daß sie deshalb Begnadigungen Gottes sind, so ist damit ein kleines Wahr-heitskörnchen aufgenommen, aber in beschönigender Weise arg entstellt Denn Gott will keine Leiden seines Volkes! Er will nur Freude, Liebe, Glück! Der Weg im Licht kann gar nicht anders sein. Der Weg zum Licht hat auch nur Steine, wenn sie der Mensch erst darauf legt.
Das Körnchen Wahrheit in der Leidenslehre ist, daß mit dem Leiden irgend eine Schuld gelöst sein kann. Das tritt aber nur dort ein, wo ein Mensch das Leiden als bewußt verdient erkennt! Gleich dem bittendem Schächer an dem Kreuze.
Sinnlos lebt heute alle Welt dahin. Auch die, welche so klug von Karma-Ablösungen reden. Die irren dahin, weil es noch viel schwerer ist, als diese Wissendseinwollenden es sich denken. Denn Karma-Rückwirkun-gen sind nicht immer auch die Ablösungen! Darauf achte jeder Mensch genau. Es kann mit ihm im Gegenteil dabei sehr oft noch tiefer abwärts gehen!
Ein Aufstieg ist trotz Rückwirkung von Schuld allein abhängig von der inneren Einstellung eines jeden Menschen. Wie er das große Steuer in sich stellt, ob aufwärts, ob geradeaus, oder ob abwärts, so, nicht anders wird er treiben trotz allen Erlebens!
Hier zeigt es sich, daß er kein Spielball ist oder sein kann, sondern den eigentlichen Weg allein durch die Kraft seines freien Willens lenken muß. Hierin bleibt dieser Wille immer frei bis zu dem letzten Augenblick! Darin ist jeder Mensch wirklich sein freier Herr, nur muß er unbedingt auch mit den . . . gleichen Folgen seiner Einstellungen rechnen, die ihn aufwärts oder abwärts führen.
Stellt er aber sein Steuer aufwärts ein, durch Einsicht und durch festes Wollen, so treffen ihn die üblen Rückwirkungen immer weniger, werden sich zuletzt sogar nur symbolisch an ihm auswirken, weil er den Niederungen übler Rückwirkungen durch das Aufwärtsstreben schon entrückt wurde, auch wenn er noch auf dieser Erde weilt. Es geht unter ihm weg. Es ist durchaus nicht notwendig, daß ein Mensch leiden muß, wenn er dem Licht zustrebt.
Deshalb die Binde von den Augen, die man anlegte, um vor dem Abgrund nicht zu zittern, der sich seit Langem aufgeschlossen hat. Vorübergehende Beruhigung ist keine Stärkung, sie bedeutet nur Versäumnis, deren Zeit nie wieder einzuholen ist.
Man hatte für das Erdenleid noch nie die richtige Erklärung und Begründung. Deshalb brachte man als ein Narkotikum Beschönigungen, die gedankenlos den Leidtragenden immer wieder überliefert werden, in mehr oder in weniger geschickten Worten. Der große Einseitigkeitsfehler aller Religionen!
Und wenn ein ganz verzweifelt Suchender einmal zu klare Antwort fordert, so wird Nichtverstandenes einfach in das Reich göttlichen Mysteriums geschoben. In dieses müssen alle Wege ungelöster Fragen münden, als Rettungshafen. Doch dadurch offenbaren sie sich deutlich als die falschen Wege!
Denn jeder rechte Weg hat auch ein klares Ende, darf nicht in Undurchdringlichkeiten führen. Es ist dort eine Flucht unverkennbarer Unwissenheit, wo „unerforschliche Wege Gottes“ zur Erklärung dienen sollen.
Für Menschen braucht es in der Schöpfung kein Mysterium zu geben, darf es nicht; denn Gott will, daß seine Gesetze, die in der Schöpfung wirken, den Menschen gut bekannt sind, damit er sich darnach richten kann, und durch sie leichter seinen Weltenlauf vollendet und erfüllt, ohne in Unwissenheit abzuirren.
Eine der verhängnisvollsten Auffassungen aber bleibt der grobe Mord des Gottessohnes als ein notwendiges Sühneopfer für die Menschheit!
Zu denken, daß dieser brutale Mord des Sohnes einen Gott versöhnen soll!
Weil man für diese sonderbare Anschauung logischerweise keine Klärung finden kann, schlüpft man damit verlegen wieder hinter die so oft gebrauchte Schutzmauer des göttlichen Mysteriums, also eines Vorganges, der einem Menschen nicht verständlich werden kann!
Dabei ist Gott so klar in allem, was er tut. Die Klarheit selbst! Er schuf doch die Natur aus seinem Willen. Also muß das Natürliche gerade auch das Rechte sein! Da doch der Wille Gottes ganz vollkommen ist.
Aber das Kreuzessühneopfer muß jedem geraden Sinne unnatürlich sein, weil gegen den schuldlosen Gottessohn auch ungerecht. Da gibt es weder Drehen noch ein Wenden. Der Mensch mag doch nur lieber einmal frei heraus bekennen, daß etwas Derartiges wirklich, unbegreiflich ist! Er kann sich Mühe geben, wie er will, er kommt dabei zu keinem Schluß, und kann in diesem Falle seinen Gott nicht mehr verstehen. Gott aber will verstanden sein! Er kann es auch, da seine Willensäußerung klar in der Schöpfung ruht, sich niemals widersprechend. Nur Menschen sind es, die sich Mühe geben, in ihrem religiösen Forschen Unverständliches hineinzubringen.
Der mühselige Aufbau für den falschen Grundgedanken eines notwendigen Sühneopfers in dem Kreuzestode wird ja schon zerschlagen durch die Worte des Heilandes selbst, zu der Zeit, während man ihn kreuzigte;
„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Wäre diese Fürbitte denn nötig, wenn der Kreuzestod ein notwendiges Opfer zur Versöhnung sein sollte? „Sie wissen nicht, was sie tun!“ ist doch eine Anklage der schwersten Art. Ein deutlicher Hinweis, daß es falsch ist, was sie tun. Daß diese Tat nur ein gewöhnliches Verbrechen war.
Hätte Christus In Gethsemane gebetet, daß der Leidenskelch vorübergehen möge, wenn sein Tod am Kreuze als ein Sühneopfer nötig war? Niemals! Das hätte Christus nicht getan! So aber wußte er, daß diese Ihm bevorstehende Qual nur eine Folge freien Menschenwillens war. Und deshalb sein Gebet.
Verblendet ging man zwei Jahrtausende daran vorüber, gedankenleer nahm man dafür das Unmöglichste hin.
Schmerzvoll muß man sehr oft die Anschauungen hören, daß Bevorzugte unter heutigen Jüngern und den Jüngerinnen Jesu durch körperliche Leiden wie zum Beispiel Stigmatas begnadet sind!
Das kommt natürlich alles nur von dieser falschen Auslegung des Erdenleidens Christi. Es kann darauf ja gar nicht anders sein. Welche persönlich schwere Folgen das aber nach sich ziehen kann, will ich dann noch erwähnen.
Wieviel Gedankenlosigkeit gehört dazu, und welch niederer Sklavensinn, sich den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erden derart vorzustellen, daß er also handeln würde! Es ist doch ohne jeden Zweifel sündhafteste Erniedrigung der erhabenen Gottheit, für dessen Wesensvorstellung das Schönste noch nicht schön genug, das Beste viel zu wenig gut sein kann, um einer Wirklichkeit darin nur etwas sich zu nähern! Und diesem großen Gotte traut man zu, daß er verlangt, der Mensch, den er geschaffen hat, soll sich in Schmerzen vor ihm winden, wenn er ihn begnadet?
Wie soll hierauf ein Aufstieg folgen können!
Die Menschen formen ihren Gott, wie sie ihn haben wollen, sie geben ihm die Richtung seines Wollens! Und wehe, wenn er nicht so ist, wie sie sich denken, dann wird er ohne weiteres verworfen, sowie man die als ein Beweis sofort verwirft, bekämpft, welche es wagen, Gott viel größer und erhabener zu sehen. Größe liegt in den menschlichen bisherigen Anschauungen nicht. Diese zeugen im Gegenteil nur von dem unerschütterlichen Glauben an den eigenen Wert, um deren Gunst ein Gott zu betteln hat, aus deren blutbefleckten Händen er seinen Sohn, den er mit der rettenden Botschaft einst zur Hilfe sandte, verspottet und verhöhnt, gemartert und gequält zurückempfangen durfte!
Und man will heute noch aufrecht erhalten, daß alles das ein für Gott nötiges Versöhnungsopfer war? Wo Christus unter seinen Qualen selbst schon ganz verzweifelt über diese Blindheit rief: „Sie wissen ja nicht, was sie damit tun!“
Gibt es dann überhaupt noch eine Möglichkeit, die Menschheit auf den rechten Weg zu bringen? Schärfstes Geschehen ist ja immer noch zu schwach dazu. Wann wird der Mensch endlich erkennen, wie tief er eigentlich gesunken ist! Wie leer und hohl die Einbildungen sind, die er sich schuf!
Sobald man aber nur ein wenig tiefer schürft, so findet man den Egoismus eingekapselt in der reinsten Form. Wenn auch an allen Enden jetzt mit hochtönenden Worten vom Gottsuchen gesprochen wird, so ist das wieder große Heuchelei in der üblichen Selbstgefälligkeit, der jeder wirklich ernste Drang nach reiner Wahrheit gänzlich fehlt. Man sucht nur Selbstvergöttlichung, sonst nichts. Kein Mensch bemüht sich ernstlich um das Gottverstehen!
Mit hoheitsvollem Lächeln schieben sie die Einfachheit der Wahrheit schnell zur Seite, unbeachtet; denn sie dünken sich ja viel zu wissend, viel zu hoch und zu bedeutungsvoll, als daß ihr Gott sich noch mit Einfachheit befassen dürfte. Er muß zu ihrer Ehre doch viel komplizierter sein. Sonst ist es ja nicht wert, an ihn zu glauben! Wie kann man denn nach ihrer Auffassung noch etwas anerkennen, das jedem Ungelehrten leicht verständlich ist. So etwas ist nicht groß zu finden. Damit darf man sich heute gar nicht mehr befassen, sonst blamiert man sich. Laßt dies den Kindern, alten Frauen, Ungelehrten. Es ist doch nicht für Menschen mit derartig ausgebildetem Verstande, der Intelligenz, die man bei den Gebil-deten jetzt findet. Mag sich das Volk damit befassen! Die Bildung und das Wissen kann nur seinen Größenmaßstab an die Schwere der Begreifens-möglichkeiten legen! -
Nichtwisser aber sind es, welche also denken! Sie sind nicht wert, noch einen Tropfen Wasser aus der Hand des Schöpfers durch die Schöpfung zu empfangen!
Durch Einengung haben sie sich die Möglichkeit verschlossen, die blendende Größe in der Einfachheit der göttlichen Gesetze zu erkennen! Sie sind im buchstäblichen Sinne unfähig dazu, ganz deutsch gesagt, zu dumm, durch ihr einseitig so verkümmertes Gehirn, das sie bis heute wie eine Trophäe der größten Errungenschaft mit sich herumtragen schon von der Stunde der Geburt.
Es ist ein Gnadenakt des Schöpfers, wenn er sie in dem Baue, den sie schufen, wird verkümmern lassen; denn wohin man blickt, ist alles gottesfeindlich, entstellt durch den krankhaften Größenwahn aller Verstandesmenschen, deren Unfähigkeit sich überall langsam erweist.
Und das geht nun schon wachsend durch Jahrtausende! Es brachte die Vergiftung unabwendbar mit in Kirchen und Religionen, da es als fressendes Unheil die unbedingte Folge jenes Sündenfalles war, wo sich der Mensch für Herrschaft des Verstandes unbeschränkt entschied.
Und diese falsche Herrschaft betrog seine ihm versklavten Menschen jederzeit in allem, was das Göttliche betrifft! Sogar in allem Geistigen.
Wer diesen Thron nicht in sich stürzt und dadurch frei wird, muß mit Ihm zu Grunde gehen!
Man darf jetzt nicht mehr arme Menschheit sagen; denn sie sind wissend schuldig, wie nur je die Kreatur schuldig zu sein vermag! Das Wort: „Vergib ihnen; sie wissen nicht mehr, was sie tun!“ ist für die heutige Menschheit nicht mehr angebracht! Sie hatten mehr denn einmal die Gelegenheit, die Augen und die Ohren aufzutun. Sie handeln voll bewußt, und alle Rückwirkung muß sie deshalb in vollstem Maße treffen, unverkürzt! -
Wenn sich nun der Ring alles bisherigen Geschehens schließt, so tritt damit für diesen in der ganzen Schöpfung erstmalig gereiften Weltenteil der Schnitt, die Ernte und die Scheidung ein. Noch niemals seit Bestehen der gesamten Stofflichkeit ist dies bisher geschehen; denn unser Weltenteil geht allen anderen in dem ewigen Kreislaufe voran, als erster, der es durchzumachen hat!
Deshalb wurde auch vor zweitausend Jahren der Gottessohn auf diese Erde inkarniert. Es war ein Weltgeschehen, das sich in dem reifsten, ersten Teile aller Stofflichkeit abspielte, aber niemals wiederholen wird; denn bei den nachfolgenden Teilen wirkt das hier Geschehene stets weiter fort. So kommt es auch, daß dieser Teil als erster eintritt in ein neu Geschehen, das noch niemals war, sich aber nach uns immer wiederholen wird. Es ist das Auseinanderfallen der geformten Stofflichkeit, welches die Überreife in natürlichem Geschehen mit sich bringt. -
Es ist vollbracht! Der Weg zum Licht und damit zu ewigem Leben des Geistigpersönlichem gezeigt! Die Menschengeister mögen sich nun in der für eine Entscheidung letzten Stunde selbst besinnen, welchen Weg sie gehen wollen: zu ewiger Verdammnis oder zu ewiger Freude; denn sie haben nach göttlichem Willen dazu freie Wahl!
