Poselství Grálu od Abdrushina

Ve světle Pravdy

Erinnerungen an den HERRN 

Aus meinem Erleben auf dem Vomperberg

 
 
Von Helene Westphal
 
 
Oberhalb von Schwaz in Tirol liegt auf einem Hochplateau, von hohen Bergen umgeben, die Gralssiedlung. Es ist ein wunderbares Fleckchen Erde, geschaffen für einen Hort des Friedens. Weit liegt die Zeit zurück, da der HERR, der Bringer der Gralsbotschaft, unter uns weilte, doch die Erinnerung, die Erleben sind tief und unauslöschlich. Wir waren begnadet, in nächster Nähe der Herrschaften zu leben, und so möchte ich meine Erinnerungen niederschreiben für die Menschen, die diese Zeit nicht miterlebt und den HERRN und Frau MARIA nicht gekannt haben.
 
ABD-RU-SHIN gründete die Gralssiedlung im Jahre 1928, und Weihnachten 1928 fand die erste Feier im Hause des HERRN statt. Die ersten Menschen, die Seinen Ruf vernommen hatten, waren gekommen um versiegelt zu werden. Es waren die Höchstberufenen, inkarniert zum Schutze und zur Hilfe, zum Neuaufbau unter Führung des HERRN. Die erste Zeit muß über allem Irdischen erhaben gewesen sein. Jeder gab sein Bestes, sei es in geistiger oder irdischer Beziehung. Die Siedlung war erst klein, doch in kurzer Zeit stand eine stattliche Anzahl von Häusern. Manches alte Gebäude steht heute noch, neue sind dazugekommen, vieles ist modernisiert; es hat sich alles vergrößert und auch verändert. Viele der ersten Berufenen leben nicht mehr, viele haben aber auch noch zu Lebzeiten des HERRN den Berg verlassen und wurden ihrer Berufung wieder untreu.
 
Im Oktober 1936 kam ich das erstemal auf den Berg. Ich hatte die Botschaft „Im Lichte der Wahrheit“ durch eine Kreuzträgerin bekommen, und es stand sofort bei mir fest, daß ich zum Berge fahren muß. Ich hatte immer gesucht - und nun hatte ich gefunden. Meine ungefähre Ankunft war gemeldet, doch hatte ich ziemliche Hemmungen, da ich niemanden auf dem Berge kannte. Meine Befürchtungen zerstreuten sich jedoch rasch, denn ich wurde so herzlich empfangen, daß ich mich sofort zuhause fühlte. Es war alles so wundersam, lauter strahlende Menschen in einer herrlichen, erquickenden Landschaft, und mir war klar, daß dies gar nicht anders sein konnte, wenn man in der Nähe des HERRN und Frau MARIAS leben durfte.
 
Am Tag darauf durfte ich an einer Andacht teilnehmen in der gelesen wurde: „Siehe Mensch, wie Du zu wandeln hast durch diese Schöpfung, damit nicht Schicksalsfäden Deinen Aufstieg hemmen sondern fördern.“ Anschließend wurde ich vom HERRN empfangen. Ich war in großer Spannung, was sich aber gab, als der HERR die ersten Begrüßungsworte gesprochen hatte: „Während Sie die Treppe heraufkamen, wurde Ihnen ein dunkler Mantel umgelegt, Sie hätten sonst meine Kraft nicht ertragen!“ Wie ich im weiteren Gespräch den Mut fand den HERRN zu fragen, ob ich mit meinen Kindern auf dem Berge leben dürfe, weiß ich heute noch nicht. Jedenfalls lautete Die Antwort: ,,Ja, das dürfen Sie!“ Daraufhin erwiderte ich aber spontan: ,,Oh nein, HERR, das geht nicht, es sind zu viele Hindernisse im Wege.“ Ich dachte dabei an meinen Mann. Doch der HERR antwortete:
 
,,Wenn Sie wollen, wird es kein Hindernis in Ihrem Leben geben.“
 
Es hat nie ein Hindernis in meinem Leben gegeben. Nach diesem ersten Gespräch mit dem HERRN ging ich wie im Traum umher. Es war nur ein Gedanke in meinem Kopf - Du kennst IHN, woher kennst Du IHN aber? Erst viel später erfuhr ich woher ich den HERRN kannte.
 
Weihnachten 1936 wurde ich versiegelt und 13 Februar 1937 zog ich mit meinen beiden Kindern auf den Berg. Wir wohnten damals in Tutzing und trafen ja im tiefsten Winter auf dem Berge ein. Alles war für unsere Ankunft vorbereitet und wir waren sehr gut untergebracht bis unsere Möbel nachkamen. 
 
Ca. 100 Anhänger lebten damals auf dem Berge. Private und Angestellte. Es gab eine staatlich genehmigte Schule, ein kleines Internat, das von einem Lehrerehepaar geführt wurde. Die Schulkinder saßen bei den Mahlzeiten getrennt von den Großen. Die Mädchen betreute eine von vier Damen, die jede Woche in der Aufsicht wechselten; die Knaben wurden vom Lehrer betreut, der sehr streng war. Es lebten hauptsächlich Deutsche, aber auch Holländer, Tschechen, Franzosen und Engländer auf dem Berg. Fast jeder Beruf war vertreten, so daß die Siedlung fast unabhängig von der Außenwelt war. Da es sehr viel Arbeit gab, wurde das Mittag- und Abendessen gemeinsam eingenommen. Der HERR bestimmte die Tischordnung, die aus wohldurchdachten Gründen immer wieder geändert wurde.
 
Wir waren die verschiedensten Charaktere und wurden immer mit jemandem zusammengesetzt, die geeignet waren, um uns gegenseitig abzuschleifen, anzupassen und zu reifen, um einen Hort des Friedens und der Harmonie auf Erden zu gestalten. Alles war und sollte beweglich bleiben, nichts war starr und wurde es schwer, war sofort Hilfe da und wer sich wirklich nicht einfügen konnte, verließ von sich aus wieder den Berg. Es hieß niemals Du mußt! So lernte man sich umstellen, wenn immer es erforderlich war, denn die Wechselwirkungen erfolgten oft sofort. Es geschah z.B., daß Frau MARIA am frühen Morgen bestimmte, daß mehrere Parteien ihre Wohnungen oder Zimmer wechseln mußten. Es war für uns alle ein stetes Lernen und Entwickeln unter der Führung der Herrschaften.
 
Unser Leben auf dem Berg war sozusagen in Kasten eingeteilt! Es war ein großer Abstand zwischen Jüngern, Golden- und Silberkreuzern. Die Kasten standen jedoch nicht übereinander, sondern sie standen nebeneinander. Niemand sah auf den anderen herab, denn es galt der Mensch und wie er seine Arbeit verrichtete. Die kleinste Arbeit war genau so wichtig wie die größte. Die Jünger standen dem HERRN am nächsten, sie wurden von IHM geschult und trugen in allem die größte Verantwortung. Sie hatten auf ihre eigenen Bitten hin zu dieser Zeit inkarnieren dürfen und waren mit großen Fähigkeiten begnadet, um dem HERRN bei Seiner großen Aufgabe helfen zu können. Die Goldenkreuzer hatten die Jünger in ihren irdischen Aufgeben zu unterstützen und hatten ebenfalls eine große Verantwortung. Die Silberkreuzer trugen nicht diese Verantwortung, aber sie mußten als Menschen vorbildlich leben. Der HERR äußerte sich einmal dahingehend, daß Ihm mancher Silberkreuzer lieber sei als ein Jünger.
 
In den Andachten sprach immer der HERR selbst. Trat Er in den Andachtsraum, kam ein Licht mit Ihm, verließ Er den Raum, so ging auch das Licht wieder mit Ihm, und es wurde dunkel. So sah ich es immer und es traf mich stets ein großer Schmerz, wenn es wieder dunkel wurde. 
 
