1. Jahrgang Heft 1 und 2
Der Ruf
Schrift für alles fortschrittliche
Wissen
VERLAG DER GRALSBLÄTTER, TUTZING
OSKAR ERNST BERNHARDT
Der Ruf
Schrift für alles fortschrittliche
Wissen
Heft 1 und 2
VERLAG DER GRALSBLÄTTER, TUTZING
OSKAR ERNST BERNHARDT
Copyright by Verlag der Gralsblätter
Oskar Ernst Bernhardt, Tutzing (Obb.)
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten
Druck von P. Beirich Nachf., Groitzsch (Bez. Leipzig)
Inhalt
Seite
1. „Der Ruf“. Vorwort von Abdruschin 4
2. Lebensmeisterung. Von Dr. Heinz Neu, Bonn 6
3. Hört Ihr den Ruf? Von Dr. Michael Georg Conrad, München . 7
4. Es war einmal ... Von Abdruschin 10
5. Voltaires Kampf ums Recht. Von Hofrat Prof. Alfred Börckel 28
6. Die geistige Struktur der Gegenwart. Von Joh. Anton Neidhart 35
7. Gralslehre Abdruschins und exakte Wissenschaften. Von Dr. K. Illig. 41 8. Moderne Medizin. Von Hofrat Med.-Rat Dr. Leop. Ceipek . . . 48
9. Fragenbeantwortungen. Von Abdruschin
a) Kreuzestod ……………………………………………………… 52
b) Offenbarung Johannes ………………………………………… 53
c) Buddhismus 55
d) Gotteskindschaft 57
e) Katastrophen 58
f) Furchtsame Gläubige 59
10. Mitteilungen des Verlags 61
11. Aus verschiedenen Städten wird geschrieben 63
12. Aus dem Leserkreise 66
13. Buchbesprechungen 67
„Der Ruf“
gehe hinaus in alle Welt! Er soll die engere Verbindung schaffen zwischen allen Anhängern und Lesern meiner Worte. Vielerorten schließen sich „Freie Vereinigungen zur Pflege der Gedanken meiner Vorträge“ zusammen, um in gemeinsamer Tätigkeit immer tiefer einzudringen in die Wahrheiten der großen Schöpfung, um damit auch des Schöpfers Willen richtig zu erkennen.
Wenn ich auch freudig die Vereinigungen grüße, so kann ich diese doch nicht führen, kann mich auch nicht daran beteiligen; denn solcherlei Bestrebungen ergeben zuletzt immer Bindungen für den, um den sie sich gruppieren. Verpflichtungen so mancher Art, sei es auch nur moralisch durch die Beiträge der Mitglieder. Derartiges vermag ich nicht.
Frei muß ich sein und bleiben in dem, was ich zu sagen habe!
In allen meinen Reden und Entschlüssen. Ich darf dabei nicht Rücksicht nehmen müssen auf die Wünsche Einzelner oder auch ganzer Gruppen, wozu es kommen würde, wenn ich damit verbunden bin. Auch, wenn ich auf Geschäftsvorteile sehen wollte. Beides darf für mich und meine Schriften nicht mit in die Wagschale geworfen werden müssen. Doch dabei möchte ich trotzdem nicht auch in Nachlässigkeit fallen und versäumen, die Gelegenheit jedem zu verschaffen.
Ich biete deshalb an, doch werbe nicht!
Und werde immer bei dem Grundsatze verbleiben: Wer nichts für sich in meinen Worten findet, für den sind sie nicht gesagt. Er soll sie auch nie aufgedrängt erhalten.
Ich werde daher stets mit meinen Worten eines jeden Menschen Freund und seiner Fehler Feind sein müssen, da ich nichts seinetwegen streichen kann.
Weil ich mich also nicht an die Zusammenschlüsse binden kann, doch förderndes Ergebnis davon für so manchen Einzelmenschen wohl erkenne, schuf ich aus meinem Einsamseinmüssen heraus den „Ruf“ als Mittler zwischen allen Lesern und Verbänden, die ihre Mitteilungen und die Wünsche gegenseitig darin auszutauschen die Gele-genheit erhalten. Für diese Zwecke wird stets ein Raum kostenlos bereitgehalten sein.
Möge „Der Ruf“ recht viele Seelen wecken, allen ernst-haft Suchenden Erleuchtung und damit den Frieden und den Fortschritt bringen!
Im Sommer 1927.
Abdruschin.
Lebensmeisterung
Das Leben ist ein Turngerüst,
An dem ihr täglich turnen müsst.
Wer daran hängt mit schlaffen Armen,
Find’t nicht bei Gott noch Mensch Erbarmen. Wer tapfer übt mit straffer Hand, wird immer stärker und gewandt. Ihm wird in Zügen und in Schwüngen Die Lebensmeisterung gelingen.
Dr. Heinz Neu, Bonn.
Hört Ihr den Ruf?
Eins der eindrucksvollsten Bilder in Richard Wagners Bühnenweihe-Festspiel „Parsifal“ zeigt uns gleich der erste Aufzug: Wald, schattig und ernst doch nicht düster, in frischer Morgenfrühe - der greise, aber rüstige, temperamentsvolle Gralshüter Gurnemanz mit zwei Knappen im Jünglingsalter unter einer mächtigen Baumgruppe schlafend. Da ertönt von der Gralsburg her der feierliche Morgenweckruf der Posaunen. Gurnemanz erhebt sich rasch, reibt sich den Schlaf aus den Augen, rüttelt die beiden Jünglinge wach: „Waldhüter Ihr? Jawohl, Schlafhüter mitsammen!“ Dann bricht er in die wahrhaft erschütternden Herzenslaute aus: „Hört Ihr den Ruf?“ Die Knappen springen auf, beschämt, senken sogleich sich wieder auf die Knie, und Gurnemanz fährt in väterlich beschwörenden Tönen fort: „Nun danket Gott, daß Ihr berufen seid, den Ruf zu hören!“ Und gemeinschaftlich verrichteten sie stumm ihr Morgengebet.
*
„Durch Mitleid wissend ...“
Ein nicht weniger ergreifendes Bild zeigt uns das Neue Testament in der Erzählung vom Gang der zwei Jünger nach Emmaus,, denen sich unterwegs ein dritter Wanderer zugesellt und über die Dinge, die in diesen schrecklichen Tagen zu Jerusalem geschehen waren, die Erkenntnis heiliger Notwendigkeit alles Geschehens zum Besten der Menschheit mit so eindringlichen, nie gehörten Worten öffnet, daß ihnen, „das Herz brannte“ vom Feuer des Wissens um verborgene Dinge und Zusammen-hänge. So stark war die Rede, daß der Hörer schlichte Einfalt eine erschütternde Einfühlung und Einsicht gewann in Leid und Streit, Schuld und Sühne, Kampf und Sieg der heilsuchenden Menschheit. Wer war der Wandergenosse, der durch die Offenbarung seines tiefgewaltigen Mitwis-sens um Gottes Geheimnisse ihnen das Herz zu verzehrendem Mitleid entflammte?
„Herr, bleibe bei uns, es will Abend werden!“ baten sie ihn an der Schwelle der Herberge. Und der Fremdling ging mit ihnen hinein - und als er mit ihnen zu Tische saß und das Brot brach, wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn: Der Heiland! Aber plötzlich verschwand er vor ihnen. Der Gekreuzigte, der Gestorbene, der Begrabene, der niedergefah-ren zur Hölle und am dritten Tage auferstanden von den Toten! Der Erlöser!
Und wieder ertönt uns im Innern das Wort von Gurnemanz und seine Erklärung des Karfreitagzaubers: „Des Sünders Reuetränen sind es, der heut mit heiligem Tau beträufelt Flur und Au - nun freut sich alle Kreatur auf des Erlösers holder Spur. - - Was all’ da blüht und bald erstirbt, heut seinen Unschulds-Tag erwirbt.“
*
Hört Ihr den Ruf? Immer bricht aufs neue nie zu beschwichtigende Sehnsucht durch die Seele der verhärtetsten Menschen in gottentfrem-detsten Zeitläufen - Sehnsucht nach Wissen, nach Erkenntnis, nach Helligkeit des Kopfes und Herzens, die eine befreiende Tat zu wirken vermöchten im Elend der irdischen Gebundenheiten, um auf sicheren Wegen zu einer Verbesserung und Veredlung des Menschenlebens zu gelangen. Allerlei Wissenschaften blühen auf, die Forschung leuchtet mit allen Mitteln und Methoden in alte und urälteste Zeiten, das Mittelalter mit seinem romantischen Dunkel und seinen mystischen Träumen gewinnt zauberischen Sternenglanz, die Kunst schafft die tiefsinnigsten Gebilde von berauschender Schönheit - aber siehe da, der Wirrungen und Irrungen im Leben der Welt, in den Beziehungen der Rassen und Klassen, der Volkschaften und Parteien, der Gruppen und Einzelnen, selbst des grauenhaften Aufruhrs im Bereich der Elemente, nirgends will des Schreckens ein Ende werden. Der eignen Seele wird im wachsenden Dunkel, das sich wie traumschwere Nacht um alle Dinge breitet, bange um Ruhe und Licht. Wie will sie, mag sie noch so strebend sich bemühen, den Weg aus dieser Finsternis in die täuschungsfreie Helle mit Sicherheit gewinnen? Wie ihrer Pflichten und Fähigkeiten froh werden in diesem neu erbrennenden Widerstreit der Wissenschaften und Schulen, in den wilden Richtungen der Künste und Moden, in der ewigen Fehde der Religionen, Konfessionen, Kirchen, Sekten? Wozu hilft es, immer wieder neue Katheder und Kanzeln aufzurichten, Schulen und Gemeinschaften zu gründen, Unfehlbarkeits-ansprüche zu erheben, zu bestreiten, zu verteidigen? „Licht, mehr Licht!“ Trugloses Licht, das endlich der Seele beglückende Harmonie, ruhige Schönheit, friedvolle Abgeklärtheit, Furchtlosigkeit in Not und Tod zu bringen vermöchte! Ist es mit Schulweisheit zu erreichen, mit offiziellen Predigten und Hirtenbriefen, mit amtlich abgestempelten Satzungen der Moral?
„Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen“, spricht ein heiliges Apostelwort. Und Herder, der fromme Gottesmann und überzeugungstreue Freimaurer in Weimar, läßt als seine Leitsterne diese anderen Drei auf seinen Grabstein meißeln: Licht, Liebe, Leben. Damit wollte er für alle, die nicht bloß Hörer des Wortes, sondern lebendige Täter und Vollbringer sein wollten, dieses Dreifache erreichen: Das Schlechte, Dumme, Gemeine in jeder Form zu hassen, in allen Stücken das Beste zu erarbeiten und zu höchsten Ansehen zu bringen, Helfer und Freund aller Menschen von gutem Willen zu sein, damit jegliches zu seiner Freude wachse und gedeihe.
*
Also innere Gründung mit Rundung durch Pflege eines reinen aus sich selbst sich bereichernden Lebensgefühls, ohne Vergottung der Materie, ohne Versklavung durch Technik und Wirtschaft, ohne Unterwerfung unter die Herrschaft des Lügengeistes in der Politik. Rangordnung: wer als Knechtsnatur zum Dienen bestellt, bleibe Diener. Ruhe durch den Geist der Gemeinschaft in einer liebevollen, erkenntnisstarken Lebensauf-fassung. Aufgabe und Kraft der berufenen Verkünder ewiger Werte in göttlichen Worten ruht darauf, daß der Verkünder durch sein eigenes wesenhaftes Dasein und Bestehen im Lebenskampfe für die Wahrheit seiner Verkündigung zeuge ohne Anruf irdischer Gewalt und organisierten Mißbrauchs herrischer Macht. Er selbst in seines Geistes Kraft und Reinheit ist für sich und seine Mitmenschen Legitimation dafür, daß er ein Berufener im Lichtreiche der Wahrheit. Wer redlichen Herzens, freien Sinnes, wird dankbar die Verkündigung aufnehmen und auf dem eigenen Acker als guten Samen wirken lassen, daß er hundertfältige Frucht unter der Gnade des Himmels gewinne. So entsteht jenes Wechselspiel schöpferischer Kräfte, denen wie aus religiöser Unmittelbarkeit die wundervollen Quellen und Brünnlein entspringen zur Stillung des brennenden Durstes der unsterblichen Menschenseele. Hört Ihr ihr Rau-schen? Hört Ihr den Ruf? Jubelt Euere Seele? -
Dr. Michael Georg Conrad, München.
Es war einmal .... !
Von Abdruschin
Drei Worte sind es nur, doch sie sind wie eine Zauberformel; denn sie tragen die Eigenart in sich, bei jedem Menschen sofort irgend ein beson-deres Empfinden auszulösen. Selten ist dieses Empfinden gleichartig. Ähnlich der Wirkung der Musik. Genau wie die Musik finden auch die drei Worte ihren Weg direkt zum Geist des Menschen, seinem eigentlichen „Ich“. Natürlich nur bei denen, die den Geist nicht ganz in sich verschlos-sen halten, und damit das eigentliche Menschentum auf Erden hier bereits verloren.
Ein jeder Mensch aber wird bei den Worten unwillkürlich sofort an irgend ein früheres Erleben zurückdenken. Dieses steht lebendig vor ihm auf, und mit dem Bilde auch eine entsprechende Empfindung.
Sehnsuchtsvolle Weichheit bei dem Einen, wehmütiges Glück, auch stilles; unerfüllbares Verlangen. Bei Anderen jedoch der Stolz, Zorn, Grauen oder Haß. Immer denkt der Mensch an etwas, das er einst erlebte, das außergewöhnlichen Eindruck auf ihn machte, das er aber auch schon längst in sich erloschen wähnte.
Doch es ist nichts in ihm erloschen, nichts verloren von dem, was er wirklich einst in sich erlebte. Alles davon kann er noch sein eigen nennen, als wirklich Erworbenes, und damit Unvergängliches. Aber auch nur Erlebtes! Anderes wird nicht erstehen können bei den Worten.
Der Mensch achte einmal mit Sorgfalt und mit wachem Sinn genau darauf, dann wird er bald erkennen, was wirklich lebendig in ihm ist, und was als tot bezeichnet werden kann, als seelenlose Schale zweckloser Erinnerungen.
Zweck und Nutzen für den Menschen, unter dem wir nicht den Körper denken dürfen, hat nur das, was während seines Erdenlebens tief genug einwirkte, um auf die Seele einen Stempel aufzudrücken, der nicht vergeht, sich nicht wieder verwischen läßt. Nur derartige Stempel haben Einfluß auf die Bildung der Menschenseele, und damit weitergehend auch auf Förderung des Geistes zu dessen dauernden Entwickelung.
In Wirklichkeit ist also nur das erlebt und damit zu eigen gemacht, was einen derart tiefen Eindruck hinterläßt. Alles andere rauscht wir-kungslos vorüber, oder dient höchstens als Hilfsmittel dazu, Ereignisse heranbilden zu lassen, welche fähig sind, so große Eindrücke hervor-zurufen.
Wohl dem, der viel so kraftvolle Erlebnisse sein eigen nennen kann, gleichviel, ob es nun Freude oder Leid gewesen ist, die sie hervorriefen; denn deren Eindrücke sind einst das Wertvollste, was eine Menschenseele mit auf ihren Weg ins Jenseits nimmt. -
Reinirdisches Verstandesschaffen, wie es heute üblich ist, nützt nur bei guter Anwendung zu der Erleichterung des körperlichen Erdenseins. Das ist, scharf überlegt, das eigentliche Endziel eines jeden Wirkens des Verstandes! Es gibt am letzten Ende nie ein anderes Ergebnis. Bei aller Schulweisheit, gleichviel, welches Gebiet es ist, und auch bei allem Schaffen, sei es im Staatswesen oder in der Familie, bei jedem Einzelmen-schen oder bei Nationen, wie auch zuletzt bei der gesamten Menschheit. Alles hat sich aber leider ganz bedingungslos nur dem Verstande unterworfen, und liegt damit in schweren Ketten irdischer Beschränktheit des Begriffsvermögens, was selbstverständlich unheilvolle Folgen in allem Wirken und Geschehen nach sich ziehen mußte und noch nach sich ziehen wird.
Nur eine Ausnahme gibt es darin auf dieser ganzen Erde. Die Ausnahme bietet uns aber nicht etwa die Kirche, wie so mancher denken wird, und wie es auch sein sollte, sondern die Kunst! Bei dieser spielt nun der Verstand unweigerlich die zweite Rolle. Dort, wo aber der Verstand dabei die Oberhand gewinnt, wird Kunst sofort zum Handwerk degradiert, sie sinkt unmittelbar und auch ganz unbestreitbar tief herab. Es ist dies eine Folgerung, die in ihrer einfachen Natürlichkeit gar nicht anders möglich ist. Nicht eine Ausnahme kann darin nachgewiesen werden.
Dieselbe Folgerung ist aber selbstverständlich auch bei allem anderen zu ziehen! Gibt das den Menschen nicht zu denken? Es muß ihm doch wie Schuppen von den Augen fallen. Dem Denkenden und dem Vergleichenden sagt es ganz deutlich, daß er bei allem anderen, was der Verstand beherrscht, auch nur ein Surrogat erhalten kann, das Minderwertige! An dieser Tatsache sollte der Mensch erkennen, welche Stelle dem Verstand von Natur aus gehört, wenn etwas Richtiges und Wertvolles erstehen soll!
Die Kunst allein ist bisher noch aus dem Wirken des lebendigen Geistes, aus der Empfindung heraus geboren. Sie allein hat einen natürlichen, also normalen und gesunden Ursprung und Werdegang gehabt. Der Geist äußert sich aber nicht in dem Verstande, sondern in den Empfindungen, und zeigt sich nur in dem, das man so allgemein „Gemüt“ benennt. Gerade das, was der auf sich so maßlos stolze Verstandesmensch von heute gern verspottet und verlacht. Er höhnt damit das Wertvollste am Menschen, ja, ausgerechnet das, was überhaupt den Mensch zum Menschen macht!
Mit dem Verstande hat Geist nichts zu tun. Will der Mensch einmal endlich Besserung in allem, muß er das Christuswort beachten: An ihren Werken sollt Ihr sie erkennen! Die Zeit ist da, wo dies geschehen wird.
Nur Werke des Geistes tragen in sich von ihrem Ursprung her das Leben, damit Dauer und Bestand. Und alles andere muß in sich selbst zusammenbrechen, wenn seine Blütezeit vorüber ist. Sobald die Früchte dafür kommen sollen, wird die Hohlheit offenbar!
Seht doch nur die Geschichte an! Allein das Werk des Geistes, also die Kunst, überdauerte die Völker, die an dem Wirken ihres in sich leblosen, kalten Verstandes schon zusammenbrachen. Ihr hohes, vielgerühmtes Wissen konnte ihnen davor keine Rettung bieten. Ägypter, Juden, Griechen, Römer gingen diesen Weg, später, auch Spanier und Franzosen, jetzt die Deutschen, - doch die Werke echter Kunst haben sie alle überlebt! Sie werden auch nie untergehen können. Niemand aber sah die strenge Regelmäßigkeit in dem Geschehen dieser Wiederholungen. Kein Mensch dachte daran, die eigentliche Wurzel dieses schweren Übels zu ergründen.
Anstatt diese zu suchen, und dem immer wiederkehrenden Verfalle einmal Einhalt zu gebieten, ergab man sich blindlings darein und fügte sich mit Klagen und mit Grollen diesem großen „Nichtzuändernsein“.
Jetzt trifft es nun zum Schluß die ganze Menschheit! Viel Elend liegt schon hinter uns, noch größeres steht uns bevor. Und tiefes Weh geht durch die dichten Reihen der zum Teil schon jetzt davon Betroffenen.
Denkt an die Völker alle, die schon stürzen mußten, sobald sie in die Blütezeit gekommen waren, auf des Verstandes Höhepunkt. Die aus der Blütezeit heranwachsenden Früchte waren überall dieselben! Unsittlich-keit, Schamlosigkeit und Völlerei in mancherlei Gestalt, dem unentrinnbar der Verfall und Niederbruch sich anschloß.
Die unbedingte Gleichart ist für jedermann sehr auffallend! Und auch ein jeder Denkende muß eine ganz bestimmte Art und Folgerichtigkeit strengster Gesetze in diesem Geschehen finden.
Eins dieser Völker nach dem anderen mußte zuletzt erkennen, daß ihre Größe, ihre Macht und Herrlichkeit nur scheinbar war, nur durch Gewalt und Zwang gehalten, nicht aus Gesundheit in sich selbst gefestigt.
Öffnet doch Eure Augen, anstatt zu verzagen! Schauet um Euch, lernt aus dem Gewesenen, vergleicht es mit den Botschaften, die aus dem Göttlichen schon vor Jahrtausenden zu Euch gelangten, und Ihr müßt die Wurzel des fressenden Übels finden, das ganz allein die Hemmung für den Aufstieg der gesamten Menschheit bildet.
Erst wenn das Übel gründlich ausgerottet ist, wird der Weg zu dem allgemeinen Aufstieg offen sein, nicht früher. Und dieser ist dann von Bestand, weil er Lebendiges des Geistes in sich tragen kann, das bisher ausgeschlossen war. –
Bevor wir näher darauf eingehen, will ich erklären, was Geist ist, als einziges, wirklich Lebendiges im Menschen. Geist ist nicht Witz und nicht Verstand! Geist ist auch nicht erlerntes Wissen. Mit Irrtum nennt man deshalb einen Menschen „geistreich“, wenn er viel studierte, las, beobach-tete, und sich darüber gut zu unterhalten weiß. Oder wenn er durch gute Einfälle und Verstandeswitz brilliert.