***
Das Gesetz der Wechselwirkung im geistigen und materiellen Geschehen*[1])
von
Dr. Kurt Illig, Berlin
Eine jede Erscheinung ist einem Naturgesetz unterworfen. Aber nicht jede Erscheinung muß ihr eigenes, nur für sie allein gültiges Naturgesetz haben, vielmehr können ein und derselben Gesetzmäßigkeit die vielgestal-tigsten Erscheinungsformen unterworfen sein. So tritt z. B. Erwärmung auf, wenn sich ein Verbrennungsvorgang abspielt, gleichgültig, ob es sich um sichtbare Verbrennung von Holz, Kohle, Öl oder Gas handelt, oder ob sich ein mit äußerlich oft direkt nicht wahrnehmbaren Veränderungen ablaufender chemischer Oxydationsprozeß abspielt. Aber auch durch Reibung, Druck, Schlag, durch elektrische Ströme, welche durch Leiter mit hohem Widerstand fließen, durch Vermischen von konzentrierter Schwe-felsäure mit Wasser und viele andere Ursachen wird Wärme erzeugt, oder besser gesagt, in Freiheit gesetzt. Wir haben es also mit den vielgestal-tigsten Erscheinungsformen zu tun und kommen dennoch stets zu dem gleichen Ergebnis: es wird Wärme in Freiheit gesetzt, die wir mit den von uns ein für allemal festgelegten Einheiten messen und vergleichend betrachten können. Und so mannigfaltig auch die Wege sind, auf denen wir Wärme erhalten, stets leitet sich dies Ergebnis doch nur aus einem einzigen Gesetz her, dem Gesetz von der Erhaltung der Energie. Handelt es sich um Verbrennungs- und Oxydationsprozesse oder um mechanische Bewegungsvorgänge, stets werden ganz genau meßbare Energieformen und Mengen angewandt und entweder neue Stoffe erzeugt, die einen anderen, kleineren Energieinhalt besitzen, wodurch der Rest der ursprüng-lichen Energiemenge in Form von Wärme in Erscheinung tritt, oder die Stoffe bleiben unverändert und lediglich die Bewegungsenergie des Druckes, Stoßes, Schlages wird in Wärme umgewandelt, während im Falle der elektrischen Heizung elektrische Energie unmittelbar in Wärme umgesetzt wird.
Bisher vertrat der Physiker den Standpunkt, daß wir keine Möglich-keit besitzen, die Ursachen dieser und überhaupt aller Erscheinungen in ihrem letzten Ursprung zu erforschen und zu erkennen. Er nannte daher kurzer Hand diese unbekannten Ursachen, welche die Erscheinungen hervorrufen, Kräfte. So kennen wir magnetische und mechanische Kräfte, sprechen von Schwerkraft, Spannkraft, Anziehungskraft und haben es auch gelernt, diese Kräfte alle maßstäblich zu erfassen, ohne sie jedoch in ihrem Wesen selbst zu kennen. Nur die Wirkungen, soweit wir sie beobach-ten können, sind uns bekannt Dies gilt sogar für Kräfte, die im Rahmen physikalisch-mathemathischer Betrachtungen als in gewissem Grade abstrakt zu bezeichnen sind, wie Nervenkraft, Arbeitskraft usw. Der bisherigen exakt wissenschaftlichen Betrachtungsweise entrücken erst diejenigen Kräfte, die wir mit einem gewissen mystischen Beigeschmack unter dem Begriff „Fähigkeiten“ zusammenfassen, wie geistige Fähig-keiten, Talente, Überlegung, Gedächtnis, letzten Endes auch Suggestion, Telepathie, Hypnose usw.
Eine Vertiefung in Abdruschins Gralslehre stellt den in der Erfor-schung der Naturgesetzmäßigkeit geübten exakten Wissenschaftler vor die Aufgabe, zu untersuchen, ob eine Übereinstimmung zwischen den in dieser Lehre ausgesprochenen Gesetzmäßigkeiten im geistigen Geschehen und den bisher in den exakten Wissenschaften experimentell als richtig erkann-ten physikalischen Gesetzen besteht. Da jedoch die Gralslehre das gesamte Geschehen im All in logischer Konsequenz bis zum letzten Ursprung behandelt, ist hier zum ersten Male der Weg gewiesen, auch die physikalische Erfassung der bisher der Untersuchung unzugänglichen Erscheinungsformen mit in den Kreis der Betrachtungen einzubeziehen.
Betrachten wir also zuerst die Grundgesetze, die auf die Wirkungen der Kraft Bezug nehmen. Die Physik beschränkt sich in ihrer Betrachtung auf alles das, was kurzweg mit Stoff oder Materie bezeichnet wird. Sie bewegt sich also ausschließlich in der stofflichen Sphäre. Sie sagt auch ganz richtig aus, daß zwei grobstoffliche Körper nicht zugleich an derselben Stelle des Raumes vorhanden sein können, weil sie gegenseitig undurch-dringlich sind. Für das Licht wird die Erklärung gegeben, daß seine Fortpflanzung auf einer Wellenbewegung beruht, die durch einen sehr feinen, unwägbaren Stoff, den Äther, der auch den Zwischenraum zwischen den einzelnen Molekülen der Körper erfülle, vermittelt wird. Es wird also trotz der Unwägbarkeit der Äthermasse noch ein Stoff im Sinne der Grobstofflichkeit angenommen. Ähnlich wird die Fortpflanzung der Wärme erklärt. Für das Wesen des Magnetismus fehlt noch jede Vorstellung und auch die Ursache der Elektrizität entbehrt jeder überzeugenden Erklärung. Alle genannten Erscheinungsformen werden jedoch Kräfte oder richtiger einheitlich kurzweg Kraft genannt und an ihren Wirkungen gemessen.
Die neuere Physik, vor allem die fast ausschließlich mit mathemati-schen Hilfsmitteln arbeitende theoretische Physik geht schon einen Schritt weiter, indem sie die Erscheinungsformen der Kraft unabhängig von der Vorstellung grobstofflichen oder materiellen Gebundenseins in ihren gesetzmäßigen Auswirkungen oder ihrer Eigenart untersucht. Es gehören hierher die elektrischen Wellen, die verschiedenartigsten Strahlungen, die Atomtheorien und schließlich die großen kosmischen Kräfte-Gesetzmäßig-keiten. Jedermann kennt, wenigstens dem Namen nach, die letzte Auswirkung dieser Entwicklung, die Relativitätstheorie Einsteins und den Gelehrtenstreit, der für und wider ihre Gültigkeit ausgebrochen ist. So bedeutungsvoll aber auch alle diese geistvollen Untersuchungen und Spekulationen sind, letzten Endes konnten sie zwar zur Auffindung der mathematischen Gesetzmäßigkeit vieler Erscheinungsformen und nicht unmittelbar experimentell verfolgbarer Vorgänge führen, der Nachweis, ob die jeweilig gemachten Voraussetzungen richtig sind, ist jedoch stets der Untersuchung an stofflich faßbarer Materie vorbehalten geblieben.
Was ist nun Kraft? Der Physiker bezeichnet mit ihr die Ursache, die einen Vorgang oder, was dasselbe ist, eine Bewegung hervorruft oder den bisher vorhandenen Bewegungszustand eines Körpers oder einer Erscheinung irgendwie ändert. Es ist also jede Bewegung der unmittelbare, zahlenmäßig erfaßbare Ausdruck einer Kraft. Betrachten wir jedoch das All, so erkennen wir, daß alles, was wahrnehmbar ist, eine einzige große Bewegung darstellt, denn jedes Gestirn beschreibt im ewigen Zeitablauf regelmäßig seine Bahn oder dreht sich, wie die Fixsterne zum mindesten um seine eigene Achse. Wir wissen aber auch, daß sich jedes Atom in dauernder Bewegung befindet, und da die gesamte stoffliche Materie aus Atomen aufgebaut ist, befindet sich eben alles Stoffliche in Bewegung, wenn dies auch direkt unseren Augen nicht wahrnehmbar ist. Wir wissen aber auch weiterhin, daß ein Atom ungeheure Kräfte enthält, denn es werden z. B. beim Zerfall eines Grammes Radium in Emanation vierhundert Millionen Grammkalorien frei, d. h. diese Wärmemenge würde ca. 4000 kg Wasser von 0 Grad Celsius auf 100 Grad Celsius erwärmen können. Diese Kraft, die wir Energieinhalt nennen, ist also der Ausdruck der in dem Atom vorhandenen Bewegungsenergie oder, da die Energiemenge von der Anzahl der in dem Atom vorhandenen positiven Ladungen des Kernes und der um denselben kreisenden negativen Elektronen und deren Geschwindigkeit abhängt, ist die im Atom schlummernde Kraft dem Produkt aus der Gesamtmenge der Elektronen und deren Geschwindigkeit zuzüglich der im Kern, der eigentlichen Masse, vorhandenen Energie gleichzusetzen. Daß dies richtig ist, sagt ein immer wieder experimentell beweisbares Gesetz der Mechanik aus, wonach die Kraft dem Produkt aus der Masse seines Körpers und der ihm erteilten Beschleunigung gleichzusetzen ist.
Wir haben bei der vorstehenden Betrachtung die stille Voraussetzung gemacht, daß das Elektron Masse besitzt. Der theoretische Physiker hat sich jedoch zu der Erkenntnis durchgerungen, daß das Elektron gar nicht Masse im Sinne wägbarer Materie besitzt, sondern daß seine Masse nur scheinbar ist. Trotz dieser außerordentlich bedeutungsvollen Erkenntnis kann er sich jedoch nicht von der grobstofflichen Betrachtungsweise lösen, sondern vergleicht diese scheinbare Masse mit wägbarer Materie, indem er auf Grund vollständig folgerichtiger mathematischer Berechnung die Masse des Elektrons mit dem 1835. Teil der Masse des Wasserstoffatoms bestimmt. In gleicher Weise ist auch der Radius des Elektrons festgelegt worden. Es besteht hier offensichtlich ein Widerspruch. Auf der einen Seite wird eingestanden, daß das Elektron Masse im grobstofflichen Sinne gar nicht besitzt, während andererseits an die Vorstellung des Elektrons ein rein materieller Maßstab angelegt wird. Der Atomtheoretiker zieht aus dieser Auffassung noch die weitere Schlußfolgerung, daß infolge der Scheinbarkeit der Masse der Elektronen auch das aus diesen und dem positiven Kern aufgebaute Atom und damit die aus Atomen bestehende, mit unseren Sinnen wahrnehmbare Materie nur scheinbar ist. Gleichzeitig hat er ermittelt, daß die Zahl der positiven Ladungen. welche der Kern des Atoms besitzt, sein Atomgewicht, also seine Masse bedingt. Die Schlußfolgerung, daß die Masse des Atoms nur eine scheinbare ist, erklärt sich demnach aus der Feststellung, daß die Masse des Atoms von seiner Anzahl der positiven Ladungen abhängt, wobei der Begriff der Ladung mit grobstofflicher Materie nicht in Übereinstimmung gebracht werden kann. Da aber der Physiker alles, was nicht wägbar ist, nicht unmittelbar zum Aufbau seines materiellen Weltbildes heranziehen kann, leugnet er den stofflichen Charakter solcher Dinge vollständig und bedient sich zu ihrer Vorstellung des philosophischen Begriffes des Scheinbaren. Scheinbar bedeutet aber nach der uns geläufigen Begriffsformulierung, daß etwas in Wirklichkeit, d. h. im absoluten Geschehen überhaupt nicht vorhanden ist. Über diese Schwierigkeit der plastischen Vorstellungsmöglichkeit hilft die in der Gralslehre Abdruschins niedergelegte Schöpfungsentwicklung*[2]) hinweg. Als unterste und letzte Stufen sind diejenigen des Stofflichen angegeben und erklärt. Aber es wird eine scharfe Unterscheidung zwischen Grobstofflichkeit und Feinstofflichkeit gemacht. Und hier liegt zweifellos der Schlüssel zur Erklärung der wägbaren und unwägbaren Materie.
Aus der plausiblen Erklärung der gesamten Schöpfungsentwicklung folgt zunächst, daß es etwas Scheinbares im wahren Sinne dieses Wortes überhaupt nicht gibt. Alles, und wenn es uns auch noch so abstrakt erscheinen mag, ist wirklich vorhanden im großen absoluten Geschehen. Wenn daher die Masse eines Elektrons nicht wägbar und nicht sichtbar erscheint, so ist sie trotzdem nicht etwa scheinbar, sondern sie ist nur nicht als etwas Grobstoffliches, mit irdischmenschlichen Hilfsmitteln Wahrnehmbares vorhanden, sie ist feinstofflicher Natur. Der Antipode des Elektrons, die positive Ladung, ist jedoch an der gleichen Stelle vorhanden, an der sich bereits ein grobstofflicher Körper befindet. Wie schon erwähnt, sagte der Physiker bisher, daß die positive Ladung an die Atome der wägbaren Materie gebunden ist, ohne sich klarmachen zu können, was unter positiver Ladung stofflich zu verstehen ist. Wir finden in der Gralslehre eine einfache Erklärung hierfür, indem wir den Begriff und die Tatsache der Feinstofflichkeit einführen. Denn es ist ohne weiteres einleuchtend, daß zwar nicht zwei grobstoffliche Körper ein und denselben Raum einnehmen können, daß aber wohl ein feinstofflicher, also nicht aus grober Materie bestehender Körper im Raum eines grobstofflichen Körpers außerdem vorhanden sein kann. Diese Erklärung räumt ebenso die irrtümliche Auffassung beiseite, daß die Masse der Atome und damit der greifbaren Materie nur eine scheinbare ist. Vielmehr haben wir es hierbei mit etwas Grobstofflichem zu tun. Es gibt nichts Scheinbares diesseits und jenseits, sonst wäre das gesamte Geschehen nur ein einziger Schein. Dem widerspricht jedoch die absolute, von uns allen erkannte Gesetzmäßigkeit in der Schöpfung. Wo es eine Gesetzmäßigkeit gibt, muß etwas vorhanden sein, da sich eine Gesetzmäßigkeit nur an einem immer wiederkehrenden oder reproduzierbaren Vorgang erkenntlich macht. Die Mathematik sagt ganz deutlich aus, daß aus Nichts nur Nichts entstehen kann und daß die Voraussetzung für einen neuen Zustand im Vorhandensein von etwas Vorhergegangenem liegt Aus dieser Erkenntnis und anhand praktischer Beobachtung konnte das grundlegende Gesetz von der Erhaltung der Energie richtig formuliert werden.