Eine Jüngerin war für die Musik berufen worden und spielte damals das Harmonium, die Orgel kam erst viel später. Wenn wir zur Andacht gingen, hörten wir schon von weitem das Orgelspiel. Es wurde nicht gesprochen und still nahmen wir unsere Plätze ein. Still verließen wir die Stätte wieder, immer unter Orgelklängen, und still gingen wir nach Hause. Ansammlungen gab es nicht.
Einmal in der Woche ging eine der in der Siedlung wohnenden Damen nach Schwaz, um Besorgungen für die Bergbewohner zu machen, die nicht selbst gehen konnten. Ein kleiner Laden war zwar in der Siedlung, aber er enthielt nur das Notwendigste, wie Seife etc. Die größeren Einkäufe kamen dann mit der Seilbahn, die damals existierte, hinauf.
 
Besondere Abende hatte der HERR für die Goldenkreuzer eingeführt, die sich in Vorträgen üben sollten. Die Herrschaften waren dann anwesend, doch nach einiger Zeit entfielen diese Vorträge wieder. Die Themen wurden meistens vom HERRN bestimmt, wie mir erzählt wurde, und die jeweiligen Themen bezogen sich stets auf die Fehler und Schwächen der Vortragenden, die aber davon keine Kenntnis hatten.
 
Der Berg war in der ganzen Umgebung bekannt und der HERR wurde geliebt von jedem. Aber auch Frau MARIA gewann viele Herzen. Große Heilkräfte, die Sie besaß, konnten vielen hilfesuchenden Menschen aus ihrer Bedrängnis helfen. Daß Sie jedoch auch eine gerechte Strenge walten lassen mußte, konnten manche Menschen nicht verstehen. Die Menschen verlangen eine verweichlichte Liebe, die aber niemandem helfen kann. Der HERR hatte persönlich einen guten Kontakt zu den Bauern der Umgebung, die Er einmal im Jahr zu einem Essen einlud. Bei einem solchen Essen stand einmal ein schlichter Bauer auf, ging zum HERRN hin, klopfte Ihm auf die Schulter und sagte ergriffen: „Du bist doch der Beste von allen!“
 
Ganz besonders feierlich waren die Beisetzungen, wie es auch heute noch Brauch ist, nur daß damals der HERR sie zelebrierte. Eine solche Handlung blieb mir in ganz besonderer Erinnerung. Frau Jacks-Müncheberg sollte zur Lilienfeier zum Jünger berufen werden und weilte bereits auf dem Berge. Ganz kurz vor der Feier wurde sie jedoch plötzlich abgerufen. Wir hörten dann, daß sie wegen ihrer Treue zum HERRN hinübergehen durfte, denn sie war zu einem Parteitag in Nürnberg eingeladen und schwebte z. Zt. Adolf Hitlers in großer irdischer Gefahr, und das hätte auch Folgen für den HERRN haben können. Der HERR erläuterte dazu, daß sie in der Feinstofflichkeit schon in eine Bresche gesprungen wäre und mit gegen das Dunkel kämpfe. Später sagte der HERR im Laufe eines Gespräches zu mir, daß Frau J. M. auf der Feier gewesen sei, um sich ihren Jüngersegen zu holen, und daß sie einst Herrscherin über ein großes Land gewesen sei.
 
Etwas einmalig Hohes waren alle Feiern. Es war ein wunderbares, einprägsames Bild, wenn Jünger und Jüngerinnen unter den Klängen der Gralsmusik in den Tempel einzogen. Die Aposteldamen trugen ihre farbigen Umhänge und die Jünger Ihre Uniformen. Es ist mir kaum möglich, die tiefen Eindrucke und Empfindungen bei einer Feier zu beschreiben. Die Musik war besonders weihevoll, die Kraft, die hernieder kam war so gewaltig, daß man kaum an dem Tisch des HERRN vorbeigehen konnte. Ich selbst wurde zur Taubenfeier 1937 berufen und niemals kann ich die Größe dieses Augenblickes vergessen. Es war ein Weben und Schwingen um uns, das einen für Augenblicke in höhere Sphären hob. Das Licht war durch den HERRN auf dem Berge verankert und dem Neuankömmling wurde gesagt: „Ziehe Deine Schuhe aus, denn Du betrittst heiligen Boden!“ Das war damals zu des HERRN Zeiten. Dies war symbolisch gemeint.
 
Während der Feierzeiten kamen viele Menschen von überall, um an diesem gewaltigen Erleben teilzuhaben. Es wurden dann oft größere Autofahrten unternommen, an denen teilnehmen konnte wer wollte, u. a. mit der Seilbahn auf die Nordkette oder auf den Patscherkofel gefahren. Daran schloß sich dann in einem Hotel eine Kaffeetafel an, wobei die Jünger stets in nächster Nähe des HERRN saßen. etwas entfernter die auswärtigen Gäste und abschließend die Bergbewohner. Das war natürlich für uns alle ein glückliches und frohes Zusammensein.
 
Wir lebten jedoch auf dem Berge nicht abgeschlossen von der Welt. Der HERR liebte es, Reisen zu machen und vor allem wurde oft nach Innsbruck gefahren. Dann wurde im Sommer in der Umgebung gepicknickt, was die Herrschaften besonders liebten und anschließend besuchten wir oft ein Kino, denn der HERR hatte eine Vorliebe für gute Filme. Einmal wurde ein japanischer, als besonders gut bekannter Film gegeben. Als wir uns vor dem Kino die Bilder betrachteten, hörte ich, wie der HERR sagte: ,,Wir gehen nicht hinein, denn Japan ist tot. Der HERR selbst hatte während Seiner schriftstellerischen Tätigkeit Theaterstücke geschrieben, die auch aufgeführt wurden. Er sagte auch unter anderem, daß die großen Erfindungen in Film und Technik erst nach dem Kriege kommen werden. Auch wies Er schon damals darauf hin, daß die Stunde nur noch 45 Minuten hat.
 
Als ich auf den Berg kam, wurde ich des öfteren von verschiedenen Damen privat zum Kaffee eingeladen, aber jedesmal ging ich enttäuscht nach Hause; ich suchte ja und hatte viele Fragen. Da kam mein Vater auf einer Durchreise auf den Berg und besuchte mich. Nun kam Herr Lucien Siffrid jeden Vormittag ins Haus, denn er hatte die Aufgabe, sich der männlichen Besucher anzunehmen. Mein Vater hatte viele Fragen und unterhielt sich sehr angeregt mit ihm. Ich horchte auf, denn da hörte ich ja von den Dingen, nach denen ich suchte. Ich schloß mich nun Siffrids an und habe dadurch sehr viel von Herrn S. gelernt. Während der Feiern kamen immer viele Besucher zu ihm und seiner Frau ins Haus, die ebenfalls viele Fragen hatten. Es wurde auch musiziert und die Stunden dort waren immer sehr wertvoll und bereichernd.
 
Anfang April 1937 planten die Herrschaften eine Reise nach dem Gardasee. Diese Reisen hatten stets einen tiefen Grund und ich hatte gehört, daß der HERR gerade für den Gardasee. eine große Vorliebe besaß und daß Er sich geäußert hatte: ,,Was für JESUS der See Genezareth war, das ist für mich der Gardasee“, und ,,vielen wird hier gegeben und vielen wird hier genommen.“ Ich wurde gefragt, ob ich mitfahren möchte, und da gab es wohl nur ein ,,Ja“. Meine Freude war groß, denn es war immer ein ganz besonderes Erleben, so in nächster Nähe mit den Herrschaften zusammen zu sein.
 
Am 5. April 1937 früh morgens war die Abfahrt. Während der ganzen Reise hatten wir schönstes Wetter und wenn wir in eine Stadt einfuhren, war es wie ein Donnergrollen, das uns entgegenklang. Der HERR sagte dann: ,,Die Wesenhaften begrüßen mich.“ Auf den Spaziergängen kamen die Salamander und Eidechsen ganz nahe zu Ihm. Es war ein solches Schwingen, eine solche Kraft in Seiner Nähe zu verspüren, daß man gar nicht müde wurde. Den Herrschaftswagen fuhr Herr Deubler, den zweiten Herr Kowar aus Prag. In diesem saßen Frau Berninger, Frau Reckleben und ich. Ich war damals Silberkreuzer unter Jüngern und Aposteln, aber es war alles so harmonisch, daß ich keinerlei Abstand wahrnehmen konnte.
 