Geist ist etwas ganz anderes. Es ist eine selbständige Beschaffenheit, aus der Welt seiner Gleichart kommend, die anders ist als der Teil, dem die Erde und damit der Körper angehört. Die geistige Welt liegt höher, sie bildet den oberen und leichtesten Teil der Schöpfung. Dieser geistige Teil im Menschen trägt durch seine Beschaffenheit die Aufgabe in sich, nach dem Reingeistigen zurückzukehren, sobald sich alle stofflichen Umhül-lungen von ihm gelöst haben. Der Drang dazu wird frei bei einem ganz bestimmten Grad der Reife, und führt ihn dann empor zu seiner Gleichart, durch deren Kraft der Anziehung gehoben.*[1])
Geist hat mit irdischem Verstande nichts zu tun, nur mit der Eigenschaft, die man als das „Gemüt“ bezeichnet. Geistreich ist also gleichbedeutend mit „gemütvoll“, aber nicht verstandesvoll.
Um diesen Unterschied einmal leichter herauszufinden, benütze der Mensch nun den Satz: „Es war einmal!“ Sehr viele Suchende werden dadurch schon eine Klärung finden. Beobachten sie aufmerksam sich selbst, so können sie erkennen, was alles in dem bisherigen Erdenleben ihrer Seele nützte, oder was dazu diente, ihnen lediglich das Durchkommen und ihre Arbeit in der irdischen Umgebung zu erleichtern. Was also nicht nur irdische, sondern auch jenseitige Werte hat, und was allein für Erden-zwecke dient, fürs Jenseits aber wertlos bleibt. Das eine kann er mit hinübernehmen, das andere jedoch läßt er bei dem Abscheiden zurück als nur hierher gehörend, da es ihm weiterhin nichts nützen kann.
Was er zurückläßt, ist aber nur Werkzeug für das irdische Geschehen, Hilfsmittel für die Erdenzeit, sonst nichts.
Wird nun ein Werkzeug nicht als solches nur benützt, sondern viel höher eingestellt, so kann es selbstverständlich diese Höhe nicht genügen, es ist am falschen Platze, bringt naturgemäß damit auch Mängel vieler Art, die mit der Zeit ganz unheilvolle Folgen nach sich ziehen.
Zu diesen Werkzeugen gehört als oberstes der irdische Verstand, der als Produkt des menschlichen Gehirnes die Beschränkung in sich tragen muß, denen alles Körperlich-Grobstoffliche durch seine eigene Beschaffen-heit stets unterworfen bleibt. Und anders als der Ursprung kann auch das Produkt nicht sein. Dieses bleibt immer an die Art des Ursprunges gebunden. Ebenso die Werke, die durch das Produkt erstehen.
Das ergibt für den Verstand naturgemäß das engste, nur irdische Begriffsvermögen, dicht an Raum und Zeit gebunden. Da er von der an sich toten Grobstofflichkeit stammt, welche kein eigenes Leben in sich trägt, ist auch er ohne lebendige Kraft. Dieser Umstand setzt sich selbstverständlich ebenfalls in allem Wirken des Verstandes fort, dem es dadurch unmöglich bleibt, in seine Werke auch Lebendiges zu legen.
In diesen unabliegbaren natürlichen Geschehen liegt der Schlüssel zu den trüben Vorgängen während des Menschenseins auf dieser kleinen Erde.
Wir müssen endlich unterscheiden lernen zwischen Geist und dem Verstande, dem lebendigen Kerne des Menschen, und seinem Werkzeuge! Wird dieses Werkzeug über den lebenden Kern gesetzt, wie es bisher geschah, ergibt es Ungesundes, das den Todeskeim schon beim Erstehen in sich tragen muß, und das Lebendige, das Höchste, Wertvollste, wird damit eingeschnürt, gebunden, abgeschnitten von seiner notwendigen Tätigkeit, bis er im unausbleiblichen Zusammensturz des toten Baues unfertig frei emporsteigt aus den Trümmern.
Stellen wir uns nun anstatt „Es war einmal“ die Frage vor: „Wie war es in früherer Zeit?“ Wie anders ist die Wirkung. Man bemerkt sofort den großen Unterschied. Die erste Frage spricht zu der Empfindung, die mit dem Geiste in Verbindung steht. Die zweite Frage aber wendet sich an den Verstand. Ganz andere Bilder tauchen dabei auf. Sie sind von vornherein beengt, kalt, ohne Lebenswärme, weil der Verstand nichts anderes zu geben hat.
Der Menschheit größte Schuld aber ist es von Anfang an, daß sie diesen Verstand, der doch nur Lückenhaftes ohne Leben schaffen kann, auf einen hohen Sockel setzte und förmlich anbetend umtanzte. Man gab ihm einen Platz, der nur dem Geiste vorbehalten werden durfte.
Dieses Beginnen steht in allem gegen die Bestimmungen des Schöp-fers, und somit gegen die Natur, da diese ja in dem Geschehen der Natur verankert liegen. Deshalb kann auch nichts zu einem wahren Ziele führen, sondern es muß alles scheitern an dem Punkte, wo die Ernte einzusetzen hat. Es ist nicht anders möglich, sondern ein natürliches, vorauszuset-zendes Geschehen.
Nur in der reinen Technik ist es anders, in jeder Industrie. Diese ist durch Verstand auf großer Höhe angelangt, und wird in Zukunft noch viel weiter kommen! Die Tatsache dient jedoch als Beweis der Wahrheit meiner Ausführungen. Technik ist und bleibt in allen Dingen immer nur rein irdisch, tot. Da der Verstand nun ebenfalls zu allem irdischen gehört, vermag er sich in Technik glänzend zu entfalten, wirklich Großes zu verrichten.
Er steht darin an rechtem Platze, in seiner wirklichen Aufgabe! Doch dort, wo auch „Lebendiges“, also rein Menschliches mit in Betracht gezogen werden muß, reicht der Verstand in seiner Art nicht aus, und muß deshalb versagen, sobald er nicht dabei geführt wird durch den Geist! Denn nur der Geist ist Leben. Erfolg in einer ganz bestimmten Art kann immer nur die Tätigkeit der Gleichart bringen. Niemals wird irdischer Verstand deshalb im Geiste wirken können! Aus diesem Grunde wurde es schweres Vergehen dieser Menschheit, daß sie den Verstand über das Leben setzte.
Der Mensch wendete damit seine Aufgabe entgegen der schöpferi-schen, also ganz natürlichen Bestimmung direkt um, stellte sie sozusagen auf den Kopf, indem er dem an zweiter und nur irdischer Stelle kommenden Verstande den obersten Platz einräumte, der dem lebendigen Geiste gehört. Dadurch ist es wiederum ganz natürlich, daß er nunmehr gezwungen ist, von unten nach oben mühsam zu suchen, wobei der darüber gestellte Verstand mit seinem begrenzten Begriffsvermögen jeden weiteren Ausblick verhindert, anstatt durch den Geist von oben herab schauen zu können.
Will er erwachen, so ist er gezwungen, vorher erst die „Lichter umzustellen“. Was jetzt oben ist, den Verstand, an seinem ihm von Natur aus gegebenen Platz zu setzen, und den Geist wieder an oberste Stelle zu bringen. Diese notwendige Umstellung ist für den heutigen Menschen nicht mehr so leicht. -
Die damalige umstellende Handlung der Menschen, die sich so einschneidend gegen den Schöpferwillen, also gegen die Naturgesetze richtete, war der eigentliche „Sündenfall“; dessen Folgen an Furchtbarkeit nichts zu wünschen übrig lassen; denn er wuchs sich dann zur „Erbsünde“ aus, weil die Erhebung des Verstandes zum Alleinherrscher auch wieder die natürliche Folge nach sich zog, daß die so einseitige Pflege und Betätigung mit der Zeit auch das Gehirn einseitig stärkte, sodaß nur der Teil, der die Arbeit des Verstandes zu verrichten hat, heranwuchs, und der andere verkümmern mußte. Dadurch vermag sich dieser durch Vernach-lässigung verkümmerte Teil heute nur noch als unzuverlässiges Traum-gehirn zu betätigen, das auch dabei noch unter dem kraftvollen Einflusse des sogenannten Tagesgehirnes steht, das den Verstand betätigt.
Der Teil des Gehirnes, der die Brücke zum Geist bilden soll, oder besser die Brücke vom Geist zu allem Irdischen, ist also damit lahm gelegt, eine Verbindung abgebrochen oder doch sehr stark gelockert, wodurch der Mensch für sich jede Betätigung des Geistes unterband, und damit auch die Möglichkeit, seinen Verstand „beseelt“ zu machen, durchgeistet und belebt. Die beiden Teile des Gehirnes hätten ganz gleichmäßig großgezogen werden müssen, zu gemeinsamer harmonischer Tätigkeit, wie alles in dem Körper. Führend der Geist, ausführend hier auf Erden der Verstand. Daß dadurch auch alle Betätigung des Körpers, und sogar dieser selbst nie so sein kann, wie er sein soll, ist selbstverständlich. Dieses Geschehen zieht sich doch naturgemäß durch Alles! Weil damit die Hauptsache zu allem Irdischen fehlt!
Daß mit dem Unterbinden gleichzeitig auch die Entfernung und Entfremdung von dem Göttlichen verbunden war, ist leicht verständliches Geschehen. Es gab dazu ja keinen Weg mehr.
Das hatte zuletzt wiederum den Nachteil, daß schon seit Jahrtausen-den ein jeder Kindeskörper, der geboren wird, durch immer weitergreifen-de Vererbung das vordere Verstandesgehirn so groß mit auf die Erde bringt, daß jedes Kind von vornherein durch diesen Umstand spielend wieder dem Verstande unterworfen wird, sobald dieses Gehirn die volle Tätigkeit entfaltet. Die Kluft zwischen den beiden Teilen des Gehirnes ist nun so groß geworden, das Verhältnis der Arbeitsmöglichkeit so ungleich, daß sich bei der Mehrzahl aller Menschen ohne Katastrophe eine Besserung nicht mehr erzielen läßt.
Der jetzige Verstandesmensch ist nicht mehr ein normaler Mensch, sondern ihm fehlt jede Entwickelung des Hauptteiles seines Gehirnes, der zum Vollmenschen gehört, durch das Verkümmernlassen seit Jahrtausenden. Jeder Verstandesmensch hat ausnahmslos nur ein verkrüppeltes Normalgehirn! Gehirnkrüppel beherrschen deshalb seit Jahrtausenden die Erde, betrachten den Normalmenschen als Feind und suchen ihn zu unterdrücken. Sie bilden sich in der Verkümmerung ein, sehr viel zu leisten, und wissen nicht, daß der Normalmensch zehnfaches zu leisten in der Lage ist! Und Werke schafft, die Dauer haben, vollkommener sind als das jetzige Bemühen! Zu dieser Fähigkeit zu kommen, steht einem wirklich ernsten Sucher der Weg offen!
Ein Verstandesmensch jedoch wird nicht so leicht mehr fähig werden können, etwas zu begreifen, was zur Tätigkeit dieses verkümmerten Teiles seines Gehirnes gehört! Er kann es einfach nicht, wenn er auch möchte, und nur aus seiner freiwilligen Einengung heraus verlacht er alles das, was für ihn unerreichbar ist, und infolge seines in Wirklichkeit zu-rückgebliebenen nicht normalen Gehirnes auch nie mehr von ihm begriffen werden wird. Darin ruht gerade der furchtbarste Teil des Fluches dieser unnatürlichen Abirrung. Die für einen normalen Menschen unbedingt gehörende harmonische Zusammenarbeit der beiden Teile des menschlichen Gehirnes ist für die heutigen Verstandesmenschen, die man, Materialisten nennt, endgiltig ausgeschlossen. -
Materialist zu sein, ist nicht etwa ein Lob, sondern der Ausweis für verkümmertes Gehirn.
Es herrscht also bisher auf dieser Erde das unnatürliche Gehirn, dessen Wirken zuletzt selbstverständlich auch den unaufhaltsamen Zusammenbruch in Allem bringen muß, da alles das, was es auch bringen will, durch die Verkümmerung naturgemäß Disharmonie und Ungesund-heit in sich birgt schon bei Beginn.
Daran ist nun nichts mehr zu ändern, sondern man muß ruhig das natürlich sich entwickelnde Zusammenbrechen kommen lassen. Dann aber ist der Tag der Auferstehung für den Geist, und auch ein neues Leben! Der seit Jahrtausenden das Wort führende Sklave des Verstandes ist damit abgetan für immer! Nie wieder wird er sich erheben können, weil der Beweis und eigenes Erleben ihn endlich zwingen wird, sich dem als Kranker und geistig Verarmter endlich freiwillig zu beugen, das er nicht verstehen konnte. Gelegenheit zum Auftreten wider den Geist wird ihm nie mehr geboten sein. Weder mit Spott noch mit dem Schein des Rechtes durch Gewalt, wie es ja auch dem Gottessohn gegenüber angewendet wurde, der dagegen kämpfen mußte. Damals wäre es noch Zeit gewesen, vieles Unglück abzuwenden. Jetzt aber nicht mehr; denn inzwischen läßt sich die gelockerte Verbindung zwischen beiden Teilen des Gehirnes nicht mehr überbrücken.
Viele Verstandesmenschen wird es geben, welche wieder spötteln wollen über die Ausführungen in diesem Vortrage, ohne aber dabei wie schon immer außer leeren Schlagworten nur einen wirklich sachlichen Gegenbeweis führen zu können. Doch jeder ernsthaft Suchende und Denkende wird derartiges blindes Eifern nur als erneuten Beweis dafür nehmen müssen, was ich hierin klarlegte. Die Leute können einfach nicht, auch wenn sie sich bemühen. Betrachten wir sie deshalb nun von heute ab als Kranke, die der Hilfe bald bedürfen werden, und .... warten wir es ruhig ab! Es ist kein Kampf und kein Gewaltakt nötig, um den notwendigen Fortschritt zu erzwingen; denn das Ende kommt von selbst. Auch hierin wirkt sich das natürliche Geschehen in den unabbiegbaren Gesetzen aller Wechselwirkun-gen ganz unerbittlich und auch pünktlich aus. - -
Ein „neues Geschlecht“ soll dann erstehen nach so mancherlei Verkündi-gungen. Dieses wird sich jedoch nicht nur aus Neugeburten zusammen-stellen, wie sie jetzt in Kalifornien und auch in Australien bereits beobachtet werden, als mit einem „neuen Sinn“ begabt, sondern in der Hauptsache aus schon lebenden Menschen, die in naher Zeit „sehend“ werden durch viel kommendes Geschehen. Dann haben sie denselben „Sinn“ wie die jetzt Neugeborenen; denn dieser ist nichts weiter als die Fähigkeit, offenen, unbeengten Geistes in der Welt zu stehen, der sich von der Beschränkung des Verstandes nicht mehr unterdrücken läßt! Die Erbsünde wird damit endlich ausgelöscht!
Es hat dies alles aber mit den bisher als „okkulte Fähigkeiten“ bezeichneten Eigenschaften nichts zu tun. Es ist dann lediglich der normale Mensch, wie er sein soll! Das „Sehendwerden“ hat nichts mit dem „Hellsehen“ zu schaffen, sondern es bedeutet das „Einsehen“, Erkennen.
Die Menschen sind dann in der Lage, alles unbeeinflußt zu erblicken, was nichts anderes bedeutet, als zu beurteilen. Sie sehen den Verstandes-menschen so, wie er wirklich ist, mit der für ihn und seine Umwelt so gefährlichen Beschränkung, der gleichzeitig die anmaßende Herrschsucht und Rechthaberei entspringt, die eigentlich direkt dazu gehört.
Sie werden es auch sehen, wie seit Jahrtausenden in strenger Folge-richtigkeit einmal in dieser, dann in jener Form die ganze Menschheit unter diesem Joche litt, und wie sich dieser Krebsschaden als Erbfeind immer gegen die Entwickelung des freien Menschengeistes richtete, den Hauptzweck in der Menschen Sein! Nichts wird ihnen entgehen, auch nicht die bittere Gewißheit, daß die Trübsal, alle Leiden, ein jeder Sturz, durch dieses Übel kommen mußte, und daß die Besserung niemals erstehen konnte, weil jedes Einsehen von vornherein durch die Beengung des Begriffsvermögens ausgeschlossen war.
Mit dem Erwachen hat aber auch jeder Einfluß, jede Macht dieser Verstandesmenschen aufgehört. Für alle Zeit; denn eine neue, bessere Epoche für die Menschheit setzt dann ein, in der sich Altes nicht mehr halten kann.
Damit kommt der heute schon von Hunderttausenden ersehnte notwendige Sieg des Geistes über den versagenden Verstand. Viele der bisher irregeführten Massen werden dabei noch erkennen, daß sie bisher den Ausdruck „Verstand“ vollkommen falsch gedeutet hatten. Die meisten nahmen ihn einfach als einen Götzen hin, ganz ungeprüft, nur weil ihn auch die Anderen als solchen hinstellten, und weil sich alle seine Anhänger stets als die unfehlbaren, unbeschränkten Herrscher durch Gewalt und durch Gesetze aufzuspielen wußten. Viele nehmen sich deshalb gar keine Mühe, deren eigentliche Hohlheit und die Mängel aufzudecken, welche sich dahinter bargen.
Es gibt nun allerdings auch Manche, welche schon Jahrzehnte hin-durch gegen diesen Feind ankämpfen, mit zäher Energie und Überzeu-gung, versteckt und teilweise auch offen, mitunter auch den schwersten Leiden ausgesetzt. Doch sie kämpfen, ohne den Feind selbst zu kennen! Und das erschwerte selbstverständlich den Erfolg. Es machte ihn von vornherein unmöglich. Das Schwert der Kämpfer war nicht gut geschärft, weil sie es stets an nebensächlichen Geschehen schartig schlugen. Mit diesen Nebensachen aber trafen sie auch stets zur Seite in das Leere, vergeudeten die eigne Kraft, und brachten nur Zersplitterung unter sich, die heute immer größer werden!
Es gibt in Wirklichkeit nur einen Feind der Menschheit auf der ganzen Linie: Die bisher unbeschränkte Herrschaft des Verstandes! Das war der große Sündenfall, die schwerste Schuld des Menschen, welche alles Übel nach sich zog. Das wurde zu der Erbsünde, und das ist auch der Antichrist, von dem verkündet ist, daß er sein Haupt erheben wird.
Wir stehen mitten in der Zeit! Er wohnt heute in jedem Menschen, bereit, ihn zu verderben, denn seine Tätigkeit bringt sofort Abwendung von Gott als ganz natürliche Folge. Er schneidet den Geist ab, sobald er herrschen darf.
Deshalb sei der Mensch scharf auf seiner Hut! -
Seinen Verstand soll er nun deshalb nicht etwa verkleinern, doch zum Werkzeug machen, was er ist, nicht aber zu dem maßgebenden Willen. Nicht zum Herrn! Der Mensch des kommenden Geschlechtes wird die bisherige Zeit nur noch mit Ekel, Grauen, und mit Scham betrachten können. Ungefähr so, wie es mit uns geschieht, wenn wir in eine alte Folterkammer treten. Auch darin sehen wir die schlechten Früchte der kalten Verstandeswirtschaft. Denn es ist wohl unbestreitbar, daß ein Mensch mit nur etwas Gemüt und demnach Geistestätigkeit solcherart Greuel nie ersonnen haben würde! Es ist im Ganzen heute allerdings nicht anders, nur etwas übertünchter, und die Massenelende sind ebensolche faule Früchte wie die damalige Einzelfolter.
Wenn der Mensch dann einen Rückblick werfen wird, so kommt er aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Er wird sich fragen, wie es möglich war, die Irrungen Jahrtausende hindurch still zu ertragen. Die Antwort gibt sich selbstverständlich einfach: Durch Gewalt. Wohin man blickt, ist es ganz deutlich zu erkennen. Abgesehen von den Zeiten grauen Alter-tumes, brauchen wir nur einzutreten in die schon erwähnten Folterkam-mern, die noch heute überall zu sehen sind, und deren Ausübung nicht so sehr weit zurückzuführen ist.
Wir schaudern, wenn wir diese alten Werkzeuge betrachten. Wie viel kalte Brutalität liegt darin, welche Bestialität! Kaum ein Mensch heutiger Zeit wird daran zweifeln, daß in jenem damaligen Tun schwerstes Verbrechen lag. An den Verbrechern wurde damit ein noch größeres Verbrechen ausgeübt. Aber, herausgeholt aus der Familie und Freiheit, wurde auch so mancher Unschuldige roh hineingeworfen in diese Gewölbe. Welche Klagen, welche Schmerzensschreie verhallten hier von denen, die den Peinigern vollkommen wehrlos darin preisgegeben waren. Menschen mußten Dinge leiden, vor denen man in dem Gedanken nur mit Grauen und Abscheu stehen kann. Ein jeder fragt sich unwillkürlich, ob das wirklich menschenmöglich war, was da alles an diesen Wehrlosen geschah, dazu noch unter einem Scheine alles Rechtes. Eines Rechtes, das man sich doch einst nur mit Gewalt erzwungen hatte. Und nun erzwang man wiederum durch körperliche Schmerzen Schuldbekenntnisse von den Verdächtigten, damit man sie dann in Gemächlichkeit ermorden konnte. Wenn diese Schuldbekenntnisse auch nur erzwungen abgegeben wurden, um diesen unsinnigen körperlichen Qualen zu entgehen, so genügte es den Richtern doch, weil sie es brauchten, um dem „Worte“ des Gesetzes zu genügen. Ob die also Beschränkten wirklich wähnten, daß sie sich dadurch auch vor dem göttlichen Willen reinwaschen konnten? Von dem unerbitt-lich arbeitenden Grundgesetze einer Wechselwirkung freizubekommen?