Kraft und Energie drücken Ursache und Wirkung gleichermaßen aus. Denn wenn wir von beiden Begriffen sprechen, verbindet sich mit der Vorstellung von etwas Vorhandenem die Wirkung, die dieses Vorhandene ausüben kann. Ein jeder Mensch kann bei sich das Vorhandensein eines Kraftsinnes beobachten. Es ist die Empfindung für das Vorhandensein oder die Notwendigkeit einer Kraft, um eine Arbeit verrichten zu können. Der Begriff der Energie hingegen ist umfassender, weil er den zahlenmäßigen Ausdruck für die Größe einer Kraft enthält Trotzdem wir aber Kraft und Energie in ihren Wirkungen mengenmäßig erkennen können, bildeten ihr Ursprung und ihr Wesen stets das größte Rätsel für die gesamte Menschheit, gleichgültig, ob es sich um physische, psychische, ideelle oder höhere Kräfte handelt. Abdruschin rollt uns in seiner Schöp-fungsgeschichte ein Bild ab, das uns über jede Form der Kraft und die absolute Gesetzmäßigkeit, der die von ihr ausgehenden Wirkungen unter-worfen sind, eine lückenlose Erklärung gibt. Während der exakte Wissen-schaftler physikalisch stets nur eine Kraft kennt, gleichgültig, in welcher Form sie seinen Untersuchungen zugrunde liegt, sprach der Mensch bis hinab zu den primitivsten Naturvölkern und bis in die kulturellste Entwicklung hinein in geistiger und mystischer Beziehung stets nur von bösen und guten Kräften. Abdruschin weist diesen Glauben als unverzeihlichen Irrtum zurück und gibt eine überzeugende Begründung, warum das Nebeneinanderbestehen zweier Kräfte unmöglich ist. Er lehrt also in geistiger Beziehung ganz dasselbe, was der Physiker in der grobstofflichen Welt längst als nüchterne Tatsache erkannt hat. Wir finden demnach in dieser Beziehung eine haarscharfe Übereinstimmung der in der Gralslehre niedergelegten absoluten Gesetzmäßigkeit auf geistigem und materiellem, physikalisch betrachteten Gebiet. Unzweideutig wird in Abdruschins Vorträgen immer nur von der absoluten Gesetzmäßigkeit gesprochen und hiermit die Einheit aller Erscheinungen in ihrem folgerichtigen Ablauf betont. Wenn daher gesagt wird, daß die Kraft allein arbeitet, wir sie nur lenken müssen, so hat diese für geistige Kräfte erläuterte Tatsache in gleichem Maße für die materielle Kraftnutzung Gültigkeit Dies wissen wir alle. Wir kennen z. B. die Kraft, welche ein explosives Gemisch von Benzindampf und Luft besitzt, wir können sie im Explosionsmotor nutzbar machen und die bei der Explosion freiwerdende Energie zum Antrieb eines Fahrzeuges verwenden, d. h. sie in mechanische Bewegungsenergie verwandeln. Aber ebenso wie wir diese Kraft der Fortbewegung, also einer nützlichen Auswirkung dienlich machen, können wir sie auch zur Zerstörung, zum Schaden verwenden. Es liegt ganz in unserer Hand, ob wir die Kraft zur guten oder schädlichen Auswirkung bringen wollen. Abdruschin sagt aber über die Verwendung der Kraft nichts anderes. Er weist die Ansicht von dem Vorhandensein böser und guter Kräfte nebeneinander zurück und tritt eine Beweisführung dafür an, daß es lediglich darauf ankommt, ob der Mensch die Kraft zu guter oder böser Auswirkung bringt; die Kraft selbst bleibt in jedem Fall dieselbe und kommt aus dem gleichen Ursprung, nur die Wirkung ist unterschiedlich bezw. entgegengesetzt, gleichgültig, ob es sich um grobstoffliche oder feinstoffliche oder schließlich geistige Handlungen und Auswirkungen handelt.
Abdruschin bleibt aber nicht bei dieser Betrachtung stehen, sondern geht noch einen Schritt weiter, indem er das Gesetz von der Wechselwirkung einführt Die einheitlichen Gesetze, die das ganze All zusammenhalten, wirken sich gegenseitig in steter Wechselwirkung aus.*[3]) Was ist nun Wechselwirkung? Nichts anderes als das, was der Physiker bei den Untersuchungen über die Wirkungen der Kraft festgestellt hat. Wir fassen das in dem Gesetz zusammen, das aussagt: Kraft erzeugt Gegenkraft, bezw. Wirkung erzeugt Gegenwirkung; ohne Gegenwirkung ist die Wirkung überhaupt nicht denkbar. Die Kraft als etwas, das von vornherein vorhanden ist, geht bei ihrer Verwendung niemals verloren. Wenn wir einen Hammer auf einen hart federnden Gegenstand aufschlagen lassen, so springt er infolge der Spannkraft dieses Gegenstandes wieder zurück. Und trifft er auf einen harten, starren Körper, so gibt dieser die Kraft in der gleichen Richtung, aus der er den Schlag erhalten hat, wieder zurück. Und besteht der Hammer aus einem Material, das weicher ist als der Stoff, aus dem der getroffene Körper besteht, so wird er von der rückgestoßenen Kraft selbst an seiner Schlagfläche breitschlagen. Wem ist nicht das Beispiel bekannt, wonach ein Schütze senkrecht auf einen harten Gegenstand schießt, und die Kugel zurückprallt und ihn selbst in die Brust trifft Der Physiker wird natürlich entgegenhalten, daß auch die Richtung, aus der die Kraft kommt und der Winkel, in dem sie auf den getroffenen Körper auftrifft, berücksichtigt werden müssen. Hierauf kann jedoch erst in einem späteren Zusammen-hang näher eingegangen werden, wenn über Bewegung, Raum und Zeit und ihre Zusammenhänge mit der Kraft Untersuchungen angestellt werden. Vorläufig wollen wir nur die senkrecht auftreffende Kraft be-trachten und uns vorstellen, daß auch das All eine räumliche Begrenzung hat und daß alle Bewegungen, und wenn sie noch so gradlinig erscheinen, in elyptischem Verlauf nach ihrem Ausgangspunkte zurückkehren.
Ebenso, wie die von dem schlagenden Hammer ausge1
Ebenso wie die von dem schlagenden Hammer augeübte Kraft wieder an ihn zurückgegeben wird, trifft auch die von einem Menschen vermittels seiner Gedanken ausgeströmte Kraft wieder auf ihn im Ablauf des absoluten Geschehens zurück. Je nachdem, ob er nun diese Kraft zu gutem oder bösem Tun lenkt, wird sie auch aus der gleichen Richtung, also aus dem Guten oder Bösen zu ihm, für oder gegen ihn, zurückkehren. Eine überzeugende Deutung der Worte: Was der Mensch säet, das wird er ernten.
Erfassen wir dieses Gesetz der Wechselwirkung ganz, so läßt sich jeder Ring der Betrachtungen schließen. Gleichgültig, ob der Mensch die in ihn gelegte, die ihn durchströmende Kraft in gute Bahnen lenkt, anderen hilft oder auf rein materielle Fortschrittsarbeit zu nützlichem grobstoff-lichem Wirken richtet, in jedem Fall wird er Segen ernten, sei es ein freies ruhiges Gewissen, Ansehen, Anerkennung, Achtung oder schließlich rein irdisch materiellen Erfolg. Bringt er jedoch die Kraft zu jedweder schlechter Auswirkung, so wird er auch nur Nachteiliges ernten können. Ein Tyrann schürt die Auflehnung, den Haß, niedere Instinkte, bis die Fracht seiner düsteren Saat gereift ist und alle seine bösen Handlungen in vielfach gesteigertem Maße aus der gleichen Richtung, in die er sie gelenkt hat, aus dem unterdrückten Volke, auf ihn zurückströmen und sein Verderben herbeiführen. Wann, ist im ewigen Geschehen gleichgültig, aber einmal, zu gegebener Stunde, diesseits oder jenseits. Grundlegendes Gesetz bleibt immer, daß Kraft Gegenkraft erzeugt. Wir finden überall die Wechselwir-kung, ganz gleich, ob es sich um materielle oder geistige Vorgänge handelt. Eins greift in das andere über, denn mit unserer Gedanken Kraft können wir den Entschluß zu einer Handlung fassen und weitere Kräfte, die uns ja überall zur Verfügung stehen, zur materiellen Auswirkung in der überlegten Richtung bringen. Und betrachten wir die Kraft energetisch, so treffen wir wieder auf den zahlenmäßigen Ausdruck des Gesetzes der Wechselwirkung, auf das große Gesetz von der Erhaltung der Energie im materiellen und geistigen Geschehen.
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Vom Wesen des Christentums
von
Johannes Anton Neidhart, Stuttgart
Wer heute mit offenen Augen die religiöse Lage überblickt, möchte fast mutlos werden ob dem, was er gewahr wird. Auf der einen Seite ein Dogmatismus, und im Zusammenhang damit ein Fanatismus, der beinahe mittelalterlich ist und alles freie Denken unterdrückt. Auf der andern Seite eine Gleichgültigkeit, ja ein Haß gegen alles Religiöse, der geradezu erschreckend ist. Um rund 200 Prozent haben nach der neuesten Konfessi-onsstatistik, die eben veröffentlicht wurde, die „Sonstigen“, d. h. die keiner kirchlichen Gemeinschaft Angehörigen seit der letzten Zählung zugenom-men. Das ist ein bedenkliches Zeichen. Wenn man in Betracht zieht, wie träge, wie unentschlossen neun Zehntel der Menschen sind, sobald sie in ihrer religiösen Betätigung eine Änderung herbeiführen, etwa einen Kirchenaustritt bewerkstelligen sollen, dann muß man über dieses starke Anwachsen der Unkirchlichen mehr als erstaunt sein. Die Kirche trifft zwar alle möglichen Maßnahmen, um der Abwanderung Einhalt zu tun, und der Staat ist ihr dabei behilflich, indem er den Bruch mit der Kirche möglichst erschwert. Allein ich glaube nicht, daß die Situation damit gerettet wird. Auch die imposantesten kirchlichen Veranstaltungen, Konfe-renzen und Kongresse können tief veranlagte Menschen nicht darüber hinwegtäuschen, daß im religiösen Leben der Gegenwart irgend etwas nicht stimmt. Eine derartige Zersplitterung, wie wir sie heute nicht nur in den verschiedenen Religionen, sondern vor allem auch innerhalb des Christentums selber haben, kann nicht etwas Gottgewolltes darstellen und kann nicht im Sinne desjenigen sein, der seinen Nachfolgern als letzten und höchsten Wunsch hinterlassen hat: „Daß sie eins seien, wie Du, Vater, und ich eins sind“. Ein Gott, ein Glaube, eine Taufe - eine Liebe, ein großes Verbundensein der Menschen, der Kinder Gottes, untereinander: so sollte es sein. Das war das stille, aber eindringliche Beispiel, mit dem das Urchristentum die damalige Welt bezwang. „Seht, wie die einander lieben!“ - riefen erstaunt die Heiden. Heute, nach dem entsetzlichen Weltkrieg und seinen furchtbaren Folgen, können dieselben Heiden - nicht- mit Unrecht - unseren christlichen Missionaren zurufen: „Seht, wie die einander hassen!“ Wohl predigt man immer noch: Ein Gott, ein Glaube - aber dann fügt man hinzu: eine Kirche, wobei natürlich jede Kirche die alleinberechtigte und alleinseligmachende sein will. Kämpfe ohne Zahl und Grausamkeiten aller Art bezeichnen so den Schritt der Kirche durch die Jahrhunderte, ja es sind zum Teil blutige Spuren, die uns ihre Geschichte aufweist.
Und doch wäre alles so einfach, wenn wir uns nur vergegenwärtigen wollten, worauf es in der Lehre Christi ankommt, was in ihr Hauptsache ist und was Nebensache. „Mensch, werde wesentlich!“ Diese Mahnung des Angelus Silesius ist nirgends so angebracht wie hier. „Steht als Lebendige in Eueres Gottes wundervoller Schöpfung“ ist Abdruschins immer wiederkehrender Ruf. Wann werden wir das endlich lernen, wann die Botschaft beherzigen, die mit eisernem Hammer pocht an die Pforten unserer Zeit? Sind es nicht genug der Wehen, nicht genug der Heimsuchungen, die den verirrten und gesunkenen Erdplaneten treffen? Sollen die letzten und bittersten Zornesschalen ausgeschüttet werden über. ihn?
Noch ist das Wort Gottes unter uns, oder besser: es ist wiederer-standen in der Gralslehre, die Abdruschin uns gebracht. Wohlan! Einst war dasselbe Wort eine Kraft von weltumgestaltender Wirksamkeit Warum heute nicht mehr? Weil man es nicht richtig erfaßt, weil man nicht einzudringen versucht in seinen tiefen Sinn, und weil man nicht lebt nach diesem Wort. In der jungen Kirche der Urzeit war es anders. „Sie verharrten einmütig in der Lehre“, lesen wir in der heiligen Schrift, und wiederum: „Sie waren ein Herz und eine Seele.“
Wem fällt hier nicht auf, wie sehr die Einheit und Einigkeit betont wird! Treu hielten sich die ersten Christen an das Vermächtnis ihres Meisters: „Daran will ich erkennen, daß ihr meine Jünger seid, daß Ihr einander liebet „Nicht an irgendwelchen Formeln und Zeremonien, nicht an der Zugehörigkeit zu dieser oder jener Organisation; sondern daran, daß ihr einander liebet“. Aus dem recht verstanden Wort Gottes ergibt sich diese Liebe von selbst. Sie hat mit Sentimentalität nichts zu tun, sondern ist wesentlich Tat. Wie wahr sagt Abdruschin*[4]): „Das, was jetzt Liebe genannt wird, ist alles Andere mehr als Liebe ... Wahrhaftige Liebe wird nicht darauf sehen, was dem anderen gefällt, was diesem angenehm ist und Freude, bereitet, sondern sie wird sich nur darnach richten, was dem anderen nützt! Gleichviel, ob es dem andern Freude bereitet oder nicht Das ist wahres Lieben und Dienen.“ -
Aus dieser Einstellung heraus brachten die Urchristen jedes Opfer, selbst das des Verzichtes auf Privateigentum. Damals hieß es: „Was mein ist, ist Dein, wenn es Dir nur nützt“. Heute: „Was Dein ist, ist mein, auch wenn es mir schadet“. In diesen beiden Sätzen haben wir den himmel-weiten Unterschied zwischen dem Kommunismus der Urkirche und zwischen denjenigen, den Russland uns als Ideal hinstellt. Wir mögen darüber urteilen, wie wir wollen. Eines ist sicher: Der Kommunismus und die soziale Frage hätten niemals diese Gestalt angenommen, wenn die Kirche ihre Pflicht getan, wenn die religiöse Frage richtig gelöst worden wäre. Denn es ist und bleibt eine Tatsache: „Die Seele der Armenpflege ist die Pflege der Seele des Armen.“ Wo das Wort Gottes wohnt, wohnt auch die Liebe im Bunde mit der Gerechtigkeit, die beide nicht voneinander zu trennen sind. Die heutige Überspannung des Eigentumsbegriffes, die rücksichtslose Ausnutzung und Ausbeutung der schaffenden Stände einerseits, wie deren einseitiger Kampf um materielle Vorteile anderseits, ist eine durchaus heidnische Erscheinung und ist der Lehre Christi geradezu entgegengesetzt. Es ist die höchste Zeit, daß wir uns das klar machen und die Dinge ändern, ehe es zu spät ist. Die Zeichen deuten jedenfalls auf Sturm. Ich will das Gespenst der Weltrevolution gewiß nicht an die Wand malen, aber sie wird kommen, genau so, wie der Weltkrieg kam, als Ergebnis der durch und durch materialistischen Grundrichtung unserer Zeit - es sei denn, wir besinnen uns im letzten Augenblick eines Besseren und folgen der Fahne, die Abdruschin uns entrollt. Nur die Besinnung auf das, was Christus gewollt und gelehrt hat, kann uns vor dem Schlimmsten bewahren. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist uns das eine Notwendige aufgezeigt in einer Weise, wie sie erhabener und ergreifender nicht sein könnte.