Unsere Fahrt ging über Bozen nach Gardone, wo wir im Hotel Fasano, ein ruhig gelegenes Hotel am See, Wohnung nahmen. Der HERR war sehr aufgeräumt, was sich auf uns alle rasch übertrug. Herr Kowar wurde zum Mundschenk ernannt und machte seine Sache so gut, daß er zum Reisemarschall avancierte und ich kann jetzt schon vorausschicken, daß er sein Amt zur vollsten Zufriedenheit des HERRN versah.
 
Am nächsten Tag hieß es, daß wir nach dem Mittagessen nach Venedig fahren werden. Wir waren alle freudig erregt - aber wie groß war dann die Enttäuschung. Das vielgerühmte Venedig. Ich sah es zum erstenmal und konnte mich eines Grauens nicht erwehren. Die Gondeln, alle schwarz, erschienen mir wie Särge. Wir setzten keinen Fuß in die Stadt. Die Autos wurden geparkt und wir bestiegen einen Dampfer, mit welchem wir den Canale Grande hinunter fuhren, hinaus zum Lido. Frau MARIA sah vieles feinstofflich, denn Sie sagte: ,,Hier ist alles tot.“ Aber auch vom Lido waren die Herrschaften enttäuscht und wir fuhren am nächsten Tag wieder zurück nach Fasano, das wir alle liebten. Auf dem Schiff äußerten die Herrschaften den Wunsch, daß wir anderen uns doch wenigstens die Stadt ansehen sollten. Trotz aller unserer Einwendungen, daß wir die Herrschaften nicht allein lassen wollten, bestanden Sie darauf, daß wir wenigstens unseren Fuß in die Stadt setzen sollten und fuhren dann allein zur Garage zurück. Auf uns allen aber lag ein großer Druck - es war scheußlich - und wir hatten alle nur den einen Gedanken: nur schnell wieder fort von hier. Später sagte der HERR, daß Venedig im Meere untergehen wird.
 
Auf der Rückfahrt nach Gardone hielten wir dann in Turin. Herr Kowar und ich kauften für ein Picknick ein, während der Herrschaftswagen vorausfuhr. Der Einkauf hatte ziemlich lange gedauert, so daß wir uns beeilen mußten die Herrschaften wiederzufinden. Doch bei uns herrschte solche Freude und solcher Schwung und Herr K. fand mit untrüglicher Sicherheit seinen Weg. Wir trafen die Herrschaften dann auch an einem sehr schönen Platz, und als die Einkäufe ausgepackt wurden, wuchs die Stimmung zusehends. Es gab echte Mortadella, echten Formaggio und dazu ein gutes Glas Wein. Ich kann nur aus meiner Erinnerung sagen, daß ich selten im Leben eine solche Freude empfunden habe und so heiter war, und der HERR sagte auch zu mir: „Frau Westphal, sind Sie in Ihrem Leben schon einmal so glücklich gewesen?“ Dieses Glück mit den Herrschaften zusammen zu sein, hatte ich allerdings noch niemals empfunden.
 
Wir gelangten dann nachmittags gut im Hotel Fasano an und erhielten sogar unsere alten Zimmer wieder, so daß wir uns alle gleich heimisch fühlten. Wir erregten auch Aufsehen und mancher fragte, wer der fremdländische Herr sei. Auch wir Damen fielen auf durch unsere langen Kleider. Doch das sollte wohl so sein.
 
Am nächsten Morgen trafen wir uns alle am Kaffeetisch. In der Nacht war ein schweres Gewitter herniedergegangen, das die Natur nach dem gestrigen sehr heißen Tag erfrischt hatte, und die Sonne stand lachend am Himmel. Nach dem Kaffee schlug Herr Kowar einen Spaziergang vor, und der HERR, von dem man sagte, daß Er nie spazieren ginge, willigte ein; und so machten wir einen schönen Rundgang hinauf zum Platz del Vittorial, wo der Schriftsteller d`Annunzio sein Haus hatte. Dort oben, bei der Kirche, bot sich ein wunderbarer Ausblick. Frau MARIA, die sehr gern Kirchen besichtigte, wurde vom HERRN gefragt,- ob Sie nicht in diese Kirche gehen wolle, aber Sie antwortete: ,,Nein, es ist mir hier zu schmutzig!“ Und Sie setzte sich mit Frau Reckleben auf eine Bank mit dem Rücken zur Kirche. Plötzlich stand Sie auf und sagte zu Frau Reckleben: „Hier kann ich nicht sitzen bleiben, es brennt wie Feuer.“ Wir anderen standen mit dem HERRN vor der Kirche. Es war auch eine eigenartige düster-feierliche Stimmung um uns - es war der Ringschluß eines Geschehens, weshalb der HERR diese Reise machen mußte. In Gedanken versunken traten wir den Rückweg an.
 
Zu Mittag waren wir dann wieder eine fröhliche Tischrunde, denn es war etwas ganz besonderes, mit den Herrschaften essen zu dürfen. Es herrschte immer große Harmonie und es strahlte soviel Liebe und Güte von Ihnen aus, was mit Worten gar nicht erklärt werden kann. Der HERR sagte, daß keine Reise so schön gewesen sei wie diese und Herr Kowar bekam ein besonderes Lob für sein Amt als Reisemarschall. Wie lachte der HERR, wenn Herr K. von seinen abendlichen Ausflügen erzählte, die er unternahm, nachdem wir uns des Abends von den Herrschaften verabschiedet hatten. Es war für uns alle eine echte Zeit der Ausspannung. Gewöhnlich, nach dem Frühstück, setzten sich Frau MARIA und Fräulein IRMINGARD an den See und wir übrigen Damen leisteten Ihnen Gesellschaft. Es wurde erzählt und gelacht, denn Frau MARIA nahm kein Blatt vor den Mund; Sie war oft sehr offenherzig. Der HERR spazierte inzwischen mit den Herren im Garten und gerne gesellten wir uns auch hinzu, denn alles, worüber der HERR sprach, war für uns neuartig, bedeutungsvoll und lehrreich.
 
Der letzte Tag unseres Aufenthaltes im Hotel Fasano war angebrochen. Wir wollten noch eine Motorbootsfahrt über den See machen, denn das Wetter war herrlich, der See ruhig. So fuhren wir dann um die Insel di Garda herum, ein wunderbarer Besitz des Herzogs Borghese, hinüber zum gegenüberliegenden Ufer, wo wir ausstiegen und einen Spaziergang machten. Inzwischen war jedoch eine schwarze Wolkenwand am Horizont aufgezogen, so daß wir sofort den Rückweg antraten. Wir konnten nun einem wundervollen Naturschauspiel beiwohnen. Schwarz stand die Wolkenwand, direkt aus dem Wasser vor uns aufsteigend, so daß der See und die Wolken ineinander übergingen. Der See war noch spiegelglatt, links von uns schien die Sonne. Das war sicher eine Begrüßung der Wesenhaften für die Herrschaften, denn erst als wir wieder am Ufer waren, setzte ein starker Regen ein. Frau MARIA war ersichtlich froh, daß wir wieder am Ufer waren, denn Sie hatte sich sehr unbehaglich im Boot gefühlt, in Erinnerung an Ihre Zeit als Kassandra.
 