Entweder waren alle diese Menschen Auswürfe der hartgesottensten Verbrecher, die sich unterfingen, über Andere Gericht zu halten, oder es zeigte sich darin so deutlich die krankhafte Beschränktheit irdischen Verstandes. Ein Mittelding kann es nicht geben.
Nach göttlichen Schöpfungsgesetzen sollte ein jeder Würdenträger, jeder Richter, gleichviel, welches Amt er hier auf Erden trägt, in seinem Handeln niemals unter einem Schutze dieses Amtes stehen, sondern er hat allein und rein persönlich, ungeschützt wie jeder andere Mensch, für alles selbst volle Verantwortung zu tragen, was er in seinem Amte tut. Nicht geistig nur, sondern auch irdisch. Dann wird es Jedermann viel ernster, sorgfältiger nehmen. Und sogenannte „Irrtümer“ werden ganz sicher nicht so leicht wieder vorkommen, deren Folgen nie gutzumachen sind. Ganz ab-gesehen von den körperlichen und seelischen Leiden der davon Betroffenen und ihrer Angehörigen.
Doch betrachten wir uns einmal weiterhin das auch dazu gehörende Kapitel der Prozesse über sogenannte „Hexen“!
Wer einmal Zugang hatte zu Gerichtsakten über derartige Prozesse, möchte mit Aufwallung flammender Scham sich wünschen, nie zu dieser Menschheit zugezählt zu werden. Besaß ein Mensch damals nur Kunde über Heilkräuter, sei es durch praktische Erfahrungen, oder durch Überlieferungen, und half er damit den leidenden Menschen, die ihn darum baten, so kam er unerbittlich dafür unter diese Folter, wovon ihn zuletzt nur der Tod durch Feuer löste, sobald sein Körper nicht schon vorher diesen Grausamkeiten unterlag.
Selbst körperliche Schönheit konnte damals Anlaß dazu sein, nament-lich Keuschheit, welche nicht zu willen war.
Und dann die Furchtbarkeiten der Inquisition! Verhältnismäßig wenig Jahre sind es nur, die uns von diesem „damals“ trennen!
Wie wir nun heute diese Ungerechtigkeit erkennen, genau so fühlte es damals das Volk. Denn dieses war von dem „Verstande“ noch nicht ganz so eingeengt, bei ihnen brach noch hier und da Gefühl hindurch, der Geist.
Erkennt man heute nicht vollkommene Beschränkung in dem allen? Unverantwortliche Dummheit?
Man spricht davon mit Überlegenheit und Achselzucken, doch es ist im Grunde nichts daran geändert. Die beschränkte Anmaßung allem Nichtverstandenen gegenüber ist noch genau so da! Nur ist an Stelle dieser Folterungen jetzt öffentlicher Spott zur Hand, bei allem, was man durch die eigene Beschränktheit nicht versteht. Es schlage sich doch mancher einmal an die Brust, und denke, ohne sich dabei zu schonen, erst darüber nach. Ein jeder Mensch wird von Verstandesheroen, das heißt also nicht ganz normalen Menschen, von vornherein als Schwindler angesehen, auch vielfach vor Gericht, wenn er die Fähigkeit besitzt, etwas zu wissen, was den Anderen verschlossen ist, vielleicht mit feinstofflichen Augen auch die feinstoffliche Welt zu schauen, als ein natürliches Geschehen, was man in ganz kurzer Zeit nicht mehr bezweifeln, noch weniger brutal bekämpfen wird.
Und wehe dem, der selbst nichts damit anzufangen weiß, sondern in aller Harmlosigkeit davon spricht, was er gesehen hat, und was er hörte. Er muß sich davor fürchten, wie die ersten Christen unter Nero mit seinen allezeit zum Mord bereiten Helfern.
Wenn er nun gar noch andere Fähigkeiten hat, die von den ausgespro-chenen Verstandesmenschen nie begriffen werden können, dann wird er unbedingt erbarmungslos gehetzt, verleumdet, ausgestoßen, wenn er nicht Jedermann zu willen ist, wenn irgend möglich wird er „unschädlich“ gemacht, wie man sich so schön auszudrücken pflegt. Niemand macht sich darüber irgendwie Gewissensbisse. Ein solcher Mensch gilt heute noch als Freiwild eines Jeden innerlich manchmal sehr unsauberen Menschen. Je beschränkter, desto größer ist der Wahn der Klugheit, und der Hang zur Überhebung.
Man hat an diesen Vorgängen der alten Zeit mit ihren Foltern und Verbrennungen, und den so lächerlichen Akten der Prozesse nichts gelernt! Denn Jeder darf auch heute noch Außergewöhnliches und Nichtverstandenes straffrei beschmutzen und beleidigen. Es ist darin nicht anders, als es früher war.
Noch schlimmer als bei der Justiz war es bei den Inquisitionen, welche von der Kirche ihren Ausgang hatten. Hier wurden Schreie der Gequälten von frommen Gebeten übertönt. Es war ein Hohn auf den göttlichen Willen in der Schöpfung! Die damaligen kirchlichen Vertreter bewiesen damit, daß sie keine Ahnung von der wahren Lehre Christi hatten, noch von der Gottheit und von derem schöpferischen Willen, dessen Gesetze unum-stößlich in der Schöpfung ruhen, und dort wirken, gleichartig schon von Anfang an und bis ans Ende aller Tage.
Gott gab dem Menschengeiste in dessen Beschaffenheit den freien Willen des Entschlusses. In diesem nur kann er so reifen, wie er soll, sich abschleifen und voll entwickeln. Nur darin liegt für ihn die Möglichkeit dazu. Wird dieser freie Wille aber unterbunden, so ist es eine Hemmung, wenn nicht ein gewaltsames Zurückschleudern. Christliche Kirchen aber, wie viele Religionen, bekämpften damals diese göttliche Bestimmung, traten ihr mit größter Grausamkeit entgegen. Durch Marter und zuletzt durch Tod wollten sie Menschen zwingen, Wege einzuschlagen und zu gehen, Bekenntnisse zu machen, die gegen deren Überzeugung, also gegen deren Willen waren. Damit verstießen sie das göttliche Gebot. Doch nicht nur das, sondern sie hinderten die Menschen an dem Vorwärtsschreiten ihres Geistes, und schleuderten sie noch Jahrhunderte zurück.
Wenn dabei nur ein Funken wirklichen Gefühles sich gezeigt hätte, also des Geistes, so durfte und so konnte solches nie geschehen! Es bewirkte demnach nur die Kälte des Verstandes das Unmenschliche.
Wie mancher Papst selbst hat geschichtlich nachweisbar mit Gift und Dolch arbeiten lassen, um seine rein irdischen Wünsche, seine Ziele zu verwirklichen. Das konnte nur unter der Herrschaft des Verstandes sein, welcher auf seinem Siegeszuge alles unterwarf, vor nichts Halt machte. -
Und über allem lag und liegt in unabwendbarem Geschehen ehern unseres Schöpfers Wille. Beim Hinübertreten in das Jenseits ist ein jeder Mensch entkleidet der irdischen Macht und dessen Schutzes. Sein Name, seine Stellung, alles ist zurückgeblieben. Nur eine arme Menschenseele geht hinüber, um dort zu empfangen, auszukosten, was sie säte. Nicht eine Ausnahme ist möglich! Ihr Weg führt sie durch alles Räderwerk der unbedingten Wechselwirkung göttlicher Gerechtigkeit. Da gibt es keine Kirche, keinen Staat, sondern nur Einzelmenschenseelen, die persönlich über jeden Irrtum abzurechnen haben, den sie taten!
Wer gegen Gottes Willen handelt, also in der Schöpfung sündigt, ist den Folgen dieser Übertretung unterworfen. Gleichviel, wer es auch sei, und unter welchem Vorwande es ausgeführt wurde. Sei es ein Einzel-mensch, unter dem Deckmantel der Kirche, der Justiz .... Verbrechen an dem Körper oder an der Seele ist und bleibt Verbrechen! Es kann durch nichts geändert werden, auch nicht durch einen Schein des Rechtes, das durchaus nicht immer das Recht ist; denn selbstverständlich wurden die Gesetze ebenfalls nur durch Verstandesmenschen aufgestellt, und müssen dieserhalb irdische Beschränkung in sich tragen.
Man sehe sich das Recht so vieler Staaten einmal an, namentlich in Zentral- und Südamerika. Der Mensch, der heute die Regierung führt und dabei alle Ehren hat, kann morgen schon als ein Verbrecher in den Kerker kommen, oder hingerichtet werden, wenn es dem Widersacher glückt, diese Regierung durch einen Gewaltakt an sich zu reißen.
Gelingt ihm dieses nicht, wird er anstatt zu dem Regenten anerkannt, als ein Verbrecher angesehen und verfolgt. Und alle behördlichen Organe dienen bereitwillig dem Einen wie dem Anderen. Sogar ein Weltreisender muß oft sein Gewissen wechseln wie ein Kleid, wenn er aus einem Lande in ein anderes geht, um überall als gut zu gelten. Was in dem einen Lande als Verbrechen gilt, ist in dem anderen sehr oft erlaubt, noch mehr, vielleicht sogar begrüßt.
Das ist natürlich nur in den Errungenschaften irdischen Verstandes möglich, nie aber dort, wo der Verstand seine natürliche Stufe als Werkzeug des lebendigen Geistes einnehmen muß; denn wer auf den Geist hört, wird niemals Gesetze Gottes übersehen. Und wo diese als die Grundlage genommen werden, dort kann es keine Mängel, keine Lücken geben, sondern nur Einheitlichkeit, die Glück und Frieden nach sich zieht. Die Ausdrücke des Geistes können überall in ihren Grundzügen nur immer ganz die gleichen sein. Sie werden nie einander gegenüberstehen.
Auch Rechtskunst, Heilkunst, Staatskunst muß nur mangelhaftes Handwerk bleiben dort, wo nur Verstand die Grundlage bilden kann und das Geistige darin fehlt. Es ist einfach nicht anders möglich. Dabei natürlich immer wieder von dem wirklichen Begriffe „Geist“ ausgehend. -
Wissen ist ein Produkt, Geist aber Leben, dessen Wert und Kraft nur nach seinem Zusammenhange mit dem Ursprunge des Geistigen bemessen werden kann. Je inniger dieser Zusammenhang, desto wertvoller, macht-voller der von dem Ursprung ausgegangene Teil. Je lockerer aber dieser Zusammenhang wird, desto entfernter, fremder, einsamer und schwächer muß auch der ausgegangene Teil sein, also der betreffende Mensch.
Das sind alles so einfache Selbstverständlichkeiten, daß man nicht begreifen kann, wie die fehlgegangenen Verstandesmenschen immer und immer wieder wie blind daran vorübergehen. Denn was die Wurzel bringt, erhält der Stamm, die Blüte und die Frucht! Aber auch hierin zeigt sich diese hoffnungslose Selbsteinengung im Begreifen. Mühsam haben sie sich eine Mauer vorgebaut, und können nun nicht mehr darüber schauen, noch weniger hindurch.
Allen Geistiglebendigen jedoch müssen sie mit ihrem eingebildet über-legenen, spöttischen Lächeln, mit dem Sichüberheben und Herabsehen auf andere nicht so tief Versklavte, manchmal wie arme, kranke Narren erscheinen, die man trotz alles Mitleides in ihrem Wahne lassen muß, weil deren Grenze des Begreifens selbst Tatsächlichkeiten gegenteiliger Beweise ohne Eindrücke vorübergehen läßt. Jede Bemühung, etwas daran zu bessern, muß nur dem erfolglosen Bestreben gleichen, einem kranken Körper durch das Umhängen eines neuen, glänzenden Mäntelchens auch gleichzeitig Gesundung zu verschaffen.
Schon jetzt ist der Materialismus über seinen Höhepunkt hinaus, und muß nun überall versagend bald in sich zusammensinken. Nicht ohne dabei vieles Gute mitzureißen. Die Anhänger sind bereits am Ende ihres Könnens, werden bald an ihrem Werke und dann an sich selbst verwirrt, ohne den Abgrund zu erkennen, der sich vor ihnen aufgerissen hat. Wie eine Herde ohne Hirten werden sie bald sein, einer dem anderen nicht trauend, jeder seinen eigenen Weg verfolgend, und dabei trotzdem stolz noch über andere sich erhebend. Undurchdacht, nur früherer Gewohnheit folgend.
Mit allen Zeichen des äußeren Scheines ihrer Hohlheit werden sie zuletzt auch blindlings in den Abgrund stürzen. Sie halten noch für Geist, was nur Produkte ihrer eigenen Gehirne sind. Wie aber kann tote Materie lebenden Geist erzeugen? In vielen Dingen sind sie stolz auf ihr exaktes Denken, und lassen in den Hauptsachen ganz skrupellos die unverantwor-tlichsten Lücken.
Ein jeder neue Schritt, jeder Versuch zur Besserung wird immer wieder alle Dürre des Verstandeswerkes in sich tragen müssen, und somit den Keim des nicht abzuwendenden Verfalles.
Alles, was ich derart sage, ist kein Prophezeien, kein haltloses Voraus-sagen, sondern die unabänderliche Folge des alles belebenden Schöpfungs-willens, dessen Gesetze ich schon in meinen vielen, vorausgegangenen Vorträgen erläuterte. Wer mit mir im Geiste den darin scharf angedeuteten Wegen folgt, muß auch das notwendige Ende überschauen und erkennen. Und alle Anzeichen dafür sind bereits da.
Man klagt und zetert, sieht mit Ekel, wie sich heute Auswüchse dieses Materialismus in Formen zeigen, die kaum glaublich sind. Man fleht und betet um Befreiung aus der Qual, um Besserung, Gesundung von dem grenzenlosen Niedergange. Die Wenigen, die irgend eine Regung ihres Seelenlebens retten konnten, aus der Sturmflut des unglaublichen Geschehens, die geistig nicht erstickten in dem allgemeinen Niedergang, der trügend stolz den Namen „Fortschritt“ an der Stirne trägt, sie fühlen sich wie Ausgestoßene, Zurückgebliebene, und werden auch als solche von den seelenlosen Mitläufern der Neuzeit angesehen und verlacht.
Ein Kranz von Lorbeer allen denen, die den Mut besaßen, sich den Massen nicht mit anzuschließen! Die stolz zurückgeblieben auf der steil abschüssigen Bahn!
Ein Schlafwandler, der heute noch sich darob unglücklich erachten will! Die Augen auf! Seht Ihr denn nicht, daß alles das, was Euch bedrückt, bereits der Anfang von dem jähen Ende des jetzt nur noch scheinbar herrschenden Materialismus ist? Der ganze Bau ist bereits am Zusammen-stürzen, ohne Zutun derer, die darunter litten und noch leiden müssen. Das Verstandesmenschentum muß nunmehr ernten, was es in Jahrtau-senden erzeugte, nährte, großzog und umschwärmte.
Für Menschenrechnung eine lange Zeit, für Gottes selbsttätige Mühlen in der Schöpfung eine kurze Spanne. Wohin Ihr blickt, überall kommt das Versagen. Es wogt zurück und staut sich drohend wie ein schwerer Wall empor, um bald sich überstürzend und zusammensinkend seine Anbeter tief unter sich zu begraben. Es ist das unerbittliche Gesetz der Wechselwirkung, das bei dieser Auslösung sich furchtbar zeigen muß, weil in Jahrtausenden trotz vielerlei Erfahrungen nie eine Änderung zu Höherem erfolgte, sondern im Gegenteil der gleiche falsche Weg noch breiter ausgetreten wurde.
Verzagende, die Zeit ist da! Hinauf die Stirn, die Ihr oft schamvoll senken mußtet, wenn Ungerechtigkeit und Dummheit Euch so tiefes Leid bereiten konnte. Seht Euch den Gegner heute ruhig an, der Euch so unterdrücken wollte!
Das bisherige Prunkgewand ist schon sehr arg zerschlissen. Aus allen Löchern sieht man endlich die Gestalt in ihrer wahren Form. Unsicher, doch nicht minder eingebildet, schaut daraus das ermattete Produkt des menschlichen Gehirnes, der Verstand, der sich zum Geist erheben ließ .... verständnislos hervor!
Nehmt nur getrost die Binde ab und schaut Euch schärfer um. Allein die Durchsicht sonst ganz guter Zeitungen gibt einem klaren Blicke mancherlei bekannt. Man sieht krampfartiges Bemühen, an allem alten Schein noch festzuhalten. Mit Arroganz - und oft sehr plumpen Witzeleien sucht man die immer deutlicher sich zeigende Verständ-nislosigkeit zu decken. Mit abgeschmackten Ausdrücken will oft ein Mensch etwas beurteilen, wovon er doch in Wirklichkeit ganz augen-fällig keine Ahnung des Begreifens hat. Selbst Menschen mit ganz guten Anlagen flüchten sich heute hilflos auf die unsauberen Wege, nur um nicht zu bekennen, daß so viele Dinge über das Begriffsvermögen ihres eigenen Verstandes gehen, auf den allein sie sich bisher verlassen wollten. Sie fühlen nicht das Lächerliche des Gebahrens, sehen nicht die Blößen, die sie nur damit vergrößern helfen. Verwirrt, geblendet werden sie bald vor der Wahrheit stehen, und trauernd ihr verfehltes Leben überblicken, dabei endlich beschämt erkennend, daß dort gerade Dummheit lag, wo man sich weise dünkte.
Wie weit ist es heute schon gekommen. Der Muskelmensch ist Trumpf! Hat je ein ernster Forscher, der in jahrzehntelangem Ringen ein Serum fand, das hunderttausenden von Menschen jährlich unter Groß und Klein Schutz und auch Hilfe vor tötlichen Krankheiten bescherte, solche Triumphe feiern können wie ein Boxer, der in rein irdischer, grober Brutalität den Nebenmenschen niederringt? Oder wie ein Flieger, der mit ein klein wenig Mut, nicht mehr, als wie ein jeder Krieger im Felde haben mußte, dank seiner ausgezeichneten Maschine einen großen Flug ausführt? Es wird zur halben Staatsaktion gemacht. Doch hat dabei nur eine Menschenseele irgendwelchen Nutzen? Nur irdisch, alles irdisch, das heißt niedrig in dem ganzen Schöpfungswerke! Ganz dem goldnen Kalbe der Verstandestätigkeit entsprechend. Als Triumph dieses so erdgebundenen, tönernen Scheinfürsten über die eingeengte Menschlichkeit! - -
Und niemand sieht dieses rasende Abwärtsgleiten in die grauenhafte Tiefe!
Wer es empfindet, hüllt sich vorläufig noch ein in Schweigen, mit dem beschämenden Bewußtsein, doch verlacht zu werden, wenn er spricht. Es ist bereits ein toller Taumel, in dem jedoch aufkeimende Erkenntnis liegt des Unvermögens. Und mit dem Ahnen der Erkenntnis bäumt sich alles nur noch mehr auf, schon aus Trotz, aus Eitelkeit, und nicht zuletzt aus Furcht und Grauen vor dem Kommenden. Man will um keinen Preis schon an das Ende dieses großen Irrtums denken! Es wird zum krampfhaften Festhalten an dem stolzen Bau vergangener Jahrtausende, der ganz dem Turmbaue zu Babel gleicht, und auch so enden wird!
Der bisher ungebeugte Materialismus trägt das Todesahnen in sich, das mit jedem Monat deutlicher zu Tage tritt. -
Doch in zahlreichen Menschenseelen regt es sich, an allen Orten, auf der ganzen Erde! Über dem Glanz der Wahrheit ist nur eine dünne Schicht der alten, falschen Anschauungen noch gebreitet, die der erste Windstoß einer Reinigung hinwegfegt, um damit den Kern freizugeben, dessen Leuchten mit so vielen Anderen sich bindet, um seinen Strahlenkegel zu entfalten, der hinaufsteigt wie ein Dankesfeuer nach dem Reich der lichten Freude, zu des Schöpfers Füßen.
Das wird die Zeit des vielersehnten tausendjährigen Reiches sein, das vor uns liegt als großer Hoffnungsstern in strahlender Verheißung!
Und damit ist die große Sünde aller Menschheit wider den Geist endlich gelöst, die ihn durch den Verstand gebunden hielt auf Erden! Erst das ist dann der rechte Weg zu dem Natürlichen zurück, dem Weg des Schöpferwillens, der der Menschen Werke groß sein lassen will, und von lebendigen Empfindungen durchströmt! Der Sieg des Geistes aber wird gleichzeitig auch der Sieg der reinsten Liebe sein!
Voltaire’s Kampf ums Recht
Ein Beitrag zur Geschichte der Toleranz
von Hofrat Professor Alfred Börckel, Mainz
Welches Unheil entstehen kann, wenn Richter vom Haß und Wahn ihrer Landsleute beeinflußt sind, zeigt der Kampf Voltaires gegen die französische Justiz im 18: Jahrhundert. Denn wie noch vor 40 Jahren Zola, der große Sittenmaler von Paris, im Falle Dreyfus, so schleuderte schon zwei Menschenalter vor ihm der „Patriarch von Ferney“ ein entrüstetes „J’accuse“ den verblendeten Machthabern entgegen und zwang sie zur Untersuchung seiner Anklage im Namen der beleidigten Menschheit. Und mit bewunderungswürdiger Ausdauer überwand Voltaire damals alle die unglaublichen Hindernisse, welche der Fanatismus seiner Zeit ihm entgegenstellte, indem er, soweit es noch möglich war, der Gerechtigkeit zum endlichen Siege verhalf. Wie viele Schattenseiten auch das Charakter-bild des berühmten Dichters aufweist - seine Gewinnsucht, Eitelkeit und Frivolität - sie werden ihm verziehen, angesichts seines selbstlosen, uner-schütterlichen Eintretens für die unschuldig Verfolgten, das ihm auch die Nachwelt noch zu unbegrenzter Dankbarkeit verpflichtet und das ihn, wie Goethe sagt, „ehrwürdig“ gemacht.