Einheit! Wir sind eins in der Liebe unseres himmlischen Vaters, zu dessen Kindern wir berufen sind. Darum laßt uns keinen Unterschied machen! Ausdrücklich ist erklärt, daß Gott, unser ewiges Vorbild, regnen läßt über Gute und Böse. Warum also wollen wir nur die Angehörigen einer bestimmten Konfession, warum nur unsere eigenen Stammes-genossen gelten lassen? Ich verkenne durchaus nicht das Gute, das in der Rassenfrage steckt, wenn sie vernünftig beantwortet wird. Allein der Rassenfanatismus ist nicht nach dem Willen Gottvaters, so sehr man sich bemüht, ihm ein religiöses Mäntelchen umzuhängen. Er ist vielmehr Ausfluß eines ganz unbegründeten, im reinen Irdischen wurzelnden Nationalstolzes, eines Hochmutes, den wir beim Einzelmenschen unbe-dingt als verwerflich bezeichnen und verurteilen würden. „Wer unter euch der erste sein will, der sei der Diener aller.“ - Wie paßt zu diesem Christuswort der Rassendünkel und der Rassenhaß? „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker, lautet Christi Befehl. Darum ist es uns nicht gestattet, Keile zwischen die Völker zu treiben und künstliche Schranken irgendwelcher Art aufzurichten. Vielmehr haben wir die Pflicht, die wahren Kulturgüter gegenseitig auszutauschen, besonders dem Worte Gottes Bahn zu brechen immer und überall. Wären wir dabei verblieben, wäre die reine Lehre Christi und das Leben darnach unsere Hauptsorge gewesen, dann wären uns Zeiten wie die der Bilderstürmer, der Kreuzzüge, der Hexenprozesse, der Inquisition, die für das Christentum ewig eine Schmach sind, erspart geblieben. Stets irrten wir vom Wesen ab, wenn wir Greueltaten begingen. Hätten wir das Wort Christi in die Tat umgesetzt, statt in blinder Verstandestätigkeit an ihm herumzudeuteln, hätten wir, statt Bibelkritik und Theologie zu treiben, aus dem einfachen, göttlichen Empfinden heraus nach dem Wort gelebt, wir wären heute weiter als wir sind. Denn auf dem wahren und unverfälschten Worte Gottes beruht letztlich unsere gesamte Kultur, während das entstellte, zu eigennützigen Zwecken ausgelegte Evangelium noch immer die Quelle aller Zwietracht, Heuchelei und Unkultur gewesen ist. Deshalb laßt hell erstrahlen das Licht, das vom Grale herniedergestiegen ist zu uns!
In den Bahai Beweisen heißt es einmal: „Wenn ein Prophet auftritt und ein göttliches Buch bringt, durch das die Seelen geführt und die Herzen belebt werden, sodaß der Unglaube verändert wird in Glauben an die Einheit, daß Ungewissheit in Vertrauen, Empörung in Gehorsam, Unwissenheit in Wissen und Weisheit, Haß in Liebe und Zuneigung verwandelt werden, dann kann kein Zweifel mehr darüber herrschen, daß ein solches Buch das Buch Gottes ist, daß der Offenbarer desselben von Gott erwählt ist und daß er gestützt und gefestigt ist durch den Geist Gottes.“ -
Wieviel Grund haben wir daher, dankbar dafür zu sein, daß uns die Gralslehre begegnete! Denn sie besitzt all die genannten Eigenschaften und kann zum größten Segen werden für denjenigen, der sie befolgt. Hier sind Irrwegen nicht zu fürchten. Hier ist das volle und ganze Christentum. Wenn jemals, so gilt in unseren Tagen mit dem Chaos von Weltanschauungen das Wort Pauli: „Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre und nach der Welt Satzungen.“ Nichts anderes lehrt Abdruschin, wenn er spricht von der Erbsünde der Menschen, dem freiwilligen Sichunterwerfen unter den eigenen Verstand, der, fest an Raum und Zeit gebunden, alles Darüberliegende nicht mehr verstehen kann. Da man jedoch ohne Christentum, wenigstens äußerlich, nicht leben will, entwirft man von ihm ein Zerrbild und errichtet auf Grund eigenen Meinens ein Lehrgebäude, das über kurz oder lang zusammenbrechen muß, weil es mit Christus nichts gemein hat außer vielleicht den Namen. Allein damit ist dem Christentum ein schlechter Dienst erwiesen. Ihm ist heute nicht mehr aufzuhelfen durch irgend einen Ersatz, sondern nur durch die Lehre selbst, deren Wesensbestandteile sind: Einheit und Tat.
Man redet gegenwärtig soviel von Tatchristentum. Fast will es den Anschein erwecken, als ob man nicht immer wüßte, was man damit sagt. Denn oft spricht man sich selber das Urteil damit. Im alten Bunde (V. Mos. 18, 21, 22) heißt es einmal: „Wie kann ich merken, welches Wort der Herr nicht geredet hat?“ Antwort: „Wenn der Prophet redet in dem Namen des Herrn, und wird nichts daraus, und kommt nicht: Das ist das Wort, das der Herr nicht geredet hat. Der Prophet hat’s aus Vermessenheit geredet, darum scheue Dich nicht vor ihm“ - Hier haben wir negativ mit aller Bestimmtheit ausgesprochen: Das Wort, das nicht zur Tat aufruft und befähigt, das bei religiösen Gefühlen und Stimmungen stehen bleibt, das vielleicht recht salbungsvoll klingt, aber keine Frucht zeitigt, ist keine Botschaft, die von Gott kommt und zu Gott führt, sondern Schönrederei und Phrasengeklingel Und hätte der Liebe nicht, der Liebestat, so wäre ich nichts.
Freunde, laßt uns das nie vergessen! Ob wir dabei von der Menge anerkannt werden oder nicht, sei uns vollständig gleichgültig. „Fürchte Dich nicht, Du kleine Schar; denn es hat dem Vater gefallen, Dir das Reich zu geben.“ Im Himmel wird nicht gezählt, sondern gewogen. Wenn wir nun einige Menschen um uns scharen, welche die heilige Glut im Herzen haben und die emporsteigen zum Licht, laßt - uns zufrieden sein. Wie bescheiden hat Christus begonnen! Seien wir vor allem treu uns selbst und der Berufung, die an uns ergangen ist. Denken wir daran täglich, stündlich. Wenn wir an sich auch nicht viel bedeuten: Wir sind heute die Menschen, die Gott benutzt, um sein Reich zu errichten, sein Reich der Einheit und der Tat. Durch uns laufen all die wundervollen Kräfte hindurch, welche das Paradies der Zukunft schaffen in einem gereinigten, geläuterten Christentum. Wir sind heute in all unserer Unvollkommenheit das unersetzliche Glied in der Kette, die einmal noch die Menschen verbinden soll mit ihrem Gott. Trotzen wir allen Schwierigkeiten, Anfeindungen und Enttäuschungen. Es kommt nicht darauf an, daß wir Recht behalten, sondern daß die Sache recht behält; es kommt nicht darauf an, daß wir siegen, sondern daß die Sache siegt. Das Leben ist der Güter höchstes nicht. Wer seine Seele ängstlich hütet, wird sie verlieren. Wer sie jedoch darangibt an eine große Sache, wird sie gewinnen. Und welche Sache ist größer als die Christi? Lhotzky frägt einmal: „Wie kann die Welt neu werden?“ - „Mit Gewalt nicht. Mit guten Lehrungen und Ermahnungen auch nicht. Aber durch eine Handvoll Menschen, die Jehova hat und an denen Jehova gesehen und erlebt wird.“
Wohlan, seien wir diese Menschen!
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Die Bedeutung der Neurasthenie und ihre Bekämpfung
von
Hofrat Med. Dr. Leopold Ceipek, Innsbruck
Die Neurasthenie ist leider geradezu ein Kennzeichen der sogenannten neuen Zeit geworden. Ist doch, namentlich in den Städten, fast kein Mensch mehr frei von der Krankheit. Wer als Arzt nur halbwegs länger dauernde praktische Erfahrung hinter sich gebracht hat, weiß auch, wie bedauernswert und persönlich schwer leidend diese Kranken sind. Aber es ist merkwürdig, es sind hauptsächlich zwei Nervenkrankheiten, die beide gleich schwer und ineinander in gewisser Hinsicht verwandt sind, nämlich die Hysterie und die Neurasthenie, über welche nicht nur die Laienwelt, sondern auch ein Großteil der Ärzteschaft mit einem fast verächtlichen Lächeln und Achselzucken zur Tagesordnung übergehen. Wer aber wahren Helferwillen in sich trägt, der muß geradezu empört sein über ein derartiges Verhalten. Was gibt uns denn das Recht dazu? Vielleicht ist es bei einem Großteil der Menschen mangelnde Geduld, die solche Kranke erfordern, oder mangelnde Einsicht in die Art der Krankheit und ihrer Ursachen, vielleicht auch die etwas unbequeme und beschämende Erkenntnis, daß man hier zu wenig helfen kann. Jedenfalls erfordern diese Kranken sehr viel Zeit, man muß sich oft länger und intensiver mit ihnen beschäftigen als mit anderen, und der moderne Arzt ist ja leider meist selbst Neurastheniker, und „Zeit haben“ kennt der moderne Mensch überhaupt bald nicht mehr. Jedenfalls ist es durchaus unberechtigt, diese Krankheit so stiefmütterlich zu behandeln. Wir bekämpfen mit Recht und mit Erfolg die Tuberkulose als schwere Volksseuche, wir bekämpfen den Alkoholismus als Würgengel der Menschheit, oder die Geschlechtskrank-heiten als Glückszerstörer, aber wer hat noch ernstlich daran gedacht, die Neurasthenie wirksam zu bekämpfen? Ein Großteil der Tuberkulose, des Alkoholismus, der Geschlechtskrankheiten und anderer Krankheiten ist sicher auch auf das Konto der Neurasthenie zu buchen.
Ich will zunächst ganz kurz das Bild der Erkrankung zeichnen, damit die Bedeutung der Krankheit für den Einzelnen und die Gesamtheit besser erkannt wird. Das Hauptkontignent stellen jene mittelschweren Fälle von Neurasthenie dar, bei denen ein Teil des Nervensystems, oder aber auch das ganze Nervensystem (zentrales, Gehirn und Rückenmark, und peripheres) nur funktionell gestört sind. Es ist vielleicht da auch schon zu viel gesagt mit dem Wörtchen „nur“. Was wissen wir eigentlich von dem wahren Wesen der funktionellen Neurosen? Es scheinen ja Störungen der molekularen und atomistischen Bewegung der Nervenzellen zu sein. Aber wer den feinen Bau einer sogenannten Ganglienzelle im Gehirn oder Rückenmark kennt, der kann sich wohl besser vorstellen, welch schwerer Wirrwarr eine Störung der inneren Bewegung in diesem Weltall im Kleinen in diesen Zellen anrichten kann. Oder wenn an den peripheren Nervenfasern abnormale Erregungen, deren wahres Wesen wir ja auch noch nicht kennen, ablaufen, welche die normalen Isolierungen der Nervenfasern durchbrechen, Kurzschlüsse erzeugen und an falscher Stelle von den Empfindungsfasern aus Erregungen der Muskelfasern und damit allerhand unregelmäßige Zuckungen und Bewegungen entstehen. Jedenfalls kann es nicht gleichgültig sein, wenn das gesamte Nervensystem zeitweilig unter einer Art Hochspannung steht und dann wieder unter dem Zustand völliger Erschöpfung oder Zerrüttung leidet. Vergessen wir nicht, daß das sogenannte sympathische Nervensystem, das unsere vegetativen Funktionen (Atmung, Herzkreislauf, Verdauung) scheinbar selbsttätig regelt, ganz unter dem Einfluß des übrigen Nervensystems und mit ihm vielfach in inniger Beziehung steht, daher unbedingt in Mitleidenschaft gezogen werden muß. Die Neurastheniker leiden subjektiv oft viel mehr, als irgend ein Kranker mit einem organischen Leiden dadurch, daß das sympathische Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen wird. Gestörte Verdauung, gestörter Stuhlgang führen zu Magen-Darm-Erkrankung, zu Gallen- und Leberleiden, zu Blutleere, die wieder die Neurasthenie steigert. Es ist ein Circulus vitiosus, ein böser Ring, der sich in sich selbst schließt. Eine der größten Qualen beim Neurastheniker ist die Störung des Schlafes. Darum fühlen sich die Kranken morgens auch immer am elendsten, während sie abends etwas lebhafter und leistungsfähiger werden. Sie sind Nachtvögel, kürzen damit auch wieder ihren an und für sich schon zu kurzen, oder seichten, von allerhand Träumen geplagten Schlaf.
Am meisten aber ist wohl die mehr oder weniger betonte seelische Störung des Neurasthenikers zu beachten. Er ist ungeheuer leicht erreg-bar. Er leidet durch die geringsten Attacken seitens seiner Umgebung und kommt in allerhand Konflikte, unter denen seine Neurasthenie wieder zunimmt. Wieder der verhängnisvolle Ring. Er ist willenlos, oder willensschwach, wird in seinem Beruf unbrauchbar und untüchtig. Er kann gegen seine sinnlichen Anwandlungen nicht ankämpfen, wird zügellos, oder geschlechtlich abnormal, oder er fühlt sich viel zu früh als gebrochener Greis. Die seelische Störung des Neurasthenikers kann in der heute immer noch viel zu materiell eingestellten Welt nicht genug scharf hervorgehoben werden. Jedenfalls kommt der Neurastheniker in Situati-onen, in denen er wahnsinnig leidet. Wer nur einmal als Arzt einen erwachsenen Mann hilflos wie ein Kind in diesem Zustande vor sich weinen sah, den muß der Menschheit ganzer Jammer anfassen!
Es kann natürlich nicht Aufgabe eines kurzen Aufsatzes sein, das ganze, vielfach variierte Bild der Neurasthenie zu zeichnen, und ich hoffe, daß mit diesen kurzen Sätzen die Bedeutung der Krankheit genügend geschildert ist, namentlich, wenn man noch Ihre große Verbreitung unter der heutigen Menschheit bedenkt.
Wenn man eine Krankheit wirksam bekämpfen will, muß man sich über ihre Ursachen klar sein. So wollen wir nunmehr nach den wichtigsten Ursachen der Neurasthenie Umschau halten. Im Vordergrunde steht wohl unbestritten der erschwerte Kampf ums Dasein mit seinen Sorgen, Aufregungen und anstrengender Arbeit ohne nötiger Rast und Ruhe, eine Verursachung, die durch den Weltkrieg und seine traurigen Folgen noch ihre wesentliche Verschärfung gefunden hat.