Damit die Herrschaften ein wenig allein sein konnten, suchten wir uns einen Platz auf einer kleinen Nebenterrasse unseres Hotels, wo Herr Kowar einige kleine Tische rasch zusammenstellen wollte. Dabei entglitt ihm eine Marmorplatte, die lose auf einem der kleinen Tische gelegen hatte und zerbrach. Traurig hielt er die zerbrochenen Stücke in der Hand, als gerade der HERR hinzutrat und lächelnd sagte: ,,Wie Moses mit den zerbrochenen Gesetzestafeln.“ Wir mußten alle lachen. - Das Hotel besaß auch ein kleines Orchester aber die Musiker spielten recht mäßig. Doch plötzlich mußten wir aufhorchen, denn Wagnermusik klang an unser Ohr, zwar so gut, wie die Musiker sie nie zuvor gespielt hatten. Es war, als ob sie gewußt hätten, wer anwesend war und daß der HERR Wagnermusik besonders liebte.
 
So kam der Abend und mit ihm unser Abschiedsessen. Wir waren alle traurig, daß nun diese wunderbaren Tage zu Ende gingen und unsere Rückreise bevorstand. Früh am Morgen des nächsten Tages fuhren wir gleich nach dem Frühstück ab. Es war richtiges Reisewetter, etwas bedeckt und kühl. Die Wesenhaften sorgten immer für das richtige Wetter und der HERR sagte auch einmal: ,,Wer das nicht merkt, wie die Wesenhaften uns überall begrüßen und alles für Uns bereiten, der ist blind und taub.“ Und so war es auch. 
 
Vom Hotel hatten wir noch einen guten Bordolini und Kaffee für ein Picknick mitgenommen und in Trennte besorgten Herr Kowar und ich noch Zusätzliches, so daß wir, schwerbeladen mit allen möglichen Herrlichkeiten, zurückkamen. Nicht weit hinter Trento wurde gehalten und da es kühl war, blieben die Herrschaften im Wagen sitzen und wir bedienten Sie. Alles klappte wunderbar, und gestärkt ging es weiter, wir wollten abends Zuhause sein. In Innsbruck aßen wir zu Abend und anschließend sahen wir noch einen Film und dann wurde die Heimfahrt angetreten. Damit war diese wunderbare Reise beendet, die ich nie vergessen werde.
Tags darauf, es war ein Sonntag, kam überraschend am Abend der HERR in Begleitung von Fräulein IRMINGARD zu Besuch zu mir. Wir unterhielten uns über die so schöne Reise, als der HERR plötzlich die Frage an mich richtete: ,,Haben Sie irgend etwas empfunden, als wir in Sopra Gardone vor der dortigen Kirche standen?“ Fräulein IRMINGARD fiel ein und sagte: ,,Ja, Frau Westphal hat doch gesagt, daß die Glocken schon wieder bimmelten.“ Der HERR fuhr fort: ,,Dort, auf dem Platz wurden Sie einmal als Hexe verbrannt!“ Ich hörte vom HERRN, daß zur gleichen Zeit, als wir an jenem Morgen auf unserem Rundgang vor der Kirche standen und die düster feierliche Stimmung uns umfing, Frau Manz, ebenfalls in der Gralssiedlung lebend, gleichzeitig das ganze ehemalige Geschehen feinstofflich aufnehmen konnte. Es war für mich die Erfüllung meiner Prophezeiung, die ich in jenem Erdenleben gemacht hatte, als ich auf dem Platze vor der Kirche den Scheiterhaufen besteigen mußte, indem ich ausrief: „Wenn der Menschensohn an dieser Stelle stehen wird, um das Gericht für die getreuen und ungetreuen Diener der Kirche auszuteilen, werde ich an Seiner Seite stehen.“ Der HERR sagte noch zu mir: „Sie haben an meiner Seite gestanden und die Liebe war auch dabei!“ Spontan antwortete ich dann: „Darum mußte - durfte ich diese Reise mitmachen.“ Daraufhin sagte der HERR: „Nein, Sie mußten diese Reise mitmachen, denn es war ein Ringschluß für Sie!“ Nach diesem Gespräch war es mir, als wenn Zentnerlasten von meiner Seele gefallen seien.
 
Am 18. April feierten wir den Geburtstag des HERRN, es war ein Sonntag. Nach der Feierandacht fand eine Gratulationscour in den Trigonsräumen statt. Jeder von uns ging einzeln zum HERRN und gratulierte Ihm und Er hatte für jeden ein gütiges Wort. - Am 19. April hatte dann Frau Berninger Geburtstag, und es war Sitte, die Herrschaften zum Abendessen einzuladen. Ich hatte das große Glück, mit Frau Reckleben auch eingeladen zu werden. Es war wiederum ein großes Erleben für mich. Der HERR erzählte von Seiner Internierung auf der Isle of Man durch die Engländer. Anfang 1914 war der HERR in England und bei Ausbruch des Krieges lange Zeit auf freiem Fuße, da er gute Bekannte hatte. Dann allerdings traten Verschärfungen ein und der HERR kam in ein Internierungslager. Das Lager war sehr groß und die Verpflegung sehr schlecht. Die besten Köche aus vielen Ländern waren ebenfalls dort interniert und sie bereiteten oft ein sehr gutes Essen, da viele Insassen des Lagers Pakete von Zuhause erhielten. Es hätte sonst manchmal sehr schlecht mit den Rationen ausgesehen, die es gab. Ein Brot per Woche, morgens und abends Tee dazu und mittags eine recht frugale Mahlzeit. Aus innerstem Empfinden heraus trank der HERR niemals Tee und eines Tages las Er in einer englischen Zeitung, daß dem Tee etwas zugesetzt sei, um die Männer zu schwächen. Nach Seiner Rückkehr nach Deutschland versuchte der HERR diese Tatsache in einer Zeitung zu veröffentlichen, doch es fand sich keine Zeitung dazu bereit. Von den übrigen Internierten wurde der HERR sehr respektiert und geliebt, und wenn es Streitigkeiten gab, dann wurde Er immer als Schiedsrichter gerufen.
 
Das Leben auf dem Berge war nicht immer leicht und die Umstellung zu einem neuen Menschen verlangte viel Erkennen und Einfühlung. Manches wußte ich nicht, da ich so kurze Zeit dort lebte, aber immer standen die Herrschaften hinter mir und stets erschien Frau Illig im rechten Augenblick, wenn ein anderer Kreuzträger an mich herantrat in einer Sache, die nicht sein sollte. In der Mädchenschule z. B. gab es Dinge, die nicht nach dem Willen von Frau MARIA waren und auch sonst lief manches nicht vorbildlich, wie es eigentlich auf dem Berge eine Selbstverständlichkeit hätte sein sollen. Alle Bewohner der Siedlung waren auf eigenes Bitten gekommen, um in der Nähe des HERRN leben zu dürfen, um Ihm zu helfen bei der großen Umstellung, den neuen Menschen heranzubilden. Und doch stellte sich bald heraus, daß manche glaubten, daß gerade bei ihnen keine Änderung mehr notwendig sei. 
 
Inzwischen war es Sommer geworden, eine neue Reise stand bevor. Ich durfte auch diesmal dabeisein. Herr Deubler fuhr wieder den Herrschaftswagen. Kurt Halseband war Chauffeur des zweiten Wagens, in dem Frau Reckleben und ich saßen. Herr Laute war Reisebegleiter. Am 28. Juli früh um 6 Uhr starteten wir Richtung Arlbergpaß und kurz vor Feldkirch kamen uns Herr Schöneberger und Herr und Frau Kaufmann aus Straßburg im Auto entgegen. Es war eine herzliche Begrüßung und gemeinsam fuhren wir dann nach Staad am Bodensee, wo im Hotel ,,Weißes Rössel“ das Mittagessen bestellt worden war. Es war ein idyllisch gelegenes kleines Hotel mit schönem Garten direkt am See. Alles war mit viel Liebe vorbereitet, die Speisen waren sehr gut und die Suppe erhielt ein Sonderlob vom HERRN. Wir aßen im Garten bei strahlender Sonne, und als es uns allmählich zu warm wurde, kamen tatsächlich ein paar Wolken angesegelt, uns kühlenden Schatten spendend. Es war ein frohes und heiteres Mahl.
 