Es handelt sich hier, neben zahlreichen Justizirrtümern von gerin-gerer Tragweite, deren Aufklärung der Freund Friedrichs des Großen bis an sein Ende rastlos betrieb, namentlich um den Justizmord Calas, sowie um die Fälle Sirven, de la Barre und d’Etallonde. Das erstgenannte dieser Opfer religiösen Wahns, Jean Calas, geboren in Lacaparede bei Chartres, war hugenottischer Protestant, hatte sich dem kaufmännischen Berufe gewidmet und in Toulouse, der ehemaligen Hauptstadt der Albigenser, niedergelassen. Dort lebte er mit seiner Familie ruhig und unbescholten, bis eines Tages ein jüngerer Sohn des Hauses seinen ältesten Bruder im Magazin erhängt fand. Der sofort herbeigerufene Vater schickte zum Wundarzt um Hilfe, verschwieg ihm aber, um nicht die Ehre der Familie bloßzustellen, den wirklichen Tatbestand. Kaum erblickte jedoch der Chirurg die Spuren des Strickes am Halse des Selbstmörders, so rief er: „Der ist erdrosselt worden!“, und wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Behauptung in der Stadt. Bald sammelte sich der Pöbel um das Haus, der Bürgermeister erschien mit Polizeimannschaft, ließ den Leichnam untersuchen und die ganze Familie Calas festsetzen. Nun hätte zwar der Verstorbene, Marc-Antoine, vorher mit seinem Vater in Spannung gelebt und ein schwermütiges und verschlossenes Wesen gezeigt, nicht aber dem Umstande, daß er katholisch werden wollte - ein jüngerer Bruder, der es geworden, und eine katholische Magd, die denselben dazu überredet, lebten unbehelligt mit der Familie -, sondern seiner Lüderlichkeit galten die Vorwürfe des Vaters. Dennoch bezeichnete die fanatisierte Volksstimme letzteren, einen 68jährigen Greis, dem schon die physische Voraussetzung zu einer solchen Tat fehlte, als den Mörder. Auch war zu jener Zeit noch der Glaube verbreitet, die Hugenotten trachteten allen von ihnen Abge-fallenen nach dem Leben. Der mutmaßliche Selbstmörder wurde daher als Märtyrer seines Glaubens betrachtet und von der Bruderschaft der weißen Büßer zum feierlichen Totenamt in die Kirche getragen, während ein Dreizehnmännergericht zusammentrat, um den unglückli-chen Vater zu richten. Vergeblich beteuerte Jean Calas seine Unschuld, die katholische Magd sagte gegen ihn aus, und das durch Volkstumulte eingeschüchterte Parlament von Toulouse erklärte ihn mit Stimmen-mehrheit des Mordes überführt und verurteilte ihn zum Tode durch das Rad von unten auf nach vorhergegangener Folter. Die Hinrichtung wurde vollstreckt, obgleich der Verurteilte bis zum letzten Augenblick seine Unschuld beschworen hatte, von der mitangeklagten Familie aber die Witwe mit ihren zwei Töchtern zu einstweiliger Buße ins Kloster gesteckt, der jüngste Sohn des Geräderten, der seinen erhängten Bruder zuerst gesehen hatte, durch den Henker aus der Stadt geführt, und das Vermögen der Calas eingezogen.
Voltaire erfuhr die entsetzliche Tragödie zuerst durch Reisende aus Südfrankreich und später aus dem Munde des jüngsten Calas selbst. Anfangs noch im Zweifel, ob hier ein Justizmord vorliege, und überhaupt den Hugenotten abgeneigt, gewann er nur allmählich die Überzeugung von der Schuldlosigkeit des Hingerichteten, worin ein Eidschwur der Witwe ihn noch bestärkte. Jetzt aber entfaltete Voltaire eine geradezu fieberhafte Tätigkeit zugunsten der hinterbliebenen Familie, schrieb u. a. eine Un-masse von Briefen an einflußreiche Personen, sammelte mit unsäglicher Mühe Beweismaterial, warb die ersten Anwälte von Paris- für die Sache und sorgte zugleich für Unterstützung der an den Bettelstab gebrachten Familie. Umsonst versuchten hohe Gönner, ihn von weiteren Schritten abzuhalten, er veröffentlichte, um die allgemeine Aufmerk-samkeit auf den Fall zu lenken, seinen berühmt gewordenen „Traktat über die Toleranz aus Anlaß des Todes von Jean Calas“, sowie andere Denkschriften darü-ber, und mit so heiligem Eifer verfolgte er sein Ziel, daß ihm, wie er später versicherte, während der drei Jahre seines Bemühens kein Lächeln auf die Lippen kam, das er sich nicht wie ein Verbrechen vorgeworfen hätte. Und Voltaire erreichte endlich seinen Zweck, die Revision des ganzen Prozesses, wenn auch vom Toulouser Parlament die Herausgabe der Akten verweigert und die Witwe Calas sogar in Paris in Untersuchungshaft genommen wurde. Am 9. März 1765, demselben Tage, an dem drei Jahre vorher Jean Calas den Martertod erlitt, erklärte der vom König als oberster Gerichtshof berufene Staatsrat zu Paris einstimmig den Urteilsspruch des Toulouser Parlaments für nichtig und den Hingerich-teten samt seinem Sohne für unschuldig. Bald darauf bewilligte der König den Hinterbliebenen eine Entschädigung von 36000 Francs für erlittene Verluste. Damals schrieb d’Alembert an Voltaire: „Daß die Calas ihren Prozess so vollständig gewonnen, das haben sie ihnen zu verdanken. Sie allein haben ganz Frankreich und ganz Europa zu ihren Gunsten in Bewegung gesetzt.“
Noch schmachtete, im Winter 1761 auf 1762, die Familie Calas nach Befreiung aus unverdienter Kerkerhaft, da erregte ein dem ihrigen ganz ähnlicher Fall die Gemüter. Auf einem kleinen Grundstück in Castres wohnte der Kalvinist Sirven mit Frau und drei Töchtern. Eines Tages wurde die jüngste dieser Töchter dem Bischof von Castres vorgestellt, der, als er vernahm, sie sei Protestantin, ihre Verbringung in ein Kloster verfügte. Als dort die Überredung zur Rückkehr in den Schoß der katholischen Kirche nichts half, kam die Rute in Anwendung, und zwar derart, daß das mißhandelte Mädchen in Geistesstörung verfiel und sich auf freiem Felde in einem Brunnen ertränkte. Auch hier gab die „öffentliche Meinung“ den Ausschlag. Denn wie bei den Calas der Vater mit Hilfe der Familie den Sohn erhängt, so sollte hier der Vater im Einverständnis mit den Seinen die Tochter ertränkt haben, weil sie im Begriff stand, katholisch zu werden. Und auch hier wollte der Pöbel das Haus stürmen, und nur durch nächtliche Flucht, bei welcher Mutter Sirven infolge der Aufregung starb, entkam der Vater mit seinen Kindern in die Schweiz. In Castres aber waren mittlerweile die Eltern zum Tode, die Töchter zur Verbannung verurteilt worden unter Beschlagnahme von Hab und Gut der Abwesenden, welche nun in Ferney ein Asyl und in Voltaire einen mächtigen Anwalt fanden. Er setzte wiederum alle Hebel in Bewegung, und waren diesmal auch noch schwerer die Beweismittel zu beschaffen als im Falle Calas, so gelang es dennoch seinem rastlosen Bemühen, die Wiederaufnahme des Prozesses und die Umstoßung des ungerechten Urteils durchzusetzen. Sirven wurde von der Apellinstanz, dem Tribunal von Toulouse, freigesprochen und erhielt, nach Abzug der Hälfte der Gerichtskosten, eine angemessene Entschädigung. Unter den Briefen, mit denen Voltaire für die Sirven eintrat, sind zwei, die dem Schreiber wie dem Empfänger zu besonderer Ehre gereichen. Beide sind an die „große Landgräfin“ Karoline von Hessen-Harmstedt gerichtet, eine Vorgängerin der edlen Großherzogin Alice von Hessen, welcher 100 Jahre später David Friedrich Strauß seine geistvollen Vorträge über Voltaire gehalten und zugeeignet hat.
Der erste Brief ist vom 22. Juli 1766 aus Ferney datiert und lautet: „Madame, Herr Grimm, der Ihrer Hoheit attachiert ist, kommt meiner Schüchternheit zu Hilfe; er teilt mir mit, daß ich ohne Scheu an Sie mich wenden und für eine Familie bitten dürfe, die ebenso unglücklich ist wie die Familie Calas. Ich weiß, Madame, daß Sie die Vernunft gegen die Tyrannei des Aberglaubens schützen. Der Fanatismus entehrt noch die französische Nation, Deutschland muß sie belehren durch Wort und Beispiel. Eure Hoheit hat schon das Beispiel des Mitleids und der Großmut gegeben, die Calas preisen Ihre Wohltaten und die Weisen jauchzen Ihnen Beifall. Die höchste Ehre werden die haben, welche die Sirven verteidigen helfen; wenn diese Ihren hochverehrten Namen an die Spitze derer stellen dürfen, welche ihren Eifer beleben, dann wird dieser Name uns mehr wert sein, als die größte Gabe. Wir bitten. Sie, Ihre Großmut zu beschränken, aber wenn Ihre Hoheit sich entschließen kann, mir ein Zeichen Ihrer Güte und Ihres Wohlwollens zukommen zu lassen, dann wird diese Familie aufhören, unglücklich zu sein. Je mehr der Fanatismus Anstrengungen macht gegen die menschliche Natur, desto mehr wird diese durch Ihre schöne Seele verteidigt sein. Der Aberglaube übt seine Qualen und Sie üben Ihre Wohltaten, es ist der Kampf der Grazien gegen Ungeheuer.“
Die hochherzige Fürstin entsprach dieser Bitte mit folgenden Zeilen: „Mein Herr! Ich konnte nicht denken, daß ein einfaches Zeichen des Mitleides und der Menschlichkeit bis an Sie gelangen, noch weniger, daß es Ihr Lob verdienen würde. Sie sind dazu geschaffen, mein Herr, die Tugend zu ermutigen und die Unschuld triumphieren zu lassen. Die Calas schulden Ihnen ihren Ruhm, die Sirven werden es noch. Ich möchte den letzteren gerne zeigen, wie sehr ihr Schicksal mich interessiert. Eine unschuldig verfolgte Familie ist für mich ein sehr würdiger Gegenstand, ich kann derselben zwar nicht die ihrer Notlage und meinem guten Willen entsprechende Unterstützung anbieten, dennoch wage ich es, 10 Louis (d'ors) an Sie beizulegen, und ich beschwöre Sie, daß Sie jene zur Annahme bewegen. Ich empfinde vollkommen den Wert des Briefes, durch welchen Sie mich ausgezeichnet haben, und ich bin von Dankbarkeit bewegt über den beigefügten Teil. Wenn ich diese Aufmerksamkeit verdient habe, so ist es durch meinen Haß gegen den Fanatismus und die Tyrannei des Aberglaubens. Ihre Schriften haben mich in meinen Ansichten darüber bestärkt, sie sind unveränderlich wie meine Gefühle der Achtung und Bewunderung für Sie.“
Darauf antwortete Voltaire: „Madame, erlauben Sie mir, Ihrer Hoheit den tiefgefühltesten Dank der Familie Sirven und mich selbst Ihnen zu Füßen zu legen. Die letzten Worte Ihres Briefes, mit dem Sie mich beehrt, haben meinem Alter Trost gebracht und die hinschwindenden Reste meiner Seele erwärmt. Sie verabscheuen die Tyrannei und den Aberglau-ben; pflanzen Sie diese edlen Gefühle allen ein, auf die ein Wort Ihres Mundes und ein Blick Ihrer Augen Eindruck machen. Sie haben die Macht der Schönheit und der Philosophie, ach, daß es mir vergönnt ist; ehe ich mein Leben beschließe, zu Ihnen zu kommen, Ihnen meine Verehrung auszusprechen, Sie zu sehen, Sie zu hören, und den Himmel und die Natur zu segnen, die solche Wesen, wie Sie, erschaffen haben zum Schutze gegen die Ungeheuer, welche die Erde betrüben.“
Wenn es Voltaire geglückt war, in den beiden vorerwähnten Fällen eine Revision des Prozesses mit nachträglicher Freisprechung der unschuldig Verurteilten durchzusetzen, so bemühte er sich in einem dritten, noch entsetzlicheren Rechtshandel vergebens. Zwei Jünglinge von 17 und 18 Jahren, der eine, de la Barre, Sohn eines Offiziers, der andere, d’Etallonde, Sohn eines Präsidenten von Abbeville in der Picardie, waren angeklagt, ein öffentliches Kruzifix beschädigt, vor einer Prozession den Hut nicht abgenommen und profane Lieder gesungen zu haben. Die Hauptschuld, die Beschädigung des Kruzifixes, blieb unerwiesen, wegen der beiden anderen Vergehen aber verurteilte der Gerichtshof, auf Grund bestochener Zeugenaussagen und mit nur drei Stimmen Mehrheit, die jungen Leute zum Tode, und zwar zur Hinrichtung auf besonders grausame Art. D’Etallonde sollte die Zunge ausgerissen, die rechte Hand abgehauen und der Verstümmelte dann auf dem Marktplatz lebendig verbrannt, de la Barre erst gefoltert, dann enthauptet und ebenfalls verbrannt werden. Während es d’Etallonde gelang, nach Deutschland zu entfliehen, wurde de la Barre am 1. Juli (?) 1766 hingerichtet, nachdem er die Folter mit stoischem Mut ertragen hatte. Seine letzten Worte waren: „Ich dachte nicht, daß man einen jungen Edelmann wegen einer so geringfügigen Sache töten würde.“
„Voltaire geriet wegen dieser Gräueltat in die höchste Aufregung, denn während es sich bei Calas und Sirven, wenn auch fälschlich, um ein todeswürdiges Verbrechen gedreht hatte, lag hier nur ein Akt leichtsinnigen Jugendübermutes vor, den Voltaire durchaus nicht billigte, den aber eine Züchtigung, und schlimmsten Falles, eine Gefängnisstrafe hinreichend gesühnt hätte. Es war also nicht die Verurteilung an sich, sondern die in keinem Verhältnis zur Schuld stehende unmenschliche Strafe, die Voltaire so erzürnte und die von Anhängern der christlichen Lehre verhängt wurde, deren Stifter noch am Kreuz für seine Missetäter bat: „Vergib ihnen, Vater, sie wissen nicht, was sie tun.“ Damals schrieb Voltaire an d’Alembert:“... wie denkende Wesen in einem Lande von Affen bleiben mögen, die so oft zu Tigern werden! Was mich betrifft, so schäme ich mich, auch nur an der Grenze zu wohnen. Nein, jetzt ist keine Zeit zu scherzen mehr, Witzworte passen nicht zu Schlachtereien. Wie?, in Abbeville verurteilten Busiris’ im Richtergewande noch halbe Kinder von 16 Jahren und ihr Spruch wird bestätigt und die Nation läßt es sich gefallen? - Kaum spricht man einen Augenblick davon und geht dann in die komische Oper. - Es ist wohl eine Schande, daß ich in meinem Alter noch so lebhaft empfinde. Ich beweine die jungen Leute, denen man die Zunge ausreißt, während Sie, mein Freund, sich der Ihrigen bedienen, um höchst anmutige Dinge zu sagen. Sie verdauen also gut, mein lieber Philosoph, und ich verdaue nicht. Sie sind noch jung und ich bin ein alter, kranker Mann; entschuldigen Sie meine Traurigkeit.“
Da es Voltaire nicht gelungen war, den einen der beiden Verurteilten von Abbeville, de la Barre, zu retten, nahm er sich des entflohenen d’Etallonde um so wärmer an und veranlaßte dessen Eintritt in die preußische Armee, wo er unter dem Namen Morival zuerst als Fähnrich, dann als Leutnant und seit 1775 als Hauptmann im Geniekorps diente. Während dieser Zeit erbat Voltaire seinem Schützling vom König einen längeren Urlaub und behielt ihn anderthalb Jahre bei sich in Ferney, um von dort aus mit ihm gemeinsam die Aufhebung des Todesurteils gegen D’Etallonde - Morival zu betreiben.
Aber trotz der Fürsprache des preußischen Gesandten in Versailles, trotz der Beredsamkeit des Advokaten Beaumont und verschiedener ande-ren Versuche, war diesmal weder beim Staatsrat noch beim Pariser Parlament eine Revision des verjährten Urteils zu erreichen. Auch Fried-rich der Große hatte einen Erfolg der Bemühungen diesmal bezweifelt, „indessen das Unternehmen“, schrieb er an Voltaire, wird Ihnen Ehre machen und die Nachwelt wird sagen, daß ein Philosoph aus seiner Zurückgezogenheit seine Stimme erhoben habe gegen die Ungerechtigkeit seines Jahrhunderts, daß er die Wahrheit habe leuchten lassen am Fuße des Thrones und die Mächtigen der Erde genötigt, Mißbräuche abzu-stellen. Fahren Sie fort, Witwen und Waisen zu beschützen, die unterdrückte Unschuld, die von hochmütiger Gewalt zu Boden getretene menschliche Natur aus dem Staube zu erheben, und seien Sie versichert, daß Niemand Ihnen mehr Glück dazu wünscht, als der Philosoph von Sanssouci.“
Und als Voltaire sich dem königlichen Freunde gegenüber wieder einmal als den „alten Kranken vom Jura“ aufspielte, huldigte Friedrich dem Siebenundsiebzigjährigen mit folgenden Versen:
„Welch’ Feuer, welcher Reiz steht Dir noch zu Gebote!
Dein Abendhimmel tut’s zuvor dem Morgenrote,
Wenn unsern Lebensbach das Alter übereist,
Entschwinden Munterkeit und Anmut uns und Geist;
Doch Deine Stimme hat an Wohllaut nichts verloren,
Als Greis bist Jüngling Du zum Schimpf und Leid der Toren.“
Der Mißbräuche, auf die der „Philosoph von Sanssouci“ in seinem Briefe an den „Patriarchen von Ferney“ anspielte, gab es aber bei der veralteten französischen Rechtspflege jener Zeit noch viele. So kam noch überall die Folter in Anwendung, fehlte die Begründung der Urteils-sprüche, war das Beweisverfahren höchst mangelhaft, gab es keinen gere-gelten Instanzenweg und keine für das ganze Land einheitliche Gesetz-gebung, herrschte noch ein unglaubliches Formelwesen, und der größte Übelstand blieb die Käuflichkeit der Richterstellen. Auch konnten in Frankreich Todesurteile vollstreckt werden, ohne daß die Prozeßakten dem Monarchen und seinem obersten Rate vorgelegen hatten. Gegen alle diese Mißstände, zu denen noch die zu den Straftaten unverhältnismäßig schweren Strafarten zählten, wie Handabhacken, Zungenausreißen, glühende Zangen, Rad usw., wandte sich Voltaire und drang auf Abschaffung der Tortur, Beschränkung der Todesstrafe, einfachere und gleichmäßigere Justizpflege. Als daher der Marchese Beccaria 1764 sein Werk über Vergehen und Strafen erscheinen ließ, erkannte Voltaire in dem Verfasser einen Gesinnungsgenossen, gab einer der Schriften über die Hinrichtung de la Barre’s die Form eines Sendschreibens an Beccaria, und schrieb über dessen Werk einen Kommentar, sowie den „Preis der Gerechtigkeit und Menschlichkeit“. Und wie für die Gesamtheit wirkte er beharrlich auch für das Wohl des Einzelnen weiter und entriß noch manches Opfer den Klauen der französischen Marterjustiz des 17. Jahrhunderts. So erzielte er die Begnadigung des zu 23-jähriger Galeerenstrafe verurteilten Hugenotten Espinasse in der Provinz Langcedoc und die Herausgabe von dessen beschlagnahmtem Vermögen, so rettete er eine wegen angeblichen Mordes ihrer Schwiegermutter zum Feuertod verurteilte Frau Montbailli in St. Omer (deren Hinrichtung sich durch ihre Schwangerschaft verzögert hatte), und so brachte er endlich das Andenken des Generals Laily wieder zu Ehren, der 1766 wegen unglücklicher Kriegführung in Indien auf Befehl des Pariser Parlaments hingerichtet worden war.
Dieser Erfolg war zugleich Voltaires letzter Triumph, vier Tage nach Eintreffen der Nachricht entwand der Tod dem Vierundachtzigjährigen die Feder, mit welcher er so manchen Gegner verletzt, aber auch so manchen Sieg errungen als Anwalt der Verurteilten und „Apostel der Toleranz“.