„Mensch, raste, überhaste nie,
Sonst haste die Neurasthenie“.
Dieser alte, launige Spruch aus den Münchner Fliegenden Blättern trifft den Nagel auf den Kopf. Leider ist diese Ursache wohl eine, mit der wir für die nächste Zeit wohl als einer dauernden werden rechnen müssen. Vielleicht kann da die Berufsberatung wenigstens etwas mildernd einwir-ken, damit doch zumindest vermieden wird, daß Uneignung für einen bestimmten Beruf die aufreibende Art der Tätigkeit noch erhöht.
Eine weitere Ursache ist die unvernünftige Art der Vergnügung während der ohnedies so karg bemessenen Zeit der Ruhe. Entweder sind es nervenaufregende sportliche Anstrengungen oder Darbietungen, die gesucht werden, oder die Nerven kitzelnde Kinodramen, oder Schauspiele und dergleichen, aufregende Lektüre, die moderne Kunst ist auch nicht darnach, um Ruhe oder Sammlung zu gewähren. Übermäßiger Genuß nach allen Richtungen, nicht zumindest zügellose Befriedigung der sinnlichen Genüsse, in denen Betäubung gesucht wird, unnatürliche Befriedigung in allen Rauschgiften mit größtem Raffinement der sogenannten Kultur. Die Nacht wird zum Tag gemacht, wozu auch die taghelle Beleuchtung in den Straßen der Stadt nicht wenig beiträgt. Wenn auch der Schlaf physio-logisch immer ziemlich gleich verläuft, gleichgültig, wann er angetreten wird, so ist es doch außer Zweifel, daß einige Stunden vor Mitternacht geschlafen und zeitiges Aufstehen ganz anders erfrischen und stärken, als der Schlaf in den Tag hinein. Die Frühaufsteher, die zeitig zu Bett gehen, haben ein rosiges, jüngeres Aussehen, als die Nachtvögel mit ihren welken und abgelebten Gesichtern.
Hier kann Aufklärung sehr viel leisten. Ruhiger Naturgenuß mit den vielen Freuden innerer Andacht an den ewigen Wundern des Alls mit seinem steten Wechsel. Wer nimmt sich noch die Zeit dazu, selbst nur Minuten lang eine schöne Himmelsstimmung zu betrachten, oder dem Rauschen des Waldes und seiner Sänger zu lauschen, oder dem Rascheln des Schilfes, dem beruhigenden Wogenschlag eines Sees, dem Murmeln des Baches. Freilich, wenn man mit dem Auto vorüberrast, oder mit dem teuflisch ratternden Motorrad, kann man dies nicht.
Statt sinneaufpeitschender Barmusik nach Negerart wieder zurück zur vornehmen Kammermusik und zur Symphonie nach altem Stil! Schämen wir uns nicht, statt der Kakophonie der Moderne wieder die Harmonie und Melodie gelten zu lassen. Hier könnte das Radio, das nunmehr schon fast dem Ärmsten zur Verfügung steht, sehr erzieherisch wirken.
Wie heilsam war in früheren Zeiten die Dämmerstunde. Draußen dunkelte es, doch war es noch zu früh, um das Licht zu entzünden, und so genoß man die Dämmerstunde, entweder im trauten Beisammensein, im Sommer auf der Bank vor dem Hause, im Winter beim wärmenden Ofen mit seinem lieben Knisterschein, oder, war man allein, dann war es ein Stündchen der Verinnerlichung. Man dachte nach, was man am Tag geleistet hatte, und formte Zukunft. Natürlich brauchte man Zeit dazu. Aber so viel Zeit müßte sich eben auch heute erübrigen lassen, wenn es heilsam ist.
Wenn das Bergvolk der Alpen auseinander geht, so pflegt es gewöhnlich den Heimkehrenden zuzurufen: „Zeit lassen!“ Ein anderer Spruch lautet: „Der Hastende hat kein Glück“. „Zeit lassen! Sich Zeit nehmen!“ das müßte eine der wichtigsten Devisen werden. Es liegt ein tiefer Sinn darin. Zeit vor allem zur Verinnerlichung. In der seelischen Zerrissenheit der heutigen Zeit liegt wohl auch eine der Hauptursachen der Neurasthenie. Das gesamte Gefühlsleben ist dem Ersterben nahe. Über das Gefühl wird nur mehr als etwas Minderwertigen gespottet Und der reine Verstandesmensch vergißt, daß er selbst das Minderwertige ist, wenn er sich förmlich vor der Verinnerlichung fürchtet, weil er erschrecken muß, wie schal sein Leben eigentlich ist und leer, wenn er nur einmal wirklich ein Stündchen Zeit übrig hat, da er aus dem Wirbel und der Betäubung, die er suchte, „zu sich“ kommt.
Wie kann denn überhaupt wahre Ruhe über den Menschen kommen, wenn er nicht glaubt an eine unendlich große Liebe, die über und um ihn herrscht, die ihn selbst umfängt und eingliedert in die große Harmonie des Daseins? Der gefühllose Mensch aber kann diesen Glauben nie finden. Hier möchte ich auf den großen Wert der Gralsbotschaft Abdruschins hinweisen, die auch dem denkenden Menschen volle Befriedigung gibt und Antwort auf alle schwebenden Fragen, die ihm bisher vielfach nicht befriedigend erteilt wurde. Er wird wieder glauben lernen und die Verinnerlichung nicht mehr zu fürchten brauchen. Er wird aus der seelischen Zerrissenheit geführt in selige und beruhigende Gefilde. Er wird wieder fühlen lernen das Höchste, was wir im Menschendasein haben. Er wird wieder lieben lernen, nicht nur sich, sondern vor allem auch die anderen, Menschen und Tiere, Bäume und Sträucher. Er wird nichts fürchten, auch nicht den Tod. Ruhe wird kommen, wahrhafte Ruhe, die seine zerrütteten Nerven brauchen.
Viel wird auch am Nervensystem gesündigt durch unnützes Lärmen. Besonders in den Städten ist ja der Lärm an der Tagesordnung. Wer hat nicht schon das Rauschen des Großstadtlärmes aus der Ferne gehört? Man staunt, wie weit dieser oft noch hörbar ist und in welcher Höhe. Viel ließe sich da bei gutem Willen vermeiden. Ebenso, wie wir unnötige Beschmut-zung der öffentlichen Straßen wirksam bekämpfen lernten, müßte auch ein Feldzug gegen den unnützen Lärm begonnen werden. Beobachten wir einmal, wie lärmend oft die Handlanger der verschiedensten Art auf der Straße arbeiten. Sie könnten mehr Ruhe halten, wenn sie wollten. Das Zuschlagen der Türen, das fürchterliche, oft ohrenbetäubende Rattern der Motorräder und anderer Vehikel, unnütze und unangenehme Signale. Das alles ließ sich bei der heutigen Entwicklung der Technik und bei gutem Willen vermeiden, oder wenigstens auf das nötige Maß beschränken. Man müßte es bekämpfen, wie man, wie gesagt, auch schon mit Erfolg die Verunreinigung bekämpft hat Vielleicht ist auch hier die Gefühllosigkeit und Rohheit schuld, warum nichts geschieht. Man denkt nicht an seinen lieben Mitmenschen, wenn man in diabolischer Freude am Lärm mit seinem Motorrad durch die Straßen rast. Wenn man nur selbst dabei sein Vergnügen hat.
Schließlich muß bei der Bekämpfung der Neurasthenie die Kleinarbeit am Kranken selbst einsetzen. Wir müssen die vielen Neurastheniker selbst zu heilen bestrebt sein, ihnen ernstlich zu helfen den Willen haben. Das ist eine ebenso wichtige und dringende Aufgabe, wie die Bekämpfung anderer Krankheiten. Aus einem Neurastheniker pflegen in seiner Umgebung gewöhnlich sehr bald viele andere zu entstehen. So sonderbar es klingt, die Krankheit wirkt in gewissem Sinne ansteckend. Denken wir uns z. B. einen neurasthenischen Büroleiter. Wird der nicht bald alle seine vielen Untergebenen durch sein Gebahren, seine Zerfahrenheit, Unruhe und Hast zu Neurasthenikern gemacht haben? Oder ein anderes Beispiel aus dem täglichen Leben. Wenn jemand in Gesellschaft nicht ruhig auf seinem Platz sitzen bleiben kann, sondern alle Augenblicke aufsteht und herumgeht, muß das nicht die Andern auch bald nervös gemacht haben? Es wirkt ansteckend, das ist außer Zweifel. Wir müssen also unbedingt bestrebt sein, die vorhandenen Neurastheniker zu heilen. Wir dürfen daher nicht mehr über die Krankheit, auch die leichtesten Grade, ja ganz besonders über diese, spotten, oder sie geringschätzig behandeln, sondern gleich bei jedem Einzelnen wie bei dem Bazillenträger bei Typhus oder Tuberkulose, oder Diphterie allen Ernstes bestrebt sein, ihn unschädlich zu machen. Der Neurastheniker selbst wird da freilich sehr mithelfen müssen. Er wird alle die Kleinarbeit, die wir ihm an die Hand geben, auch nicht verachten, sondern sehr beachten müssen. Hier ist namentlich für die Anfänge der Erkrankung das Gebiet der Autosuggestion von größtem Werk. „Nur Ruhe! Nur immer Ruhe!“ oder „Zeit lassen!“ Das sind sehr heilsame Signale, die der zur Erregung seines Nervensystems geneigte Mensch sich selbst nicht genug oft geben kann Es kann hier nicht meine Aufgabe sein, über die Behandlung der Neurasthenie im Besonderen zu sprechen, aber es gibt tausenderlei kleine Möglichkeiten, die meist nur vorübergehenden Erfolg bringen.
In den Städten muß vor allem Zeit und Gelegenheit geboten werden, viel ins Freie und an gute Luft zu kommen. Den armen Enterbten, die nicht selbst Grund und Boden haben, muß wenigstens anderweitig der Kontakt mit der Natur geboten werden, denn diese macht froh, gütig und ruhig, wenn man es versteht, sich ihr richtig anzuvertrauen. Es ist gewiß in dieser Hinsicht an manchen Orten schon viel geschehen, aber es ist immer noch zu wenig im Verhältnis zur großen Verbreitung der Krankheit.
Lernen wir die Neurasthenie ebenso als schwere Volksseuche werten, wie die anderen, die wir längst als solche erkannt haben. Dann werden wir auch Mittel und Wege finden, diesen wirklich armen Kranken, damit aber auch der Allgemeinheit, wirklich zu helfen. –
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Kultur - Kunst - Technik
von
Alfred Fischer, Reg: Baumeister B. D. A., Karlsruhe
Drei Begriffe, die nach unserem heutigen Empfinden scheinbar ganz getrennte Daseinsformen darstellen und so notwendig in einer Einheit aufgehen sollten.
Unter Kultur versteht man jetzt vielfach die Zusammenfassung einer Reihe von Äußerlichkeiten, die einem raffinierten sinnlichen Lebensgenuß dienen, vielfach wird das Wesen der Kultur mit Zivilisation verwechselt. Im Ernst soll das Wort Kultur der Ausdruck der gesamten geistigen Struktur einer Zeit sein. Diese geistige Exposition schließt ja alle materiellen Daseinsstufen in sich ein.
Ein Beispiel: In Betrachtung der klassischen Antike ist uns „Kultur“ noch ein umfassender Lebensbegriff. Wir erkennen in diesem Beispiel die horizontale Welteinstellung und Lebensauffassung der Griechen und Römer, ihre myhtisch-religiös-philosophische Weltanschauung, ihre Staats- und wirtschaftliche Gebarung, die lebenstechnischen Begriffe und nicht zuletzt ihre gesamte Kunstäußerung in den praktischen und ideellen Künsten, wobei die Baukunst sinnfällig als markantester Überrest in unsere Zeit herüberragt.
Die horizontale Einstellung der antiken Kultur mit der verhältnis-mäßigen einfachen, dem realen Leben entnommenen Götterlehre prägt sich in der breitgelagerten Form des klassischen Tempels aus gegenüber dem später vertikalen der Mystik entsprungenen gotischen Prinzip.
Kunst: Es gibt wohl kein umstritteneres Wort, wie dieses Wort Kunst, es wurde geheiligt und entweiht, je nachdem eine Zeit es brachte. Ganz große Kulturepochen der Menschheit kannten diesen Begriff der Kunst wenig oder garnicht, denn die Kunst war eine selbstverständliche Folgerung oder Begleiterscheinung aller bestehenden und geistig gesunden Zeiten.
Beispiel: Gehen wir auf die uns nächstliegende in sich abgeschlossene Periode einer Entwicklungsstufe zurück: Das deutsche Mittelalter. Wir betrachten mit Recht die gotischen Dome als Meisterwerke künstlerischer Schöpfungskraft. Der Kölner Dom, das Straßburger Münster wird auf jedem Betrachter einen tiefinnerlichen Eindruck machen. Und doch wollten die Schöpfer jener Bauwerke keine Kunstwerke als Selbstzweck schaffen. Die religiöse Auffassung des gotischen Menschen, seine gefühls-mäßige innerliche Einstellung zur Mystik zwangen ihn, so und nicht anders zu bauen. Die Entwicklung des rein konstruktiv-technischen Prinzips aus der romanischen Zeit erklärt wohl die formale Gestaltung, aber doch nur auf Grund eben des metaphysischen Denkens jener Zeit. Der Dom sollte der Ausdruck höchster Verehrung eines überirdischen Waltens sein, der Platz, in Inbrunst und Frömmigkeit geschaffen für die Verehrung Gottes und der Heiligen. Hierzu mußten die besten Kräfte mobilisiert, die kühnsten Versuche gewagt werden. Die Kirche war das aus dem im Dunkel schlummernden Bewußtsein herausgeborene „Gottes-Haus“, das so und nicht anders werden konnte. Zum abstrakten Kunstwerk, zur Sehenswür-digkeit schuf es erst die epigonenhafte Nachwelt, der das ebenmäßige Können verloren gegangen war. Daneben fällt uns im Mittelalter noch ein besonders menschlicher Zug auf: Wir kennen von den wenigsten Domen die Baumeister, weil sie ganz hinter ihrem Werk zurücktraten. Bescheiden nur als Diener einer großen Idee, als Ausführende einer hohen Bauherrin, der Kirche, schufen sie ihr Werk. Heute muß die Reklametrommel für den Verfasser schon der kleinsten Sache gerührt werden.
Auch die Innen-Ausschmückung der Kirche mit Malerei und Plastik war ein eingewobener Teil des Ganzen. Das Altarbild der Kirche, die geschnitzte Madonnenfigur war ein Sinnbild religiöser Verehrung. Erst nachdem dieses Bild, diese Plastik ihres natürlichen Zusammenhanges beraubt wurde und in Museen Aufstellung fand, wurde sie „kunstge-schichtliches“ Studienobjekt, und als Hauch seiner einstigen religiösen Kraft empfinden wir die Stärke eben jener selbstverständlichen künst-lerischen gesteigerten Eindruckskraft, der gegenüber unser Können vor einem beschämenden Kleinmut steht. Gerade das Suchen in solch mittel-alterlich naiven Formen vieler Künstler der Jetztzeit beweist das. Aber das verstandesmäßige, bewußte, unwahrhaftige Herantreten an die jetzige Arbeit verurteilt diese Versuche zum kläglichen Scheitern.