Nach dem Essen ging es gleich weiter nach St. Gallen, wo verschiedene Kreuzträger besucht wurden und alle trafen sich dann bei Schönebergers zur großen Kaffeetafel. Alle anwesenden Damen teilten sich in die anfallenden Arbeiten und so war die Belastung für Frau Schöneberger erträglich. Nach dem Kaffee zog sich der HERR mit Herrn Laute und Herrn Schöneberger zurück zu Besprechungen, Frau MARIA und Fräulein IRMINGARD plauderten mit uns anderen und ein Teil der Schweizerinnen halfen beim Abwasch. Die Zeit zur Abfahrt war schnell da, und weiter ging es nach Arborn zu Eisenbeiß. Dort war für die Herrschaften und Frau Reckleben das Quartier festlich vorbereitet, auch ein gemeinsames Abendessen für uns alle, doch wußten wir anderen nicht, wo wir übernachten würden. Unsere Quartiere besorgte später Herr Schöneberger im Hotel Schiff in Rorschach.
 
Das Essen war vorzüglich, die Unterhaltung wurde meist von dem Gastgeberehepaar bestritten, was wir Übrigen bedauerten, denn uns war ja nun ein Gespräch des HERRN, von Seiner hohen Warte aus, stets ein großes Geschenk. Nach dem Essen saßen wir noch etwas gemütlich zusammen und Frau MARIA sprach unter anderem über eine frühere Inkarnation der Frau Eisenbeiß.
 
Am nächsten Morgen fuhren wir alle nach St. Gallen. Dort besuchten wir die Stiftskirche und Frau MARIA bemerkte sogleich die große Sauberkeit, die hier herrschte. Die Kirche hat auch das gleichschenklige Kreuz auf der Turmspitze. Im sehr hübschen Stadtpark gingen wir noch spazieren und dann fuhren wir nach Herisau, wo wir vom Ehepaar Schöneberger zum Mittagessen erwartet wurden. Es war wieder eine große Tafel und wieder konnten wir Gemeinsamkeit mit den Herrschaften genießen.
 
Nach dem Essen fuhren wir weiter nach Zürich. Frau MARIA und Fräulein IRMINGARD gingen zu Fräulein Schärer zum Haarwaschen, denn sie war Kreuzträgerin. Der HERR war vorausgefahren zu Gieses, wo wir alle zum Kaffee eingeladen waren. Bei Gieses war es richtig harmonisch und gemütlich und jeder fühlte sich wohl. Im Hotel ,,Eden au Lac“, wo für uns alle Zimmer bestellt waren, fand dann ein richtiges Festessen statt. Alles war aufs Beste vorbereitet und wir alle spürten die vorsorgliche Liebe, die hier gewaltet hatte zum Unterschiede im Hause Eisenbeiß. An dem Festessen nahmen auch viele Kreuzträger aus Zürich und Umgebung teil. Im Anschluß besuchten wir wieder einmal einen guten Film und hernach gab es noch einen guten Schluck in einer hübschen Gaststätte am Zürichsee. Der HERR trank ein Glas Bier und hatte eine große Freude an allem. Die Züricher brachten uns dann alle noch ins Hotel, wo wir fröhlichen Abschied von ihnen nahmen.
 
Am nächsten Morgen fuhren wir mit den Herrschaften in das Geschäft von Herrn Giese in der Bahnhofstraße. Er hatte ein Antiquitätengeschäft. Im Eckfenster desselben, geschmackvoll dekoriert, lag eine aufgeschlagene Botschaft und jeden Tag wurde in derselben eine Seite umgeschlagen. Es kamen noch einmal viele Züricher Kreuzträger dahin, um den HERRN zu begrüßen. Für jeden war Er zu sprechen und für jeden hatte Er ein gütiges Wort. Es war zu sehen, wie Ihn die Menschen liebten und verehrten. Dann unternahmen wir eine Fahrt nach der Kirche Zürich-Enge, nach deren Besichtigung wir in den Park Belvoir fuhren, um noch einen Spaziergang zu machen. Das Mittagessen nahmen wir dann wieder in unserem Hotel ein; diesmal war die Tafelrunde wieder kleiner und wir konnten den Mocca in der Halle nehmen. Es wurde wieder von Inkarnationen gesprochen, aber Frau MARIA schwieg, obwohl der HERR Sie einige male fragte. Die Herrschaften besuchten noch eine Automobilausstellung und anschließend die Kreuzträgerinnen, die im Bahnhofsbuffet angestellt waren. Es war eindrucksvoll, daß die Herrschaften niemanden vergaßen anläßlich dieses Besuches in Zürich.
 
Von Zürich führte uns der Weg nach Mühlheim. Dort besaß Herr Kaufmann eine Druckerei, die während des Jahres 1937 ,,Die Stimmehefte“ herausgab. Wir konnten dieselben besichtigen, was sehr interessant war. Anschließend setzten wir uns an eine Kaffeetafel, die alles bisher Erlebte in den Schatten stellte. Obgleich wir keinen Hunger verspürten, das Angebot war zu verlockend und alles Gebotene mundete herrlich. Frau Kaufmann wollte sich um die Bedienung kümmern, aber Frau MARIA sagte; ,,Frau Kaufmann, Sie setzen sich neben mich.“ Frau Kaufmann stand ratlos da und ich flüsterte ihr zu:
 
,,Setzen Sie sich, ich mache alles.“ Und als ich mit einer Platte zum HERRN kam, sagte Er gütig lächelnd; ,,Frau Westphal, können Sie das auch?“ Ich habe des öfteren vom HERRN solch kleine Bemerkungen vernommen und habe mich darüber gewundert. Es war auch hier eine gelöste, heitere Stimmung. 
 
Als wir dann von Mühlheim nach Arborn zu Eisenbeiß zurückfuhren, war niemand zum Empfang der Herrschaften da. Frau Kirsteiner kam aus der Küche und entschuldigte Frau Eisenbeiß, die noch bei ihrer Toilette war. Schließlich erschien Herr Eisenbeiß und führte die Herrschaften und Frau Reckleben in ihre Zimmer. Ich konnte mich im Zimmer von Frau Reckleben erfrischen. Die begleitenden Herren bemühten sich wieder um unsere Unterkunft. Wir richteten uns und gingen mit dem HERRN und Fräulein IRMINGARD in den sehr schönen Garten. Endlich erschien auch Frau Eisenbeiß und wir warteten auf Frau MARIA, Doch diese kam und kam nicht. Frau Eisenbeiß wurde sichtlich nervös, denn ihre Forellen zerkochten ja. Schließlich, nach einer halben Stunde erschien Frau MARIA - im Reisekleid. Es lag eine ziemliche Spannung in der Luft und es lag wie ein Druck auf uns allen. Das Essen war wieder vorzüglich wie am ersten Abend. Wir trennten uns sehr früh, nachdem wir noch einen kleinen Spaziergang am See gemacht hatten. Durch die Bemühungen des Herrn Kirsteiner erhielten Kurt Halseband und ich Zimmer im Hotel Grauer Bär in Arborn und Herr Deubler und Herr Laute konnten bei Kirsteiners übernachten.
 