Die geistige Struktur der Gegenwart
von
Johannes Anton Neidhart, Stuttgart
War es immer schwer, die geistigen Bewegungen einer Zeit nach ihrem tieferen Sinn zu erfassen, so ist diese Schwierigkeit heute doppelt vorhanden. Nicht weil es an weitblickenden, scharfsinnigen Beobachtern fehlte, oder weil der schriftliche Niederschlag der herrschenden Ideen dem Forscher zu wenig Anhaltspunkte böten - im Gegenteil. Gerade die Menge des vorliegenden Materials und die Vielheit der Erscheinungen ist der Grund, warum wir das Ganze nicht mehr überschauen, geschweige denn bemeistern können. Vergangene Zeiten mochten wohl auch ihre Besonder-heiten haben, und vielleicht nie in der Geschichte wies die geistige Grundrichtung der Menschen, ein einheitliches Ziel auf. Aber es war doch meist ein charakteristischer Zug, der darin hervortrat, ein Punkt, von dem aus man die Orientierung gewann für das übrige. Und selbst wenn nur die großen Linien des Materialismus auf der einen Seite und des Idealismus auf der anderen sichtbar wurden, man wußte doch wenigstens, worin die einzelnen Bestrebungen gründeten und wohin sie letzten Endes führten. Was dagegen heute vor dem kritisch prüfenden Auge des Religionsphilo-sophen sich abspielt, ist ein furchtbares Durcheinander in jeder Beziehung. Hat man einmal einen Faden in der Hand und glaubt, mit seiner Hilfe durch das Labyrinth hindurchzufinden, so durchkreuzt ein anderer sicher nach ein paar Schritten schon den Weg und leitet ab von der Spur. Irgend eine „neue“ Richtung „geisteswissenschaftlicher“ Art, die sich natürlich anheischig macht, die einzig richtige zu sein, lenkt sofort die Aufmerksamkeit auf sich, und alles bisher Dagewesene tritt in den Hintergrund. „Gib mir, wo ich stehen kann“, rief einst Archimedes, „und ich werde die Welt aus den Angeln heben“. Dieses Wort gilt vor allem heute, wo nicht nur das mühsam errichtete Lehrgebäude menschlicher Weisheit zusammenstürzen will, nein, wo der Boden uns buchstäblich unter den Füßen wankt und der Abgrund unter uns gähnt. Nur so ist es zu erklären, daß die einen unserer Zeitgenossen einem Sinnestaumel sich ergeben, der geradezu an Wahnsinn grenzt, während andere an jeden Strohhalm geistiger Erfahrung sich klammern, ja selbst technische Errungenschaften als gewaltigen Kulturfortschritt betrachten. Ein wildes Possenspiel, bald Komödie, bald Tragödie -. ein widerliches Gemisch von höchstem Idealismus mit schrankenlosestem „Sichausleben“: das ist unsere Zeit. Was Wunder, wenn die Menschen innerlich immer mehr verkümmern und schließlich jedes Interesse an der geistigen Welt verlieren! Wo ist ein Halt für sie, wo ist gesichertes Land?
Die Kirchen geben sich alle erdenkliche Mühe, die „Gläubigen“ darin zu bestärken, daß bei ihnen das Heil ist. Kein Mittel wird unversucht gelassen, und wenn es noch so oberflächlich und bedenklich ist, um wenigstens zahlenmäßig die Anhänger festzuhalten. Eine Veranstaltung verdrängt die andere, Kirchenfeste und Kirchentage lösen einander ab. Es ist, wie wenn man die Christen nicht zur Ruhe kommen lassen wollte, damit ein tieferes Bedürfnis sich überhaupt nicht rege. Womit sollte man dieses auch befriedigen? Darum muß „Betrieb“ sein, Betrieb um jeden Preis. Ein weitverzweigtes Vereinswesen, das zwar an Organisation nichts fehlen läßt, aber in seiner Einstellung durchaus äußerlich ist und im Untergrund vielfach politischen Zwecken dient, wurde eigens zu diesem Zweck geschaffen. Und ob hunderte von ernsten Großstadt-Seelsorgern darunter leiden, daß sie ihre beste Kraft statt den Armen, Kranken und Verirrten, den Verwaltungs- und Verbandsgeschäften widmen müssen: die Kirchenbehörden bleiben dabei, denn der Zweck heiligt das Mittel, und der Priester hat nicht persönliche Wünsche, sondern nur das Wohl des Volkes zu kennen, dieses aber ist gleichbedeutend mit der Zugehörigkeit zur Kirche. Wie das Volk innerlich zu Christus steht, ob es sein Wort im rechten Sinn erfaßt und in die Tat umzusetzen sucht, darum kümmert man sich wohl auch, aber erst in zweiter Linie. Die Hauptsache ist zur Nebensache geworden, und die Nebensächlichkeiten zur Hauptsache.
Dieser Mißstand konnte natürlich mit der Zeit auch den Laien nicht verborgen bleiben, und so traten die Sekten hervor. Nicht Bestehendes zu stürzen, sondern Vergessenes wieder in Erinnerung zu bringen, war ihre ursprüngliche Absicht, und mit heiligem Eifer oblagen sie der Erneuerung des Christentums von innen her. Es muß gesagt werden, daß ihnen diese Aufgabe in großem Umfang gelang, jedenfalls viel besser, als den Kirchen, von Ausnahmen abgesehen. Den Sekten war vor allem die Erkenntnis aufgegangen, daß nicht die Zahl beim Christentum den Ausschlag gibt, sondern der Geist, der die Mitglieder erfüllt. Für dieses Ziel brachten und bringen sie jedes Opfer und legen einen Mut an den Tag, der manchesmal staunenswert ist. Freilich übersah man dabei des öfteren die rechte Grenze, man verwechselte Undultsamkeit mit Überzeugung und wurde lieblos gegen Andersdenkende. Deshalb hielten wiederum viele sich abseits, die vom Christentum eine zu hohe Auffassung hatten, als daß sie darin einen Zwang anerkennen oder unsachlicher Beeinflussung erliegen wollten. Zugleich machte sich das Bedürfnis fühlbar, die Lehre Christi nicht nur in ihrer Bedeutung für den Einzelnen - die wurde von den Sekten sehr stark betont -, sondern auch in ihrer Weltgeltung und in den großen Zusammenhängen kosmischen Geschehens zu verstehen. Einmal war es der Weltkrieg mit seinen ungelösten Rätseln, der diese Forderung gebieterisch erhob. Sodann war es das naturwissenschaftliche Denken, das seit Darwin und Häckel immer mehr Gebildete wie Ungebildete beherr-schte. Man wollte wissen, wissen und - erleben. -
So kam eines Tages der Okkultismus und lüftete den Schleier. Es kam die wiedererwachte Mystik und verhieß den enttäuschten Menschen dasjenige, wonach sie mit allen Fasern und Fibern ihres gequälten Herzens verlangten: Die endliche Vereinigung mit Gott. Die Theologie hatte versagt; nun versuchte es die Theosophie, bald unter diesem, bald unter jenem Namen. Und Millionen lauschten ihrer Botschaft, die so ganz anders klang als die bisherige, viel vertrauter, viel beseligender. Was ist die moderne Mystik? Es ist eine charakteristische Flucht aus dem Lärm in die Stille, aus der Klarheit in die Dämmerung, aus dem Vielerlei in das Eine, aus der Zerstreuung in die Sammlung, aus dem Dinglichen in das Seelische. In solcher Reaktion gegen eine veräußerlichte Kultur trifft sie zwar mit der Mystik früherer Zeiten zusammen, unterscheidet sich jedoch vor ihr in einem wichtigen Punkte. Der moderne „Mystiker“ nämlich nimmt in seine Abgeschiedenheit den ganzen Kulturbesitz seiner Zeit, den materiellen wie den geistigen, mit hinein. Infolgedessen ist diese „neue Mystik“ bei weitem nicht so einseitig, eindeutig und charaktervoll wie die alte, sondern schillert in den buntesten Farben und vertauscht den grauen religiösen Mantel alter Mystik mit einem leichten ästhetischen Gewande. Sie wird zu einer poetischen Weltverklärung.*[2])
In dieser Tatsache liegt die Anziehungskraft der modernen Mystik, aber auch ihre Gefahr. Wie leicht verfällt der Alltagsmensch, der nur eine Stunde immer Erhebung sucht, dem Schein statt dem Sein. Wie leicht überläßt er sich in schwärmerischer Begeisterung einem unbestimmten Gefühl, das er für vollendete Religiosität hält, statt der nie trügenden „geistigen“ Empfindung in einem Christentum der Tat zu folgen! Und wie leicht entsteht dadurch jene Kluft zwischen Lehre und Leben, zwischen Theorie und Praxis, die gerade heute bei den Anhängern okkulter Weltan-schauungen so oft sich zeigt! Ja man geht selbst soweit, daß man bewußt diesen Gegensatz zuläßt und rechtfertigt mit dem Hinweis: das Geistige in uns kann niemals vom Bösen berührt werden, also kann eigentlich auch nichts uns schaden. -
Zu welchen Konsequenzen solcher Grundsatz verleiten muß, mag derjenige ermessen, der weiß, wieviel Unentschlossenheit, Trägheit und Nachgiebigkeit dem Sittlichen gegenüber dem Menschen ohnehin inne-wohnt. Die alte Mystik, besonders die christliche, macht wenigstens zu einem guten Teil bitteren Ernst mit der Weltüberwindung durch völligen Bruch mit dem Materialismus. Sie wollte wirklich der Welt entsagen, um Gott zu finden. Die neue Mystik dagegen, namentlich soweit sie von Amerika inspiriert ist, will von der Welt in einer viel raffinierteren Weise Besitz ergreifen, als es der gewöhnliche Materialismus vermag. Indes rühmt sie sich, das Gotterlebnis, zu bringen, wie nie zuvor. Okkulte Übungen werden marktschreierisch angepriesen, denn sie sollen auch dem Einfachsten ermöglichen, diesen Zustand ohne jede sittliche Anstrengung zu erreichen. Wie verlockend! Dabei steht im Vordergrund aller schriftlichen und mündlichen Belehrungen der modernen Pharisäer, wie Abdruschin die Prediger des Okkultismus nennt, stets der Erfolg. Was leuchtet dem Menschen von heute mehr ein als das? „Selbstverwirk-lichung“ heißt in seiner Sprache dieses Idol so schön; in Wahrheit ist es natürlich krassester Egoismus. Wie kann es anders sein bei der religiösen Einstellung des modernen Menschen! Oft genug hatte schon die alte Mystik in einen gewissen Pantheismus eingemündet, oder ihn doch hart gestreift. Aber selbst in diesen pantheistischen Abirrungen hatte man den allgegenwärtigen, allwaltenden Gott vor Augen, dem man nahe kommen wollte. Die Modernen dagegen stellen sich von vornherein, in vollster Erkenntnis auf den Boden des Monismus, sei er idealistisch, ästhetisch oder realistisch gefärbt, und ziehen dadurch das Göttliche herunter in den Staub oder verflüchtigen es zu einem Nichts. „In Harmonie mit dem Unendlichen!“ ist wohl ihr Ruf. Allein sie wollen nicht ihr Wesen emporheben in das Licht, dem Unendlichen entgegen; dieses soll vielmehr heruntersteigen zu ihnen, um durch sie erst seine Anerkennung zu erlangen. Welcher Wahnsinn, welche Verstiegenheit des Menschen gegenüber seinem Gott! Wir nehmen die leiseste Regung unseres Inneren unter das Mikroskop der Selbstbeobachtung. Wir analysieren, zerlegen, zerstückeln unser Seelenleben solange, bis nichts Ganzes, nichts Lebendiges mehr in unseren Händen ist, nur um vielleicht im verborgensten Winkel unserer selbst doch noch einmal den Gott zu entdecken. Umsonst! Wir begegnen lediglich der eigenen Unzulänglichkeit und Armseligkeit, wenn wir uns eitler Selbstbespiegelung und mystischem Dahinträumen ergeben. In der Tat ist niemand unzufriedener und unruhiger als der moderne Mensch. Wie Ahasver befindet er sich auf ewiger Wanderschaft. Gespalten und zerrissen in sich selbst, entbehrt er gerade dasjenige, was er so heiß ersehnt und erstrebt hat: die innere Ausgeglichenheit, die seelische Harmonie.
Allerdings öffnet der Okkultismus, Spiritismus und Mystizismus tausend Tore, um „Jenseitiges“ in den Menschen einströmen zu lassen. Allein wirkliche Hilfe wird ihm dadurch kaum zuteil. Jedenfalls ist soviel Unrichtiges, Verschwommenes und Gefährliches dabei im Spiele, daß die Warnung Abdruschins diesen Dingen gegenüber am Platze ist. Schon die- rein vernünftige Überlegung müßte uns sagen, daß Gott sich nie widersprechen kann, wenn er sich wahrhaft offenbart. Das geschieht jedoch bei sogenannten medialen Kundgebungen unzählige Male. Es soll durchaus nicht geleugnet werden, daß hochstehende Geister gelegentlich auch wertvolle Aufschlüsse vermitteln können. Dagegen bleibt die Tür zum Allerheiligsten ihnen stets verschlossen, weil sie Menschen sind und weil Göttliches für Menschen schlechthin unerreichbar ist. Was in unserer Macht steht und was bis zur höchsten Vollendung entwickelt werden sollte, das ist das Geistige in uns. Die unselige Verquickung von Göttlichem und Geistigem ist schuld, daß wir das Nächstliegende nicht mehr sehen; sie ist das eigentliche Hindernis für das Fortschreiten auf dem Wege zum Licht. Der moderne Mensch will fliegen, bevor er laufen gelernt hat, ja er will fliegen, obwohl ihm keine Flügel gewachsen sind, wie einstens Ikarus. Die Begeisterung für östliches Yogatum und westliche Neugedankenlehre ist nicht anders zu verstehen.
Bleiben wir nüchtern, bleiben wir sachlich! Das Reich Gottes kommt nicht in äußerer Gebärde, sondern durch den Erweis seelischer Kraft. Erst wenn wir einmal ganz aufrichtig geworden sind gegen uns selbst, dürfen wir hoffen, geistig zu wachsen und langsam, langsam aufzusteigen dorthin, wo das Paradies uns winkt. Freuen wir uns, die Entscheidung naht! Nicht lange mehr soll das Böse Macht behalten unter uns. Unbeirrt in allem Streit der Meinungen, in dem Hader der Parteien und Konfessionen laßt uns feststehen in dem Wort desjenigen, der gesprochen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Dann brauchen wir nichts zu fürchten, sondern können getrost dem Endkampf entgegengehen. In Abdruschins Gralsbotschaft haben wir die brennende Lampe, die unsere Seele als kluge Jungfrau hineinträgt in alle Finsternis und. erleuchtet diejenigen, die noch in Todesschatten weilen. Denn heute stehen wir endlich dicht vor der Stunde, wo der nächste große Abschnitt in der Schöpfung kommt, der- unbedingter Aufschwung ist und das bringt, was schon der erste Abschnitt mit der Menschwerdung bringen sollte: die Geburt des durchgeistigten Vollmenschen. ,
Des Menschen, der fördernd und veredelnd auf die ganze grobstoffliche Schöpfung wirkt, wie es der eigentliche Zweck der Menschen auf Erden ist. Dann ist kein Raum mehr für den niederhaltenden, an Raum und Zeit geketteten Materialisten. Ein Fremder wird er sein in allen Landen, heimatlos. Er wird verdorren und vergehen wie Spreu, die sich vom Weizen scheidet. „Gebt acht, daß ihr bei dieser Scheidung nicht zu leicht befunden werdet!“ (Abdruschin: Im Lichte der Wahrheit, S. 22.)
Gralslehre Abdruschins und exakte Wissenschaften
Von
Dr. Kurt Illig, Berlin
Mit exakten Naturwissenschaften bezeichnet man die auf mathematischer Gesetzmäßigkeit und Folgerichtigkeit aufgebauten großen Wissens-gebiete der Physik und Chemie, sowie die auch in alle beschreibenden Naturwissenschaften eindringende physikalische Chemie. Wie schon der Begriff „mathematische Gesetzmäßigkeit“ klar und unzweideutig zum Ausdruck bringt, kann es sich bei der Lehre über alle Erscheinungsformen der exakten Naturwissenschaften, wenn sie richtig erfaßt und beschrieben werden, nur um die Erfassung der einzig und allein richtigen Gesetz-mäßigkeit handeln. Die Mathematik wurde aber aus dem Grunde dem Begriff der Gesetzmäßigkeit der Naturerscheinungen zugrunde gelegt, weil sie die Wissenschaft ist, welche in allen Varianten das richtige Ergebnis liefern soll, gleichgültig, welche rechnerischen Wege für die Lösung einer Aufgabe eingeschlagen werden. Handelt es sich beispielsweise darum, festzustellen, wie oft man vier einzelne Pfennige abzählen muß, um einhundert Pfennige zu erhalten, so ist es gleichgültig, ob man dies fünfundzwanzigmal wiederholt oder ob immer je vier Pfennige fünfmal zu zwanzig Pfennigen vereinigt werden und dieses Verfahren fünfmal wiederholt wird usw.; jedesmal wird das Endergebnis einhundert sein, denn die mathematische Gesetzmäßigkeit sagt aus, daß 25X4 einhundert beträgt und 25 durch Multiplikation von 5X5 erhalten wird. Demnach wird 100 aus dem Produkt von 5X5X4 erhalten, sodaß auch 5X4 = 20X5 = 100 ergibt.
Wie aber auch die mathematisch entwickelten Formeln beschaffen sein mögen, ihre Richtigkeit wird immer bestätigt, gleichgültig, welche Zahlen in die linke oder rechte Seite der Gleichung eingesetzt werden, um eine unbekannte Größe zu errechnen. Die Mathematik läßt daher einen Trugschluß in keinem Falle zu, wenn die Voraussetzungen richtig sind.
Wenn man die exakten Naturwissenschaften daher auf die mathe-mathische Gesetzmäßigkeit gründet, so hat man dabei im Auge, für die Analyse jeder Betrachtung die logische Folgerichtigkeit vorauszusetzen. Dies trifft auch zu, solange es sich um sichtbare und mit Hilfsmitteln wahrnehmbare Erscheinungen handelt. Wird z. B. von einem hohen Turm ein Gewicht fallen gelassen, so kann man Beginn und Ende des Falles beobachten, durch Zeitmessung die Fallgeschwindigkeit feststellen und durch Vergleich mit der Fallgeschwindigkeit aus verschiedenen Höhen die Beschleunigung errechnen und hierfür eine mathematische Formel aufstellen, deren Richtigkeit bei richtigen Voraussetzungen immer wieder bewiesen werden kann. Ebenso liegen die Verhältnisse in der Chemie.
Sobald es sich aber um die Betrachtung von Erscheinungen handelt, die wir weder mit dem Auge noch mit einwandfreien Hilfsmitteln quantitativ oder gar in ihrem Wesen erfassen können, hört die exakte mathematische Erfassung auf. Ein großes Raten greift Platz, ein Meinungskampf setzt ein, der vielfach sogar in Rechthaberei ausartet. Es werden häufig auch Formeln aufgestellt, diese sollen aber nur für den Fall Gültigkeit haben, daß die jeweilige Ansicht die richtige ist. Wir haben es mit einer Annahme, einer Hypothese zu tun. Die Voraussetzung wird also nur angenommen. Es sei hier nur an die Atemforschung erinnert. Die besten Köpfe machen es sich zur Lebensaufgabe, Licht in das geheim-nisvolle Walten ungeheurer Kräfte zu bringen, wie sie in jedem Atom nach einem großen unumstößlichen Urgesetz in kleinstem Raum aufgespeichert sind. Feinsinnigste Betrachtungen sind aufgestellt, großartige Berechnun-gen ausgeführt worden. Vieles ließ sich auch experimentell beweisen, aber noch viel mehr harrt der Aufklärung. Hypothesen sind außerordentlich zahlreich aufgestellt worden, um eine eventuell mögliche Erklärung zu geben, und von jedem wirklich ernsten Forscher auf diesem Gebiet wird auch für die von ihm aufgestellte Hypothese eine streng logische Berechnung durchgeführt. Aber, wie gesagt, es handelt sich um Annahmen, sodaß auch für die Berechnungen nur die aus solchen Annahmen resultierenden Voraussetzungen, welche mit den wirklichen Voraussetzungen nicht übereinstimmen müssen, Gültigkeit haben. Erst wenn durch immer wiederholbare praktische Versuche ein vollgültiger Beweis für die Richtigkeit der Hypothese geliefert ist, sind die für diese Annahme aufgestellten Voraussetzungen richtig und die Hypothese wird zur Theorie, d. h. zur mathematischen absoluten Gesetzmäßigkeit erhoben. Gleichzeitig wird aber die Unrichtigkeit anderer, den gleichen Vorgang behandelnder Hypothesen bewiesen, die hiermit im Zusammenhang stehenden Berechnungen widerlegt und somit dargetan, daß diesen falsche Voraussetzungen zugrunde gelegen haben.
Während obige Ausführungen kurz darlegen sollen, was man unter mathematischer Gesetzmäßigkeit versteht, und wie sich der exakte Naturwissenschaftler ihrer bedienen soll, müssen wir uns nunmehr mit dem Begriff der Gesetzmäßigkeit selbst befassen. Wir bezeichnen mit ihr etwas, das maßstäblich oder mathematisch ausdrückbar immer bei gleich richtigen Voraussetzungen reproduziert wird oder reproduzierbar ist.