Das Ende des Mittelalters bedeutet den Beginn des Zerfalls der Einheit geistig künstlerischer Lebensgestaltung. Zwar brachte die italienische Renaissance nochmals einen gewaltigen Aufschwung, indessen war die Rückwirkung auf die Länder nördlich der Alpen nicht sehr groß, und dann trug eben diese Renaissance schon den Stempel der isolierten höfischen Kunst in sich als Ausdruck seiner äußeren Repräsentation; sie löste sich vom Kulturgeist des Lebens. Nur so ist der Zwiespalt zu erklären zwischen glanzvoller Kunstgebarung und tiefstem moralischen Zerfalls des 15. und 16. Jahrhunderts in Italien.
Nicht anders, nur gegenteilig offenbarte sich die beginnende Kluft in Deutschland. Die Reformation war der Auftakt zu einem gewaltig begin-nenden Ringen um neuere, freiere Geistesgestaltung. Der Kampf um Welt- und Religionsanschauung absorbierte alle geistigen Qualitäten, die Einheit der Kultur mußte zerreißen, das äußerlich praktische und repräsentative des Lebens hing, weil noch verwendbar, an der Überlieferung, die religiös-philosophische Entwicklung machte einen gewaltigen Schritt vorwärts. Niemand hatte Zeit und Verständnis für das nachhinkende physische Leben, der Riß aller gärenden, neu werdenden Epochen war da. Der Beginn des 30-jährigen Krieges räumte dann mit dem letzten Schatten-dasein der mittelalterlichen Kultur und Kunstäußerung auf.
Durch den 30-jährigen Krieg war das hochstehende demokratische Prinzip des deutschen Mittelalters vernichtet, nur auf den Trümmern der verwüsteten Volkseinheit konnte sich eine immer mehr konzentrierende Oligarchie, später völlig bindungslose Monarchie aufbauen, die im Reprä-sentanten des Sonnenkönigtums (Ludwig XIV.) ihre Verkörperung fand. Geistiges und künstlerisches Leben war nur der Ausdruck einer ganz dünnen, an Macht und Lebensgenuß hängenden Oberschicht, deren letzten Endes entnervte eigene Kulturunfähigkeit den an religiösen Größenwahn grenzenden roisoleil hervorbringen mußte. Wie in Italien zuvor, war jetzt in gesteigertem Maße Architektur, Malerei, Plastik, Musik, Dichtkunst Vorrecht der Fürsten geworden, die Künstler wurden degradiert zu Ministerialen, das freie Schaffen wich dem unstillbaren Ehrgeiz äußerlich anerkannter künstlerischer Erfolge. Zweifellos war das Barock, an der Spitze Versailles, eine große künstlerische. Leistung, aber sie wurzelte nicht im Kulturbewußtsein der Menschen, sie war vielmehr Nachwirkung jener schon erwähnten nicht lebensechten Renaissance. Die Folgen mußten sich bald zeigen. Als das System strengster Autokratie durch die französische Revolution gestürzt wurde, die damit den Auftakt gab zu einem Jahrhundert staatspolitischer volksrechtlicher Umwälzun-gen, stand plötzlich das neuerwachte Bürgertum vor dem Nichts einer geistig künstlerischen Lebensgestaltung, da jene fürstliche Scheinkultur nirgends feste Wurzeln geschlagen hatte. Noch einmal flackerte unter dem Meteor Napoleon das formale Gestaltungsprinzip im Empire und Klassizismus auf, um dann endgiltig zusammenzubrechen.
Die Liquitation bildete das 19. Jahrhundert Wirtschaftlich und technisch zu sehr gebunden in Neubildungen, geistig unfähig, das vorhan-dene Trümmerfeld abzuräumen, hing die Zeit weg- und führerlos in den tändelnden Versuchen, von einem Extrem in das andere zu fallen. Wir haben im Laufe des letzten Jahrhunderts sämtliche Stielepochen, die von der Antike über das Mittelalter zum Klassizismus führten, durchprobiert, da es aber immer leere Attrappenformen waren, konnten diese Versuche nur lächerliche Bastarde werden.
Erst die gewaltigen chaotischen Ereignisse des letzten Jahrzehntes, nicht zuletzt der Krieg und die Nachkriegszeit, scheinen hier der Auftakt zu einer Besserung und Wendung zu werden, zum Besinnen auf eine schlackenfreie, ehrliche, wahrhaftige neue Eigenkultur. So mag der unse-lige Krieg doch eine schicksalgewollte befreiende Bedeutung gewinnen, nicht für Deutschland allein, vielleicht für die Welt. Naturgemäß muß solche Entwicklung jetzt wieder parallel gehen mit der Reinigung unseres philosophisch religiösen Denkens und Fühlens.
Bei Betrachtung der neuen und neuesten Zeit dürfen wir nun einen hinzugekommenen Faktor, die Technik, nicht außer Acht lassen. Technik im weitesten Sinne als Verkörperung des empirisch naturwissenschaft-lichen Zeitalters. Wir erleben hier zwei grundverschiedene Einstellungen. Auf der einen Seite die materiell exakte, an vernunftgemäße Vorstellungen gebundene Auffassung, ich möchte sie - etwas leichthin – amerikanisie-rende nennen, die in Technik und mechanischer Bezwingung der Materie höchstes Ziel und Streben der Menschheitsentwicklung sieht, auf der andern Seite die europäische, vielleicht noch mehr östliche, rein philoso-phisch spekulative und spirituelle Weltanschauung, welche das ganze technisch materielle Denken und seine folgerichtige Auswirkung als belan-glose Äußerlichkeit betrachtet. In der jetzt aufdämmernden Zusammen-schweißung beider Systeme wird wohl ein Weg der Mitte kommen.
Rein äußerlich genommen sind die sogenannten Errungenschaften der Technik durchaus ernsthaft beteiligt an dem gewaltigen Umschwung unserer Zeit Die ungeahnte Verbesserung der Verkehrsmittel hat die Menschen durcheinandergewürfelt und einander nähergebracht, daß schon der Horizont der allgemeinen Denkungsweise ein ganz anderer geworden ist Ein gar nicht hoch genug zu schätzender Begriff als Folge dieser Annäherung muß sich durchsetzen, wenn auch vorerst noch kaum sichtbar, Begriff und Wesen gegenseitiger Toleranz bei ernstem Willen. Toleranz aber ist Vorstufe fruchtbarer Neu- und Zusammenarbeit und Wegbereiter einer kommenden gemeinsamen Zielrichtung in geistigem Sinne. Man braucht dabei zunächst noch gar nicht an eine kommende Weltreligion zu denken.
Ein zweites Gebiet der forschenden Technik möchte ich aber nur kurz streifen: die ungeheure Materie der Strahlungen mit ihren fast atem-raubenden Konsequenzen. Volkstümlich gesprochen: das Wesen der Elektrizität. Physikalische, mechanische und philosophische Gedanken-gänge treffen sich hier in engster Verkettung.
Wir wissen schon heute, daß Lichtstrahlen, Wärmestahlen, elektrische Kraftwellen, ultraviolette Strahlen, Röntgenstrahlen dieselbe Urquelle haben, nur in verschiedener Form. Dazu kommen sicherlich die kleinmag-netischen Erscheinungen menschlicher Ausstrahlungen, telepathische und hellseherische Fähigkeiten aller Art. Wenn wir aber eines der letzten Geheimnisse unserer Physik, die Gravitation der Erde kennen, werden wir manche uns noch unerschlossene Probleme besser erkennen. Schon mit der Einstein’schen Raum-Zeitlehre geht aber das physikalische Denken ins philosophische über, der Vorstellungsbegriff wird abstrakter Begriff, Verstand und Vernunft gehen über in geistig religiöses Denken. Vielleicht wird dieser neue Sinn des Menschen geweckt, der das metaphysich-abstrakte Denken einer begrifflichen Vorstellungswelt nähert.
So kann unsere werdende neu andrängende Weltauffassung und geistig religiöse Erneuerung auf den Schultern unserer technisch neu gewonnenen Erkenntnisse als einem brauchbaren Fundament stehen. Daß das Wesen der Technik dabei sich nicht im maschinell-struktiven erschöp-fen darf, wird vielen klar sein.
Und zum Schlusse noch einmal zu der Dreiheit: Technik, Kunst, Kultur. Eine mit Naturwissenschaften und technischer Erkenntnis verbun-dene, religiös philosophische Grundeinstellung kann unser Leben und unsere Lebensvorgänge wieder zu einer Harmonie führen, deren Reinheit das Künstlerische in sich schließt, nach Abstreifen aller Unehrlichkeiten und Unsachlichkeiten des letzten Jahrhunderts. So werden wir wieder zu dem unverfälschten Ausdruck der Kultur einer - kommenden - Epoche gelangen. Inwiefern nun in der gärenden Entwicklung der Jetztzeit die Kunst, am meisten vielleicht unsere Baukunst, ihre integrierende, aber im Leben stark fühlbare Rolle entwicklungsmäßig spielen muß, mag an späteren Beispielen erläutert werden.
***
Durchblicke und Ausblicke!
Von F. X. Uranus, Regensburg.
„Wer in der Weltgeschichte lebt,
Dem Augenblick sollt’ er sich richten?
Wer in die Zeiten schaut und strebt,
Nur der ist wert zu sprechen und zu dichten . . .“
sagt Altmeister Goethe so treffend. Diejenigen, die feine Ohren für kommende Dinge haben, denen konservative Neigung oder egoistische Machtgelüste von jeher unbekannte Dinge waren, gilt mein Wort. Wir schon von Geburt aus fortschrittlich Veranlagten und selbständig Denken-den sehen tiefer als die über kleinliche Tagesfragen nicht hinwegkom-mende große Masse und wissen darum, daß die weltgeschichtlichen Ereig-nisse und konfessionellen Krisen keineswegs der alleinigen Schuld der jeweils am Staatsruder sich befindlichen Potentaten aufgebürdet werden brauchen, sondern in erster Linie ihre kausalen Zusammenhänge und natürlichkosmischen Voraussetzungen haben müssen, um überhaupt zustande kommen zu können. Den Ausbruch des Krieges oder der „Revolution“ einzelnen Personen zuzuschreiben, zeigt daher von einer teilweisen Unfähigkeit im tieferen Erfassen historischer Ereignisse und wirtschaftlicher Notlagen.
Deutschland ist in den Abgrund gesunken durch eine systematisch durchgeführte Kritikunterbindung, durch eine ganz und gar dem Geist des wahren Urchristentums widersprechende Anschauung, sowie durch eine von unseren Schulwissenschaftlern herangezüchtete materialistisch-mechanische Weltanschauung, welche einseitig alle feineren Beziehungen leugnete und nur gelten ließ, was mit den gewöhnlichen dreidimensionalen Sinnen der Durchschnittsmenschen, denen jegliche schöpferische Unmit-telbarkeit abgeht, erfaßt werden kann. Das Blendwerk der öffentlichen Gerechtigkeit, welches mit Scheiterhaufen und Schwert, mit Galeeren, Zuchthäusern, „Gesetz“ -Folianten arbeitete, mußte versagen und unwirk-sam bleiben, solange das Volk nicht in seinen innersten Bedürfnissen und seiner wahren Natur entsprechend erzogen und zufriedengestellt wird. Die ganze Summe unserer falschen Einstellungen, der Kampf um den Mammon, sowie die durch rücksichtslosen Wettbewerb entstehenden Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten in der Gesellschaftsordnung waren die Vorbedingungen, welche den Weltkrieg sowie die wirtschaftlichen Krisen möglich machen, als gerade das Ende sowie der Anfang des kommenden Jahrhunderts von entsprechenden kosmischen Einflüssen begleitet ist.
Daß wirtschaftliche Spannungen und politische Krisen sowie ein innerer Umschwung im Leben der Menschen immer nur zur rechten, kosmisch bedingten Zeit, sowie in den jeweils am besten dazu geeigneten Personen stets ihre Auslösung finden, entspricht dem völlig gesetzmäßigen Ablauf und Zusammenhang alles kosmischen und irdischen Geschehens. Das gleichzeitige oder kurz aufeinanderfolgende Eintreffen neuer Ideen und Spannungen in verschiedenen Ländern, das beinahe gleichzeitige Auftauchen ähnlicher Begebnisse an verschiedenen Orten bestätigt diese Tatsache, die in der tiefen Erkenntnis von der Einheit und vom natür-lichen Zusammenhang alles kosmisch-universellen und irdisch-mikrokos-mischen Geschehens fußt.
Wir stehen, da nun der Frühlingspunkt unseres Sonnensystems vom Zeichen Fische in das uranische Kraftfeld des Wassermanns einrückt, wieder vor einem großen Wendepunkt! Kosmisch bedingt und biblisch festgelegt, sowie wirtschaftlich notwendig naht Weltwende! Umwälzende Ereignisse und nicht zuletzt die Nöten der letzten Jahre rütteln den noch aufbau- und lebensfähigen Teil der Menschen aus ihrem Gewohnheits-schlafe auf; das komplette Versagen aller konfessionellen und wissenschaft-lichen, sowie philosophischen Weltanschauungen und Systeme erheischt einen neuen und gewaltigen Sinn des heutigen Lebens: Die Erneuerung und Selbstbesinnung der noch lebensfähigen Völker beginnt!
Wir leben in einer Übergangszeit, und dementsprechend sind auch die Bewegungen derselben alles noch im Werden begriffene Bestrebungen, eine andere als die bisherige völlig verkehrte und naturwidrige Lebensweise zur Ausführung zu bringen, die Urkräfte reinen Menschentums wieder voll und ganz zur Entfaltung zu bringen.
Tolstoi, der ganz mit Recht den kapitalistischen Kommerzialismus, sowie das Versagen der führenden Stände und die sittliche wie geistige Dekadenz der „oberen“ Schichten als eine der Ursachen des Weltkrieges und wirtschaftlichen Verfalles bezeichnet, schreibt in seinem Tagebuch sehr treffend: „Die Welt entwickelt, vervollkommnet sich, und es ist Pflicht des Menschen, sich an dieser Entwicklung zu beteiligen und an ihr mitzuwirken.“ Der wirtschaftlichen Umwälzung muß unbedingt die grund-legendere geistige folgen, und es ist ebenso unvernünftig wie unnütz, den geistigen Fortschritt irgendwie hemmen zu wollen.