Am nächsten Morgen 9 Uhr war Treffpunkt bei Eisenbeiß, es sollte die Rückreise angetreten werden. Herr Schöneberger, der mit uns zurückfahren sollte, erschien nicht zur verabredeten Zeit. Es war schon halb zehn Uhr geworden und auf einen Telefonanruf bei ihm sagte er, daß er noch nicht kommen könne, da noch Patienten im Sprechzimmer säßen. Hierauf fuhren wir dann ohne Herrn Schöneberger fort. Dieser unangenehme Auftakt war kein gutes Omen für diesen Reisetag. In Feldkirch, wo die Herrschaften jemanden besuchen wollten, baten Sie nur, auf Sie zu warten. Es verging eine verhältnismäßig kurze Zeit und die Herrschaften kamen zurück und es sollte weitergefahren werden. Aber oh weh, Frau Reckleben und Kurt Halseband waren inzwischen fortgegangen, um einige Geschenke zu kaufen. Nun mußten wir sie erst suchen. Glücklicherweise fanden wir sie bald in einem Geschäft, aber ehe sie bezahlten und ihre Pakete hatten, verging doch eine gewisse ZeitEs war ein Glück, daß nur ein Weg zum Arlberg führte. Nun ging es in toller Fahrt den Herrschaften nach. Lange holten wir sie nicht ein und fanden Sie dann erst vor dem Arlbergpaß nicht weit von der Straße sitzen und picknicken. Wir setzten uns in die Nähe und aßen auch ein wenig. Die Herrschaften waren eisig und sprachen kein Wort mit uns. Dann ging es weiter in gerader Fahrt nach Innsbruck. Doch auch auf dieser Fahrt verloren wir den Herrschaftswagen aus den Augen, trotzdem Frau Reckleben und ich unausgesetzt aufpaßten, weil die Herren Chauffeure ihren eigenwilligen Stil fuhren, statt rücksichtsvoll aufeinander zu warten. Als wir dann in Innsbruck die Theresienstraße hinunter fuhren, kam uns der Herrschaftswagen bereits entgegen, aber er war leer. Herr Deubler fuhr einfach an uns vorüber und wir wußten nun nicht, wo die Herrschaften waren. Wir überlegten, suchten in einem Kino nach Ihnen, aber es war alles vergeblich. Plötzlich kam mir eine Erleuchtung und ich sagte: ,,Ich weiß, wo die Herrschaften sind.“ Mit Herrn Laute ging ich ins Hotel Theresia und dort, im Garten, saßen die Herrschaften. Herr Laute ging gleich zurück, um Frau Reckleben zu holen, derweil ich hocherfreut auf den Tisch der Herrschaften zuging. Aber wie war Frau MARIA böse. Ich hatte Sie noch niemals so zornig gesehen. ,,Was ist denn mit Euch los, warum besteht keine Harmonie unter Euch?“ In diesem Sinne schalt Frau MARIA! Der HERR saß daneben und sagte kein Wort. Ich schwieg bekümmert, denn ich konnte ja nicht sagen, daß sich die Herren nicht aufeinander einstellten, sondern jeder eigenmächtig ohne Rücksichtnahme handelte. Kurz vor Innsbruck hatte uns dann auch Herr Schöneberger wieder eingeholt, so daß wir im Garten des Hotel Maria Theresia wieder vereint zusammensaßen beim Kaffee. Anschließend gingen wir in einen Film, waren aber sehr niedergeschlagen, daß Frau MARIA so böse auf uns war, während der HERR in Seiner großen Güte kein Wort verlor. Während wir im Kino saßen, ging draußen ein schweres Gewitter nieder, und als wir wieder ins Freie traten, war auch bei den Herrschaften alles vergessen und Sie waren gütig wie immer. So endete diese Reise.
 
Die Reise nach dem Gardasee war so schön, so harmonisch verlaufen, da keiner einEigenwollen in den Vordergrund geschoben hatte. Bei der Schweizer Reise zeigten sich manche unschönen Ansätze von rücksichtslosem Eigenwollen und störten die Harmonie der Gemeinschaft empfindlich. Es war sozusagen der Anfang vom Ende, denn die meisten der Kreuzträger - Jünger und Apostel - die mit uns zusammen waren, auf dem Berge gelebt hatten oder in der Schweiz, verließen den HERRN, ja, einige von ihnen wurden später Feinde. Der einzige Treue ist der Jünger Giese aus Zürich geblieben.
 
Es folgten nun Enttäuschungen auf Enttäuschungen für den HERRN. Die Jünger und Apostel, die dem HERRN Treue geschworen hatten, die den Ring um Ihn bilden sollten, ließen Ihn im Stich. Bis Weihnachten 1934 hatten sie die Treue gehalten, so daß sich der HERR als IMANUEL offenbaren konnte. Aber dann stieg bei ihnen der Dünkel hoch, sie betrachteten sich als Auserwählte und schon nistete sich das Dunkel in ihren Reihen ein und zerstörte das Band der Treue, das sie halten sollten. Schon 1937, als ich auf den Berg kam, fiel mir manches auf, was ich von Jüngern nicht erwartet hatte. Doch jeden Abend besuchte der HERR diese Jünger, um sie zu stützen und zu stärken. Doch verstanden sie dies nicht und bildeten sich darauf noch etwas ein. Wie muß der HERR gelitten haben. ER, der immer eine solche Großmut gegenüber den Unzulänglichkeiten Seiner Umgebung walten ließ. Ein kleines Beispiel; Weihnachten 1937 kam mein Mann für das Weihnachtsfest auf den Berg. Er wollte gerne das Auto auf dem Berge mieten, das gewöhnlich die Gäste vom Bahnhof Schwaz abholte, um mit seiner Familie nach Innsbruck zu fahren. Ich fragte in der Verwaltung deswegen nach und erhielt den Bescheid, daß das nicht mehr möglich sei, da bereits Gäste ankämen. Nach Schwaz hätten wir jederzeit mitfahren können. Kurze Zeit darauf wurde ich zum HERRN gerufen. ER hatte von unserem Wunsch gehört, und da die Erfüllung über die Verwaltung nicht möglich war, bot ER mir einen Seiner eigenen Wagen an. Es machte einen tiefen Eindruck auf mich, daß ER uns diesen Wunsch erfüllen wollte. So war ER immer. Bei dieser Begegnung fiel mir auf, daß der HERR sehr traurig war. ER sprach zu mir von den großen Enttäuschungen, die ER durch Seine Kreuzträger erlitt.
 
Als das Fest des Strahlenden Sternes 1937 nahte, die letzte Feier die der HERR auf dem Berge hielt, mußten wir Bergbewohner uns in eine Liste einschreiben. Die letzten Worte, die der HERR sprach, waren: ,,Nun gehet hin und erlebet. ICH habe Euch nichts mehr zu sagen.
 
Nach der Feier konnte ich in die Wohnung von Halsebands, die schon länger leer stand, einziehen. Die Herrschaften kamen zu mir, um die Wohnung einzuweihen und auch Frau Berninger war dabei. Es wurde ein schöner Abend. Der HERR sprach von Seinen Plänen, wie es einmal auf dem Berge aussehen werde, wenn die irdische Gralsburg stehe.
 
Im Februar 1938 war dann wieder einmal ein Ausflug nach Innsbruck mit anschließender Kaffeetafel im Hotel Kreid, wo der HERR gerne hinging. Vorher wurden für die Siedlung große Einkäufe getätigt. Der HERR sprach wieder von der Zukunft, von Seinen Reisen und daß die Kreuzträger mitfahren würden, für die dort ein Ringschluß war. Dabei sagte ER zu mir; ,,Sie möchten wohl auch wieder mitfahren?“ In dieser Stunde merkte ich Ihm von allen Enttäuschungen nichts an. ER war gütig wie immer.
 
Dann kam der 12. März 1938. Ich kam später vom Mittagessen in die Siedlung zurück. Niemand von den Bergbewohnern war zu sehen, und als ich in die Nähe des Gralshauses kam, zwang mich etwas emporzuschauen. Da sah ich den HERRN auf dem Balkon stehen, regungslos, und weit hinunter ins Tal blicken. Es war erschütternd, die einsame Gestalt zu sehen und der HERR wußte wohl, was Ihn an diesem Tag noch erwartet! Am Nachmittag dann kamen sie, die SA, und holten den HERRN in Schutzhaft. Es war herzzerreißend! Einige Anwohner, darunter Herr Vollmann, Emil Siffrid, Herr Fritsch und auch Herr Swarovski fuhren sofort nach Innsbruck hinterher, um den HERRN zurückzuholen. Man behielt sie über Nacht dort, ließ sie aber am nächsten Tag wieder frei, bis auf den HERRN. Ein oder zwei Tage später sagte uns Herr Siffrid, daß wir die Rede anhören sollten, die Hitler in Innsbruck halten würde. Hitler konnte jedoch kaum sprechen, seine Rede war lahm und er bekam wenig Applaus. Am nächsten Tag stand in der Zeitung, daß er ein Halsleiden habe und kaum sprechen konnte. Der wahre Grund aber war, daß er im Strahle des HERRN stand und deshalb nicht sprechen konnte.
 