Nach einem ehernen Gesetz dreht sich die Erde in 24 Stunden einmal um ihre Achse. Hier ist der Maßstab die Zeit, und wir machen bei dieser Betrachtung die Voraussetzung, daß der Maßstab für den Zeitbegriff eindeutig festgelegt ist. Aber wie haben wir ihn gefunden? Nicht anders als durch genaue Ermittlung einer Umdrehung der Erde um ihre Achse. Dieser regelmäßige Ablauf einer sich immer wiederholenden Bewegung ist der Ausdruck für den Zeitbegriff an sich. Die Einteilung dieser ehemaligen Umdrehungszeit in 24 Stunden ist willkürlich vorgenommen worden, trägt jedoch, infolge ihrer aus kosmischem Ursprung hergeleiteten Art den Stempel des Absoluten. Absolut, d. h, unumstößlich richtig, sind jedoch nur die Vorgänge, die ohne menschliche Eingriffsmöglichkeit im großen Naturgeschehen, im All, jederzeit, also immer wieder in ein und derselben Weise abrollen. Es ist dabei gleichgültig, wann wir einen solchen natürlichen Vorgang betrachten, er wird niemals anders ablaufen, sofern nur die sämtlichen richtigen Voraussetzungen im Augenblick der Betrachtung vorhanden sind; also irgend einmal früher, jetzt, in diesem Augenblick oder irgend einmal in der Zukunft. Wir haben schon in dieser Tatsache einen Ausdruck für den Begriff der Unendlichkeit Denn wenn sich ein natürlicher Vorgang irgend einmal nicht mehr in der gleichen, früher beobachteten Weise abspielen würde, dann wäre sein Bestand endlich begrenzt. Es kann aber keine Naturerscheinung bei gleichen Vorbedingungen irgend einmal in anderer Art und Weise abrollen, weil eine derartige Abweichung bei diesen oder jenen Vorgängen bereits einmal eingetreten sein müßte, wodurch aber infolge der Abhängigkeit jedes Vorganges von weiteren, vorangegangenen anderen Vorgängen, das große Gebäude des All längst zusammengebrochen sein müßte. Alles, was sich jedoch in der Unendlichkeit der Zeit und gleichermaßen auch in der Unendlichkeit des Raumes immer wieder bei gleichem Zusammentreffen der einmal gegebenen Grundbedingungen ohne jegliche Veränderung abspielt, ist unumstößliche Gesetzmäßigkeit.
Der Mensch kann daher in den exakten Naturwissenschaften nichts anderes tun, als festzustellen, welche Gesetzmäßigkeiten im All, also überall, bei, jedem Vorgang vorherrschen. Als Ausdrucksmittel für die Einkleidung der gewonnenen Erkenntnisse in klare Formulierungen steht ihm die naturgesetzmäßige und daher logische Mathematik zur Verfügung. Er lauscht der Natur ab, forscht, erkennt. Zieht genialer Erfindergeist, getrieben von dem Verlangen, eine Erkenntnis menschlichem Fortschritt nutzbar zu machen, die richtige Lehre aus diesem ihm gewordenen Wissen, so schafft er künstlich alle Voraussetzungen, die eine folgerichtige Abwicklung des gleichen Vorganges gewährleisten. Er schöpft also aus der Gesetzmäßigkeit des All und steht mit dem richtigen, von ihm geleiteten Werk mitten in der Naturnotwendigkeit. Übersieht er irgendeine Vorbe-dingung, so bleibt der gewollte Effekt aus, er handelt unnatürlich.
Natürlich und unnatürlich, Wahrheit und Verirrung, es sind dieselben Gegensätze. Natürlich, allein absolut gesetzmäßig ist das gesamte große Geschehen im All, das Sichtbare und Unsichtbare. Was der eine noch genau erkennt, der Andere kann nichts davon bemerken, es hängt der Umfang des Sehens davon ab, wie stark sein Erkennungsvermögen ausgeprägt ist, das organische und das geistige. Es ändert dieses menschliche individuelle Erkennungsvermögen jedoch nichts an dem Vorhandensein der Erscheinungen. Denn wenn der eine Mensch noch etwas sieht, was einem anderen unsichtbar bleibt, so liefert ja der erstere den Beweis, daß es nur eine Schwäche des zweiten ist, wenn er blind bleibt. Der eine Mensch kann kraft seiner besonderen Fähigkeiten über das irdisch Sichtbare hinaus dringen und mehr erkennen als sein Bruder, der diese Kraft nicht besitzt und darum nur das sieht, was seine Augen ihm vermitteln. Trotzdem kann er die Berichte, die ihm der erste von dem, was er bei größerem Sehfeld erkannt hat, gibt, nicht hinwegleugnen, vor allem dann nicht, wenn er an immer wiederkehrenden natürlichen Tatsachen, die er allein nicht erklären konnte, sieht, daß ihm Wahres vermittelt wurde.
Von jeher haben die Menschen den Versuch gemacht, über ihre Erdgebundenheit hinaus vorzudringen in das ihnen rätselhafte All. Jedes, auch das primitivste Naturvolk hat empfunden, daß es eine Macht oder Mächte gibt, die das große Geschehen folgerichtig mit großer Güte und unerbittlicher Grausamkeit zugleich bestimmen und leiten. Religionen, Glaube, Aberglaube, Furcht und Weltanschauungen sind der Ausdruck dieses schlummernden Bewußtseins. Weitenlehrer sind gekommen, haben den Fragenden Erklärungen zu geben versucht und breite Spuren ihres Wirkens hinterlassen. Aber unbefriedigt, mangels der Möglichkeit logischer Beweisführung, ging das Fragen weiter, das Fragen nach der unerschütterlichen Wahrheit, nach dem Natürlichen, nach unumstößlicher Gesetzmäßigkeit.
Woran aber erkennt man die Wahrheit, das absolut Richtige? Blindes Glauben allein ist kein Beweis. Nur das Erkennen, daß das wahre Geschehen überall, in allem, im Materiellen und im Geistigen, in denselben Gesetzmäßigkeiten verankert ist, kann dem Fragenden volle Gewissheit bringen. Es muß also, um eine Übereinstimmung zwischen den Gesetzmä-ßigkeiten im materiellen und geistigen Geschehen feststellen zu können, zu mindest eine der beiden Geschehensarten in vollem Umfange bekannt sein. Die andere Art läßt sich dann durch vergleichende Untersuchung aufbauen, die Richtigkeit oder Abweichung des Gefundenen durch praktische Beweisführung ermitteln.
Betrachten wir nunmehr die von Abdruschin in seinem Buche „Im Lichte der Wahrheit“ und den nachfolgenden Vorträgen kurz „Gralslehre“ genannte Lehre von dem geistigen Geschehen im All, so drängt sich dem exakten Naturwissenschaftler sofort die Frage auf, ob es ihm gelingt, eine Übereinstimmung zwischen den in der Gralslehre ausgesprochenen Gesetzmäßigkeiten des geistigen Geschehens und den bisher als unum-stößlich richtig erkannten physikalischen Gesetzen festzustellen. Es ist dabei belanglos, daß erst ein Teil des materiellen Geschehens gesetzmäßig erfaßt ist. Sicherlich findet sich genug von allen Fundamentalen, das mit den gleichartigen, in der Gralslehre ausgesprochenen Gesetzmäßigkeiten des geistigen Geschehens zum Vergleich herangezogen werden kann.
Was beim Vertiefen in die Gralslehre sofort auffällt, ist der wesentliche Unterschied dieser Lehre gegenüber anderen philosophischen und Weltan-schauungslehren, daß nicht eine Meinung ausgesprochen wird, sondern ein geradezu selbstverständlicher Tatsachenbericht über das gesamte geistige Geschehen vom ersten Ursprung feststellbaren Konsequenz gegeben wird. Jeder mit genügender Eigenkritik ausgestattete Leser kann die in der Gralslehre ausgesprochenen Wahrheiten an sich, in sich und an seinem Handeln und dessen Folgerungen beobachten. Wenn wir mit unserem geistigen Auge auch nicht bis in die höchsten Sphären folgen können, so ist dies kein Grund, dem, was uns Abdruschin hierüber vermittelt, keinen Glauben zu schenken. Wir werden mit unseren organischen Augen auch nicht in ein Atom und dessen Aufbau und Wirken eindringen können, und doch wissen wir, daß Atome tatsächlich vorhanden sind und daß sie Eigenschaften besitzen, die weitgehende Rückschlüsse auf die in ihnen schlummernden Kräfte und deren Ursprung zulassen.
Wir beschäftigen uns stets mit der Frage nach dem Wesen der Unendlichkeit in Zeit und Raum und müssen zu mindest feststellen, daß unsere Erde nur ein winziges Sandkorn im großen Gebäude des All ist. Und dann besteht diese Welt nicht aus einem toten Klumpen, sondern stellt eine einzige Bewegung dar, da ja jeder Baustoff, jedes Atom unserer Erdmasse sich in einer in sich geschlossenen Bewegung befindet. Warum soll da nicht auch das gesamte All in einer in sich geschlossenen Bewegung sein! Und warum sollte das geistige Geschehen im All etwa eine Ausnahme machen und mit Geburt und Tod Anfang und Ende haben. Da jede Bewegung vorwärtstreibend wirkt und sogar dann, wenn sie selbst aufhört, Bewegung zu sein, in unabänderlicher Folgerichtigkeit mengenmäßig gleiche Kräfte auslöst, die wiederum mit dem Zeitablauf vorwärts treiben, kann doch bewußt geistiges Dasein nicht mit der Geburt seinen Anfang nehmen, sondern es muß aus einer zeitlich davor liegenden geistigen Bewegung verursacht sein. Dasselbe gilt vom Tod. Der Endpunkt der geistigen irdischen Gegenwart bedeutet nichts anderes als der Abschluß einer Bewegungsart, um in einer neu aus derselben entstehenden, die gleiche Energie enthaltenden anderen Bewegungsart Fortsetzung zu finden. Das fundamentale Gesetz der exakten Naturwissenschaften, auf dem sich die gesamte physikalische Welt aufbaut, ohne daß kein Vorgang, welcher Art er auch sei, überhaupt denkbar ist, heißt „daß Gesetz von der Erhaltung der Energie“. Es sagt aus, daß bei der Umwandlung irgendeiner Energieform in eine beliebige andere Energieform die vorher vorhanden gewesene Energiemenge in vollem Umfang erhalten bleibt. Es kommt nichts hinzu, nichts geht verloren. Also muß auch die gesamte im All vorhandene Energie stets dieselbe sein. Es ist dies in jeder Art experimentell beweisbare Gesetz die mathematisch beantwortete Frage nach dem Woher und Wohin in der gesamten materiellen Welt. Wenn daher im geistigen Geschehen von jedem Menschen die gleiche Frage gestellt wird, so kann es nur die eine Antwort geben. Erhaltung der geistigen Energie. Wäre dem nicht so, dann müßte es zwei absolute Gesetzmäßigkeiten im All geben.
Dies ist jedoch unmöglich, da gerade der Mensch beide großen Energiearten in sich vereinigt trägt. Die eine Art greift in die andere über. Mit Willen, Bewußtsein lenkt der Mensch seine Bewegungen, also materielle Energieumwandlungen und sein Gedankenwerk, demnach geistige Energieumwandlungen. Von ersteren ermüdet sein Körper, er verliert an aufgespeicherten Kräften und muß in Form der Nahrung neue Energie aufnehmen. Aber auch Geistesarbeit zieht Ermüdung nach sich, der Mensch muß ausruhen, schlafen. Erfrischt kann er wieder weitere Geistesarbeit leisten, sein Geist hat Nahrung empfangen. Aus dem Nichts? Das Gesetz von der Erhaltung der Energie sagt deutlich aus, daß keine Energie nur aus anderer Energie erzeugt werden kann. Also woher kommt dann die Erfrischung? Wie alle Kräfte aus dem All. Dabei ist belanglos, ob uns diese Energien sichtbar sind oder unsichtbar Wir können auch Elektrizität und Magnetismus nicht sehen, Wärme und Röntgenstrahlen sind uns ebenso unsichtbar, nur an ihren Wirkungen können wir sie erkennen, und ihre mengenmäßige Größe messen. Und in gleichem Maße, mit denselben Energieeinheiten, die wir unseren vergleichenden Messun-gen zugrunde legen, können wir auch zahlenmäßig ermitteln. Wir bedienen uns z. B. hierfür der psychoanalytischen Untersuchungsmethoden.
Abdruschin hat in seiner Gralslehre auch nichts anderes ausge-sprochen, als das Gesetz der Erhaltung der Energie in geistiger Beziehung. Er geht aber weiter und beschränkt sich nicht auf die Feststellung dieser Tatsache, sondern beschreibt die einzelnen Energieformen, schließt also damit den Kreis der sämtlichen möglichen Umwandlungen und gibt in logischer Konsequenz ein Bild von den verschiedenen, für jeden in sich als Einheit bestehenden Geist erreichbaren Energiestufen. Genau wie bei der Abrollung materieller Vorgänge, (je nach den praktischen Vorausset-zungen), die gewünschte Energieausbeute - auf Grund der in anderer als der gewünschten Form auftretenden Energieverluste - größer oder kleiner, im ungünstigsten Falle sogar gleich Null ist, gibt Abdruschin ein klares Bild von den Folgen rationeller oder verschwenderischer Verwendung der Kraft des Geistes. Über den Kreislauf dieser Bewegung geht er noch weit hinaus und zeigt uns die primäre Stellung der Geisteskraft über das materielle Geschehen, indem er den Ursprung des gesamten Geschehens auf die allein richtunggebende Schöpfung aus dem Göttlich-Wesenlosen zurückführt. Es findet daher nicht nur jeder suchende Mensch, sondern erst recht der in logischem Denken geübte exakte Naturwissenschaftler in der Gralslehre den für das gesamt Geistige und Materielle nach den gleichen Gesetzen ablaufenden Ursprung der absoluten Gesetzmäßigkeit. Wie haarscharf dieselben Gesetze in der geistigen und materiellen Erfüllung, bei genauester Auswertung der Gralslehre miteinander übereinstimmen, muß jedoch ausführlichen Einzelbetrachtungen vorbe-halten bleiben.
Moderne Medizin
von
Hofrat Med.-Rat Dr. Leopold Ceipek, Innsbruck
Modern mit der Betonung auf der zweiten Silbe und modern mit der Betonung auf der ersten Silbe haben offenbar nicht umsonst das gleiche Wortbild, denn alles Moderne im üblen Sinn, das in Mode Gekommene, ist auch wieder bestimmt, rasch zu vermodern. So dürfte es wohl meiner Überzeugung nach auch mit einem großen Teil der modernen Medizin der Fall sein.
Man darf mich nicht mißverstehen, ich bin nicht einer von jenen, der die Wege, die von der Medizin in den letzten Jahrzehnten beschritten wurden, mißachtet, aber es sind im Großen und Ganzen Seitenwege gewesen, und wer immerfort Seitenwege geht, verliert schließlich die große Richtung und geht irre. Auf einem solchen Wendepunkt scheint die Medizin heute angelangt zu sein.
Wenn wir die Forschritte der Medizin in den letzten Jahrzehnten ein wenig überblicken, so war es im Wesentlichen der technische Fortschritt in allen möglichen Disziplinen, der wie überall auch in der Medizin befruchtend gewirkt hat, der aber auch seine dem mehr Materiellen zuneigende Richtung hineingetragen hat. Die technischen Fortschritte in der Mikroskopie, der Färbung und des Schneidens haben viele neue Entdeckungen in der Bakteriologie und Histologie (Gewebelehre) gebracht, die Fortschritte in der Chemie brachten die Erkenntnisse der Zusammensetzung der Ausscheidungen des Körpers und die Lust, sie bis in alle Details zu analysieren, es wurden allerhand Apparate ersonnen und konstruiert, um Blutkörperchen zu zählen, zu färben, um Blutdruck zu messen, es werden Atemkurven gezeichnet, Elektrokardiogramme der Herztätigkeit und des Pulses aufgenommen, der technische Fortschritt in der Chirurgie hat den Mut zu den waghalsigsten Operationen gegeben, aus der Bakteriologie hat sich die große Serumlehre entwickelt durch die technischen Möglichkeiten, Serum für allerlei Krankheiten zu erzeugen, die Lehre von den inneren Sekreten der Drüsen, der Hormone, hat wieder neue Möglichkeiten geschaffen, dem Körper allerhand einzuspritzen, die Injektionstechnik selbst hat sich so vervollkommnet, daß man selbst direkt In die Blutbahn ungestraft einspritzen kann. Dabei haben sich diese Seitenlehren der Medizin so entwickelt und sind so kompliziert geworden, daß sich daraus ein Spezialistenwesen für ganz eng begrenzte Gebiete der Medizin ergeben mußte. Ich übertreibe, aber wer übertreibt nicht, wenn er überzeugen will, wenn es so weiter geht, so wird es so weit kommen, daß es einen Spezialisten für das rechte, oder das linke Ohr geben wird, je nachdem, ob er ein Rechts- oder Linkshänder ist, oder ob er das komplizierte Instrumentarium für das eine oder das andere Ohr hat.
Wie herzlich würde Paracelsus, oder irgend eine andere der alten Größen in der Medizin lachen, wenn er hörte, daß der Spezialist für Nasenkrankheiten sich gar nicht mehr getraut, eine Diagnose am Auge zu stellen, oder an einem anderen Organ, sondern hierzu den Spezialisten der anderen Klinik benötigt. Der Internist wird sich begnügen, den Kranken als Reservoir für allerhand Sekrete und Exkrete auf zufassen, die er untersuchen muß, verbringt seine Zeit hauptsächlich im Laboratorium und vertröstet den Kranken bis zu seinem nächsten Erscheinen am Krankenbett mit irgend einem symptomatischen Mittel, das ihm die geschäftige chemische Industrie in die Hand gedrückt hat Wir sind ja schon so weit, daß nicht mehr genug Namen für die neuen Heilmittel erfunden werden können, aber hier unterstützt ja sehr das Patentamt und das Amt für Wortschutzmarken, daß kein Irrtum geschieht. Der Blick für die Krankheit am Krankenbett im Allgemeinen, wie ihn die alten Größen in der Medizin hatten, wird nicht genügend geschult und geübt.
Die Medizin selbst hat diesen schweren Mangel der Zersplitterung empfunden und es haben sich zwei Disziplinen entwickelt, die sich wieder mehr die Aufgabe stellen, die Wege zu vereinen, Richtung zu geben und zu sichten, es sind die Hygiene und namentlich die Biologie. Sie halten sozusagen das große Gebäude der Medizin wieder ein wenig zusammen. Sie ordnen und klären. Ein besonderes Verdienst der Biologie ist es, daß sie auch auf andere Wissensgebiete hinweist, und sie scheint auch in letzter Zeit endlich der rein materialistischen Weltanschauung entgegenzutreten, während es doch gerade besonders Aufgabe der Medizin wäre, hier bahnbrechend vorauszuschreiten.
Der größte Fehler der Medizin aber der letzten Zeit war meiner Überzeugung nach der, daß sie ihren ganzen Stolz viel zu sehr auf die Feinheit der Diagnose, der Krankheitserkennung, setzte, während sie die Therapie, die Heilung der Krankheit, viel zu sehr vernachlässigt hat. Ich meine natürlich wirkliche Heilung, nicht nur symptomatische Behandlung. Ist es nicht traurig, daß es trotz aller Fortschritte in der Medizin immer noch ein ganzes Heer unheilbarer Krankheiten gibt. Daß es so, oft vor-kommen muß, daß nach langen und mühseligen Untersuchungen der Arzt kopfschüttelnd erklären muß, hier kann ich nicht helfen. Dem Kranken ist es ganz gleich, was ihm fehlt, wenn er nur wieder gesund wird. Hier, glaube ich, haben die alten Ärzte viel mehr geleistet, weil sie immer bestrebt waren, zu helfen, wo und wie sie nur konnten. Das ist wohl auch der Grund, warum der sogenannte Kurpfuscher manchmal dem akademi-schen Arzt den Rang abläuft, weil er sich in erster Linie auf die Therapie verlegt, und zwar auf eine möglichst naturgemäße Therapie, nicht eine verstandesgemäß erklügelte, technisch hochwertige, die das Publikum langsam satt hat.
Gewiß mag es manchmal von Vorteil sein, wenn wir statt der Droge lieber gleich den chemisch isolierten wirksamen Bestandteil derselben dem Kranken reichen, aber schütten wir vielleicht andererseits nicht auch manchmal dadurch ein Kind mit dem Bade aus und verwehren dem Kranken Bestandteile in der Droge, die wir noch gar nicht kennen? Haben denn die alten Ärzte ganz grundlos darauf gedrungen, daß irgend eine Droge einen ganz bestimmten Standplatz haben, oder in einer ganz bestim-mten Zeit gesammelt werden muß, weil sie astralen Einflüssen ausgesetzt war, die ihr sonst mangeln. Finden wir nicht ähnliche Anschauungen im Volksglauben, oder in der Volksmedizin? Haben wir denn gar so viel Grund, über all dies in unserem Wissensdünkel zu lächeln? Warum bemühen wir uns nicht lieber, allen diesen Feinheiten nicht des Verstandes allein, sondern des Glaubens und des Gefühles nachzuspüren. Aber da kommen wir bei einem Großteil der heutigen Wissenschaft schön an. Wir werden entweder als Dummköpfe angesehen, oder als Narren. Wenn einfach der Urgrund dessen, wo wir einsetzen wollen, geleugnet wird, nämlich, daß es auch eine Seele gibt, daß es etwas gibt, was Seele und Leib verbindet, nennen wir es nun Od, oder feinstoffliches Wesen, oder wie wir wollen. Wenn dies einfach geleugnet wird, wie wollen wir weiterkommen?
Gerade hier kann ganz neuer Weg betreten werden, und er ist schon betreten worden, sogar mit großem Erfolg betreten worden. Ich brauche ja nur an die staunenswerten Erfolge vieler magnetischer Kuren zu erinnern, Kuren der Handaufleger, Kuren durch Fernwirkungen, die wohl auch vielfach schon von ernsten wissenschaftlichen Kreisen nicht von der Hand gewiesen werden und Beachtung finden. So ganz pessimistisch brauchen wir wohl nicht zu denken. Es regt sich schon da und dort im Wasgenwald. Hier kommen wir freilich mit den bisherigen rein materialistischen Welt-anschauungen nicht aus. Vielleicht wird hier die Praxis der Wissenschaft vorauseilen, wie dies ja auch schon öfters der Fall gewesen ist.