Denn heute ist Weltwende! Alle Kreuze sind errichtet, alle Giftbecher geleert, alle Scheiterhaufen haben gebrannt, alle Massengräber sind gegraben. Der Geist eines Sokrates, Savonarola, Huß, eines Nietzsche und Tolstoi weht über die Erde und reißt alles Faule und Morsche in die Tiefe. Auflösung und Zerfall alles Falschen und Entarteten ist die Zukunft, und nur Einzelne, aufrechtstehende uranische Geister werden Pioniere sein, die den besseren Teil der Menschheit an die Ufer kommender Gemein-schaft tragen. Vergebens wird die Herde der „Menschen“ zu Ihrem „Gotte“ wimmern, Tausende von Forschern, Suchern und Versuchern gehen zugrunde an den unheilvollen Folgen ihrer Meinungen und Erfindungen, Millionen geistig gebrochener Menschen sinken entkräftet zusammen, aber wenige, sehr wenige schreiten über die Leichen der alten Welt ins neue Leben. Bald schließt sich der Kreis menschlicher Schuld, jener Schuld, jener „Menschen“, die töteten die Propheten, die Jeremias zersägten, Christus kreuzigten, Sokrates vergifteten, Savonarola und Huß, sowie die Repräsentanten wahren Menschentun verbrannten und töteten! Bald schließt sich der Wall, der zusammenbrechen wird über der Menschheit, die in geistiger Stumpfheit dahinvegetiert!
Unsere heutige und kommende Zeit steht im Übergang zu neuen Lebenswerten und geistiger Erneuerung, und es ist ein Unding, sich dem neuen Zeitgeiste irgendwie widersetzen zu wollen, der kosmisch bedingt ist. Die neuen Kämpfe bedeuten eine endgültige Lösung der Rassen- und Religionsfragen. Das frühere Königtum hat sich ausgelebt und wird in ferner Zukunft solchen Menschen Platz machen, die Instrumente des Geistes und Organe des Logos sind, in denen die Vorsehung waltet.
Übergang von der Monarchie und Demokratie zur wahren Theokratie, zur Herrschaft des Geistes Gottes auf Erden das ist die kommende Zukunft des werdenden uranischen Zeitalters.
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Abdruschins Fragenbeantwortungen:
Frage: Kennt Abdruschin die Stigmatisation von Konnersreuth? Will er sich seinen Hörern gegenüber nicht einmal äußern? Es wird so viel darüber gespottet.
Antwort: Darüber sind so viele Anfragen an mich ergangen, daß ich mich schon damit befassen muß.
Solche, welche dabei spöttelnd oder oberflächlich einfach von Hysterie sprechen, sich damit wunder wie vorgeschritten dünken, und wohl noch den netten Rat bereit haben, das Mädchen in ein kaltes Bad zu setzen, oder in eine Arbeitsanstalt zu verbringen, vielleicht in ein Irrenhaus, stellen damit eine so grenzenlose Dummheit zur Schau, daß es tatsächlich schade um jede Sekunde wäre, die man damit verliert. Denen gilt meine Antwort nicht! Es wäre aber kein unfrommer Wunsch, derartigen Menschen zu gönnen, einmal nur acht Tage solchen Dingen unterworfen zu sein. Schließlich das beste Mittel, sie zum Nachdenken zu bringen, vor allen Dingen dazu, sie mit ihrem frivolen „Denken und Wissen“ etwas zurück-haltender werden zu lassen, damit sie nicht immer gleich den Stein bereit haben, um sie auf Menschen wie diese Therese Neumann höhnend zu schleudern!
Sie würden dann sehr schnell um Mitleid heischen. Das ist immer so. - Wohl gibt es leichte Fälle, die im Glaubensfanatismus unter Autosugges-tion hier und da Wundmale hervorzubringen fähig sind. Aber dieser Fall gehört nicht unter solche Arten! Der Vorgang ist nicht Hysterie! Laßt solche leere Schwätzer reden, beachtet sie gar nicht Es ist schon heute schade um jedes Weizenkorn, das ihnen auf der Erde noch zur Nahrung zufällt; denn sie sind leere Spreu, die bei der letzten Abrechnung als Nichts betrachtet und zerstäubt werden. Schädlinge, welche überall das große Wort führend im Wege stehen. Im Trüben fischend, nachdem sie selbst das reinste Wasser zu beschmutzen suchten, Unfrieden und Zweifel mit Frohlocken säend. Sprechen wir nicht mehr von ihnen; denn ihre Zeit ist nicht mehr lang. -
Betrachten wir uns also sachlich nun einmal das jetzt so vielgenannte
Rätsel von Konnersreuth!
Das Leiden der so furchtbar stigmatisierten Therese Neumann, die zu Zeiten nicht nur alle Wundmale des gemarterten und gemordeten Gottes-sohnes an sich tragen muss, wie die Nägelmale, auch die Wunde durch den Speer, sowie die vielen Wunden um den Kopf, welche die Dornenkrone hinterließ, sondern die auch manchmal alle körperlichen Leiden Christi durchzuleben hatte, bis sie in Todeszuckungen ermattet in das blutdurchtränkte Bett zurücksank.
Tausende wallen an den Ort. Aus allen Gegenden und allen Ländern strömen sie herbei. In dichten Scharen stehen sie oft um das kleine Haus, in dem das Mädchen ihren Kampf zu kämpfen hat. Sie hört dabei im Geiste Reden, die die Kreuzigung betrafen, in Mundarten der damaligen Sprache, Sprachforscher damit in Verwunderung versetzend.
Erschauernd nehmen wartende Menschen die Berichte auf, sie können manchmal flüchtig auch das schwer leidende Mädchen in dem Blute liegen sehen, schütteln nachdenklich die Köpfe, und bestaunen stumm das göttliche Geschenk, wie es so viele nennen.
Die Wissenschaft und auch die Kirchen sehen sich vor einem Rätsel, wie sie unumwunden zugeben, weil sie dazu durch unleugbare Tatsachen gezwungen sind, diesmal von grobstofflicher Art, denen sie sonst vertrau-ter gegenüberstehen können. Das bedingt auch die trotz alles Aufsehens große Zurückhaltung.
Es wird geschrieben, daß der rechten Lösung dieses anscheinenden Rätsels aller Dank, auch der der Kirche, sicher ist.
Das Wort ist sicherlich grundehrlich und sehr gut gemeint, mit bestem Wollen für das Rechte. Doch ohne Zweifel wurde damit etwas zugesagt, versprochen, das zu halten für die Menschen nicht gut möglich ist.
Ihr Unvermögen zu dem Danke müssen sie wiederum nur dem ärgsten Feinde alles Geistes danken, ihrem selbstgewählten, unbeschränkten Herrscher, dem erdgebundenen Verstande!
Unter Verstandesherrschaft muß der Hörer aber auch das Richtige verstehen. Ich meine damit nicht irgend ein Staatsregime, oder etwas Ähnliches, sondern lediglich die freiwillige Einstellung des Einzelmenschen unter seinen eigenen Verstand, was alles Ungesunde in den irdischen Verhältnissen hervorbrachte und leider auch noch eine Spanne weiter bringen wird.
Mit allen Einzelmenschen aber steht natürlich auch die Kirche unter der furchtbaren Wucht der Folgen dieser Erbsünde wider den Geist. Der Mensch trug sie mit sich von Anfang an hinein, ohne davon zu wissen, ohne es zu ahnen und zu wollen. Die Vergiftung alles Wollens drang ganz unbemerkt mit ein, und so ist triumphierend Mitherrscher dort ebenfalls der menschliche Verstand. Es wird nie anders sein können, bis diese Sünde gegen göttliche Bestimmung in der Menschheit gründlich ausgerottet ist.
Das bildet auch die Mauer gegen eine Lösung dieses Rätsels der Stigmatisierten. Die Kirche und die Wissenschaft wird es deshalb auch sehr schwer fertig bringen, die wahre Lösung wirklich zu begrüßen und dafür zu danken, weil eigentliches Wissen und die ungetrübte Wahrheit ein Begreifen über alle Grenzen des engen Verstandes unerbittlich fordert! Wie überhaupt ein jedes geistige Geschehen.
Da Kirche und die Wissenschaft dieses Geheimnis nicht richtig erklären können, ist der Beweis dafür gebracht, daß beide Teile trotz des besten Wollens noch derart gebunden sind. Denn eine Tatsache muß hierbei unzertrennbar auch die andere ergeben.
Daß sie behaupten, es noch tun zu können, und für das bisherige Unvermögen dazu alle erdenklichen Vorwände angeben, ist kein Beweis. Zeit dazu war genug vorhanden! Daß sie verstreichen mußte ohne den Erfolg, liefert doch deutlich einen gegenteiligen Beweis. In solchen ernsten Leidensfällen muß man jede Stunde nützen, wenn man ernstlich will und ....kann! Da gibt es keine Zeit zu Auseinandersetzungen und Reden, sondern es ist Menschenpflicht, zu handeln. Und wo das nicht geschieht, dort ist Nichtkönnen. Darüber gibt es wohl kaum noch zu streiten.
Das Nichtbegreifenkönnen einer wahren Lösung aber schließt natur-gemäß von vornherein eine Verständigung schon aus.
Es bleibt deshalb nur ein Weg übrig, daß Tatsachen meine Erklä-rungen bestätigen!
Deshalb will ich hiermit den Weg der Wahrheit weisen, der zur Lösung und damit zur Erlösung führen wird. Vorausgesetzt, daß man den Weg dann auch beschreitet, ihn nicht etwa aus Furcht vor Überraschungen still ablehnt, oder ihm entgegenarbeitet. Die Folge des Beschreitens aber müßte den Beweis der Wahrheit dann erbringen!
Da dieser Weg nach keiner Seite irgend einen Schaden durch Befol-gung bringen kann, ist das Verlangen dazu auch nicht unbillig zu nennen. Namentlich da dadurch auch gleichzeitig so mancher Streit geschlichtet werden kann.
Die Wissenschaft weiß schon durch das Geschehen selbst, daß sie bei dem Versuch zur körperlichen Heilung oder Linderung auch falsche Wege ging. Lindernde Salben riefen hier im Gegensatz zu der erwarteten Erleichterung nur schmerzhafte Entzündungen hervor, die nach Berichten sofort wieder nachließen, wenn der Verband herabgenommen wurde. Das heißt, die Wunden wurden wieder rein, sobald die medizinischen Versuche unterblieben. Und das ist so gewollt, wie schon vorausgesagt!
Ich möchte ausdrücklich bemerken, daß in den Erläuterungen, die zur Klärung nötig sind, nicht Anfeindungen liegen sollen! Ich achte jedes ehrliche Bemühen, und das ist hierin von der Wissenschaft aus wie auch von der Kirche stets erfolgt, mit bestem Wollen für ein Helfen. Bis heue ist darin kein Vorwurf zu erheben, es sei denn, daß man nun den neu gezeigten Weg nicht gehen will, und sich vor einem Beweis scheut.
Die ganze Menschheit geht in diesem Falle wieder einmal dem irrigen Weg, indem sie alles von der falschen Seite aus betrachtet.
Natürlich muß der Hörer und der Leser denken! Er muß bemüht sein, in den Vorgängen wirklich zu lesen, ruhig zu beobachten.
Seht doch nur das Gebahren aller Menschen hierbei einmal an! Man sucht nach allem Möglichen, sogar nach dem Unmöglichen, setzt aber ganz auffallend eins außer Betracht, läßt es vollkommen abseits liegen als ein Märchen, das man ernsthaft nie mehr in Bereich des wirklichen Gesche-hens sieht! Dies Eine sind die ehernen Gesetze Gottes, ist sein Schöpfer-wille, den man trotz seiner Unverrückbarkeit nicht mehr beachtet, bei den Erwägungen gar nicht zu Grunde legt!
Die Tatsache spricht so erschreckend deutlich für den inneren Zustand der Menschen, die Kirchen eingeschlossen, daß es allein genügen müßte, um den Hörern meine Ausführungen über den schon oft erklärten Sündenfall und dessen Folgen klar zu machen. Eindringlicher kann es tiefer Denkenden kaum zur Erkenntnis kommen. Wie hier, so ist es aber auch in jedem Falle, jedem Denken, jedem Prüfen, jedem Handeln! Der Blick bleibt grübelnd nur im Irdischen, in dem untersten Niederungen haften, er kann sich nicht mehr frei erheben nach der Höhe zu, er will es nicht! Das, was bei einem unbeengten Menschen selbstverständliches Beginnen wäre, in allem erst den großen Schöpferwillen zu beachten seine Schlüsse nur nach ihm zu formen, worin allem die rechte Lösung liegen kann, verwirft der Mensch von heute, selbst auch kirchliche Vertreter, in das Reich der Fantasie! Beweis liegt darin, daß sie gar nicht daran denken, ihre Folgerungen darauf aufzubauen. Sie unterwerfen sich im Gegenteil ganz öffentlich der Wissenschaft, also dem irdischen Verstande, einem Erdgebundensein, und machen sich damit noch zu Vasallen jenes Anti-christen, gegen den sie warnen sollen, den sie aber niemals kannten!
Reinheit göttlicher Wahrheit vor die Front! Wer sich verbirgt, ist ihrer nicht mehr wert. Es gilt jetzt mehr als nur einige Menschenseelen! Wie grell beleuchtet dieser Streit um das Ereignis Konnersreuth den tiefen Niedergang im Inneren der Menschen! Wie klar zeigt er das eigentliche Abgewendetsein von Gott und dessem Willen! Weil man ihn nicht beachtet!
Auch bei denen, die sich gläubig dünken. Die irrenden Menschen sehen nicht diese Entsetzlichkeit des Abgrundes, der sich in ihnen schon seit langem aufgerissen hat. Sie taumeln ruhig weiter an dem Rande hin, durch ihre falschen Anschauungen vorläufig noch gehalten. Wohl allen, die an diesem Falle lernen, die ihn nicht überlegen spottend in das Gebiet der Hysterie verwerfen, zu eigener Beruhigung, oder um ihr Unverständnis damit zu verdecken. Viele tun es sogar mit wirklicher Überzeugung, weil sie schon nicht mehr fähig sind, ihr Unverständnis zu empfinden, und dünken sich tatsächlich wissend, wie ein Gehirnkranker noch alle die belächelt, die seinem Wahn nicht folgen. -
Therese Neumann wird in ihrem Leiden oft eine Heilige, Begnadete genannt, bei der man betet, deren Fürbitte wohl so Mancher still ersehnt.
Und niemand ahnt, daß diese so „Begnadete“ die Fürbitte am meisten nötig hat. Niemand bedenkt, daß diese Ärmste gerade durch die Mitmen-schen von einer winkenden Erlösung ferngehalten wird! Die Schuld dafür fällt unbedingt auf diese Menschen mit zurück, die ihrer frommen Andacht eine falsche Richtung geben. Denn dadurch fühlt sich die Stigmatisierte innerlich gehoben als eine von Gott Ausgezeichnete. Sie bleibt durch die Anschauungen der Umwelt weit davon entfernt, ernster und tiefer nachzudenken, ihre Gedanken und Empfindungen auch einmal eine andere Richtung nehmen zu lassen, wobei sie finden wird, daß sie nicht als die Ausgezeichnete zu gelten hat, sondern im Gegenteil eine Gezeichnete sein soll!