In den nächsten Tagen kam dann die SA auf den Berg und nahm alle Bergbewohner in Schutzhaft. Frau MARIA und Fräulein IRMINGARD mußten Ihr Haus verlassen und wurden in den Trigonsräumen untergebracht. Das Büro bezog die SA-Wache und grölte dort bis spät in die Nacht. Oben im 1. Stock. waren die Damen. Frau Illig und Frau Reckleben waren ständig zur Gesellschaft bei Ihnen. Wir aus dem Reihenhaus I mußten unsere Wohnungen ebenfalls verlassen und im Reihenhaus II, oder wo eben noch Platz war, unterkommen. Die Männer kamen alle in ein Massenlager, das im damaligen Schulhaus errichtet worden war. Die SA holten sich von uns alles was sie benötigten, um unten in Vomp Quartiere für sich zu richten; Teppiche, Möbel, Schreibmaschinen, kurz alles, was mobil war. Frau MARIA bedrohten sie mit einer Pistole, Ihren Schmuck herauszugeben. Auch die Autos wurden beschlagnahmt. Wenn wir zum Essen ins Schulhaus gingen, marschierte ein SA-Mann mit Gewehr voran und ein zweiter folgte uns. Post ging überhaupt nicht, wir waren von jeder Verbindung abgeschnitten. Da ich Amerikanerin war, rührten sie bei mir nichts an und so konnte ich manches bewahren und zu mir nehmen, was der SA nicht in die Hände fallen durfte, denn die SA durchsuchte sonst alles, hauptsächlich nach Waffen, um eine Handhabe gegen uns zu haben. Aber sie fanden nichts.
 
In den ersten Tagen unserer Schutzhaft kam mein Bruder, von Wien kommend, auf den Berg. Er war auf einer Geschäftsreise, und da auch er die amerikanische Staatsangehörigkeit besaß, hatte er mehr Freiheit als wir. Es lebten auch sonst noch verschiedene Ausländer auf dem Berg, Tschechen, Holländer und Engländer, und wir schrieben alle an unsere Konsulate und Gesandtschaften, um Klage gegen die Schutzhaft zu führen. Mein Bruder konnte diese Beschwerden mit seiner eigenen Post mitnehmen als er wieder abreiste, da er nicht untersucht wurde. Wir hatten am Abend zuvor alles Notwendige mit ihm besprochen.
 
Am nächsten Morgen, ich fuhr mit ihm, sagte man uns in der Pforte, daß wir uns in Vomp bei der SA melden müßten, auch jedes Auto, das vom Berge kam oder das hinauffuhr, mußte sich unten melden. Wir taten dies auch, - mir persönlich wurde eine Nazifrau zur Bewachung mitgegeben. Mein Bruder und ich hätten nichts mehr besprechen können. Glücklicherweise hatten wir alles besprochen.
 
Nach der Abreise meines Bruders fuhren meine Bewachung und ich hinauf auf den Berg. Die Nazifrau war recht neugierig und stellte verfängliche Fragen. Unter anderem fragte sie, ob auf dem Berge Juden und Neger wohnen dürften. Ich hörte dann meine Stimme, die sagte: „Können Sie einem Chinesen verwehren, sich an einer schönen Blume zu erfreuen? 
 
Bald darauf kam eine neue Anordnung bezüglich der Devisen. Jeder mußte dieselben abliefern, also umtauschen, und dies war bei Todesstrafe geboten. Da auch ich Devisen besaß, wenn auch nicht eigene, meldete ich dieselben an. Ich mußte nun wieder nach Innsbruck fahren, was unten im SA-Quartier angemeldet werden mußte. Als von der Pforte bei uns oben nach unten gerufen wurde, hängte man dort kurzerhand wieder ein, ohne Erlaubnis zu geben. Der SA-Mann jedoch, der die Anmeldung vorgenommen hatte, drehte sich nach mir um und sagte:
 
,,Wenn Sie mir versprechen, nichts gegen mich zu unternehmen, lasse ich Sie auf meine Verantwortung fahren.“ ,,Selbstverständlich kann ich Ihnen das versprechen,“ sagte ich darauf. Er bestellte ein Auto, mein Sohn und ich konnten einsteigen, und ohne unten zu halten fahren. Wir sind ganz einfach durchgefahren. Auf dem Weg nach Innsbruck lief es wie ein Film vor mir ab und es wurde mir gezeigt, was ich zu tun hätte.
 
Mein erster Weg führte zum Rechtsanwalt, der die Interessen des Berges vertrat. Es lief alles wie am Schnürchen und ich konnte alles mit ihm besprechen. Er war auch bereit, die Devisen einzutauschen und wies mir dann den genauen Weg, wie ich zu einem Gespräch mit dem HERRN kommen konnte. Ich folgte genau seinen Anordnungen, und es ebneten sich alle Wege für mich, auch mein Weg zum HERRN. ER kam in ein kleines Zimmer, in welchem ich gewartet hatte, und natürlich war Er in trauriger Stimmung. Auch war ein Wärter im Zimmer geblieben, so daß wir gar nichts Besonderes besprechen konnten, nur konnte ich durch dieses Gespräch eine Verbindung mit Frau MARIA herstellen und Ihr vom Ergehen des HERRN berichten. Ich brachte dem HERRN zwei Flaschen Seines Lieblingsweines mit, weiß aber nicht, ob ER sie auch bekam. Ich selbst war natürlich ebenfalls in sehr gedrückter Verfassung durch all das Schreckliche, was sich abspielte. Es war recht spät geworden, als wir zurückfuhren. Auch hatte ich für den SA-Mann oben eine große Schachtel Zigaretten gekauft, die ich ihm bei unserer Rückkehr überreichte. Ich hörte dann auf dem Berge seine Äußerung dazu: ,,Sie ist doch unsere Feindin und sie hat mir Zigaretten geschenkt!“ - Am nächsten Tag kam dann der Anwalt zu Frau MARIA und es dauerte nicht mehr lange, bis die SA wieder abzog. Der Spuk war also vorüber und ich denke, daß die Beschwerdebriefe ihren Zweck erreicht hatten.
 
Die nächsten Wochen verliefen spartanisch einfach, da die SA ja auch alles Geld mitgenommen hatte. Mein Bruder wußte das, und ehe er wieder nach Amerika fuhr, kam er nochmals auf den Berg und brachte Geld. (nach der Abreise meines Bruders fuhren meine Bewachung und ich hinauf auf den Berg. die Nazifrau war recht neugierig und stellte mir verfängliche Fragen. Sie fragte unter anderem, ob auf dem Berge Juden und Neger wohnen dürfen. Ich hörte dann meine Stimme, die sagte: „Können Sie einem Chinesen verwehren, sich an einer schönen Blume zu erfreuen“-) Im Dezember 1966 starb mein Bruder in München. Es war auf einer Geschäftsreise. Er bekam in Hamburg in unserem Familiengrab ein Gralsbegräbnis, obgleich er nicht versiegelt war.
 