Leben ist Bewegung. Nehmen wir die Schwingung als Urbewegung an, so können wir uns ganz zwanglos die Seele als eine feinst Schwingende denken, das feinstoffliche Wesen schon gröber schwingend und die Materie als das am gröbsten Schwingende, das sich eben zur Materie verdichtet hat. Schwingungen lassen sich beeinflussen. Sollten wir nicht eine Schwin-gungstherapie mit den heute zu Gebote stehenden physikalischen Hilfs-mitteln treiben können, die selbst die Schwingungen des feinstofflichen Körpers beeinflußt und damit noch viel wirksamer ist, als eine Therapie, die nur rein materiell bleibt?
Lassen sich nicht auf diese Weise auch am ungezwungensten ver-schiedene Wunderkuren erklären, die bisher nicht recht erklärbar waren? Voraussetzung hierfür ist ja vielleicht eine besondere Beschaffen-heit, sei es des Kranken, oder des Heilenden. Könnten wir uns aber nicht auch von solchen Zufällen abhängig machen? Wäre dies nicht ein neuer Weg? Sollte dies bei den heutigen Fortschritten der Physik nicht möglich sein? Ist es nicht traurig, daß wir noch immer so viele unheilbare Krankheiten haben, ja daß selbst oft scheinbar leicht zu heilende Krankheiten die größten Schwierigkeiten der Heilung entgegensetzen können. Wer von den Ärzten kann es leugnen, daß man manchmal nicht einen ganz gewöhnlichen Gelenkrheumatismus sicher zu heilen imstande ist? Oder eine gewöhnliche Nervenentzündung, oder eine Neuralgie oder eine Nervenlähmung? Trotz des ganzen Stabes von Hilfsmitteln, die uns die moderne Medizin an die Hand gegeben hat.
Wir Ärzte wollen in erster Linie helfen, und die Patienten wollen in erster Linie, daß ihnen geholfen wird. Den Helferwillen müssen wir haben, dann werden wir auch nicht im Eigendünkel uns über Dinge erheben, die wirklich neue Wege weisen, und die zu erforschen und zu betreten wir in Zukunft uns bemühen sollen.
Wir dürften vor der Wiege einer Umwälzung der ganzen Medizin stehen; denn ich lernte Menschen kennen, deren Wirken wohl mehr als alle bisher bekannten Hilfen geeignet ist, das Heer der unheilbaren Krank-heiten zu verkleinern und scheinbar Wunder zu vollbringen, dabei muß man jedoch an Voraussetzungen glauben und glauben lernen, an die zu glauben uns unsere bisher so materialistische Weltanschauung verboten hat.
Abdruschins Fragenbeantwortungen:
Frage: In einem Artikel der Münchner Neuesten Nachrichten Nr. 181 wird unter Anderem geschrieben: „Die Durchbohrung des Leibes Christi und dessen Aufrichtung am Kreuze war das welthistorische Ereignis der Versöhnung der Gottheit mit der Menschheit, war das wichtigste Gescheh-nis aller Geschichte, auf welches vor Christus und nach Christus mehr oder weniger alles tiefere religiöse Denken sich bezieht.“
Ich las nun kurz vorher den mir sehr einleuchtenden Vortrag Abdruschins über den Kreuzestod des Gottessohnes in Heft 1 und 2 der Serie II der Gralsblätter. Könnte nicht eine diesem Vortrage entsprechende Antwort in der gleichen Zeitung erfolgen? Es würden sicherlich viele Menschen. starkes Interesse daran nehmen.
Antwort: Wenn diese Anschauung die Tiefe religiösen Denkens bezeichnen soll, so steht es schlimm damit. An einer Tageszeitung werde ich mich nicht betätigen. Ganz abgesehen davon, daß die Zeitung jedenfalls die Aufnahme eines gegenteiligen Artikels ablehnen würde, um die zu bitten, ich mich nicht entschließen könnte, weil ich meine Vorträge selbst viel zu ernst nehme, so bliebe mir auch bei bestem Wollen keine Zeit dazu. Aber auch die Achtung vor der Sache selbst verbietet mir, mich damit an den öffentlichen Meinungsaustauschen in Tageszeitungen zu beteiligen. Ein jeder wirklich ernsthaft suchende Mensch wird sich mit derartigen Aufsätzen und Ausführungen auch nicht begnügen und zuletzt noch den Weg zu meinen Vorträgen finden, um dann wie Sie die Unrichtigkeit vieler bisherigen Anschauungen mit Erschrecken zu erkennen. Da Sie den Vortrag schon gelesen haben, erübrigt sich für mich ein näheres Eingehen auf die Sache selbst.
Wer überdies nur einigermaßen unbeeinflußt zu denken vermag, muß in der in den Münchner Neuesten Nachrichten vertretenen Ansicht einen bedenklichen Haken finden, der ihn nicht zur Ruhe kommen läßt, und ihn erst recht zu ernstem Suchen nach der Wahrheit drängt. Es dürfte doch wohl jedem in sich lebendigen Menschen sehr schwer fallen, anzunehmen, daß ausgerechnet ein Verbrechen und Mord an dem aus dem Göttlichen hervorgegangenen Boten die Versöhnung dieser Gottheit mit der Menschheit herbeiführen soll!
Gott ließ seinen Sohn aus aller Herrlichkeit heraus auf diese düstere Erde unter die Menschen gehen, welche von ihm abgewichen waren, um diesen den Weg hinauf in sein lichtes Reich zu zeigen. Durch die Erklärungen in seinem Wort, die man auch Botschaft oder Lehre nennen kann. Daß diese Menschheit, der die Botschaft Gottes galt, den Boten dann verwarf, in Haß verfolgte und zuletzt noch marterte und mordete, war eine Folge ihrer Sünde oder ihres Unrechtes, den irdischen Verstand an Stelle Gottes zu ihrem eigentlichen Herrscher erhoben zu haben. Statt diese neue Schuld als Frucht des großen Sündenfalles aber später einzusehen, erhob man diese Bluttat und Verwerfung des Gottesbotens schließlich noch zu einem alles überstrahlenden Versöhnungsfeste der also verbrecherischen Menschheit mit der in diesem Mord durch sie beschimpften Gottheit! Doch ein ziemlich starkes Stück. Wie stellt sich wohl die sonderbare Menschheit ihre Gottheit vor, daß sie wähnt, derartig ungestraft mit ihr verfahren zu können.
*
Frage: Es heißt doch vielfach: „Das Lamm Gottes, welches der Welt Sünden trägt“! Abdruschins Vortrag: „Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl“ aber erklärt in mir verständlichen Ausführungen, daß Christus nach den unabänderlichen Gesetzen des Schöpfers nicht die Sündenlast der Welt auf sich nehmen konnte. Wie erklärt Abdruschin nun diesen Widerspruch?
Antwort: In dem Worte selbst liegt kein Widerspruch. Dieser liegt lediglich in bisher falscher Deutung. „Siehe das Lamm Gottes, das der Welt Sünden trägt“ heißt durchaus nicht, daß es die Sünden der Welt und die Schuld der Menschheit auf sich genommen hat, also dieser und diesen abgenommen hat, wie es die bequeme Menschheit in ihrer bekannten grenzenlosen Anmaßung gern haben möchte, sondern: „In den Wundmalen trägt Christus der Welt Sünde, ihr Verbrechen sichtbar, das an ihn als den Gottesboten begangen wurde.“
Das Lamm trägt die Wahrzeichen der Sünde der Welt als dauernde Anklage! Durchaus nicht als Versöhnungszeichen.
Es wird auch in den Gesichten Johannes mehrfach ganz besonders anklagend wiederholt: „Das Lamm, das erwürget wurde!“ Dieser Aus-druck, der vielfache Ausruf der Ältesten vor dem Throne Gottes bei dem Gericht, klingt durchaus nicht als Versöhnungsjubel, sondern als Klage, und zeigt unverkennbar das damit geschehene Verbrechen an.
Die Menschheit nehme deshalb die sich mehrenden Stigmatisationen (Erscheinen der Wundmale bei medialen Personen) viel eher als ernste Warnungen auf, als ihnen entgegenzujubeln.
Das alles ist doch wohl etwas verständlicher und klarer, als die sonderbare gegenteilige Auslegung, die das reine Göttliche ohne Weiteres mit der Menschen Sünden belasten will. In dieser neuen Lesart ist es nun an sich anscheinend nur ein kleiner, äußerlicher Unterschied, und doch damit das Gegenteilige als bisher, aber unbedingt das Richtige, wenn die Vollkommenheit der göttlichen Gesetze von Anfang an nicht angezweifelt werden sollen, wenn also die Vollkommenheit Gottes selbst anerkannt und damit in Betracht gezogen wird, die eine Abweichung in der Gerechtigkeit weder Anderen gegenüber noch an sich selbst zulassen kann!
Auch wenn in der Offenbarung Johannes, Kap. 7, Vers 14 und 15 geschrieben steht: „Diese sinds, die kommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht im Blute des Lammes. Darum sind sie vor dem Stuhle Gottes, und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel;*[3]) und der auf dem Stuhle sitzt, wird über ihnen wohnen“, so ist das alles nur eine unbedingte Bestätigung meiner Vorträge.
Denken Sie an meine zahlreichen Hinweise und Erklärungen über den feinstofflichen Körper im Jenseits, den man Kleid nennt, Gewand des Geistes oder Umhüllung. Die Menschen, welche Christi Wort aufnahmen und darnach lebten, machten damit in ganz natürlicher Folge buchstäblich ihren feinstofflichen Körper, ihr Kleid, weniger dicht und dunkel, also reiner, leichter und heller, sodaß sie dadurch emporschweben konnten bis zuletzt in das lichte Reich Gottes, das Reingeistige, auch Paradies genannt, über dem außerhalb der Schöpfung das Göttliche wohnt, oder ist. Es sind also die Menschengeister, welche nach dem Worte Christi lebten und damit den Weg gingen, den er ihnen wies. Auch das in dem Blute Reingewaschen-sein bedeutet nichts anderes; denn Christus wurde wie alle echten Boten des Herrn nicht etwa freudig von der Menschheit aufgenommen, sondern als Feind der Verstandesherrschaft von deren Anhängern gehöhnt, gestäubt, gemartert und zuletzt sogar getötet. Er mußte sein Blut lassen, weil die Botschaft, die er brachte, den damals Geistigführenwollenden nicht gefiel, da auch diese sich dem Verstande unterworfen hatten, und deshalb eine Gottesbotschaft nicht „verstehen“ konnten.
Wer nun sein Wort lebendig aufnahm, wegen dessen er als Gottes-lästerer verurteilt wurde, wusch sich dadurch bildlich mit seinem Blute. Denn das Wort ermöglichte es ihm, den rechten Weg zu gehen, der allein ihn reinzuwaschen fähig war, und der durch den gewaltsamen Tod des Wortbringers mit seinem Blute gezeichnet ist. Das bedeutet aber keine Versöhnung Gottes mit der Menschheit, und ändert nichts an dem Verbrechen der Kreuzigung. Auch spricht es nicht für eine Aufbürdung oder Übernahme der Schuld der Menschen.
Überlegen Sie selbst noch einmal ruhig, was darin steht, klar und deutlich: ,,... haben ihre Kleider gewaschen und helle gemacht!“ Lesen Sie das einmal richtig! Es wird damit ausdrücklich gesagt: Sie haben es selbst getan! Nicht Christus hat ihnen die Kleider gewaschen. Er nahm also nicht ihre Schuld auf sich, sondern sie mußten ihre Sünden selbst abwaschen! Also das Gegenteil der Anschauung so vieler innerlich geistigleeren Gläubigen.
Auch die weiteren Ausführungen in der Offenbarung Johannes sprechen in dem geschilderten Ergehen der Menschheit deutlich genug das Gegenteil aus, indem die Schalen des Zornes Gottes über die Erde und Menschheit ausgegossen werden, was sicherlich nicht als Zeichen und Ausdruck der Versöhnung durch das von den Menschen gewaltsam vergossene Blut Christi aufzufassen ist, sondern deutlich genug als Strafe!
Wer das überall klar Ausgesprochene und auch allem logischen Denken Naheliegende nicht richtig verstehen will, dem kann natürlich nicht geholfen werden. Solche sind zu bequem, sich aufzuraffen, und müssen darin untergehen, da sie, ohne sich die Kleider selbst zu reinigen, nicht hinaufkönnen zum Licht. Es gibt so viele Bibelforschende, und alle lesen sie noch heute falsch. Diese werden dauernd Bibelforscher bleiben, niemals aber Bibelkenner werden.
Meine bisherigen Vorträge gaben Ihnen in allem schon genügend Bescheid. Wenn Sie diese lebendig in sich werden lassen, dann fällt damit auch die Binde von Ihren Augen, und Sie sehen endlich alles klar in dem ihnen bisher noch etwas fremden Lichte der Wahrheit, ohne meine Hilfe. Sie werden keine Lücken mehr finden bis hinauf in den höchsten lichten Teil der Schöpfung in all ihrem Geschehen vom Urbeginn bis heute, und sogar auch erkennen, was daraus für die Zukunft folgen muß. Ohne jeden Hokuspokus, ohne Mystik und Geheimnistuerei, und ohne mühsames, unzuverlässiges Errechnen.
*
Frage: Ist es zuviel gefragt, wenn ich eine Erklärung Abdruschins erbitte, wie er sich dem Höchstgedanken der Buddhisten gegenüberstellt, der seine größte Glückseligkeit in der Wiederauflösung des vollkommen gewordenen Menschengeistes findet?
Antwort: Ihre Frage birgt die Antwort gleich in sich. Ja, ich stelle mich diesem Gedanken ganz entschieden gegenüber, entgegen in des Sinnes schärfster Bedeutung! Die höchste Glückseligkeit des vollkommen gewordenen Menschengeistes ist das persönlich - bewußte Leben in dem reingeistigen Teile der Schöpfung, den man Paradies nennt, sowie von dort aus persönlich bewußtes Mitwirken in der andauernden Schöpfungs-entwickelung nach dem göttlichen Willen. Würde die Wiederauflösung erfolgen müssen, wäre das ganze Menschensein, die Wanderung durch alle Schöpfungsteile, völlig zwecklos! Das aber läßt sich wiederum mit der Vollkommenheit des Schöpferwillens nicht vereinen.
Jedermann wird schließlich auch noch finden, daß Auflösung eines fertigen Menschengeistes niemals Fortschritt sein kann, sondern lediglich ein furchtbarer Rückschritt! Der Menschengeist wird sich auch in dem Paradiese noch in seinem Können, dauernd. fortentwickeln, doch niemals auflösen. Da seine Wanderung und alle dazu gehörenden Entwicklungs-notwendigkeiten das Sichbewußtwerden zu dem, persönlichen „Ich“ als Endziel haben.
Eine Auflösung trifft nur den Menschengeist, der sich auf seiner Laufbahn durch das Stoffliche infolge falscher Anschauung verirrt, somit den rechten Weg verliert, und nicht zurück nach jener lichten Höhe findet, welcher er entstammt. Dann wird er ganz naturgemäß, wenn der von ihm bewohnte Weltenteil seiner Zersetzung entgegentreibt, mit seinen stofflichen Hüllen ebenfalls zersetzt und aufgelöst, wobei er auch sein persönlich gewordenes Ich wieder als solches verliert. Er hört damit als Persönlichkeit wieder auf zu sein. Diese Auslösung ist gleichbedeutend mit dem für ewig Ausgelöschtwerden aus dem goldenen Buche des bewußten Lebens, weil er untauglich war, indem er seinen Weg nicht nach der Höhe suchte.
Der Vorgang ist ein ganz natürliches, selbsttätiges Geschehen, das man die ewige Verdammnis nennt. Das Schrecklichste, das einem persönlichbewußtgewordenen Menschengeiste geschehen kann.*[4])
Ein nach der Höhe zu sich entwickelnder Geist jedoch nimmt immer mehr das Ebenbild des Schöpfers an und geht in menschlicher Idealgestalt persönlichsichbewußt in das Reich des Reingeistigen ein, um dort sich dauernd steigernd mitzuwirken an der Schöpfung. Ein Nochhöhergehen ist für ihn unmöglich, auch durch eine Auflösung niemals herbeizuführen, welche ja nach oben zu gar nicht erfolgen kann; denn dann müßte sein Weg außerhalb der Schöpfung führen, und das kann er nicht! Außerhalb kommt dann das Göttliche. Der Menschengeist ist jedoch geistiger Zusammenset-zung und nicht göttlicher Natur, das gibt unveränderbar die scharfe, natürliche und unüberschreitbare Grenze für ihn. Er muß im Geistigen verbleiben infolge seines Ursprunges, der in sich keine Änderung erfahren kann und keine Steigerung zum Göttlichen. Demnach ist der buddhistische Gedanke, den überdies auch viele Okkultisten hegen in der Meinung, Göttliches in sich zu bergen, unbedingt ein Irrtum. Der Mensch ist eine Kreatur, steht also in der Schöpfung und wird auch stets in dieser bleiben müssen. Jede andere Behauptung zeigt nur lächerliche Überhebung, an welcher alle Menschheit ja so leidet, und damit das Phantastischste und Unnatürlichste für möglich hält.
Der buddhistische Gedanke einer höchsten Glückseligkeit durch Wiederauflösung des mühsam gewonnenen persönlichen Ichbewußten hat seinen Ursprung in dem Hange der Orientalen zu behaglicher Beschaulich-keit! Es hat sich dieser Hang als Wunsch mit eingeschlichen in die religiösen Anschauungen, die ja immer irgendeinen charakteristischen Stempel des Landes ihrer Entstehung tragen.
Frage: Abdruschin sagt, daß nicht jeder Mensch ein Kind Gottes ist, aber es steht geschrieben, daß ein jeder Mensch als Erbe die Gotteskin-dschaft in sich trägt und demnach Anrecht an das Reich Gottes hat. Will das Abdruschin bestreiten?
Antwort: Jede unveränderte Niederschrift einer wirklichen Gottesbot-schaft wird sich immer mit meinen Ausführungen decken. So auch diese. Es ist kein Widerspruch darin. Nur Ihre Anschauung ist etwas einseitig. Der Ausspruch bestätigt sogar die Wahrheit meiner Erklärungen sehr deutlich. Das Erbe haben, heißt nichts anderes, als die Befähigung durch den geistigen Ursprung in sich tragen. Sobald Sie aber dann das Anrecht dieses Erbes geltend machen wollen, also eingehen wollen in das geistige Reich, so bedingt dies wie überall auf Erden auch hier eine Beweisführung; denn jede Anrechtsgeltendmachung bedingt gleichzeitige Beweisführung. Die Beweisführung kann aber lediglich dadurch erfolgen, daß diese mitgebrachten Fähigkeiten entwickelt worden sind; denn anders ist ein Beweis dafür nicht zu erbringen. Nur in der Betätigung dieser dazu gegebenen Fähigkeiten wird er ersichtlich. Geschieht dies aber, so ist der Menschengeist auch ein Kind Gottes geworden, das fähig ist, in sein Recht einzugehen. Das eine ergibt das andere ganz selbsttätig; denn fertige Entwicklung ist auch gleichzeitig die Kraft, weiche ganz automatisch das Tor zu diesem Reich der Freude öffnet. Entwickelt aber ein Mensch die ihm in dieser Beziehung gegebenen Fähigkeiten, also sein Erbe, nicht, so kann er auch die Anwartschaft nicht geltend machen, kann nicht in das Reich Gottes eingehen, und konnte so auch nicht zu einem Kinde Gottes werden, da er sein Pfund vergrub, und nicht nutzwendend anlegte.
In den Worten liegt also keine Gegenüberstellung, kein Widerspruch, sondern nur ein Beweis der Richtigkeit meiner Worte.
*
Frage: Es wurde mir, berichtet, daß Abdruschin gesagt haben soll, England würde noch dieses Jahr zum Teil versinken. Warum sagt er in seinen Vorträgen nichts über solche Dinge?
Antwort: Wer Ihnen solche Dinge als wirklich von mir gesagt berichtet, der ist ein Lügner. Vielleicht verfolgt er einen ganz bestimmten Zweck, sucht mich damit in irgend einer Art zu schädigen. Begegnen Sie derartigen Verkündern in Zukunft nur mit großer Vorsicht. Das Beste ist dann die direkte Anfrage bei mir. Es erstehen viele Menschen, die sich über meine Worte ärgern, weil diese ihnen aus verschiedenen Gründen unbe-quem werden. Da wird so manches dann versucht, um ihre überzeugende Kraft durch irgend etwas abzuschwächen.
Sehr oft wurde ich in reinen Privatgesprächen befragt nach meiner Meinung über die vielen öffentlichen Ankündigungen kommender Ereignisse, von Astrologen herausgegeben. Unter anderem ist auch bei einigen davon auf einen ganzen oder teilweisen Untergang Englands hingewiesen worden. Befragt, wies ich stets mit voller Überzeugung darauf hin, daß ich derartiges, in diesem Jahre nicht erwarte! Also gerade das Gegenteil von dem, was da ausgesprengt zu werden scheint. Es gibt leider Menschen, welche Gespräche geschickt herbeiführen, um eine Meinung zu hören, die sie dann umdrehend und entstellend weiter kolportieren. Ich habe mir schon seit Monaten vorgenommen, überhaupt nichts über derartige, meinen Vorträgen ja vollkommen fern liegende Dinge zu sagen, auch nicht in den intimsten Privatgesprächen; denn ich bin kein Wahrsager. Wenn die Menschen innerlich zu richtiger Erkenntnis kommen, was der Zweck meiner Vorträge ist, so brauchen sie das alles nicht, und können ruhig allem kommenden Geschehen entgegentreten. Wollen sie aber nicht in sich erwachen, so nützt ihnen auch alles andere Wissen nichts. Aber nochmals kurz, um wenigstens falschen Gerüchten die Spitze abzubrechen: „Ich erwarte eine derartige Katastrophe nicht für dieses Jahr!“ Werde auch in anderem Geschehen auf Befragen nie mehr meine Überzeugung sagen, gleichviel, ob ich mich darüber äußern könnte. Taucht ein Gerücht darüber auf, so ist es falsch. Ich habe anderes zu tun, viel Wichtigeres; denn inneres Erwachen ist der Menschheit nötiger als alles, viel wertvoller als Wissen kommender Ereignisse. Sie brauchen es gerade jetzt aus ganz bestimmten Gründen noch viel dringender als alles Andere.