Die notwendige Demut, die sie zur Erlösung führen könnte, wird in ihr gewaltsam nach der falschen Richtung hingedrängt.
Therese Neumann wird damit ein Opfer falscher Einstellung der gutmeinenden Mitmenschen, wenn ihr nicht rechtzeitig noch die Erkennt-nis dafür kommt. Sie geht an der Gelegenheit zu der Erlösung von dem schweren Karma trotz dessen derzeitiger wiederholter Rückwirkung vorüber, weil sie nicht zur Erkenntnis kommen kann, wenn es so weiter geht, wie es bisher geschah.
Verblendet stehen diese geistig Blinden und auch geistig Tauben vor dem Hause, das sie nur als geweihte Stätte sehen, während sie in Wirklichkeit dort eine der erschütterndsten Warnungen der Auswirkung des strengen Gotteswillens in seiner Unverrückbarkeit so deutlich mit erleben dürfen!
In der Stigmatisierten von Konnersreuth ringt eine Menschenseele um Erlösung, die sich in ihrer jetzigen Erdenhülle des eigentlichen Geschehens noch gar nicht klar bewußt geworden ist. - - - -
Die Seele hat den Gottessohn am Kreuze einst gelästert! Es ist bei ihr nicht nur das erste Mal, daß sie seitdem hier auf der Erde weilt und so gezeichnet wurde.
Nur wenn ihr das endlich zum Bewußtsein kommt, und sie in Demut um Vergebung fleht, kann ihr Erlösung werden. Sie wird es dann auch geistig schauen und dabei den erkennen, dessen Fürbitte sie lösen kann von ihrer einst so schweren Schuld! Das ihr bekannte und vertraute „Licht“ wird ihr dabei behilflich sein.
Doch nichts ohne das eigene Erkennen, nichts ohne Einsicht in das Innenleben ihrer Seele!
Das ist der einzige Weg zu ihrer Erlösung! Wer ihn ihr zeigt und ebnen will, der ist der wahrste Freund und Helfer; der ihn jedoch verweigert oder vorenthält, sie daran hindert, ist ihr ärgster Feind.
Therese Neumann wird selbst alles schauen, was sie zu der Erlösung braucht, sobald sie ihren wahren Weg in sich beschritten hat, und kaum darauf auch körperlich gesunden, ohne Menschenhilfe. - - -
Die Worte, die sie schon gehört hat von dem „Lichte“, das sie dabei sieht, können sich damit erfüllen, weil dann erst durch ihr Leiden wirklich vielen Seelen mitgeholfen wird. So Manche werden daran noch rechtzeitig zur Erkenntnis des strengen Geschehens in dem Gotteswillen kommen, sich besinnen, daß es anders ist, als sie in so bequemer Ruhe bisher dachten, dadurch Einkehr in sich halten und damit zum Aufstiege gelangen. Nicht anders war das „Wort“ des „Lichtes“ einst für sie gemeint, ihrer Wohlmeinenden Führung.
Auch in den Worten „Du darfst noch leiden“ lag verheißungsvoll ein großer Segen; denn das bedeutet für die Leidende die neue Möglichkeit, abbüßend in dem Leiden vielleicht doch noch zur Erkenntnis und damit auch zur Erlösung kommen zu können.
„Der Heiland freut sich dessen“ ist ebenfalls ganz richtig, weil er sich über jeden Sünder freut, der noch gerettet werden kann vor ewiger Ver-dammnis.
Warum in aller Welt erfaßt man diese Worte wieder falsch, zu eigener Verherrlichung?
Frivole Verstandessklaven werden hierbei vielleicht in gewohnter leerer Weise spötteln wollen, ohne je den kleinsten Gegenbeweis oder logische Erklärung zu erbringen. Namentlich wenn man von Wiederin-karnierung spricht, von der doch Deutschlands größten Geister, wie unter Anderem zum Beispiel Goethe stets mit Überzeugung sprach. Doch ich will den Beweis herbeiführen, durch die nicht ausbleibende und sichtbare Folge; sobald der hiermit gezeigte Weg auch richtig beschritten wird.
Doch Spötter mögen besser schweigen, um des eigenen Karmas willen; denn sie ahnen nicht, was sie sich damit immer wieder neu aufbürden, und mögen den Beweis abwarten, der in dem Ausgang liegt, wenn ...man den Weg wirklich richtig beschreiten sollte. Ich selbst brauche dabei nichts zu tun. Es kann ein jeder ernsthaft Gutmeinende tun, das Denken dieser Leidenden und Gläubigen durch ein Gespräch auf diesen Weg zu lenken.
Wenn diese Vorgänge in Konnersreuth von selbst zeitweise wieder aussetzen, so liegt darin noch keine Lösung, keine Heilung, noch weniger Erlösung; denn es ist sehr wahrscheinlich, daß nach kurzer Kräftigung ein neues Rätsel folgt, noch stärker als zuvor, auch wenn es erst nach Monaten oder nach Jahren ist! Und das bringt neues Kopfzerbrechen. Wird das Ergehen der Therese Neumann aber dann der Allgemeinheit unter irgend-welchen Vorwänden entzogen, so begeht man damit wiederum ganz gutmeinend einen verhängnisvollen Irrtum, ladet sich Verantwortungen auf mit nicht geringen Folgen. -
Ich wies in meinen Vorträgen schon mehrfach darauf hin, daß jetzt die Zeit gekommen ist, in der sich der Ring des damaligen Geschehens schließt. Erwähnte dabei auch, daß alle Seelen wieder auf der Erde sind, welche die Gottesbotschaft nicht annahmen, zur letzten Abrechnung, in der Zeit, da die Wechselwirkung dieses furchtbaren Verbrechens in voller Stärke rückzuwirken einzusetzen hat.
Wer immer auch den Gottessohn in seiner heiligen Mission des Wahrheitsbringers damals lästerte, persönlich anfeindete und verspottete, aus freien Stücken, also freiem Wollen, ohne Zwang durch Vorgesetze oder die Regierung, wird in der Wechselwirkung auch getroffen je nach der Schwere seiner Schuld, und Manche müssen dabei seine Leidensmale tragen als damit Gezeichnete, bis die Erlösung davon kommen kann, oder bei Nichteinsehen ewige Verdammnis, also Vernichtung des durch die Entwickelung gewonnenen Geistigpersönlichem.
Alle Stigmatisierten waren nur Gezeichnete, die eine persönliche Schuld dem Gottessohne gegenüber trugen!
Mit Ausnahmen der kleinen Fälle, die manchmal durch Selbstsugges-tion, in religiöser Schwärmerei kommen können. Daran konnten auch kirchliche Dienste nichts verändern, auch wenn die so Betroffenen dabei in tiefstem Gottesglauben lebten. Es lag aber darin stets eine Möglichkeit zu der endgiltigen Erlösung, wenn sie in Demut um Vergebung baten; und sich nicht etwa als Heilige empfanden. Das schwere Karma fordert Auslösung! Es konnte ihnen werden durch Stigmatisationen, wenn sie gleichzeitig darin eine Auslösung erkannten! -
Die Menschheit wird wohl oder übel bald an die ehernen Gesetze aller Auswirkungen des göttlichen Willens glauben lernen müssen, auch wenn sie bisher in verstecktem Wunsche anders dachten und erklärten. Die Liebe Gottes liegt allein in den Gesetzen, welche unabänderlich vom Anbeginn der Welt bis heute wirken und bis an das Ende aller Tage! Auch Christus wies ganz deutlich immer wieder darauf hin, daß er durch seine Botschaft die Gesetze Gottes nicht umstoßen, nicht verändern wollte, sondern nur erfüllen! Also unverrückbar beibehalten!
Es wird den Menschen noch so manches ernstwarnende Zeichen vor die Augen kommen, so manches bisher falsch Verstandene werden sie in dem unverfälschten Lichte der ewigen Wahrheit hören und erleben müssen.
Doch trotz allem hören ihre Seelen nicht, sie haben Augen und verschließen sich ängstlich und voller stillem Trotz vor dem, was sie nicht sehen wollen. Dieses Verstecken nimmt ihnen jedoch keine Verantwort-lichkeit ab!
Auch wenn sie nicht erkennen wollen, daß wie jetzt in der Zusammen-stellung nachgewiesen in 196 Tagen 186 schwere Katastrophen auf der Erde nichts alltägliches mehr ist, daß darin und in deren andauernden Steigerung doch etwas kommt, was aufrüttelnd zu denken geben soll, so häufen sie in ihrer altgewohnten Lässigkeit den göttlichen Gesetzen gegenüber nur immer wieder neue Schuld, die sie auf alle Fälle bitter büßen müssen. Sie könnten sich durch etwas Aufmerksamkeit viel ersparen.
b) Der Schächer am Kreuze.
Frage: Ist es nicht ein Willkürsakt, wenn Christus am Kreuze zu einem Schächer sprach: „Heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein!“ Der Schächer war doch ein Verbrecher und mußte sein Karma erst ablösen, bevor er in das Paradies eingehen konnte. Wie erklärt Abdruschin diesen Widerspruch.
Antwort: In diesem Vorgange liegt weder ein Willkürsakt, noch ein Widerspruch. Der von ihnen genannte Schächer am Kreuze sagte in seinen Worten ganz deutlich, daß er sich schuldig fühle und die Strafe verdiene, während Christus unschuldig leiden müsse. In ihm war also die volle Erkenntnis seiner Schuld und einer verdienten Strafe erwacht Diese Erkenntnis, verbunden mit der vertrauenden Bitte, daß Christus an ihn denken solle, wenn er in seinem lichten Reiche ist, machte das gleichzeitige Erleiden der schwersten irdischen Strafe wechselwirkend zur sofortigen Ablösung sämtlicher Schuld. Das ganze Karma, das ihn noch bedrohte, konnte sich darin sofort mit auslösen. Selbstverständlich mußte dann der so von Schuld Befreite und dadurch mit nichts mehr Belastete sofort in das Geistige eingehen, also tatsächlich das Paradies gleich nach seinem irdische Tode betreten. Gerade die gesetzmäßige Auswirkung mußte sein sofortiges Hochgehobenwerden zu dem Geistigen bei Zurückfallen des Erdenkörpers herbeiführen. Die Zusage Christi stand also vollkommen in dem Rahmen der Erfüllung göttlicher Gesetze, also des Gotteswillens.*[5])
Anders mit dem zweiten Schächer, der Christus in dessen Leiden verhöhnte und mit Schmähworten überhäufte. Hier begann in der Erfüllung der Gesetze sofort der Lauf eines neuen Karmas, das sich in schwersten Rückwirkungen in der feinstofflichen Welt, wie auch später sichtbar in den weiteren Erdenleben zeigen mußte, und noch zeigen wird, bis auch er zu der Erkenntnis seiner Schuld und zu ehrlicher Bitte um Vergebung kommt.
c) Frage: Ist es möglich, daß eine Menschenseele bei Wiederinkar-nierung einmal als Mann, das andere Mal als Frau leben kann?
Antwort: Die Inkarnierung einer Seele, das Geschlecht, betreffend, richtet sich nach deren Eigenschaften. Veränderten sich bei einer Seele die Eigenschaften derart, daß männliches sich wandelt und nach und nach mehr der weiblichen Art zuneigt oder umgekehrt, so geschieht es natürlich auch, daß die an sich geschlechtslose Seele, die nur mit Eigenschaften behaftet ist, einmal als Mann, das andere Mal als Frau inkarniert ist. Das irdische Geschlecht ist nebensächlich, da es ja nur der Hülle als Fortpflanzung dient, und der Weiterentwicklung oder dem Ausleben der Eigenschaften der Seele.
Mitteilungen des Verlages:
Unter den weiteren Veröffentlichungen der Vorträge Abdruschin’s erscheinen demnächst entweder in den „Gralsblättern“ oder in „Der Ruf“ auch die einschneidenden Abhandlungen: „Dämon Fantasie“, sowie „Die Kreatur Mensch“.
Einzelnummer der Monatsschrift „Der Ruf“ 60 Pfennige. Abonnement auf 12 Nummern Mk. 6.-. Porto extra.
Schriftleitung und Verlag:
Oskar Ernst Bernhardt, Tutzing / Zentrale der Gralsbotschaft
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Bis jetzt erschienene Werke Abdruschin’s
Gralsblätter, Serie l, Heft 2-7
Preis pro Heft Rm. -.50
Hauptinhalt:
Heft 2: Verantwortung. Heft 3: Das Geheimnis der Geburt. Heft 4: Die Ehe. Heft 5: Der Mensch und sein freier Wille. Heft 6: Der Tod. Heft 7: Das Geheimnis Luzifer
Auflage bis 35. Tausend
Im Lichte der Wahrheit
Neue Gralsbotschaft
272 Seiten
Kartoniert Rm. 6.-, Ganzleinen Rm. 8.70.-, Volksausgabe Rm. 4.50
Auflage bis 13. Tausend
(In diesem Buche ist der Inhalt der Hefte Serie I mit enthalten)
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Gralsblätter, Serie II, Nr. 1 u. 2 (Doppelheft)
72 Seiten stark Preis Rm. 1.50
Inhalt:
Ich bin der Herr, Dein Gott! Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl, u. a. m.
Auflage bis 6. Tausend
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Gralsblätter, Serie II, Nr. 3, 4 u. 5 (dreifaches Heft).
100 Seiten stark Preis Rm 2.
Inhalt:
Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege. Was trennt so viele Menschen von dem
Licht Der große Komet. Grobstofflichkeit, Feinstofflichkeit, Strahlungen, Raum und Zeit Der Irrtum des Hellsehens. Fleischkost oder Pflanzenkost. U. a. m.
Auflage bis 5. Tausend
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„Denkst Du daran?“
Bausteine aus Abdruschins Werken
Zusammengestellt von
Hofrat Professor Alfred Börckel
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Verlag der Gralsblätter :-: Oskar Ernst Bernhardt
Tutzing (Oberbayern)
[1] *) Vergl. den Aufsatz des Verfassers „Gralslehre Abdruschins und exakte Wissenschaf-ten“ „Der Ruf“ 1. Jahrg. Heft 1 u. 2, S. 54 (1927).
[2] *) Abdruschin Im Lichte der Wahrheit S. 23 u. 243.
[3] *) Abdruschin „Im Lichte der Wahrheit“, Kapitel Verantwortung.
[4] *)„Im Lichte der Wahrheit“, Kapitel: „Die Religion der Liebe.“
[5] *) Buch: Im Lichte der Wahrheit, Vortrage: Schicksal und Symbolik.