Ein eigenartiger Ausspruch aus der Umgebung des Berges verdient hier noch festgehalten zu werden. Auf einer Fahrt nach Schwaz wurde ich gefragt, ob ich die alte Jaud-Bäuerin, die auch unten zu kaufen hatte, im Wagen mitnehmen würde. Da ich sie gut kannte, entsprach ich dem Wunsche und unterwegs sagte sie plötzlich; ,,Wissen Sie, Frau Westphal, JESUS hatte einen Judas um sich! Der HERR aber hatte viele Judasse!“ Wie wahr und weitsichtig diese Worte waren, hat sich ja später gezeigt in ihrer ganzen Tragik. -
 
Es war Juni geworden und mit ihm kam die gefürchtete SS auf den Berg. Nun lautete der Befehl, daß wir alle innerhalb von zwei Tagen den Berg verlassen müßten, aber es wurden dann doch 4 Wochen daraus, bis der letzte Bergbewohner aus der Siedlung gegangen war. Der Vorgesetzte der SS war ein sehr feiner Mann; die Bergbewohner erhielten während dieser Zeit die Verpflegung durch die SS, die Kinder bekamen Obst und Schokolade geschenkt, man war sehr hilfsbereit. Auch Befehle wurden von ihm nicht immer ausgeführt, so der Befehl, daß alle Bücher, die auf dem Berge lagerten, eingestampft werden sollten. Aber was tat der SS-Führer? Er ließ alle Kisten öffnen und dann bekannt machen: ,,Wer Bücher haben will, der hole sie sich!“ Natürlich holten wir soviel wir konnten, auch SS-Männer kamen und gingen mit vielen Büchern unter dem Arm fort. Viele begannen zu lesen und manche erkannten die Botschaft. Die Schweizer hatten der deutschen Regierung eine Summe Geldes geboten, daß die Bücher freigegeben wurden, aber sie mußten sofort in die neutrale Schweiz abtransportiert werden. Ich erinnere mich genau, wie wir mit den Herrschaftsdamen und einigen Kreuzträgerinnen in Innsbruck saßen und berieten, wie wir das Geld auftreiben sollten. Es gelang uns aber und eine unter uns versetzte sogar ihre Geige, um mithelfen zu können.
 
Gleich als die SS auf dem Berg erschienen war und uns bedeutete, daß alle denselben verlassen müßten, da sie ein Schulungslager hier oben eröffnen würden, rief Frau MARIA den Jünger Müller-Schlauroth zur Hilfe. Herr Müller war höheres Parteimitglied. Er hatte in einem früheren Gespräch mit dem HERRN Diesem seine Absicht geäußert, aus der NSDAP auszutreten. Doch der HERR riet ihm mit dem Bemerken ab, vielleicht könne es einmal im Interesse des Grals notwendig sein, durch den einen oder anderen in dieser Organisation vertreten zu sein. Nun war es soweit! Herr Müller kam sofort. Frau MARIA und Fräulein IRMINGARD mußten als erste den Berg verlassen; der Abschied war herzzerreißend. Doch Herr Müller-Schlauroth stand Ihnen getreulich zur Seite und ebnete die Wege; auch die Möbel der Herrschaften konnten abtransportiert werden. Frau MARIA und Fräulein IRMINGARD wohnten zuerst im Hotel Theresia in Innsbruck. Sie waren nie allein. Frau Reckleben und ihre Tochter waren ständig bei Ihnen. Später wohnten die Damen in einem Hotel auf der Hungerburg, denn die Freilassung des HERRN zog sich in die Länge und ich hörte, daß Sie auch im Hause der Holländer Damen auf dem Berg gewohnt hätten.
 
Herr Müller arbeitete ununterbrochen an der Befreiung des HERRN aus der Schutzhaft, was ihm dann erst im September 1938 gelang, mittels seiner persönlichen Bürgschaft. Der HERR wohnte dann mit der Familie auf dem Gut Schlauroth in Schlesien im Schutze des Herrn Müller. Einige Monate später zogen Sie dann nach Kipsdorf im Erzgebirge auf den Besitz des Jüngers Giesecke, wo der HERR am 6. Dezember 1941 die Erde verließ, Seine Anhänger und Freunde in tiefer Verwirrung zurücklassend. 
 
Die Gralssiedlung auf dem Berge war inzwischen leerer und leerer geworden. Die Nazis boten einigen Bergbewohnern an, oben zu bleiben und für sie zu arbeiten, doch hätten sie dem HERRN abschwören müssen. Aber das tat niemand, wenn auch mancher nicht wußte, wohin er gehen sollte. Herr Halseband und Herr Deubler waren die ersten, die den Berg verließen. Es war auch nicht mehr dasselbe, denn kaum hatte der HERR den Berg verlassen, als sich auch zwei Lager bildeten. Das eine umfaßte die Treuen, das andere jene, die den HERRN verließen. Eine unbeschreibliche Trauer hatte uns erfaßt, denn keiner kannte ja die Entwicklung, die die Sache des Grals nehmen würde. Und als dann der HERR die Erde gar zu früh verlassen hatte, breitete sich große Ratlosigkeit aus, wir waren heimatlos geworden.
 
Zur Zeit der Auflösung des Berges war mein Mann auch wieder auf dem Berg. Die Kinder und ich übersiedelten in die Schweiz, wo die Kinder das Institut auf dem Rosenberg in St. Gallen besuchten. Mein Mann mußte nach Amerika zurück. 1939 kam er nochmals nach Europa, und man war der Meinung, daß der Krieg bald zu Ende sein würde. Im Herbst 1942 mußten wir dann zurück nach Amerika, da große Schwierigkeiten auftraten, denn wir bekamen kein Geld mehr von drüben. Die Verbindungen hörten auf, und es war nur noch möglich, über das State Department in Washington Verbindung zu erhalten. Es war alles ein großes Abenteuer und ich dankte GOTT aus tiefstem Herzen, wenn wir wieder eine Nacht überstanden hatten. Kurze Zeit, bevor Hitler Frankreich überrannte, hatten wir die Reise angetreten. Wir mußten 4 Wochen in Lissabon sitzen und sollten mit dem Flugzeug zurückfliegen und fuhren dann schließlich mit vielen anderen Leuten mit einem kleineren portugiesischen Schiff zurück. Wir kamen wohlbehalten in Baltimore an. Ein neues Leben begann. Man merkte nichts von Krieg, nur daß mein Sohn ein Jahr später zur Marine eingezogen wurde. Er kam auf das größte Kriegsschiff, die ,,North Carolina“, und hat den Krieg überstanden.
 
Alle wohnten wir zerstreut, auseinander, ohne Ausrichtung und Weisung, und erst als Frau MARIA die Aufhebung der Beschlagnahmung des Berges gelungen war, konnten die Getreuen zurückkehren und die Gralssiedlung lebte wieder auf.
 
Auch Frau MARIA mußte viele Enttäuschungen erfahren und oft hat Sie das Geltungsbedürfnis der Kreuzträger gegeißelt, denn Sie wollte ja das begonnene Werk richtig weiterführen. Doch wir Älteren haben es ja zur Zeit des HERRN miterlebt, wie die Höchstberufenen versagten, die Herrlichkeit des HERRN im Erdenkleide zu halten, wie der Ring, der den HERRN schützen und stützen sollte, zersprang und eine Kette von Leiden, Feindschaften und Verfolgung einsetzte, nicht nur durch die Nazis, sondern auch durch ehemalige Anhänger, feindliche Organisationen u. dgl. Als Frau MARIA dann erkrankte und in Innsbruck im Krankenhaus lag, durfte ich Sie einmal besuchen. Mit Tränen in den Augen fragte Sie mich: ,,Frau Westphal, haben mich die Menschen wirklich lieb?“ - Auch Sie vertraute den Menschen nicht mehr!
 
Und heute, wie sieht es heute aus? Vieles, sehr vieles hat sich geändert. Doch auch Fräulein IRMINGARD schulden wir großen Dank, daß Sie die schwere und mühsame Aufgabe übernommen hat, das Werk des HERRN weiterzuführen. Eine neue Generation ist herangereift, sie zeigt andere Denkweisen, hat andere Vorstellungen, andere Pläne. Aber die Botschaft „IM LICHTE DER WAHRHEIT“ ist da! Sie gilt unverändert - für alle Generationen - bis in alle Ewigkeit! Danach haben wir uns auszurichten, nach den Ewigkeitswerten, nicht nach kurzlebigem, menschlichem und fehlbaren Tun! Bitte jeder von uns täglich inständig um Kraft und Stärke, in Treue dem HERRN und Seinem Werk in unermüdlicher Tat zu dienen! Die Weltenuhr geht unbeirrbar ihren Gang und einmal wird uns ihr Schlag zum Gericht rufen - bitten wir um die Kraft, daß wir bereit sind.