Frage: Was soll ich tun, wenn ich in der Gralsbotschaft das gefunden habe, was ich schon lange suchte, darüber beglückt bin, und nun von meiner anderseingestellten Umgebung verspottet werde. Soll ich nach-gebend alles tun, was man von mir verlangt, und mich nur noch verstohlen innerlich damit beschäftigen, um allen Streit zu meiden?
Antwort: Der, welcher von der Wahrheit berührt wurde, hat die unbedingte Pflicht, auch dafür einzutreten, sonst ist er des Geschenkes der Erleuchtung nicht mehr wert. Er soll nicht zankend streiten, auch Anderen nicht etwa seine Überzeugung aufzwingen, sondern alle Menschen ruhig deren Wege gehen lassen, doch er darf nicht dulden, daß man ihn von dem seinen abzubringen sucht. Was er Anderen gegenüber gelten läßt, hat er mit vollem Rechte auch für sich zu fordern. Macht er sich jedoch selbst dem Anderen zum Knechte, so verdient er nichts anderes, als daß ihm das Geschenk wieder genommen wird. Christus warnte schon davor, indem er sagte: Wer mich verleugnet vor den Menschen, den will auch ich verleugnen, also nicht kennen. Wie schwach und armselig muß der, der die Wahrheit mit eigener Überzeugung gefunden zu haben vorgibt, dem Anderen erscheinen, dem er sich trotzdem beugt. Kann ein solcher Andere denn dabei Achtung vor der Wahrheit gewinnen? Im Gegenteil, die Spötter und Verächter werden dadurch noch gestärkt, man legt ihnen ja das Wertvolle unter die Füße, damit Sie es treten und beschmutzen können. Man hält sie sogar selbst noch davon ab, Wahrheit als solche zu erkennen und zu schätzen. Wie so ganz anders, wenn die Wahrheitsfinder allem ruhig gegenübertreten, bestimmt, unbeugsam und entschlossen. Auch scharf, wenn es nicht anders geht, um sich das höchste Kleinod zu erhalten und den Anderen vor neuer Schuld zu wahren. Nur darin kann ein Gegner eine Sache achten lernen! Niemals durch feige Nachgiebigkeit. So mancher opfert skrupellos sofort das Heiligste in sich, nur um damit ein anderes ärmliches Menschlein nicht zum Zorn zu reizen, oder nicht zu kränken, vielleicht auch nur, um seine eigene, irdische Ruhe und Bequemlichkeit nicht vorübergehend stören zu lassen.
Das sind die Gläubigen nicht, die einst eingehen dürfen in das Reich des Gottes, den sie solcher Art verleugnen. Sie müssen dann zu denen gehen, denen zu dienen sie auf Erden vorgezogen haben. Die Zeit ist nun vorüber, wo man solches Versteckenmüssen als Martyrium ansah. Es kann für nichts entschuldigen. Ein Jeder hat für das zu kämpfen, was er in sich trägt, sonst ist er dessen nicht mehr wert! Es wird ihm fortgenommen. -
Es gibt nichts Höheres als Gott! Und neben ihm muß alles Andere - weit in den Schatten treten. Es soll kein Mensch zu einer Willensänderung gezwungen werden, doch Jedermann hat nun in Zukunft alle in Ruhe und Frieden sein zu lassen, welche wirklich zu Gottes Volk gehören. Nicht Einer darf noch ungestraft schmutzige Finger darnach ausstrecken. Er wird dafür sofort gezeichnet und daran zu Grunde gehen. Ein jeder Spott, noch mehr die Tat wird sich ganz unerwartet schnell und bitter an den Ausübenden rächen.
Das Volk des Herrn sammelt sich endlich unter seine Fahne und bleibt geschützt. Doch nur ein Jeder, der den Mut hat, sich zu diesem Volke zu bekennen! Kein Anderer. Wir stehen schon in dem Beginn der Stunde!
Abdruschin.
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Abonnements: Es ist notwendig, die Abonnements so aufzufassen, daß sie für 12 Nummern gelten, die nicht immer unbedingt am ersten eines Monats zur Versendung kommen müssen. Es können äußere Umstände eintreten, die hier und da eine Unterbrechung veranlassen, wie z. B. Unruhen, Katastrophen oder Ähnliches. Bei solchen Fällen erfolgt Nachlieferung, sobald die Möglichkeit dazu gegeben ist.
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Manuskripte: Es kommen nicht nur Arbeiten über alle Gebiete der Künste und Wissenschaften, sowie des Praktischen Lebens in Betracht, sondern über alles in der Schöpfung. Doch es ist damit zu rechnen, daß neunzig Prozent der Einsendungen zurückgewiesen werden, da „Der Ruf“ im Interesse der Leser eine straffe, einheitliche Führung beibehalten muß. Es soll also durch Rücksendung niemand gekränkt sein, noch ein Unwert der Arbeit damit gekennzeichnet werden. Zu Worte kommen in „Der Ruf“ nur wirkliche Könner mit eigenen Gedanken, die zur Führung dienen. Keine Halbheiten, die nur entlehnen, und dem Entlehnten durch Wort-schwall ein neues Gesicht zu geben versuchen. Ebensowenig Sensati-onslüsterne, die sich nicht scheuen, in persönliche Gehässigkeiten aus-zuarten; denn diese haben keine Werte zu vergeben.
Ernste Sachlichkeit ist Grundbedingung, die auch bei größter Schärfe vornehm bleibt. Sie soll nicht etwa schonen, nicht zurückschrecken vor einem Schlage der Vernichtung, dort, wo es gilt, Unkraut der Irreführung auszurotten, welches durch Überwucherung die Tore eines freien Ausblickes verdeckt Doch diese Sachlichkeit muß seine Schärfe in wirkli-chem Wissen haben, das unbeirrbar in ruhigem, klaren Wegweisen die Mängel und die Blößen der jetzigen Zeit aufdeckt, nicht aber schmähend darauf deutend, ohne Besseres dafür zu bieten.
Alltagsmanuskripte bitte ich deshalb nicht einzusenden. Der Verlag läßt eher eine Verzögerung des Erscheinens eintreten, als daß er ein Heft „füllen“ würde. Aus diesem Grunde werden auch die Leser nicht allgemein zu einer Mitarbeit veranlaßt, aber ausdrücklich gebeten, Fragen einzusen-den, wenn ihnen etwas nicht klar und verständlich werden konnte.
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R. M. In Bayern gibt es keine Gemeinschaft oder Vereinigung, die auf Grund der Gralsbotschaft Abdruschins aufgebaut wäre oder mit ihr im direkten Einklange oder Verbindung steht. Wohl aber in Stuttgart, sowie demnächst in Berlin und Wien. Jedoch nur als vollkommen freie Vereinigungen, da die Gralsbotschaft Abdruschins sich direkt nur an den Einzelmenschen richtet. In diesen Vereinigungen kommen sie aber auch nur zu ernstestem Studium zusammen, zu wirklicher Arbeit an sich selbst, wobei jede Ablenkung und Äußerlichkeit wegfällt. Wer Anderes darin sucht, wird unbefriedigt bleiben; denn es gilt Ewigkeitswerte für den Einzelnen zu schaffen! Die Annäherung zu derartigen Vereinigungen wird nicht leicht gemacht, sondern im Gegenteil erschwert, um jede Halbheit fernzuhalten, die nur ein Hemmnis bilden müßte. Sie würde keine Ähnlichkeit mit bestehenden Vereinigungen finden; denn der Grundsatz ist: Besser nur drei wirklich in den Gedanken der Gralsbotschaft stehende Menschen, als an deren Stelle dreihundert Mitläufer.
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G. B. Es ist bedauerlich, daß Sie von den Arbeitsabenden zurückgewie-sen wurden, aber auch vollkommen verständlich. Sie wissen ja vorher genau, was Sie dabei zu erwarten haben, da alle Grundgedanken in der Gralsbotschaft verankert liegen, die dort behandelt werden. Daß man dies nicht mit Äußerlichkeiten vermischen will, kann nicht überraschen, gilt doch, jedes Wort dem tiefsten Ernste.
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W. Z.. Der Verlag sucht keine Gruppen zu bilden, da diese zu leicht in alltägliches Vereinswesen übergehen, wozu die Gralsbotschaft sich nicht eignet. Es handelt sich auch in Stuttgart nur um eine vollkommen freie Vereinigung, welche die Gralsbotschaft Abdruschins als Grundlage ihrer Tätigkeit nimmt. Solche Vereinigungen stellen diese Botschaft dabei nicht etwa zur Diskussion, sondern nehmen sie als feststehend und schürfen darin, bis ihnen die Erkenntnis dieser großen Wahrheiten erblüht. Auf diese Weise finden sie zuletzt darin die volle Christusbotschaft wieder. Allen also ernsthaft Suchenden strahlt sie plötzlich daraus entgegen in unentstellter Reinheit, neu geschenkt! So sind die durchaus selbständigen, freien Vereinigungen, in denen Abdruschin auch hier und da einmal selbst spricht. München hat keine solche, es ist auch nichts in dieser Stadt dafür geplant.
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Zur Erleichterung des Verkehrs aller Anhänger Abdruschins und Leser in Österreich, Ungarn und angrenzenden Ländern wurde als dortiger Geschäftsträger für alle Angelegenheiten Herr Josef Molnar in Wien XVIII, Postamt 114, betraut, an den alle Anfragen, Wünsche und sonstigen Korrespondenzen gerichtet werden können.
Aus verschiedenen Städten
wird geschrieben:
Stuttgart. In einer Zeit, wo die Vereine und Verbände mit „geistigen“ Zielen wie Pilze nur so aus dem Boden schießen, bedeutet es immerhin ein Wagnis, etwas ähnliches ins Leben rufen zu wollen. Dennoch taten wir es, nicht aus Sensationslust - die mag anderwärts ihre Befriedigung finden - sondern in heiliger Verantwortung gegenüber dem überkommenen Wort und gegenüber unserem Volk. Tausende und Abertausende suchen heute nach einer tieferen Erfassung der religiösen Wahrheiten, nach einer lebendigen Durchdringung mit der Kraft von oben. Aber auch die Gefahr des Irrens ist bei den vielen „Führern“, die sich der ratlosen Menge anbieten, kaum einmal so groß gewesen wie jetzt. Darum hielten wir es geradezu für unsere Pflicht, die „Gralsgemeinschaft“ hier in Württemberg zu begründen.
Was sie ist, unsere Gralsgemeinschaft? Ein Fels im Meer, trotzend allen Stürmen und Wogen, ein Fels, auf dem wir feststehen können in der Lehre Christi, wie sie Abdruschin so natürlich und doch so einleuchtend erklärt. Mag auch die Welt in Trümmer gehen, das Kreuz, zu dem wir aufblicken, wird das Zeichen sein, in dem allein Heil ist - für Körper, Seele und Geist.
Was sie will, unsere Gralsgemeinschaft? Licht bringen in das Dunkel der Gegenwart, wie der Leuchtturm draußen in brandender Flut. Wohin die Fahrt, wo winkt das Ziel, wie weit noch zur Heimat? Welchen Erdenbürger drängen sich nicht einmal diese Fragen auf? Die Erklärungen Abdruschins weisen uns den geraden Weg. Da wird es hell in uns und um uns und wir sehen: es ist kein anderer Weg als derjenige, den Christus selber uns vorgezeichnet hat. Doch wir verstehen alles viel besser als bisher. Was kein Dogma, was kein verstandesmäßiger, ausgeklügelter, kalter Lehrsatz uns zu geben vermochte, das Innere empfinden, zu dem Abdruschin uns anleitet, gibt es uns. Es ist nichts weniger als der Schlüssel zum Geheimnisse, es ist die Quelle lebendigen Wassers, die sprudelt in uns selbst. Wie verspürten das alle Zuhörer gleich das erste Mal, da Abdruschin zu uns sprach! „Das Geheimnis Mensch“ war sein Thema. Dann wieder: „Die Sexualkraft und ihre Bedeutung für, den geistigen Aufstieg“. Wir hatten es den Teilnehmern an den Vorträgen nicht sehr leicht gemacht, sie mußten sich die Einlaßkarten erbitten, damit nur wirkliche Interessenten kämen. Trotzdem waren es viele, die sich einfanden und die erlebten, was hier den Menschen geboten wird. So gaben wir nach dem zweiten Vortrag bekannt, daß die Gralsgemeinschaft in Stuttgart bestehe. In dem benachbarten Eßlingen ebenso. Immer mehr Interessenten meldeten sich. Heute ist es schon eine stattliche Zahl, die sich um Abdruschin und. sein Wort geschart. In Abwesenheit des Führers sprach Herr J. A. Neidhart, Eßlingen, über: „Selbstvergiftung durch Gedankenkräfte“, „Der sieghafte Mensch“, „Schuld und Sühne im Weltgeschehen“, „Das Leid und seine Lebenskräfte“, „Der Sinn der Ehe“, „Gott“, „Wege zu Gott“.
Der erste Vorsitzende, Herr Kurt Kölle, Stuttgart, begrüßte zu Beginn der zweiten Feierstunde die Erschienenen herzlich. Auch an musikalischen Beiträgen von ersten Kräften fehlte es nicht. Leider war es Abdruschin in den letzten Monaten nicht mehr möglich, uns einen Besuch abzustatten. Dafür schenkte er den Mitgliedern als Pfingstgruß das neue Heft der „Gralsblätter“ mit ungemein wertvollen Aufschlüssen, eine Gabe, die sehr willkommen geheißen wurde. Alles in allem können wir mit den Erfolgen der Gralsgemeinschaft in Stuttgart zufrieden sein. Nun möge es sich auch in anderen Städten regen. Wir sind bereit, die Botschaft allüberallhin zu tragen, wo nach ihr verlangt wird. Menschen mit offenem Sinn und ernstem Wollen, die Interesse an unserer Gemeinschaft haben, erhalten von dem Unterzeichneten bereitwillig Auskunft. Bei Anfragen bitte Rückporto beilegen.
Johannes Anton Neidhardt
Akademischer Privatlehrer
Eßlingen N, Martinstr 17
Wien. Dem eindringlichen Wunsche meiner Anhänger der Gralsbotschaft Abdruschins entsprechend, sprach auf meine Veranlassung Abdruschin am 16. und 18. März d. J. in Wien. Die Gralsbotschaft hatte viele Gemüter mächtig ergriffen, und es überraschte deshalb nicht, daß der große Saal des Apothekergremiums schon lange vor Beginn des Vortrages zum Erdrücken voll war. Die Wirkung der beiden Vorträge auf die Zuhörer war eine außerordentliche. Wohl noch nie wurde „Das Geheimnis Mensch“ so klar und eindrucksvoll erschlossen. Abdruschins Worte hielten die Zuhörer derart im Banne, daß nach Schluß der Vorträge erst nach einer Zeit ernsten Schweigens tosender Beifall losbrach. Für das geistig stre-bende Wien waren die beiden Vorträge im vollsten Sinne des Wortes ein Ereignis. Wie sehr es Abdruschin gelungen ist, die Herzen zu öffnen, bezeugt die Flut von Zuschriften, die eingegangen sind.
Den zahlreichen Zuschriften nachgebend, werde ich einen neuen Vortrag für die zweite Hälfte des Septembers in Wien vorbereiten. Dieser wird rechtzeitig verlautbar werden. Der Eintritt soll frei sein. Platzbe-stellungen können schon jetzt erfolgen.
J. Molnar
Wien XVIII, Postamt 114
Mitteilungen aus dem Leserkreise:
Hofrat Sanitätsrat Dr. med. Leopold Ceipek,
Innsbruck, Claudiastraße Nr. 7
(Bestrahlungsbehandlung nach der neuen Methode Zeileis
in Gallspach, Oberösterreich)
tritt seinen Urlaub am 10. August an und beginnt mit der Ordination wieder am 16. September.
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Am 15. August 1927 eröffne ich in Düsseldorf, Achenbachstraße 83, mein zweites Sonnen-Kur-Haus. Mein Sonnen-Kur-Haus in Bonn, Beet-hovenstraße 24, übernimmt Herr Dr. Rudolf Otto Helwig.
Verjüngung - Kuren und Krankheits-Behandlung durch psycho-biologische Heilmethoden und Bestrahlungen mit eigenem Drei-Sonnen-System (Verbindung der Wärme südlicher Klimate mit Lichtintensität des Hochgebirges). Farbentherapie.
Dr. med. Heinz Neu, Arzt, Bonn, Beethovenstr. 24,
Buchbesprechungen:
Zu Füßen des Meisters. Von J. Krishnamurti 49 Seiten, broschiert Rm. -.50, geb. Rm. 1.20. (Ernst Pieper, Ring-Verlag, Düsseldorf).
Der Inhalt des Buches gibt eine schöne Zusammenfassung der schon bekannten Grundzüge aller nach Harmonie strebenden Lehren wieder, in Form einer gefälligen, etwas naiv gehaltenen Ansprache. Ohne Zweifel wird das kleine Buch vielen Menschen gut gefallen, die sich nicht gern mit Denken beschäftigen, und die sich auch noch nie oder doch nur recht flüchtig mit höheren Werten befaßten; denn sie finden in der Ansprache anschaulich zusammengestellt, was ein Mensch im Durchschnitt braucht, um für seine Umgebung duldsam und angenehm zu werden, Dabei kann so mancher auch eine Art innere Befriedigung erlangen, allerdings mit der Gefahr, leicht zu einem Pharisäertum geführt zu werden.
Im Ganzen eine gute Aufgabe, leider aber zu matt, um an Menschen-seelen rütteln zu können.
Das ist aber wohl gerade das, was dieses Buch soll. Jedoch für Men-schen, die nichts von Höherstreben wissen wollten, ist es ohne Kraft, und jedem ernsthaft Suchenden und aufwärts Strebenden dagegen sind alle angeführten Punkte Selbstverständlichkeit von vornherein, weil es ja eigentlich schon zur alltäglichsten Erziehung mit gehört, dort, wo von innerer Erziehung eine Rede sein kann.
Die Ansprache bietet nichts, was nicht von Anderen schon oft mit denselben Worten und Vergleichen gesagt worden wäre. Ein guter Schüler alles schon Gesagten kann der Verfasser genannt werden, mit bemerk-baren Anlagen zu einem ausgezeichneten Volksprediger. Geht er diesen rechten Weg, wozu ihn seine Veranlagung unzweifelhaft stempelt, so wird er wahrscheinlich Großes darin leisten können in Erfüllung dieser schönen Aufgabe. Greift er jedoch darüber hinaus und will zu einem Verkünder werden, so kann er leicht versagen und zuletzt auch das nicht mehr entfal-ten, was ihm gegeben war. O. E.
Meyers Reisebücher
unentbehrlich für jeden Reisenden
Ausführliche Verzeichnisse mit Preisangaben kostenfrei durch jede Buchhandlang oder dem
Verlag des Bibliographischen Institutes, Leipzig
Schriftleitung und Verlag:
Oskar Ernst Bernhardt, Tutzing / Zentrale der Gralsbotschaft
Bis jetzt erschienene Werke Abdruschin’s
Gralsblätter, Serie l, Heft 2-7
Preis pro Heft Rm. -.50
Hauptinhalt:
Heft 2: Verantwortung. Heft 3: Das Geheimnis der Geburt. Heft 4: Die Ehe. Heft 5: Der Mensch und sein freier Wille. Heft 6: Der Tod. Heft 7: Das Geheimnis Luzifer
Auflage bis 35. Tausend
Im Lichte der Wahrheit
Neue Gralsbotschaft
272 Seiten
Kartoniert Rm. 6.- Ganzleinen Rm. 8.70 Volksausgabe Rm. 4.50
Auflage bis 13. Tausend
(In diesem Buche ist der Inhalt der Hefte Serie I mit enthalten)
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Gralsblätter, Serie II, Nr. 1 u. 2 (Doppelheft)
72 Seiten stark Preis Rm. 1.50
Inhalt:
Ich bin der Herr, Dein Gott! Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl, u. a. m.
Auflage bis 6. Tausend
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Gralsblätter, Serie II, Nr. 3, 4 u. 5 (dreifaches Heft).
100 Seiten stark Preis Rm 2.-
Inhalt:
Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege. Was trennt so viele Menschen von dem
Licht. Der große Komet. Grobstofflichkeit, Feinstofflichkeit, Strahlungen, Raure und Zeit Der Irrtum des Hellsehens. Fleischkost oder Pflanzenkost. U. a. m.
Auflage bis 5. Tausend
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„Denkst Du daran?“
Bausteine aus Abdruschins Werken
Zusammengestellt von
Hofrat Professor Alfred Börckel
96 Seiten, geb. Rm. 2.-, brosch. Rm. 1.-
Ein für alle Gelegenheiten passendes Geschenk für Jung und Alt. Prachtvolles Taschenbuch als praktischer Wegweiser durch das Leben
Verlag der Gralsblätter :-: Oskar, Ernst Bernhardt
Tutzing (Oberbayern)


